kalh. Nachbarn. Häusliches Leben der Waldenser. 25
tcsen aber laufen halb nackt und unreinlich am Körper einher,und wenn die Waldenser sich freundlich begrüßen, schleichen ihreNachbarn kalt an sich vorüber. — Hat der Waldenser seinTagewerk vollendet, so findet ihn der Abend an des Nach-bars Thür im vertraulichen Gespräche, kommt er des Sonn-tags aus der Kirche, so sucht er den liebenden Vater auch inder Schöpfung auf. Den Sonntag thcilt er in der Betrach-tung des göttlichen Wortes und der viel ihm bietenden Na-tur. Im Freien beginnen die Spiele der Männer und Ju-gend, das Steintrcffcn, das Laufen, Ringen und die Schieß-übungen, das Flechten und Stricken der im Kreise ver-sammelten Frauen und Mädchen. Nur selten sah ich beideGeschlechter zusammen, oft aber Greife und Kinder in demsel-ben Spiele begriffen.
Das häusliche Leben der Waldenser offenbart unge-mein viel Erfreuliches, denn Einfachheit, Reinlichkeit undOrdnung gewahrt man beim Eintritt in die größte Zahl derWohnungen, drei Tugenden, die in Italien durchweg sonstnicht zu Haufe sind. Die ehelichen Verbindungen werdennur aus ihrem Völkchen geschlossen, denn eine Verbindungmit einem katholischen Thcil geht der Waldenser nicht ein,weil er dadurch für sich und seine Kinder zur katholischenConfession überzugchen verpflichtet ist. Es hat dies das Gute,das derselbe eigcnthümlichc Volksgcist erhalten und genährtwird, und die ehelichen Zwistigkeiten um des Glaubens wil-len, wenn beide Theile streng ihren Obliegenheiten folgen,vermieden werden. Ehetrennungen geschehen selten, nur imFalle eines Ehebruchs, denn jeden sonstigen Unfrieden imHauswesen legt der Prediger bei. Die Hochzeiten werdengewöhnlich als eine wichtige Handlung betrachtet und höchsteinfach, aber fröhlich, begangen, doch hat auch das Beispielder Nachbarn sie hie und da, worüber sich einzelne Predigerbeklagten, zu großen Trink- und Tanzgclagen umgcbildct, wiedies in St. Jean und La Tour namentlich der Fall ist,wo nicht überall dieser einfache Sinn mehr durchblickt. DieMutter ist fast durchgehends die erste Lehrerin der Kinder,und höchst selten ist es, daß ein Waldenser oder eine Wal-dcnserin nicht lesen oder schreiben könnte. Der Vater ist Lehrer
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