ganzes Leben hindurch mit dem Studium desselben be-schäftigte und zu seinen eifrigsten Anbetern gehört,war ein schwachmatischer Pietist. Aber vielleicht ebendas Gefühl seiner eigenen Seelenmattigkeit erregte beiihm ein beständiges Bewundern Shakspear’scher Kraft,und wenn gar manchmal der brittische Titane in seinenleidenschaftlichen Scenen den Pelion auf den Ossaschleudert und bis zurHimmelsburg hinanstürmt : dannfällt dem armen Erläuterer vor Erstaunen die Feder ausder Hand, und er seufzt und flennt gelinde. Als Pietistmüsste er eigentlich, seinem frömmelnden Wesen nach,jenen Dichter hassen, dessen Geist, ganz getränkt vonblühender Götterlust, in jedem Worte das freudigsteHeidenthum athmet; er müsste ihn hassen, jenen Be-kenner des Lebens, der,' dem Glauben des Todes heim-lich abhold , und in den süssesten Schauern alter Hel-denkraft schwelgend, von den traurigen Seligkeiten derDemuth und der Entsagung und der Kopfhängereinichts wissen will! Aber er liebt ihn dennoch , und inseiner unermüdlichen Liebe möchte er den Shaskspearnachträglich zur wahren Kirche bekehren ; er eommen-tirt eine christliche Gesinnung in ihn hinein : sey esfrommer Betrug oder Selbsttäuschung, diese christlicheGesinnung entdeckt er überall in den Shakspear’sehenDramen, und das fromme Wasser seiner Erläuterungenist gleichsam ein Taufbad von fünf Bänden, welches erdem grossen Heiden auf den Kopf giesst.
Aber, ich wiederhole es, diese Erläuterungen sindnicht ganz ohne Geist. Manchmal bringt Franz Horneinen guten Einfall zur Welt; dann schneidet er allerlei