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Shakspeares Maedchen und Frauen
Entstehung
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ders kostbar durch ihre ausgearbeitele Feinheit. Ichkann mirs daher wohl denken, dass er manchmal wieverblüfft stehen blieb vor jenen ungeheuren Schönheiten,die Shakspear gleichsam aus den gewaltigsten Granit-blöcken der Poesie ausgehauen hat... Er betrachtete siegewiss mit ängstlicher Bewunderung, gleich einem Gold-schmied, der in Florenz jene kolossalen Pforten desBaptisterii anstarrt, die, einem einzigen Metalguss ent-sprungen, dennoch zierlich und lieblich, wie ciselirt,ja wie die feinste Bijouterie-Arbeit ausehen.

Wird es den Franzosen schon schwer genug, dieTragödien Shakspears zu verstehen, so ist ihnen dasYerständniss seiner Comödien fast ganz versagt. DiePoesie der Leidenschaft ist ihnen zugänglich; auch dieWahrheit der Charakteristik können sie bis auf einengewissen Grad begreifen: denn ihre Herzen haben bren-nen gelernt, das Passionirte ist so recht ihr Fach, und mitihrem analitischen Verstände wissen sie jeden gegebenenCharakter in seine feinsten Bestandteile zu zerlegen,und die Phasen zu berechnen, worin er jedesmal geratenwird, wenn er mit bestimmten Weltrealitäten zusam-menstösst. Aber im Zaubergarten der ShakspearschenComödie ist ihnen all dieses Erfahrungs-Wissen vonwenig Hülfe. Schon an der Pforte bleibt ihnen derVerstand stehen, und ihr Herz weiss kein Bescheid, undes fehlt ihnen die geheimnisvolle Wünschelrute, derenblosse Berührung das Schloss sprengt. Da schauen siemit verwunderten Augen durch das goldene Gitter,und sehen wie Bitter undEdelfrauen, Schäfer und Schä-ferinnen, Narren und Weise, unter den hohen Bäumen