439 Architektonisch-historische Berichtigungen und Zusätze zu der Klein'scheu Rh ein reise von dem Königl. Preufi. Bau-Inspektor Lassaulx in Coblenz. IWXIMI»! «est» ^Zie überall, wo noch alte Bauwerke vorhanden, solche in der Regel für älter gehalten und Reisenden angepriesen werden, als sie wirklich sind, so auch am Rheine, wo gleich von Römerwerken und Heidentempeln geträumt wird, weil bei den, trefflichen Baumaterial allerdings viel mehr, wie anderwärts, ja fast alles das noch übrig geblieoen, was von Krieg, Brand, älteren und neueren Aufklärern verschont worden. Aber freilich wurden bei der Vertreibung der Römer ihre Werke, so wie bei den Einfällen der Normannen jene der Karolingischen Zeit gründlich zerstört. Von dem aber, wa-Z hier das zehnte Jahrhundert wieder hergestellt oder neu erbaut, so von der Unzahl kirchlicher Gebäude, welche das eilste und zwölfte geschaffen hatten, gieng wieder sehr vieles in dem unserer Gegend so verderblichen Kriege unter, welchen Philipp von Hohenstaufen mit Otto von Braunschweig von Il!i8 bis I20K um den Kaiserthron geführt, zumal Letzterer ,20S von Ersterem während 18 Monaten in Köln belagert, die ganze Umgegend mit der schonungslosesten Wuth verheert und namentlich die Städte Koblenz, Andernach, Sinzig, Remagen und Bonn schon ilüg verbrannt wurden. Schreiber dieses, ein großer Verehrer alter Baukunst, hat sich seit -i 44V Jahren bemüht, Geschichte und Construktivn seiner vaterländischen Bauwerke zu ergründen, und glaubt, es werde reisenden Kunstfreunden wie Kennern angenehm scyn, Einiges hierüber zu erfahren 5). Ausführlicheres, sowie Bezeichnung der Quellen, woraus er geschöpft, kann vielleicht später gegeben werden. Da das Folgende erst nach dem Abdruck der vorstehenden Reisebeschreibung niedergeschrieben wurde, so gieng es nicht mehr an, im Text auf die Ergänzungen hinzuweisen, und man mußte sich begnügen, die Seitenzahlen anzugeben, sowie zur bessern Ilcbersicht die Orts-Namen vorzusetzen. Mainz S. 2. Die irrige Meinung, als seien alle Gußmauern römisches Werk und als habe man hierbei die Steine zuerst trocken aufeinander gesetzt und demnächst mit Mörtel ausgegossen, ist so allgemein verbreitet und führt am Rhein so oft zu falschen historischen Schlüssen, daß Schreiber dieses mit der Widerlegung beider Jrrthümer beginnen zu müssen glaubt. Diese Art Mauerwerk, welche Bitruv, Buch z. Cap. 8. unter dem Namen Emplecton beschreibt, besteht darin, daß die beiden Außenseiten der Mauern mit ausgesuchten Bruchsteinen d. h. solchen, die gerade saubere Köpfe besitzen, schichtweise aufgemauert, der übrige Raum zwischen diesen Außensteincn aber niit den schlechteren Steinen oder unförmlichen Brocken und vielem Mörtel ohne irgend eine regelmäßige Lagerung ausgefüllt werden, und zwar nach der bessern griechischen Methode allmälig, d. h. mit den Außensei- ') Für Jeden, der einigermaßen mit der Geschichte unserer Bauwerke bekannt ist, wird es eine besondere Plage, wenn er auf einem Eilwagcn oder gar auf einem Dampfschiffe reisend, sich jeden Augenblick genöthigt sieht, zur Steuer der Wahrheit eines der vielen Mährchen zu berichtigen, die Wirthe, Schiffer, Schirr- mcister und Reisebeschreiber ihren Gästen austischen. Selbst in der Rheinreise von Schreiber finden sich eine Menge architektonischer und historischer Jrrthümer. An crstern trägt die Unlauterkeit seiner Korrespondenten wohl viele Schuld, bei letzter» ist es aber doch ergötzlich, wen» man z. B. S. 8kl liefet, wie Bonn zwar zweimal durch die Normannen (882) zerstört worden, die Erbauung des Münsters