Adrianopel (Einnahme und Friede von)
geht. Eine andere Abtheilung unter dem Generalmajor Skewers besetzte Demotiko(eine Stadt von 8000 Einw.) und schlug die Straße nach dem Meerbusen vonEnos ein, um die Verbindung mit dem russischen, 18 Segel starken Geschwaderunter dem Admiral Grafen von Heyden, das vor den Dardanellen in der Nahe vonTenedos kreuzen sollte, zu bewirken. Enos selbst wurde am 20. Aug. vom Gene-ralmajor Siewers mit Capitulation genommen. Noch bedrohte General von RothNodosto, eine befestigte Hafenstadt von 40,000 E. am Marmormeere. Zuletzt am6. Sept. besetzte das zweite Armeecorps unter Pahlen die Stadt Visa, und drang bisSarai, zwei Tagemarsche von Konstantinopel, vor; das sechste Armeecorps, das inAraba-Burgas stand, hatte seine Vorposten bis Kalistran und Tschorli vorgescho-ben. So waren die beiden Straßen, welche von Adrianopel nach Konstantinopelführen — die über Kirkhilifsa und die über Araba-Burgas — in der Gewaltder Russen; ihre linke Flanke war von der Seefeite des schwarzen Meeres, undihre rechte von Enos her und nach Nodosto hin gedeckt. Alle Operationen derrussischen Seemacht aber waren unter die allgemeinen Anordnungen des Oberbe-fehlshabers gestellt. Zu derselben Zeit hatte in Asien der Fall von Erzerum (s. d.)dem russischen Heere das Vordringen nach Trebisonde (Tarabosan, Trapezunt) er-leichtert. Ein Aufgebot des Sultans, das schon am 29. Iul. alle Moslim unter60 Iahren zur heiligen Fahne (Sandshak Sheriss) rief, ward nicht vollzogen. Derallgemeine Unmuth lahmte jeden Aufschwung, und fortwahrende Verschwörungender 1820 nur zum Theil vernichteten Janitscharen nöthigten den Kaiser Mah-mud zu blutigen Hinrichtungen. Er selbst hielt sich zu feiner Sicherheit in demLager von Ramis-Tschistlik auf, wo er ein Heer von 20,000 M. regulairer Trup-pen versammelt hatte. Zugleich ließ er thatig an der Befestigung von Ejub (einemDorfe, oder einer Vorstadt von Konstantinopel) unter Leitung eines englischen In-genieurs arbeiten. Aber auch der russische Oberfeldherr wagte es nicht, mit 50,000M. den Angriff auf Konstantinopel, das 80,000 waffenfähige Manner zahlte, zuunternehmen. Hier konnte der Kampf der Verzweiflung und noch mehr das Ein-schreiten fremder Machte eine gefahrvolle Verwickelung des Friedcnsgeschäfts, wel-ches der Kaiser Nicolaus mit Mäßigung und Großmuth zu beschleunigen suchte,herbeiführen. Überdies dauerte der kleine Krieg am linken Ufer der obern Donaunoch fi/.t, wo die Festung Giurgewo hartnackigen Widerstand leistete; auch hattedie Belagerung von Schumna erst am 31. Aug. begonnen, und zwischen Philippo-poli und Sophia stand das von der Donau herbeigezogene Armeecorps des Paschavon Scutari. Auf der andern Seite zeigte der von allen Seiten bedrängte Sul-tan jetzt weniger Abneigung gegen Rußland; sein Stolz war durch den Fall vonAdrianopel gebeugt, und er vertraute mehr auf die persönliche Großmuth desKaisers Nicolaus als auf den ungewissen Beistand einer entfernten europaischenMacht. Dagegen beförderte der König von Preußen wesentlich den Gang derFriedensunterhandlungen. Hierüber gab die „Preußische allg. Staatszeitung"vom 13. Oct. folgenden Aufschluß: In den Unterredungen, welche der König vonPreußen während der im Sommer 1829 stattgefundenen Anwesenheit des Kaisersvon Rußland in Berlin mit seinem erhabenen Schwiegersöhne über die orientali-schen Angelegenheiten hatte, erklärte der Kaiser sich bereit, zur Beendigung desKrieges Alles, was mit den unabweislichen Interessen seines Reichs irgend verein-bar sei, eifrig beizutragen, sobald die Pforte ernstlich den Frieden nachsuchen würde.Der König sah sich dadurch, mit Einstimmung des Kaisers, bewogen, diese seineÜberzeugung auf entschiedene Weife gegen die Pforte auszusprechen und zugleichden andern Höfen kund zu thun. Der Generallieut. v. Müffling erhielt daher denAuftrag, die Pforte durch die bestimmte Versicherung der unveränderten Friedens-gcneigtheit des Kaisers zu bewegen, daß sie ohne Verzug in das russische Hauptquar-tier Bevollmächtigte zur Einleitung des Friedensgeschäfts abordnete; eine unmit-
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