Druckschrift 
Shakspeares Maedchen und Frauen
Entstehung
Seite
211
Einzelbild herunterladen
 

21 1

sieh jüngst über diese llässlichkeits-Suclit der Hu-goschen Muse mit sehr treffenden Worten. Sie sagtenemlich : Die Muse des Victor Hugo mahnt mich andas Mährchen von der wunderlichen Prinzessin, die nurden hässlichsten Mann heurathen wollte, und in dieserAbsicht im ganzen Lande das Aufgeboth ergehen liess,dass sich alle Junggesellen von ausgezeichneter Miss-bildung an einem gewissen Tage vor ihrem Schlosse, alsEhekandidaten, versammeln sollten... Da gabs nunfreilich eine gute Auswahl von Krüppeln und Fratzen,und man glaubte das Personal eines Hugosehen Wer-kes vor sich zu sehen... Aber Quasimodo führte dieBraut nach Hause.

Nach Victor Hugo muss ich wieder des AlexanderDumas erwähnen; auch dieser hat dem Verständnissdes Shakspear in Frankreich mittelbar vorgearbeitet.Wenn jener durch Extravaganz im Hässlichen die Fran-zosen daran gewöhnte, im Drama nicht bloss dieschöne Drappirung der Leidenschaft zu suchen, so be-wirkte Dümas, dass seine Landsleute an dem natürli-chen Ausdruck der Leidenschaft grosses Gefallen ge-wannen. Aber ihm galt die Leidenschaft als dasHöchste, und in seinen Dichtungen usurpirte sie denPlatz der Poesie. Dadurch freilich wirkte er desto mehrauf der Bühne. Er gewöhnte das Publikum in die-ser Sphäre, in der Darstellung der Leidenschaften, andie grössten Kühnheiten des Shakspear; und wer ein-mal an Heinrich Hl und Richard Darlington Gefallenfand, klagte nicht mehr über Geschmacklosigkeit imOthello und Richard IH. Der Vorwurf des Plagiats,