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CRESSIDA.
geren, hinabsinkend, endlich ihm selber als süsse Buhleanheimfällt.
Nicht ohne mancherlei Gründe habe ich an der Pfortedieser Gallerie das Bildniss der Cressida aufgestellt.Wahrlich nicht ihrer Tugend wegen, nicht weil sie einTypus des gewöhnlichen Weiberkarakters, gestatteteich ihr den Vorrang vor so manchen herrlichen Ideal-gestalten Shakspear’scher Schöpfung; nein, ich eröffnetedie Reihe mit dem Bilde jener zweideutigen Dame, weilich, wenn ich unseres Dichters sämmtliche Werke her-ausgeben sollte, ebenfalls das Stück, welches den NamenTroilus und Cressida führt, allen andern voranstellenwürde. Steevens, in seiner Prachtausgabe Shaksepar’s,thut dasselbe, ich weiss nicht warum; doch zweifleich, ob dieselben Gründe, die ich jetzt andeuten will,auch jenen englischen Herausgeber bestimmten.
Troilus und Cressida ist das einzige Drame vonShakspear, worin er die nämlichen Heroen tragiren lässt,welche auch die griechischen Dichter zum Gegenstandihrer dramatischen Spiele wählten; so dass sich uns,durch Vergleichung mit der Art und Weise, wie diealtern Poeten dieselben Stoffe behandelten, das Ver-fahren Shakspear’s recht klar offenbart. Während dieklassischen Dichter der Griechen nach erhabenster Ver-klärung der Wirklichkeit streben, und sich zur Idealitätemporschwingen, dringt unser moderner Tragiker mehrin die Tiefe der Dinge; er gräbt mit scharfgewetzterGeistesschaufel in den stillen Boden der Erscheinungen,und entblösst vor unseren Augen ihre verborgenen Wur-zeln. Im Gegensatz zu den antiken Tragikern, die, wie