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die antiken Bildhauer, nur nach Schönheit und Adelrangen, und auf Kosten des Gehaltes die Form ver-herrlichten, richtete Shakspear sein Augenmerk zu-nächst auf Wahrheit und Inhalt; daher seine Meister-schaft der Charakteristik, womit er nicht selten, an dieverdriessliehste Karikatur streifend, die Helden ihrerglänzenden Harnische entkleidet und in dem lächerlich-sten Schlafrock erscheinen lässt. Die Kritiker, welchefroilus und Cressida nach den Prinzipien beurtheilten,die Aristoteles aus den besten griechischen Dramen ab-strahirt hat, mussten daher in die grössten Verlegen-heiten, wo nicht gar in die possirlichsten Irrthümer,gerathen. Als Tragödie war ihnen das Stück nicht ernst-haft und pathetisch genug; denn alles darin ging so na-türlich von statten, fast wie bei uns; und die Heldenhandelten eben so dumm , wo nicht gar gemein, wiebei uns; und der Hauptheld ist ein Laps und die Heldineine gewöhnliche Schürze, wie wir deren genug unterunseren nächsten Bekannten wahrnehmen... und gar diegefeiertesten Namenträger, Renomeen der heroischenVorzeit, z. B. der grosse Pelide Achilles , der tapfereSohn der Thetis, wie miserabel erscheinen sie hier!Auf der andern Seite konnte auch das Stück nicht füreine Komödie erklärt werden ; denn vollströmig flossdarin das Blut, und erhaben genug klangen darin dielängsten Reden der Weisheit, wie z. B. die Betrachtun-gen, w elche Ulysses über die Notliwendigkeit der Aucto-ritas anstellt, und die bis auf heutige Stunde die grössteBeherzigung verdienten.
Nein, ein Stück, worin solche Beden gewechselt