Was sie über Portia im Gegensatz zu Shylok sagt, istnicht bloss schön sondern auch wahr. Wollen wir letzte-ren, in üblicher Auffassung, als den Repräsentantendes starren, ernsten, kunstfeindlichen Judäas betrachten,so erscheint uns dagegen Portia als die Repräsentantinjener Nachtblüthe des griechischen Geistes, welche vonItalien aus, im sechszehnten Jahrhundert, ihren holdenDuft über die Welt verbreitete und welche wir nochheute unter dem Namen « die Renaissance » lieben undschätzen. Portia ist zugleich die Repräsentantin des hei-tern Glükes im Gegensätze zu den düstern Missgeschick,welches Shylok repräsentirt. Wie blühend, wie rosig,wie reinklingeqd ist all ihr Denken und Sprechen, wiefreudewarm sind ihre Worte, wie schön alle ihre Bilder,die meistens der Mythologie entlehnt sind! Wie trübe,kneifend und hässlich sind dagegen die Gedanken undReden des Shylok, der im Gegentheil nur alttestamen-talische Gleichnisse gebraucht! Sein Witz ist krampfhaftund ätzend, seine Metaphern sucht er unter den wider-wärtigsten Gegenständen, und sogar seine Worte sindzusammengequetschte Misslaute, schrill, zischend undquirrend. Wie die Personen so ihre Wohnungen. Wennwir sehen, wie der Diener Jehovas, der weder ein Ab-bild Gottes noch des Menschen, des erschaffenen Kon-terfey Gottes, in seinem «ehrbaren Hause» duldet,und sogar die Ohren desselben, die Fenster, ver-stopft, damit die Töne des heidnischen Mummen-schanz nicht hineindringen in sein « ehrbares Haus»...so sehen wir im Gegentheil das kostbarste und ge-schmackvollste Yilleggiatura - Leben in dem schönen Pa-
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