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Shakspeares Maedchen und Frauen
Entstehung
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JULIE.

aufs Ohr, und hört nicht mehr die süssen Betheurun-gen :« Sie spielten jettlich, auf Ehre «...

Ich wage es nicht Shakspear im mindesten zu tadeln,und nur meine Verwunderung möchte ich darüber aus-sprechen, dass er den Romeo erst eine Leidenschaftfür Rosalinde empfinden lässt, ehe er ihn Julien zu-führt. Trotz dem, dass er sich der zweiten Liebe ganzhingiebt, nistet doch in seiner Seele eine gewisseSkepsis, die sich in ironischen Redensarten kundgiebt,und nicht selten an Hamlet erinnert. Oder ist diezweite Liebe bei dem Manne die stärkere, eben weil siealsdann mit klarem Selbsbewusstseyn gepaart ist? Beidem Weibe giebt es keine zweite Liebe, seine Natur ist zuzart, als dass sie zweimal das furchtbarste Erdbeben desGemüthes überstellen könnte. Betrachtet Julie. Wäresie im Stande zum zweiten Male die überschwenglichenSeligkeiten und Schrecknisse zu ertragen, zum zweitenMale aller Angst trotzbietend, den schauderhaften Kelchzu leeren? Ich glaube, sie hat genug am ersten Male,diese arme Glückliche, dieses reine Opfer der grossenPassion.

Julie liebt zum ersten Male, und liebt mit voller Ge-sundheit des Leibes und der Seele. Sie ist vierzehnJahre alt, was in Italien so viel gilt, wie siebzehn Jahrenordischer Währung. Sie ist eine Rosenknospe, dieeben, vor unseren Augen, von Romeos Lippen aufge-küsst ward, und sich in jugendlicher Pracht entfaltet.Sie hat weder aus weltlichen noch aus geistlichen Bü-chern gelernt was Liebe ist; die Sonne hat es ihr gesagt