Ja, der liebe Gott bindet sich nicht an unsereLehrsätze, und läßt sich in Regeln nicht ein-schnüren. Was Elias zu Zarpath, dasselbe er-fuhr einst Doctor Luther zu Wittenberg. SeinFreund Myconius lag auf dem Sterbebette, undschrieb ihm einen Abschicdsbrief. Luther, da erden Brief gelesen, legte sich eilig auf seine Kniceund Hub an zu beten: »Herr mein Gott, nein,unfern Bruder Myconius dgrfst du noch nichtzu dir nehmen; dein Reich kann ihn nicht mis-sen. Amen.« Und da er gebeten, stand erauf, und schrieb dem kranken Bruder: »Eshat nicht Roth, lieber Myconius, der Herrlasse mich das nicht hören, daß ihr todt seyd.Ihr werdet und ihr dürft nicht sterben. Amen.«Diese Worte machten auf das Herz des krankenMyconius einen gewaltigen Eindruck, und er-schütterten ihn dermaßen, daß das Geschwür inseiner Lunge aufging. Er gcnaß. »Ich Habseuch ja geschrieben,« antwortete Luther aus dasSchreiben, das ihm die Genesung seines Freun-des anzeigte. Hier fällt mir noch ein an-deres Geschichtlcin ein, das ich euch auch nichtverschweigen kann, um seiner Einfalt und Lieb-lichkeit willen. Die Mutter eines vierjährigenMägdleins wurde vor einiger Zeit schwer undtödtlich krank. Die Acrzte hatten sie aufgegc-
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