langweilig süss-säuerliche Grimassen, lind greint, unddreht sich und windet sieh auf dem Gebärstuhl desGedankens; und wenn er endlich mit dem guten Einfallniedergekommen, dann betrachtet er gerührt die Na-belschnur, und lächelt erschöpft, wie eine Wöchnerinn.Es ist in der That eine eben so verdriessliche wie kurz-weilige Erscheinung, dass grade unser schwächlicherpietistiseher Franz den Shakspear commentirt hat. Ineinem Lustspiel von Grabbe ist die Sache aufs ergötz-lichste umgekehrt : Shakspear, welcher nach dem Todein die Hölle gekommen, muss dort Erläuterungen zuFranz Iiorn’s Werken schreiben.
Wirksamer als die Glossen und die Erklärerei unddas mühsame Lobhudeln der Commentatoreu, war fürdie Popularisirung Shakspear’s die begeisterte Liehe,womit talentvolle Schauspieler seine Dramen aufführ-ten, und somit dem Urtheil des gesammten Publikumszugänglich machten. Lichtenberg, in seinen Briefen ausEngland, giebt uns einige bedeutsame Nachrichten überdie Meisterschaft, womit, in der Mitte des vorigen Jahr-hunderts, auf der Londoner Bühne die Shakspear’schenCharaktere dargestellt wurden. Ich sage Charaktere,nicht die Werkein ihrer Ganzheit; denn bis auf heutigerStunde haben die brittischen Schauspieler im Shak-spear nur die Charakteristik begriffen, keineswegs diePoesie, und noch weniger die Kunst. Solche Einseitig-keit der Auffassung findet sich aber jedenfalls in weitbornirterem Grade bei den Commentatoren, die durchdie bestäubte Brille der Gelehrsamkeit nimmermehr imStande waren, das Allereinfachste, das Zunächstlie-