OPHELIA. 121
liebte ihren Vater für eine Ratte hielt und ihn todt-stach... Da musste sie ebenfalls von Sinnen kommen!Aber ihr Wahnsinn ist nicht so schwarz und brütenddüster wie der Hamletische, sondern er gaukelt, gleich-sam besänftigend, mit süssen Liedern, um ihr krankesHaupt... Ihre sanfte Stimme schmilzt ganz in Gesang ,und Blumen und wieder Blumen winden sich durch allihr Denken. Sie singt und flechtet Kränze und schmücktdamit ihre Stirn, und lächelt mit ihrem strahlendenLächeln, armes Kind!. ..
Es neigt ein Weidenbaum sich über’n Bach,
Und zeigt im klaren Strom sein grünes Laub,
Mit welchem sie phantastisch Kränze wandVon Hahnfuss, Nesseln , Maasslieb, Kukuksblumen.
Dort, als sie aufklomm, um ihr LaubgewindeAn den gesenkten Aesten aufzuhängen,
Zerbrach ein falscher Zweig, und niederfielenDie rankenden Trophäen und sie selbstIns weinende Gewässer. Ihre KleiderVerbreiteten sich weit, und trugen sieSirenengleich ein Weilchen noch empor,
Indess sie Stellen alter Weisen sang,
Als ob sie nicht die eigne Noth begriffe,
Wie ein Geschöpf, geboren und begabtFür dieses Element. Doch lange währt’ es nichtBis ihre Kleider, die sich schwer getrunken ,
Das arme Kind von ihren MelodienHinuntergezogen in den schlamm’gen Tod.
Doch was erzähl ich Euch diese kummervolle Ge-
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