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Shakspeares Maedchen und Frauen
Entstehung
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JESS1KA.

lechzt, und dabei seine Tochter und seine Dukaten ein-biisst und obendrein verspottet wird. Aber der Geniusdes Dichters, der Weltgeist, der in ihm waltet, stehtimmer höher als sein Privatwille, und so geschah es,dass er in Shylok, trotz der grellen Fratzenhaftigkeit,die Justifikazion einer unglücklichen Sekte aussprach,welche von der Vorsehung, aus geheimnisvollen Grün-den, mit dem Hass des niedern und vornehmen Pöbelsbelastet worden, und diesen Hass nicht immer mitLiebe vergelten wollte.

Aber was sag ich? der Genius des Shakspear erhebtsich noch über den Kleinhader zweierGlaubenspartheien,und sein Drama zeigt uns eigentlich weder Juden nochChristen, sondern Unterdrücker und Unterdrückte, unddas wahnsinnig schmerzliche Aufjauchzen dieser letz-tem, wenn sie ihren iibermüthigen Quälern die zuge-fügten Kränkungen mit Zinsen zurückzahlen können.Von Religionsverschiedenheit ist in diesem Stücke nichtdie geringste Spur, und Shakspear zeigt in Shyloknur einen Menschen, dem die Natur gebietet seinenFeind zu hassen, wie er in Antonio und dessen Freun-den keineswegs die Jünger jener göttlichen Lehre schil-dert, die uns befiehlt unsere Feinde zu lieben. WennShylok dem Manne, der von ihm Geld borgen will,folgende Worte sagt :

Stets trug ichs mit geduldgem Achselzucken,

Signor Antonio, viel und oftermalsHabt ihr auf dem Rialto mich geschmähtLm meine Gelder, und um meine Zinsen ;