netzen. Ach, das sind nun nicht Thränen mehr,welche die Verzweiflung, sondern Thränen, welchedie innigste Liebe fließen macht. An die Stelle derknechtischen Schrecken ist ein kindliches Beugen undBetrüben, an die des gesetzlichen Zitterns ein stilles,seliges Schämen getreten, das nicht Pein mehr hat.
— Tic Feindschaft gegen das Gesetz ist nun ausseinem Herzen verschwunden. Wie sollte er ein Ge-setz noch hassen, das ihm in keinerlei Weise mehretwas zu Leide thut; das ihn weder mehr schiltnoch zwingt, weder verdammt noch mit Flüchen ihnbelastet. Sein Groll wider das Gesetz ist vielmehrin Liebe zu demselben verwandelt; denn cs ist derAusdruck des Willens dcß, dessen Erbarmung ersein ganzes Heil zu danken hat. Darum hat er jetztLust zum Gesetz und flicht vor der Ucbcrtrctung,wie vor einer Schlange. Er flicht davor, nicht ausäußerem Zwang, sondern aus innerem Drang, nichtaus Furcht vor der Strafe, sondern aus Liebe zuseinem heiligen Manne, dem er um Alles gern zuWillen leben, und dessen Verherrlichung er seinganzes Leben weihen mögte. So ist denn nun diewahrhaftige, göttliche Buße da, die Buße,die unter dem Sonnenschein des Evangeliums aus ^der Liebe quillet, und mit dem Glauben verpaartgeht. Ein wunderbares Sterben ist geschehen. —Tie unglückliche Ehe zwischen dem Gesetz und demSünder ist jetzt auf eine rechtmäßige Weise aufge-löst. Das Gesetz läßt ihn nun in Ruhe; denn er