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Die Alten waren hierin überhaupt nicht allein nachlässig, son-dern besaßen auch nur höchst unvollkommene Meßinstrumente^).Bei einer etwas genauen Ausmessung alter Bauwerke findensich daher die größten Ungleichheiten, die Pfeilerabstände undAbseiten differiren fast immer um einige Zoll, nicht selten be-deutender, ja bei der Kirche zu Simmern bis zu 2 F. Höchstselten sind die Anlagen im Winkel, auch stehen die Sockel undKapitälo niemals unter sich in der Setzwage. Selbst bei de»auf das Beste ausgeführten Gebäuden, z.B. beim Kölner Dom,kommen diese Ungleichheiten nicht nur vor, sondern sind sogarbedeutend.
Die erzbischöfliche Burg, jetzt Fabrik von lackirtenBlechwaaren, wie oben bemerkt, von CrzbischvfHeinrich 1280begonnen, hat außer dem modernen Vorbau, einen altern dichtan diesen stoßenden von Crzbischof Johann von der Leyenaus dem Jahre 1558, so wie eine abermalige Restauration von1681, in erster»! aber die schönste aller dem Verfasser bekann-ten Wendolstiegen. Die noch vorhandenen Gräben zeigen deut-lich den geringen Umfang dieser Fürstenwvhnung.
Der wackere Speckle z. B. in seinem bekannten Werk überBefestigungskunst spricht ganz geheimnisvoll von einem vortreff-lichen Instrument seiner Erfindung zur Aufnahme eines Stadt-berings, theilt dessen Beschreibung als eine besondere Gabe mit,und — was ist es am Ende? Eine gewöhnliche Voussole miteiner eingetheilten Papierscheibe. Ebenso unbekannt waren damalsden Werkmeistern die einfachsten geometrischen Construktionen, jadie Angabe von dergleichen oft ganz unrichtig, wie z, B. dieArt und Weise, die verschiedenen Krümmungen der Gewölbrippenzu bestimmen, worüber der Danziger Werkmeister Manisch eineigenes Buch herausgegeben, in welchem er von einem durchausfalschen Prinzip ausgeht. Sehr ergötzlich ist es daher, wenn manso oft lesen muß, wie die Wölbekunst der Alten auf tiefen mathe-matischen Geheimnissen beruht habe, die leider für die Wissenschastverloren gegangen sehe», Sie besahen nichts, wie einen gesun-den Hausmannsverstand, eine tüchtige von früher Jugend an ge-übte Praktik, waren mehr auf der Baustelle, wie zu Hause, dach-ten oder trieben auch nicht viel Anderes; sie langten hiermit frei-lich weiter, wie gründlich Gelehrte, die oft schon zwei linke Händegleich mit auf die Welt gebracht oder an Heften lahm geschriebenhaben, und nun vom Schreibtische aus Bauten dirigiren wollen.