durch die Kaiserinn Helena (882) aber sofort wieder eine neue Stadt hervorgerufen habe. 44 t ten zugleich, und öfters mit diese» abgeglichen, nach der schlechtem hingegen erst später, nachdem jene Außenseiten bis zu einer gewissen Höhe aufgeführt waren. Bei der ersten erhielt man, unter Voraussetzung eines guten Mörtels ^), eine durch diesen ziemlich gut verbundene dauerhafte Mauer, bei der letzteren war der Verband natürlich lange nicht so gut, und die Mauer bestand statt aus einer einzigen Masse, eigentlich aus drei einzelnen Mauern, den beiden Außenseiten und dem Fütlwerk, die, nicht verbunden, sich im Grunde nur berührten, daher häufig später Trennungen ausgesetzt waren, wobei oft große Stücke von erstcren sich ablöseten, wie dies namentlich an der Nieder-Burg in Rüdeöheim ersichtlich ist. Das Vorkommen dieser Art von Mauerwerk hier liefert nun schon den Beweis, daß solche noch lange nach der Römerzeit üblich geblieben, ja es find fast alle Mauern bis gegen das fünfzehnte Jahrhundert am Rhein in dieser Art gefertigt worden, wie an so vielen Burgruinen erkannt werden kann. Römische Mauern sind dagegen in der Regel daran zu erkennen, daß zwischen den Schichten von Bruchsteinen von Strecke zu Strecke zwei bis vierfache Schichten von Backsteinen sich eingebunden finden, sowie solche römische Ziegel wieder sehr leicht von neueren durch ihr dichtes feines Korn und ihre tiefrothe Farbe zu unterscheiden sind. Eben so irrig ist endlich die Meinung, als gebe es am Rhein oder in den Rheinprovinzen überhaupt noch eine Menge römischer Monumente, da doch, die bekannten in und bei Trier ausgenommen, welche dabei unzweifelhaft aus der Eon stanti irischen Periode herstammen, nur äußerst wenige Neste dieser Art über der Erde, desto mehr freilich unter derselben noch vorhanden sind, indem fast bei allen bedeutenden Ausgrabungen römische Ziegel, Grabsteine, Aschenkrüge und dergleichen zu Tags gefördert werden. Ein- *) Der Mörtel war hier in der Regel gut, da in alter Seit, wo Holz nirgends fehlte, es Sitte war, die Kalksteine auf der Baustelle selbst zu brennen, groben Flußkies als Sand anzuwenden, oder in dessen Ermangelung schlechter» Sand durch Susatz von Siegelbrocken zu verbessern. Uebrigens ist schlechter Mörtel an altem Mauerwerk auch keine Seltenheit. 442 zelne Reste römischer Heerstraßen, sowie eines überwölbten Kanals zwischen Trier und Köln sind gleichfalls viele vorhanden. Eine höchst merkwürdige Nachricht über diesen Straßen- zug nebst beigegebener Karte findet sich in de» Verhandlungen ies Gewerbevereius zu Berlin vom Jahre 1832, und es ist von dem Verfasser deS Originalberichts, aus welchem jene Nachricht entnommen, Herrn Major Schmidt, ein eigenes ausführliches Werk darüber versprochen. Eben so selten sind Monumente aus der Karolingischen Zeit, ja außer den altern Theilen am Dom zu Aachen, der Vorhalle deS ehemaligen Klosters Lorsch und einigen zerstreuten Säulenresten vom Pallast Karl's des Großen in Ingelheim möchten keine nachzuweisen seyn. Desto reicher ist unser Land an solchen von dem Jahrs Tausend an, und es möchte vielleicht kein anderes so viel Herrliches der Art besitzen. S. 9. Der Dom, sechsmal durch Brand mehr oder weniger zerstört, aber jedesmal größer oder vollständiger im gleichzeitigen Stil wieder hergestellt, ist eben deshalb für die Kunstgeschichte eines der allermerkwürdigsten Gebäude. Die neuerlich erschienene Geschichte und Beschreibung desselben von I. Wetter enthält so viel Gutes und Neues über den Dom, wie über andere Bauwerke, daß kein Freund alter Kunst