K0EMG13 MARGARETHA.
93
und Schottlands gesehen; ich hatte mehr angestaunt alsbegriffen. Erst auf meiner Rückreise, als ich von Yorknach Manchester ging, die Insel in ihrer Breite durch-schneidend, empfing ich eine wahrhafte AnschauungEnglands Es war eines Morgens, bei feuchtem Nebel;das Land erschien mir nicht bloss umgeben, sondernüberschwemmt vom Ocean. Eine bleiche Sonne färbtekaum die Hälfte der Landschaft. Die neuen ziegelrothenHäuser hätten allzu schroff gegen die saftig grünen Rasenabgestochen, wären diese schreienden Farben nicht vonden flatternden Seenebeln gedämpft worden. Fette Wei-denplätze, bedeckt mit Schafen, und überragt von denflammenden Schornsteinen der Fabriköfen. Viehzucht,Ackerbau, Industrie, alles war in diesem kleinen Raumezusammengedrängt, eins über das andre, eins das an-dre ernährend; das Gras lebte vom Nebel, das Schafvom Grase, der Mensch von Blut.
«Der Mensch, in diesem verzehrenden Clima, wo erimmer von Hunger geplagt ist, kann nur durch Ar-beit sein Leben fristen. Die Natur zwingt ihn dazu.Aber er weiss sich an ihr zu rächen; er lässt sie selberarbeiten; er unterjocht sie durch Eisen und Feuer.Ganz England keucht von diesem Kampfe. Der Menschist dort wie erzürnt, wie ausser sich. Seht dieses rotheGesicht, dieses irrglänzende Auge... Man könnte leichtglauben, er sei trunken. Aber sein Kopf und seineHand sind fest und sicher. Er ist nur trunken vonBlut und Kraft. Er behandelt sich selbst wie eineDampfmaschiene, welche er bis zum Uebermassmit Nahrung vollslopft, um so viel Thätigkeit und