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Eisenstuck
Theil wurde. 1832 versetzte man ihn von Neuburg nach München an das Pro-gymnastum, wo er in ein genaueres Verhältniß mit dem aufgeklarten Direktorvon Weiller trat, der ihm unter Andern Tzschirner's „Protestantismus undKatholicismus aus dem Standpunkte der Politik betrachtet" zu lesen gab, undauch sonst durch freie, vernünftige und philosophische Religionsansicht sehr anre-gend auf ihn einwirkte. Das Treiben der finstern Partei, die um diese Zeit mäch-tiger ihr Haupt emporzuheben begann, ward ihm durch Weiller's Sturz sehrverhaßt und verdächtigte ihm desto mehr ihre verzweifelte Sache, je mehr er vonWeiller's gesegnetem Einfluß auf das sittlich-religiöse Wohl der Studienanstalt inMünchen überzeugt war. Oft hatte er schon gegen seine Freunde die Meinung ge-äußert, alle katholischen Dogmatiker — er hatte bis dahin Wiest's Werke, Bren-ner's „Freie Darstellung der Theologie in der Idee des Himmelreichs" und Dob-mayer's Dogmatik (nach letztererrichteten sich dieVorlesungen zuLandshut) gelesen—wären hinsichtlich des traditionnellen Beweises sehr mangelhaft, und man sollte, umdie Einheit des Glaubens durch alle Jahrhunderte zu erhärten, nicht bloß einen undden andern Kirchenvater, sondern die Kirchenväter der Ordnung nach aus allenJahrhunderten für jedes einzelne Dogma aufführen; dies erst gebe einen unum-stößlichen Beweis, daß man von jeher so oder so geglaubt habe. Diese Idee verließihn nicht, und wurde ihm in der Folge ein Hauptanlaß zur Prüfung der sogenann-ten Tradition. Bei seiner Versetzung nach Aschaffenburg in die zweite Gymnasial-clafse (1834), wo er in der Gymnasiumsbibliothek nicht nur die Schriften katho-lischer Dogmatiker, sondern auch der protestantischen Theologen, die Concilien-sammlungen und so vieles Andere reichlich vorfand, sah er sich plötzlich in eineganz neue Welt versetzt. Jetzt wurde manche schon früher gewonnene Idee mitEifer und heißem Triebe weiter verfolgt, und das Hauptresultat dieser sorgfältigenForschungen wurde endlich sein Übertritt zur protestantischen Kirche, der im Mai1838 erfolgte. Außer seiner Rechtfertigungsschrist erschienen von ihm seit seinemÜbertritte vornehmlich folgende: „Uber die Versuche neuerer Zeit, das römisch-ka-tholische Kirchenthum durch ein sogenanntes Urchristenthum der Kirchenväter zubegründen" (Neustadt a. O. 1839); „Das römisch-katholische Meßbuch" (Neu-stadt 1839), das in Baiern verboten wurde; „Römisches Bullarium" (3 Bde.,Neustadt 1831). Kurz vor und nach seinem Übertritt erschien seine „Polymnia" in9 Bdn., ein Werk, das anfangs im Inlande vielen Beifall fand, aber nach demÜbertritte des Verfassers Besorgnisse zu erregen anfing, daß die katholische Jugenddadurch protestantisch gestimmt werden könne, weshalb er bald alle möglichen An-feindungen zu erleiden hatte. Seit dem Oct. 1839 lebt E. an der Seite einer edeln,sehr gebildeten Frau in völliger Zurückgezogenheit zu Rertweinsdorf unweit Bam-berg , nur mit seinen Studien beschäftigt. ' (48)
Eisenstuck (Christian Gottlieb), geboren den 3. Oct. 1773 zu Annaberg,wo sein Vater, ein um das sächsische Erzgebirge vielfach verdienter Mann, Bürger-meister war. Auf dem dortigen Lyceum unter Grimm u. A. gebildet, bezog erOstern 1791 die Universität Leipzig, um die Rechtswissenschaft zu studiren, undvertheidigte nach Vollendung seiner akademischen Studien unter Erhard's Vorsitzdie von ihm verfaßte Dissertation: „Huue jura in »lenclis et eckucanüis Iiberi5secunelum stutum nuturalem et civilem obtineant" (Leipzig 1794, 4.), worin ereine damals namentlich in Frankreich vielfach angeregte Frage auf eine lichtvolle undgeistreiche Weise zur Sprache brachte. Mit dem Herbste desselben Jahres ging er nachGöttingen, und fand in Gatterer, Pütter, Schlözer und Spittler Lehrer, derenVorträge über Geschichte, Staatswissenschaft und Staatsrecht ihn für diese Fächerwahrhaft begeisterten und seinem künftigen Leben somit eine entschiedene Richtunggaben. Zu Anfang 1797 zog er nach Dresden, wo er schon im folgenden Jahreals Rechtskonsulent sich bleibend niederließ. Bei der strengsten Gewissenhaftigkeit