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Shakspeares Maedchen und Frauen
Entstehung
Seite
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seiner charakterlosen Kunstfertigkeit kann er sieh demfremden Geiste ganz liebevoll und treu anschmiegen.

Indessen, ich gestehe es, trotz dieser Tugenden,möchte ich zuweilen der alten Eschenburgsehen Ueber-setzung, die ganz in Prosa abgefasst ist, vor der Schic-geloschen den Vorzug ertheilen, und zwar aus folgendenGründen :

Die Sprache des Shakspear ist nicht demselben eigen-thümlich, sondern sie ist ihm von seinen Vorgängernund Zeitgenossen überliefert; sie ist die herkömmlicheTheatersprache, deren sich damals der dramatischeDichter bedienen musste, er mochte sie nun seinemGenius passend finden oder nicht. Man braucht nurflüchtig in Dodsleys Collection of old plays zu blättern,und man bemerkt, dass in allen Tragödien und Lust-spielen damaliger Zeit dieselbe Sprechart herrscht, der-selbe Euphuismus, dieselbe Uebertreibung der Zierlich-keit, geschraubte Wortbildung, dieselben Conzetti,Witzspiele, Geistesschnörkeleien , die wir ebenfalls beiShakspear finden, und die von beschränkten Köpfenblindings bewundert, aber von dem einsichtsvollen Le-ser, wo nicht getadelt, doch gewiss nur als eine Aeusser-lichkeit, als eine Zeitbedingung, die noth wendiger Weisezu erfüllen war, entschuldigt werden. Nur in den Stel-len, wo der ganze Genius von Shakspear hervortritt,wo seine höchsten Offenbarungen laut werden, da streifter auch jene tradizionelle Theatersprache von sich ab,und zeigt sich in einer erhaben schönen Nacktheit , ineiner Einfachheit, die mit der ungeschminkten Naturwelteifert und uns mit den süssesten Schauern erfüllt.