Druckschrift 
1 (1830)
Entstehung
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Aber werden wir denn die große Anforderung, die Naturzu durchschauen, ihre tief verborgenen Gesetze mit unserm schwa-chen Verstände zu ergründen, erfüllen können? Wird es uns jegelingen, die unzählbaren Rathsel zu lösen, welche das in seinerGröße unermeßliche, in der Verwickelung seiner Erscheinungenimmer neue Tiefen darbietende Weltgcbäude uns vorlcgt?>Diese Frage wird zwar niemand mit der kühnen Hoffnung, jedie Natur ganz zu ergründen, beantworten; aber wir fühlen dieKraft in uns, immer tiefer cindringend in die Gesetze der Natur,ein Gcheimniß nach dem andern zu durchforschen, und in der Lö-sung einer Aufgabe, die allerdings unendlich ist, immer weiterfortzuschreitcn. Und so wollen auch wir den Versuch wagen, wieweit uns dieses gelingen mag.

Gegenstand der Naturlchrc.

Ich breche diese Vorrede ab, um sogleich den Gegenstand,der uns beschäftigen soll, selbst ins Auge zu fassen. Bei der Be-trachtung der uns umgebenden Welt bemerken wir, daß wir aufeine zweifache Weise uns mit den Gegenständen und Erscheinun-gen, welche wir beobachten, bekannt machen können, daß wir näm-lich theils die Merkmale, wodurch ein Gegenstand sich von demandern unterscheidet, auffassen müssen, theils die Veränderungen,die sich uns zeigen, bemerken, und wie sie auf einander folgen,beobachten müssen, um die Ursachen, warum sie so erfolgen, ken-nen zu lernen. Jenes Bestreben, die gleichartigen und ungleich-artigen Merkmale, welche den Gegenständen dauernd eigen sind,kennen zu lernen, führt zu derjenigen Wissenschaft, welche wirNaturgeschichte oder Naturbeschreibung nennen. Sic hatden Zweck, die gleichartigen oder die einander verwandten Körperim Thierreiche, im Pflanzenreiche und im Mineralreiche kennenzu lehren, sie in ein System zu ordnen und dadurch den Beob-achter ähnlicher Gegenstände in Stand zu setzen, diesen ihrenrichtigen Ort im Systeme, das nach gewissen Merkmalen classi-sicirt, anzuweisen. Die Zoologie, die Botanik, die Mineralogie,beschäftigen sich bloß hiemit, und sofern sie bloß in dem Bezirkeder Naturbeschreibung bleiben, fragen sie nicht nach den Ursachender Veränderungen, welche an den in ihr Gebiet gehörigen Kör-