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Shakspeares Maedchen und Frauen
Entstehung
Seite
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dazu nicht bloss eine gewöhnliche Notizenkunde, son-dern auch das Anschauungsvermögen des Dichters, dem,wie Shakspear sagt, « das Wesen und der Körper ver-schollener Zeiten» sichtbar geworden.

Und ihm waren sie sichtbar, nicht bloss die Erschei-nungen seiner eigenen Landesgeschichte, sondern auchdie, wovon die Annalen des Alterthums uns Kunde hin-terlassen haben, wie wir es mit Erstaunen bemerkenin den Dramen, wo er das untergegangene Römerthummit den wahrsten Farben schildert. Wie den Ritterge-stalten des Mittelalters, hat er auch den Helden derantiken Welt in die Nieren gesehen, und ihnen befoh-len, das tiefste Wort ihrer Seele auszusprechen. Undimmer wusste er die Wahrheit zur Poesie zu erheben,und sogar die gemüthlosen Römer, das harte nüchterneVolk der Prosa, diese Mischlinge von roher Raubsuchtund feinem Advokatensinn, diese kasuistische Solda-teske, wusste er poetisch zu verklären.

Aber auch in Beziehung auf seine römischen Dramenmuss Shakspear wieder den Vorwurf der Formlosigkeitanhören, und sogar ein höchst begabter Schriftsteller,Didrich Grabbe, nannte sie «poetisch verzierte Chro-niken », wo aller Mittelpunkt fehle, wo man nichtwisse, wer Hauptperson, wer Nebenperson, und wo,wenn man auch auf Einheit des Orts und der Zeit ver-zichtet, doch nicht einmal Einheit des Interesse zufinden sey. Sonderbarer Irrthum der schärfsten Kri-tiker! Nicht sowohl die letztgenannte Einheit, sondernauch die Einheiten von Ort und Zeit mangeln keines-wegs imsenn grossen Dichter. Nur sind bei ihm die