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und Galizien bezogen, die feinere böhmische dagegen noch immer ins Ausland ver-führt wurde. Mit der Baumwollenfabrikation waren 1828 an 1178 Feinspinn-maschinen mit201,116 Spindeln beschäftigt, welche zusammen 18,360 Ctnr.Garnerzeugten. In der Glasfabrikation behauptet Böhmen noch den alten Vorrang.Zur Erleichterung des innern Verkehrs wurde, außer der bereits 1825 begonnenen,jedoch noch nicht ganz vollendeten großen Eisenbahn zwischen Budweis und Lin;(zur Verbindung der Elbe und der Donau), 1828 eine zweite Eisenbahn zwischenPrag und Pilsen angelegt, wovon 1831 bereis 9 Meilen vollendet waren. AuchderStraßenbau wurde mit Thätigkeit betrieben; 1829 zahlte man schon 368 Meilenkunstmäßig ausgebaute Straßen im Lande, und 66 Meilen waren noch im Bau. Dieseit 1827 eingeführten jahrlichen Wollmarkte haben den Erwartungen bisher nichtentsprochen. Anstatt der aufgehobenen Elasten- und Personalsteuer wurde 1829eine allgemeine Verzehrungssteuer (Accise) eingeführt, welche 1831 3—4Mill.,und die damit verbundene Tranksteuer 2 — 3 Mill. Conventionsgulden eintrug.In politischer Beziehung blieb Böhmen unberührt von den Stürmen, welche inden letzten Iahren mehre Lander Europas erschütterten; die Veränderungen, diees auf gesetzmäßigem Wege erfuhr, theilte es mit allen deutschen Erblandern deröstreichischen Monarchie. In der Beschränkung der Macht localer Verwaltungs-behörden, in der Trennung der staatswirthschaftlichen und eines Theils der finan-ziellen Angelegenheiten von dem Wirkungskreise der Landesgubernien, in der Orga-nisirung von besondern, unmittelbar unter der Hofkammer in Wien stehenden Ka-meralgefälleverwaltungen, in der verordneten Zuweisung aller historischen, politi-schen und statistischen Censurgegenstände an die alleinige Polizei- und Censurhof-stelle in Wien, macht sich ein fortwahrendes Centralisationssystem bemerklich.Das Loos des höhern Lehrstandes wurde gebessert, und seine Loyalität durch neueMaßregeln gesichert. Für die Wissenschaft wurden in Böhmen in neuerer Zeit keineneuen, wichtigen Resultate gewonnen; doch offenbarte sich vorzüglich bei dem va-terländischen Museum eine nützliche, patriotische Thätigkeit, und die noch erschei-nenden größern Werke vom Gubernialrath Gerstner („Handbuch der Mechanik",3 Bde., 4., Prag 1831 — 32), und von Professor Kopetz („Allgemeine östreichi-sche Gewerbsgesetzkunde") zeichnen sich durch praktische Tüchtigkeit aus. Die Liebeund Pflege der Kunst blieb den Privatvereinen überlassen, von welchen sowol dieAkademie der bildenden Künste als das prager Conservatorium und das Museumgestiftet wurden. Zu den früher organisirten Vereinen dieser Art kam in den letztenJahren auch ein Verein der Kunstfreunde für Kirchenmusik; ein vaterlandischerGewerbsverein ist noch im Werden. (32)
*Böhmische Literatur. Die bölMsche (cechische) Sprache, welche vor demdreißigjährigen Kriege eine hohe Stufe der Bildung erstiegen hatte, hörte seitdem aus,das Organ böhmischer Volkscultur zu sein. Joseph II. führte dafür in alle Schulenund alle Geschäfte die deutsche Sprache ein; seitdem wird selbst in den Bürgerschulenreinböhmischer Städte nur in deutscher Sprache Unterricht ertheilt. Diese gewalt-same Volksumbildung, welche einerseits den Anbau deutscher Literatur in Böhmeneinheimisch machte, hat andererseits auch die Liebe patriotischer Böhmen zu der be-drängten Muttersprache mächtig angefacht, und so erwachte denn die böhmischeLiteratur, nach fast zweihundertjährigem Schlafe, wieder zu einem, wenn auch nurkümmerlichen Leben. Da der Adel und die Gebildeten im Volke der Sprache ih-rer Vater bereits größtentheils entfremdet waren, so hatten die Schriftsteller dieserNation mit mehr Schwierigkeiten zu kämpfen, als bei irgend einem andern Volke,und es ist wol als Folge nicht blos ihrer beharrlichen Aufopferung, sondern aucheiniger glücklichen Zufälle anzusehen, daß ihr patriotisches Streben jetzt mehr Be-stand und Erfolg zu gewinnen scheint. Mit dem Jahre 1818 begann eine neueund bessere Epoche der böhmischen Nationalliteratur. Die Bekanntmachung der