108
KOENIGLX CATHARINA. v
I P
armen König Heinrich von ihr losriss, sondern der En- ^
thusiasmus, womit sich irgend ein damaliger Dr. John-
son über die treue, würdevolle und fromme Catharina ^
aussprach. Hat vielleicht Thomas Morus, der bei all’seiner Vortrefflichkeit etwas pedantisch und ledern undunverdaulich wie Dr. Johnson war, zu sehr die Königinin den Himmel erhoben? Dem wackern Kanzler freilich
kam sein Enthusiasmus etwas theuer zu stehen; der 11
König erhob ihn deshalb selbst in den Himmel.
Ich weiss nicht, was ich am meisten bewundern soll:dass Catharina ihren Gemahl ganze fünfzehn Jahre lang ^
ertrug, oder dass Heinrich seine Gattin während so lan- ^
ger Zeit ertragen hat? Der König war nicht bloss sehr N
launenhaft, gähzornig und in beständigem Widerspruch fa
mit allen Neigungen seiner Frau — das findet sich in | fei
vielen Ehen, die sich trotz dem, bis der Tod allem Zank «
ein Ende macht, aufs Beste erhalten — aber der König
war auch Musiker und Theolog, und beides in vollendeterMiserabilität. Ich habe unlängst als ergötzliche Kurio-sität einen Choral von ihm gehört, der eben so schlechtwar wie sein Traktat de septem sacramentis. Er hat gewissmit seinen musikalischen Compositionen und seinertheologischen Schriftstellerei die arme Frau sehr beläs-tigt. Das Beste an Heinrich war sein Sinn für plastischeKunst, und aus Vorliebe für das Schöne, entstanden viel-leicht seine schlimmsten Sympathien und Antipathien.Catharina von Arragonien war nämlich noch hübsch inihrem vier und zwanzigsten Jahre, als Heinrich achtzehnJahralt war und sie heirathete, obgleich sie die Wittweseines Bruders gewesen. Aber ihre Schönheit hat wahr-