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doch sein Antlitz in seinen Worten, in seinen Erzäh-lungen, oder wie sie sagt :«in seiner Seele »... unddieses leidende, grossmüthige, schöne, weisse Seelen-antlitz übte auf ihr Herz den unwiderstehlich hinreis-senden Zauber. Ja, er hat Recht, ihr Yater, SeineWohlweisheit der Herr Senator Brabanzio, eine mäch-tige Magie war Schuld daran, dass sich das bangezarte Kind zu dem Mohren hingezogen fühlte und jenehässlich schwarze Larve nicht fürchtete, welche dergrosse Haufe für das wirkliche Gesicht Othellos hielt. . .
Julias Liebe ist thätig, Desdemonas Liebe ist leidend.Sie ist die Sonnenblume, die selber nicht weiss, dasssie immer dem hohen Tagesgestirn ihr Haupt zuwen-det. Sie ist die wahre Tochter des Südens, zart, em-pfindsam, geduldig, wie jene schlanken, grossäugigenFrauenlichter, die aus sanskrittischen Dichtungen solieblich, so sanft, so träumerisch hervorstrahlen. Siemahnt mich immer an die Sakontala des Kalidasa, desindischen Shakspears.
Der englische Kupferstecher, dem wir das vorste-hende Bildniss der Desdemona verdanken, hat ihrengrossen Augen vielleicht einen zu starken Ausdruck vonLeidenschaft verliehen. Aber, ich glaube bereits ange-deutet zu haben, dass der Contrast des Gesichtes unddes Charakters immer einen interessanten Reiz ausübt.Jedenfalls aber ist dieses Gesicht sehr schön, und na-mentlich dem Schreiber dieser Blätter muss es sehrgefallen, da es ihn an jene hohe Schöne erinnert, dieGottlob an seinem eignen Antlitz nie sonderlich gemä-kelt hat und dasselbe bis jetzt nur in seiner Seele sah...