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JESSIKA.
zu Belmontet allerlei Missreden über ihn führen, schlägtJessika nicht die Augen nieder, erbleichen nicht dieLippen Jessika’s, sondern Jessika spricht von ihremVater das Schlimmste... Entsetzlicher Frevel! Sie hatkeinGemüth, sondern abentheuerlichen Sinn. Sie lang-weilte sich in dem streng verschlossenen, « ehrbaren »Hause des bittermüthigen Juden, das ihr endlich eineHölle dünkte. Das leichtfertige Herz ward allzusehr an-gezogen von den heiteren Tönen der Trommel und derquergehalsten Pfeife. Hat Shakspear hier eine Jüdinschildern wollen? Wahrlich nein; er schildert nur eineTochter Evas, einen jener schönen Vögel, die, wennsie flügge geworden, aus dem väterlichen Neste fort-flattern zu den geliebten Männchen. So folgte Desde-mona dem Mohren, so Imogen dem Postumus. Dasist weibliche Sitte. Bei Jessika ist besonders bemerkbareine gewisse zagende Schaam, die sie nicht überwindenkann, wenn sie Knabentracht anlegen soll. Vielleichtin diesem Zuge möchte man jene sonderbare Keuschheiterkennen, die ihrem Stamme eigen ist, und den Töch-tern desselben einen so wunderbaren Liebreiz verleiht.Die Keuschheit der Juden ist vielleicht die Folge einerOpposizion, die sie von jeher gegen jenen orientalischenSinnen- und Sinnlichkeitsdienst bildeten, der einst beiihren Nachbaren, den Aegyptern, Phöniziern, Assyrernund Babyloniern in üppigster Blüthe stand, und sich,in beständiger Transformazion, bis auf heutigen Tagerhalten hat. Die Juden sind ein keusches, enthaltsa-mes, ich möchte fast sagen, abstraktes Volk, und in derSittenreinheit stehen sie am nächsten den germanischen