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Brasilien
Ordnung mußte man von den frühern 18,500 Mann noch immer 12,000 MannSoldaten beibehalten. Unterdessen war die Zeit der interimistischen Ernennungder Regentschaft abgelaufen; die Kammern (124 Stimmende, darunter 30 Se-natoren) wählten daher am 17. Zun. als Mitglieder der permanenten Regierung:den schon genannten Generalmajor Francisco de Lima e Silva, gewesenes Mit-glied der Regenz, eins der Haupter der Revolution, welcher sich um die Erhaltungder Ordnung in der letzten gefahrvollen Zeit verdient gemacht hatte, mit 81Stimmen; Joze da Costa Carvalho (Rechtsgelehrten, reichen Gutsbesitzerund Deputirten für S.-Paulo, früher Präsident der Deputirtenkammer) mit 75Stimmen; und Joao Brasilio Muniz, einen reichen Grundeigenthümer undDeputirten für Maranhao (noch jung und durch Reisen in Europa gebildet),mit 65 Stimmen. Die neue Regierung vertraute jetzt die Erhaltung der öffent-lichen Ruhe einer provisorischen Bürgerwache an, die von Friedensrichtern ange-führt wurde. Gleichwol gab es schon im Jul. (12. bis 14.) neue Unruhen. DieGarnison lehnte sich gegen die Regierung auf, sodaß sich die Portugiesen auf dieSchiffe flüchteten. Der Grund davon war die feindselige Stimmung der NiedernClassen und eines Theils der Garnison gegen die neuerrichtete Bürgergarde. DasVolk verlangte die Auflösung derselben und die Wiederherstellung des alten Polizei-systems. Nach einigen Straßengefechten bemächtigten sich die Regierungstruppender Dauptaufrührer, und die Ruhe ward wiederhergestellt. In diesen Tagen derUnruhen erklärte sich die Deputirtenkammer für permanent (am 15. Jul.), und derSenat verlegte seine Sitzung in den kaiserlichen Palast, wo die Regentschaft, dieMinister und der Staatsrath ebenfalls ihre Sitzungen hielten. Von hier aus em-pfahlen sie durch Proklamationen dem Volke und den Soldaten das Festhalten ander Constitution und Einigkeit! Hierauf wurden die aufrührerischen Truppen ver-abschiedet, die Rädelsführer bestraft und die Bürgergarden vermehrt. Im Allge-meinen war die Mittelclasse oder der Bürgerftand für die Regierung. Aus den Pro-vinzen MinasGeraes, S.-Paulo, Bahia u. a. kamen Zuschriften an die Regierungmit der Erklärung, daß sie bereit seien, Gut und Blut für die Erhaltung der Con-stitution zu opfern. Die wichtigste war die aus dem Reconcavo von Bahia, mit3000 Unterschriften von Grundbesitzern. *) Darauf erschien (Anfangs August)ein Gesetz gegen Straßcnläufer und Müßiggänger (ein unerhörtes Beispiel unterden Tropen), und der Minister Feijo hob, zum Theil eigenmächtig, die mit derConstitution unvereinbaren Sicherheitsbriefe (cartas 6e Legnro) **) auf. Umjedoch allen Umtrieben der republikanischen Mulattenpartei entgegenzuarbeiten,wurden von einer Specialcommission der Kammern Verbesserungen der Constitu-tion entworfen, und im „Omrio <to (zloverim" (24. Aug.), nebst einem Municipal-gesetze, auch d ie Föderirung der Provinzen und für jede eine Provinziallegislaturvon Deputirten und Senatoren vorgeschlagen. Zugleich bildeten sich Vereine zurHebung des Nationalgeistes, welche die rechtlichen Bürger einander näher brachten,z. B. für den Volksunterricht in Rio, für die Beförderung der Nationalindustrieu. a. Der bedeutendste war die 8ocietia3e Ueiensora 6a llllerdalle e meieren-national, welche sich über das ganze Reich verbreitete. Dagegen fuhr dieultraliberale Partei der revolutionnairen Bewegung fort, durch die Presse des Jour-nalismus „Kova Im?", „lurusiilla", „Lxaltacio", „lAllo 6a lerra", „Sentiuella6a Uäller6a6e na Ulla cias^ollras", vomvr. Baratta) afrikanisch-haitische Grund-sätze und Lobreden auf Robespierre, Marat w. unter den Niedern Classen zu verbrei-ten. Es gelang ihr nur zu gut. Schon am 25., 28. und 29. Sept. mußte die
Hier und im Folgenden haben wir den Bericht in der „Allg. ^Zeitung" von1832, Nr. 28 und 23 benutzt.
**) Eine Art Schutzbriefe, selbst bei Mord, Diebstahl w. gegen Geld auf gewisseZeit, 2 — 8 Monate, erlangbar.