Druckschrift 
Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
Seite
78
Einzelbild herunterladen
 

>>

> z

78

Amsler

Berlin aus unternahm er mit W. Alexis die Reise übeeDanemark durch Norwegenund Schweden, welche von beiden Schriftstellern desonders, von Alexis in s. „Herbst-reise durchSkandinavien" (Verl. 1828), vonAmpere spater in einzelnen Bruchstückenin der „Revue <IeVaris" beschrieben ist. In sein Vaterland zurückgekehrt, setzte ermit einem für einen Franzosen höchst seltenen Eifer das Studium der nordischenLiteratur fort und wurde, nachdem ihm eine gewünschte Anstellung bei der pariserUniversität als Professor der auswärtigen Literatur, trotz Chateaubriand's Verspre-chen, beim Sturz des Martignac'schen Ministeriums verunglückt, als Professordes Athenäums von Marseille angestellt. Die interessante Eröffnungsrede ist un-ter dem Titel: „De l'llistoire de poesie, discours zirononce ü 1'V.tllenee dsMarseille" (Marseille 1880), erschienen. Nach der Julirevolution ist A. durchCousin zu der gewünschten Stelle nach Paris berufen und versieht sie mit Ehre.Er besitzt den Esprit, der fast jedem gebildeten Franzosen eigenthümlich ist, aberwas ihn auszeichnet, ist die Art, wie er ihn anwendet. Er zersplittert nicht seineKraft durch geistreich witzige Urtheile, ohne die Sache ergründet zu haben, er dringtin dieselbe ein, er studirt, er würdigt, er faßt auch mit Gemüth den Gegenstandauf, und wenn er dann endlich auch das Errungene in glänzenden Tiraden wieder-zugeben sucht, so ist das ja eine Eigenschaft des sich nie verleugnenden Franzosen,die man ihm am willigsten vergibt. (9)

Amsler (Samuel), geb. 1794 zu Schinznach in der Schweiz, erhieltseinen ersten Unterricht in der Kupferstechkunst, der er sich frühzeitig widmete,durch den bekannten und verdienstvollen Lips in Zürich, nach dessen Zeichnun-gen er mehre Blätter ausgeführt hat. 1814 ging er nach München, um unterder Leitung des dortigen Professors Heß sich weiter auszubilden. Ein Blattaus dieser Zeit, eine Magdalena nach Carlo Dolce (in der Münchner Galerie),zeigt bereits einen sehr gewandten Künstler und Kenntniß des Effects, jedoch ohneHervortreten einer Eigenthümlichkeit, welche die spätem Werke auszeichnet. ImSept. 1816 ging er nach Rom. Die großen Werke der Vorzeit und die Regsam-keit einer neuen Schule gaben seinem Talent eine neue und ihm angemessene Rich-tung. Zuerst arbeitete er für Thorwaldsen mehre Blätter nach dessen Skulpturen,unter andern den schönen Hirtenknaben mit dem Hund, und ließ sich durch dieStrenge seines Originals bestimmen, seine Aufgabe darein zu setzen, dieses auf dieeinfachste Weise, und zwar nicht nach dem zufälligen Licht- und Schattenessect, son-dern nach dem inwohnenden Geiste des Erfinders wiederzugeben, sodaß ein ganzrichtiger Contour und leichte aber sichere Bezeichnung aller wesentlichen Theile derErfolg war/chach dem er strebte. In dieser Richtung, das Wesen seiner Kunst indas Auffassen des Charakteristischen feiner Vorbilder zu setzen, und sich dazu derMittel zu bedienen, die in älterer Zeit Marc Anton mit so glücklichem Erfolg be-nutzt hat, bestärkten ihn nicht nur der als Meister seiner Kunst bereits anerkannteRuscheweyh, fondern auch seine Freunde im Gebiete der Malerei, Overbeck und Cor-nelius, mit ihrer bestimmt hervortretenden Eigenthümlichkeit, und er fertigte mit sei-nen auf gleicher Bahn gehenden Genossen, Barth aus Hildburghausen, das schönegroße Titelblatt zu den „Nibelungen", nach einer Federzeichnung von Cornelius(Berlin bei Reimer), außerdem noch das Bildniß des Papstes Pius VII., des franzö-sischen Generalconsuls in Ägypten, Dorvetti, das des Palästrina u. A. m. Auskurze Zeit kehrte A. 1820 nach der Schweiz zurück und blieb dann von 1821 —24 in Rom, fertigte daselbst viele Zeichnungen zu späterer Ausführung, stacheine kleine Madonna nach Rafael und begann das große jetzt beendigte Werk,den Triumphzug des Alexander von Thorwaldsen. Im Mai 1829 wurde A. andie, durch den Tod des berühmten Heß erledigte Stelle als Professor der Kupfer-stechkunst an die königliche Akademie der Künste nach München berufen, wo erjetzt, mit seinen Freunden vom Jahre 1816 wieder vereinigt, einen schönen Wir-

l,'-:

Milche«.

......

'^5,. '

'«-W