Druckschrift 
Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
Seite
747
Einzelbild herunterladen
 

Dwernicki

747

Durch seine gut combinirten und rasch ausgeführten Bewegungen übertraf er diekühnsten Hoffnungen seiner Landsleute. Er suchte den General Geismar am 14.Febr. auf, fand ihn bei Storzek auf dem rechten Weichselufer, griff ihn, trotz derdoppelten Ubermacht desselben, stürmisch an, warf ihn über den Haufen, nahm ihm11 Kanonen und erfocht den ersten glorreichen Sieg der Polen. Auf demSchlachtfelde traf ihn ein Adjutant des Generalissimus, der ihm befahl, den be-Pulawy über die Weichsel gegangenen General Creutz schleunigst anzugreifen. D.ging über das ganz schwache Eis der Weichsel zurück, vereinigte sich mit den zusam-mengerafften neuen Truppen des Generals Sierawski, fand die Avantgarde derRussen unter dem Fürsten Adam von Würtemberg bei Nowawies, schlug sie am19. Februar und zwang den General Ereutz, über die Weichsel zurückzugehen.Nach der Schlacht von Grochow ward D. nach Volhynien gesandt, als die dorti-gcn Edelleute unter dem Schutz eines polnischen Corps einen Aufstand beginnenwollten. Es wurden ihm von Seiten des Reichstags die bestimmten Vorschriftengegeben, die gesammten Bewohner der Provinzen zur Anerkennung des Reichs-logsbeschlusses zu bringen, der die Revolution für einen Nationalaufstand erklarte,Regierungsbehörden einzusetzen, deren Mitglieder von den Staatsbürgern gewähltmüden, eine bewaffnete Macht zu bilden, Provinzialversammlungen einzufüh-ren, und endlich von den Grundherren Zugestandnisse für ihre Unterthanen zu er-langen. D. ging am 2. Marz bei Pulawy über die Weichsel, schlug auf seinemWegenach Lublin den General Creutz noch einmal bei Kurow am 3., und langteam 4. in Lublin an; 'da aber die Wege zu schlecht waren, als daß er feinen Augnoch Volhynien sogleich hatte fortsetzen können, ging er nach mancherlei Seiten-mrschen bis unter die Kanonen der Festung Jamosc. Dort blieb er bis zum 3.April, begann dann seine Expedition nach Volhynien, ging, nachdem er durch Sei-ünmarsche die Russen über seine Richtung getauscht, am lt. April bei Reglowüber den Bug, zog aber, da er eine sehr kalte Aufnahme in Volhynien zu findenglaubte, längs der galizifchen Grenze hin, um nach Podolien zu kommen, wo erkräftigere Jnsurrectionen zu treffen hoffte. Erst am 17. April ward er gewahr,dop der russische General Rüdiger in diesen Gegenden, statt 7000, wie man ihmversichert hatte, 14,000 Mann stark war, und daß dieser seinen 4000 Mann beiBeresteczko den Übergang über den Styr wehren wolle. D. nahm eine feste Stel-lung bei Boremel. Dort erschien Rüdiger's Corps am 18.; am 19. griff D. esan, warf es und nahm ihm 5 Kanonen, worauf er seinen Übergang über denStyr bewerkstelligte. In Eilmärschen suchte D. nun den nachdringenden Russenzu entkommen, als ihm plötzlich auch der General Krassowski vom Roth'schenCorps den Weg versperrte. D., auf den Aufstand in Podolien im Rücken derRussen Hossend, nahm bei Mokalowka an der galizifchen Grenze eine unangreifbareStellung, in der Abficht, sich hier zu halten, bis die Insurgenten in Podolien ihreDiversionen gemacht haben würden. Die Russen erschienen, jetzt 24,000 Mannstark, mit 56 Kanonen vor seiner Position, manoeuvrirten einige Tage und umgin-gen, als sie ihn aus seiner Stellung zu locken nicht vermochten, in seinem Rückendie östreichische Grenze an die D. nach dem Völkerrechte wie an eine sichereSchutzmauer sich anlehnen zu können geglaubt hatte. Die Vernichtung seinesCorps vor Augen sehend, nach den von Warschau ihm gegebenen Hoffnungenüne freundliche Behandlung von Seiten Ostreichs erwartend, und überzeugt, daßman ihn von dort mit seinem Corps, namentlich unter solchen Umständen, nachPolen entlassen werde, suchte D. in Galizien Schutz. Seine Hoffnungen wurdengrausam getäuscht; er ward entwaffnet, seine Leute mußten als Kriegsgefangenenach Ungarn ziehen, und D. verschwand zum Schmerz seiner Landsleute und fast desganzen civilisi'rten Europa von einem Schauplatze, der für ihn so glorreich gewe-ün, und auf welchem er seinem Vaterlande bereits so große Dienste geleistet hatte.