den man ihm einst anheften wollte, war eben so thö-richt wie ungerecht. Dümas hat freilich in seinen lei-denschaftlichen Scenen hie und da etwas dem Shakspearentlehnt, aber unser Schiller that dieses mit noch weitkühnerem Zugriff, ohne dadurch irgend einem Tadel zuverfallen. Und gar Shakspear selber, wie viel entlehnteer nicht seinen Vorgängern! Auch diesem Dichter be-gegnete es, dass ein sauertöpfiger Pamphletist mit derBehauptung gegen ihn auftrat:«Das Beste seiner Dramensei den altern Schriftstellern entwendet.» Shakspear wirdbei dieser lächerlichen Gelegenheit ein Rabe genannt,welcher sich mit dem fremden Gefieder des Pfauen ge-schmückt habe. Der Schwan von Avon schwieg unddachte vielleicht in seinem göttlichen Sinn «: ich binweder Babe noch Pfau !» und wiegte sich sorglos auf denblauen Fluthen der Poesie, manchmal hinauflächelndzu den Sternen, den goldenen Gedanken des Himmels.
Des Grafen Alfred de Vigny muss hier ebenfalls Er-wähnung geschehen. Dieser Schriftsteller, des englischenIdioms kundig, beschäftigte sich am gründlichsten mitden Werken des Shakspear, übersetzte einige derselbenmit grossem Geschick, und dieses Studium übte auchauf seine Originalarbeiten den günstigsten Einfluss. Beidem feinhörigen und scharfäugigen Kunstsinn, denman dem Grafen de Vigny zuerkennen muss, darf manannehmen, dass er den Geist Shakspears tiefer be-ll orcht und beobachtet habe, als die meisten seinerLandsleute. Aber das Talent dieses Mannes, wie auchseine Denk- und Gefühlart, ist auf das Zierliche undMiniaturmässige gerichtet, und seine Werke sind beson-