DESDEMONA.
Ihr Vater liebte mich, lud oft mich ein.
Er fragte die Geschichte meines LebensVon Jahr zu Jahr; Belagerungen, SchlachtenUnd jedes Schicksal, das ich überstand.
Ich lief sie durch, von meinem KnabenalterBis zu dem Augenblick, wo er gebot,
Sie zu erzählen. Sprechen musst’ ich daVon höchst unglücklichen Ereignissen,
Von rührendem Geschick zu See und Land,Wie in der Bresche ich gewissem Tod’
Kaum um die Breite eines Haars entwischte;Wie mich ein trotz’ger Feind gefangen nahm,Der Sklaverei verkaufte; wie ich michDraus gelöst, und die Geschichte dessen,
Wie ich auf meinen Reisen mich benahm.
Von öden Höhlen, unfruchtbaren Wüsten,Von rauhen Gruben, Felsen, Hügeln, dieMit ihren Häuptern an den Himmel rühren,Hat’ ich sodann zu sprechen Anlass, auchVon Cannibalen, die einander fressen,Anthropophagen, und dem Volke, demDie Köpfe wachsen unter ihren Schultern.
Von solchen Dingen zu vernehmen, zeigteBei Desdemona sich sehr grosse Neigung;Doch riefen Hausgeschäfte stets sie ab,
Die sie beseitigte mit schnellster Hast;
Kam sie zurück, mit gier’gem Ohr verschlangWas ich erzählte. Dies bemerkend, nahmIch eine weiche Stunde wahr, und fandGelegne Mittel, ihr aus ernster BrustDie Bitte zu entwinden : Dass ausführlichIch schild’re ihr die ganze Pilgerschaft,