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JESSIKA.
Griechen und Römer hingen begeistert an dem Boden,an dem Vaterlande. Die spätem nordischen Einwande-rer in die Römer- und Griechenwelt hingen an diePerson ihrer Häuptlinge, und an die Stelle des anti-ken Patriotismus trat im Mittelalter die Vasallen treue,die Anhänglichkeit an die Fürsten. Die Juden aber,von jeher, hingen nur an dem Gesetz, an dem ab-strakten Gedanken, wie unsere neueren kosmopoliti-schen Republikaner, die weder das Geburtsland nochdie Person der Fürsten, sondern die Gesetze als dasHöchste achten. Ja, der Kosmopolitismus ist ganz ei-gentlich dem Boden Judäas entsprossen, und Christus,der, trotz demMissmuthe des früher erwähnten Hambur-ger Spezereihändlers, ein wirklicher Jude war, hat ganzeigentlich eine Propaganda des Weltbürgerthums ge-stiftet. Was den Republikanismus der Juden betrifft, soerinnere ich mich im Josephus gelesen zu haben, dass eszu Jerusalem Republikaner gab, die sich den königlich-gesinnten Herodianern entgegensetzten, am muthigstenfochten, niemanden den Namen «Herr » gaben, undden römischen Absolutismus aufs ingrimmigste hass-ten; Freiheit und Gleichheit war ihre Religion. WelcherWahn!
Was ist aber der letzte Grund jenes Hasses, den wirin Europa zwischen den Anhängern der mosaischenGesetze und der Lehre Christi bis auf heutigen Tag ge-wahren, und wovon uns der Dichter, indem er dasAllgemeine im Besondern veranschaulichte, im Kauf-mann von Venedig ein schauerliches Bild geliefert hat?Ist es der ursprüngliche Bruderhass, den wir schon