Ja, wo solche Stellen , da bekundet Shakspear auch inder Sprache eine bestimmte Eigentümlichkeit, die aberder metrische Uebersetzer, der mit gebundenen Wort-füssen dem Gedanken nachhinkt, nimmermehr getreuabspiegeln kann. Bei dem metrischen Uebersetzer ver-lieren sich diese ausserordentlichen Stellen in dem ge-wöhnlichen Gleise der Theatersprache, und auch HerrSchlegel kann diesem Schicksal nicht entgehen. Wozuaber die Mühe des metrischen Uebersetzens, wenn ebendas Beste des Dichters dadurch verloren geht, und nurdas Tadelhafte wiedergegeben wird? EineUebersetzungin Prosa, welche die prunklose, schlichte, naturähn-liche Keuschheit gewisser Stellen leichter reproduzirt,verdient daher gewiss den Vorzug vor der metrischen.
In unmittelbarer Nachfolge SchlegeFs hat sich HerrL. Tieck als Erläuterer Shakspear’s einiges Verdienst er-worben. Dieses geschah namentlich durch seine dra-maturgischen Blätter, welche vor vierzehn Jahren inder Abendzeitung erschienen sind, und unter Theater-liebhabern und Schauspielern das grösste Aufsehenerregten. Es herrscht leider in jenen Blättern ein breit-beschaulicher, langwürdiger Belehrungston, dessensich der liebenswürdige Taugenichts , wie ihn Gutzkownennt, mit einer gewissen geheimen Schalkheit be-flissen hat. Was ihm an Kenntniss der klassischenSprachen, oder gar an Philosophie, abging, ersetzte erdurch Anstand und Spasslosigkeit, und man glaubt SirJohn auf dem Sessel zu sehen, wie er dem Prinzen eineStandrede hält. Aber trotz der weitbaiischigen, doktri-nellen Gravität, worunter der kleine Ludwig seine phi-