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Pflichten, er mußte sich für eine Partei entscheiden. Seineloyale Gesinnung ließ ihn die Entscheidung zu Gunsten seineskaiserlichen perrn treffen. Damit war der Bruch mit seinemgeistlichen Lserrn, dem Papst, unvermeidlich. Doch geradehier zeigten sich Wilhelms Fähigkeiten. Trotz seines Bundesmit dem Kaiser verlor er nie die nötige Fühlung mit der Kurie,und seinem Streben nach friedlichem Zusammengehen derbeiden Päupter der christlichen Welt ist sicherlich mit zumgroßen Teil die Versöhnung zwischen Papst und Kaiser zuverdanken, die ihrerseits Wilhelm eine ruhmvolle Stellung inder Geschichte sichern sollte. Aus diesen Zusammenhängenlassen sich auch Wilhelms Schwankungen zwischen Kaiserund Papst verstehen, seine Taten beurteilen, seine Handlungenrechtfertigen.
persönlich scheint Wilhelm v. Tnckevort ein untadelhafter,streng sittlicher und echt germanischer Charakter gewesen zusein. Die zeitgenössischen Schriftsteller loben seine Freigebig-keit, seine Pflichterfüllung, seine Weisheit und vielseitigenKenntnisse, die ihn zu den verschiedensten Betätigungenbefähigten. Zovius preist Wilhelms Sittsamkeit, Atenschen-freundlichkeit, Bescheidenheit, Gutmütigkeit und Gerechtigkeitund stellt ihn als leuchtendes Vorbild den italienischen Kar-dinälen gegenüber. Doch war er Realpolitiker genug, umauch gewonnenen Tinfluß für sich auszunutzen: Die be-vorzugte Stellung als nächster Freund und Katgeber desPapstes Adrian behauptete Wilhelm daher eifersüchtig undrücksichtslos, er erschwerte den Zugang zu jenem aufs höchste,von Natur war er sehr langsam, auch in seiner amtlichenStellung.^)
Wilhelm von Tnckevorts Stellung zur Reformation istganz gewiß aus der gegnerischen Seite zu suchen. Tr stand
!) Ludwig Pastor, Geschichte der Päpste seit dem Ausgaug desMittelalters, q. Band, 2. Abt.: Adrian VI. und Clemens Vit., Frei-burg i. B., Dieses soeben während des Druckes erschieneneWerk bietet an zahlreichen Stellen Charakterbilder von Wilhelm vonCnckevort.