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Shakspeares Maedchen und Frauen
Entstehung
Seite
224
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lichkeit erchien ihr nie anders als in der abschreckendhässlichen Gestalt eines Kaliban. Die Liebe welcheFerdinand in ihr erregt, ist daher nicht eigentlich naiv,sondern von seliger Treuherzigkeit, von urweltlicher,fast schauerlicher Reinheit. Julias Liebe trägt, wieihre Zeit und Umgebung, einen mehr romantischmittelalterlichen, schon der Renaissance entgegenblü-henden Charakter; sie ist farbenglänzend wie der Hof derScaliere, und zugleich stark wie jene edlen Geschlechterder Lorbardei, die mit germanischem Rlute verjüngtworden, und eben so kräftig liebten, wie sie hassten.Julia repräsentirt die Liebe einer jugendlichen, nochetwas rohen aber unverdorbenen, gesunden Periode.Sie ist ganz durchdrungen von der Sinnenglut und vonder Glaubensstärke einer solchen Zeit, und selbst der kalteModer der Todtengruft kann weder ihr Vertrauen er-schüttern, noch ihre Flamme dämpfen. Unsere Kleo-patra, ach! sie repräsentirt die Liebe einer schon er-krankten Civilisazion, einer Zeit, deren Schönheitschon abwelkt, deren Locken zwar mit allen Künstengekräuselt, mit allen Wohldüften gesalbt, aber auch mitmanchem grauen Haar durchflochten sind, einer Zeit,die den Kelch der zur Neige geht, um so hastiger leerenwill. Diese Liebe ist ohne Glaube und ohne Treue, aberdarum nicht minder wild und glühend. Im ärgerlichenBewusstseyn, dass diese Gluth nicht zu dämpfen ist,giesst das ungeduldige Weib noch Oel hinein, undstürzt sich bachantisch in die lodernden Flammen. Sieist feige und dennoch getrieben von eigner Zerstörungs-lust. Die Liebe ist immer eine Art Wahnsinn, mehr oder