JULIE. 13t
und der Mond hat es ihr wiederholt, und wie ein Echohat es ihr Herz nachgesprochen, als sie sich nächtlichunbelauscht glaubte. Aber Romeo stand unter dem Bai-kone und hat ihre Reden gehört, und nimmt sie beimWort. Der Charakter ihrer Liebe ist Wahrheit und Ge-sundheit. Das Mädchen athmet Gesundheit und Wahr-heit, und es ist rührend anzuhören, wenn sie sagt :
Du weisst, die Nacht verschleiert mein Gesicht,
Sonst färbte Mädchenröthe meine WangenUm das, was du vorhin mich sagen hörtest.
Gern hielt’ ich streng auf Sitte, möchte gernYerläugnen, was ich sprach: doch weg mit Förmlichkeit!Sag’, liebst du mich? Ich weiss, du wirst’s bejahn,
Und will dem Worte trau’n; doch wenn du schwörst,So kannst du treulos werden; wie sic sagen,
Lacht Jupiter des Meineids der Verliebten.
0 holder Romeo! wenn du mich liebst:
Sag’s ohne Falsch! Doch dächtest du, ich seiZu schnell besiegt, so will ich finster blicken,
Will widerspänstig seyn, und Nein dir sagen,
So du dann werben willst: sonst nicht um Alles.Gewiss, mein Montague, ich bin zu herzlich;
Du könntest denken, ich sei leichten Sinns.
Doch glaube, Mann, ich werde treuer seynAls sie, die fremd zu thun geschickter sind.
Auch ich, bekenn’ ich, hätte fremd gethan,
Wär’ ich von dir, eh’ ich’s gewahrte, nichtBelauscht in Liebesklagen. Drum vergieb!
Schilt diese Hingebung nicht Flatterliebe ,
Die so die stille Nacht verrathen hat.