325
bewirken, und ihm bessere Dinge verheißen. AufSamuel steht jetzt seine Hoffnung. Samuel soll ra-tbcn, helfen, retten. Samuel ist nun sein Gott;Samuel sein Heiland. — Das Weib will ihr ruch-loses Spiel beginnen. Sie zieht den gcheimnißvol-len Kreis, und fängt eben an, ihre Zauberformelnherznmurmcln, und die finstern Mächte zur Hülfeherbei zu rufen. — Ha! was bcgicbt sich da! TieSprache stockt ihr, sie schaudert zusammen, sie bebtan allen Gliedern, und steht wie angcdonncrt. Wasist das? — Etwas Unerwartetes und Unerhörtes.Eine Erscheinung, wie sie sic nie gesehen; eine hohe,lebendige Gestalt, die sie nicht hcraufgcrufcn. Mitwilden Augen starrt sie die Erscheinung an, ihrHaar sträubt sich zu Berge, und ausbrechcnd in ein.gräßliches Zetergeschrei, ruft sie wie eine Verzwei-felnde: „Ha! warum hast du mich betrogen? —Dubist Saul!" — Der König behält die Fassung —entsetzliche Fassung dies! — und ruft ihr zu:„Furchte dich nicht; was stehest du denn?" — DasWeib erwicdcrt: „Ich sehe Götter, d. i. einc^ hohe,angesehene Person aus der Erde heraufstcigen." —Saul, der selbst die Gestalt noch nicht sah, vielleichtweil ihm, wie es bei solchen Zaubereien zu geschehenpflegte, die Augen verbunden waren, fragt die Be-schwörern:: „Wie ist er gestaltet?" Das Weibspricht: „Es kommt ein alter oder bärtiger Mannherauf, und ist bekleidet mit einem seidenen Mantel."Oa merkte Saul, daß cs Samuel war, und bückte