JULIE. 1 * 21 )
Melancholie bei der ersten Liebe und bei der zweiten...Bei der ersten denken wir, dass unsere Leidenschaftnur mit tragischem Tode endigen müsse, und in derThat, wenn nicht anders die entgegendrohenden Schwie-rigkeiten zu überwinden sind, entschliessen wir unsleicht mit der Geliebten ins Grab zu steigen... Hinge-gen bei der zweiten Liebe liegt uns der Gedanke imSinne, dass unsere wildesten und herrlichsten Gefühlesich mit derZeit in eine zahme 1 Lauheit verwandeln, dasswir die Augen, die Lippen, die Hüften, die uns jetzt soschauerlich begeistern, einst mit Gleichgültigkeit be-trachten werden.. . Ach! dieser Gedanke ist melancho-lischer als jede Todesahnung!... Das ist ein trostlosesGefühl, wenn wir im heissesten Rausche an künftigeNüchternheit und Rühle denken, und aus Erfahrungwissen, dass die hochpoetischen heroischen Leiden-schaften ein so kläglich prosaisches Ende nehmen! . ..
Diese hochpoetischen heroischen Leidenschaften! Wiedie Theaterprinzessinnen gebehrden sie sich, und sindhochroth geschminkt, prachtvoll kostumirt, mit fun-kelndem Geschmeide beladenund wandeln stolz einherund deklamiren in gemessenen Jamben... Wenn aberder Vorhang fällt, zieht die arme Prinzessin ihre Wer-keltagskleider wieder an, wischt sich die Schminke vonden Wangen, sie muss den Schmuck dem Garderobe-meister überliefern, und schlotternd hängt sie sich anden Arm des ersten besten Stadtgerichtsreferendarii,spricht schlechtes Berliner Deutsch, steigt mit ihm ineine Mansarde, und gähnt und legt sich schnarchend
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