Stämmen. Die Züchtigkeit der Frauen bei Juden undGermanen ist vielleicht von keinem absoluten Werthe,aber in ihrer Erscheinung macht sie den lieblichsten,anmuthigsten und rührendsten Eindruck. Rührend biszum Weinen ist es, wenn z. B. nach der Niederlage derCimbern und Teutonen, die Frauen derselben denMarius anflehen, sie nicht seinen Soldaten, sondernden Priesterinnen der Vesta als Sklavinnen zu übergeben.
Es ist in der That auffallend, welche innige Wahl-verwandschaft zwischen den beiden Völkern der Sitt-lichkeit, den Juden und Germanen, herrscht. DieseWahlverwandschaft entstand nicht auf historischemWege, weil etwa die grosse Familien - Chronik derJuden, die Bibel, der ganzen germanischen Welt alsErziehungsbuch diente, auch nicht weil Juden undGermanen von früh an die unerbittlichsten Feindeder Römer, und also natürliche Bundesgenossen wa-ren : sie hat einen tiefem Grund, und beide Völkersind sich ursprünglich so ähnlich, dass man das ehe-malige Palestina für ein orientalisches Deutschland an-sehen könnte, wie man das heutige Deutschland für dielleimath des heiligen Wortes, für den Mutterboden desProphetenthums, für die Burg der reinen Geistheit hal-ten sollte.
Aber nicht bloss Deutschland trägt die PhysiognomiePalestina’s, sondern auch das übrige Europa erhebtsich zu den Juden. Jch sage erhebt sich, denn die Judentrugen schon im Beginne das moderne Princip in sich,welches sich heute erst bei den europäischen Yölkernsichtbar entfaltet.