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Deutsche Literatur im Auslande
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er auch an sich selbst sein mag, müßte völlig umgegossen werden, um zu der festen,sichern Klarheit der Anordnung, zu der Gedrungenheit der Form und dem Lebenund der Elasticität der Bewegung zu gelangen, ohne welche in einem Lande wieEngland, dessen Literatur ihre Richtung und Färbung vorzugsweise von Welt- undStaatsmannern (men af tke warlck aucl of busiuess) erhalten, nichts eine allge-meine Aufmerksamkeit zu gewinnen vermag." Dieser Spleen des englischenReviewers steht jedoch selbst unter seinen eignen Landsleuten jetzt zu einzeln und ab-gesondert da, als daß wir uns durch seine Ansicht, die nur aus individueller Un-kunde hervorgegangen, irre machen lassen könnten; denn daß auch die deutsche Li-teratur keine Professorenliteratur mehr ist und ihre Emancipation aus dem Schul-staube langst erlebt hat, daß auch wir heutzutage sogar in einer gewissen Salons-literatur mehr, als uns selbst wünschenswerth sein muß, Fortschritte gemacht ha-ben, kann dem Englander aus den unzahligen Anzeigen und Auszügen, die vonden „Briefen eines Verstorbenen" fast in allen englischen Blattern gemacht wor-den sind, kaum entgangen sein. An diesen Briefen (,,'^our iu Lnxlanci, Irelauckanc! k>ance, in tlle ^ears 1828 anck 1829 etc., t>^ a German jirince", 2 Bde.,London 1831) haben die Englander, die ihnen einen so rauschenden Beifall ge-spendet, nun ohne Zweifel etwas, das ihren Begriffen von Weltmannsliteraturgemäß sein dürste, obwol freilich das „IVestminster review" Miene gemacht, denDeutschen dies Buch abzusprechen, indem es in einem Artikel darüber seltsamerweisebehauptete, aber nicht bewies, daß der Verf. der „Briefe eines Verstorbenen" nichtder Fürst Pückler von Muskau, sondern ein junger Jrländer sei, der sie im Aus-lande geschrieben und ins Deutsche habe übersetzen lassen. Daß man der deutschenLiteratur keinen Weltton im Auslande zutrauen möchte, wurzelt aber besonders indem allverbreiteten Vorurtheil von unseren träumerischen und mystischen Charakter,das dann auch vornehmlich die Engländer noch vielfach gegen uns hegen mögen, undwelches der hellblickende Verf. des Aufsatzes: „State af Aeriuan literature" (im„IZllintzui-^ll l -eview"), von dem wir oben ausgingen, als den zweiten Hauptpunktder von seinen Landsleuten uns widerfahrenden Vorwürfe aufzufassen und zu be-richtigen sucht. Er kann wol selbst nicht umhin, eine grundthümliche Hinneigungder Deutschen zum Mysticismus zuzugestehen, und mit Recht; aber er weiß zugleichdie vielen gemischten Bestandteile, die man in den Begriff des Mysticismus jenach den verschiedenen Standpunkten zu legen pflegt, von einander zu sichten undihn in seinem Zusammenhange mit wahrhaft wissenschaftlicher Tiefe richtig zuverstehen. Die Bemerkungen aber, die er von diesem Gesichtspunkt aus überdeutsche Philosophie, namentlich über Kant, Fichte und Schelling, daran knüpft,sind an sich ungenügend, obwol gut gemeint, und beweisen auch hier wieder andem Beispiel eines sonst höchst geistreichen Mannes, wie ungeeignet die prakti-schen Engländer, die gegenwärtig gar keine nationale Philosophie haben, noch im-mer für alle Auffassung metaphysischer Spekulation sind.
Einer der thätigsten Übersetzer und Verbreiter der deutschen Literatur inEngland ist gegenwartig Thomas Carlyle, der theils durch seine, freilichsehr dürftig ausgefallene Biographie Schillcr's („3"ke Iiis «s Sclliller, anexamination af Iiis vvarlcs", London 1825; ins Deutfche übersetzt mit einerEinleitung von Göthe, Frankfurt a. M. 1830), theils durch sein Verhältnißzu Göthe, mit dem er über die gegenseitige Annäherung ihrer beiderseitigenNationalliteraturen einen lebhaften Briefwechsel unterhalten, seit einigen Jah-ren auch bei uns bekannter geworden und in dem die Idee einer planmäßigen An-eignung der deutschen Literatur am meisten zum Bewußtsein gekommen zu seinscheint. Früher in Edinburg lebend, zog er sich darauf in die ländliche Einsam-keit einer schottischen Gebirgsgegend zurück, um sich lediglich durch Studien derdeutschen Literatur auszubilden. Außer den vielen und oft sehr eindringlichen
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