sie ungelesen lassen möge; es wird daher auch genügen, nur Weniges hier beizufügen. Der östliche Chor, dessen Portal schon Moller in seinen Denkmälern gegeben, gehört wohl noch dem ersten Bau an, den Erzbischof Willigis 978 begonnen und tvog eingeweiht, der jedoch am Tage der Einweihung selbst abbrannte. Von dem zweiten sofort wieder begonnenen aber erst 1037 vollendeten sollen die beiden östlichen Thürme und der anstoßende Theil des Schiffes herstammen. Im Jahre iiz? verbrannte die Kirche abermals, dann 1191 nochmals und hierauf wurden die Seitenmauern des Schiffes, so wie dessen Gewölbe erneuert, wo sich schon Andeutungen des Spitzbogens vorfinden. Weiter und endlich völlig ausgebildet zeigt ihn der westliche Chor nebst Transept, nach 1200 angefangen und 1239 vollendet. Später um I2bo begann die 443 Erweiterung des DomS durch die Seitenkapellen, wovon die nördliche Reihe gegen 1291, die südliche 1332 beendigt wurde. Erzbischvf Siegfried erbaute schon einen Kreuzgang und weihte ihn 1243, den gegenwärtigen jedoch der Erzbischos Conrad zwischen 1397 und 1412; zu diesem gehört auch das schöne Portal, welches Moller Tafel 34 gleichfalls gegeben, ein älteres neben diesem in, anstoßenden Capitelsaal dagegen wohl der Nestauration nach dem Brand von iisi. Ein neuer Brand zerstörte 1756 das Dach des westlichen Haupt- thurmS nebst allen angränzenden, worauf derselbe, so wie die kleiner» und das ganze Westende, durchaus feuerfeste steinerne Dächer erhielten, deren Constrnktion für die Baumeister von besonderm Interesse ist. Während der Belagerung von 1793 zerstörte ein sechster Brand alles Brennbare am ganzen Gebäude und mit einem schlechten Nothdach aus Brettern versehen, mußte es iv Jahre lang als Magazin dienen, ja man bemühte sich, eine gänzliche Abtragung zu erwirke». Auf Verwendung des Bischofs befahl Napoleon 1803 die Rückgabe des Doms, dann 1804 seine Dotirung mit 12,000 Franken jährlicher Renten, schenkte außerdem 0000 Franken zum Bau, auch drei große Kanonen zu vier neuen Glocken. Seitdem wurde nun, wie eS die Mittel erlaubten, emstg an der Herstellung gearbeitet, zumal seit Mainz dem Großherzogthum Hessen und hierdurch die Leitung der Bauten dem Oberbaudirektor Moller zufiel, dessen Primat in Kenntniß und Würdigung mittelalterlicher Baukunst wohl Niemand in Abrede stellen dürfte. Ihm allein gehört auch die so sinnreiche als eigenthümliche Constrnktion der eisernen Kuppel, so wie diese ganze Restauration zu den besten der Art gezählt werden muß, und das Innere des Doms gegenwärtig einen überaus angenehmen und würdigen Eindruck gewährt. Sehr merkwürdig ist endlich noch die St. G otthard-Dop- pelkapelle vor dem nordwestlichen Kreuzesarm zwischen il3S und iizg erbaut, daher für den Stil dieser Epoche von besonderer Wichtigkeit, und man darf es wahrhast schmählich nennen, daß eine christkatholische Verwaltung, anstatt solche ge- 444 bührcnd herzustellen, sie um weniger Thnler willen fortwährend als Ledcrmagazin verniiethet. St. Stephan von Lrzbischof Willigis (ff ivll) ursprünglich ganz a»S Holz erbaut, wurde später zerstört und die gegenwärtige ausgezeichnet schöne Kirche mit drei Schiffen von fast gleicher Höhe, eine am Rheine allzu seltene Form, 1317 angefangen. Der anstoßende Kreuzgang, etwa ans der Mitte des 15. Jahrhunderts, hat zierliche Gewölbe mit einigen hierorts ebenfalls seltenen hängende» Schlußsteinen. St. Quintin ist beinahe gleichzeitig mit St. Stephan, so wie St. Emmern» mit dem gedachten Kreuzgang. Die Kirche zu St. Peter dagegen, erst aus der Mitte dcS vorigen Jahrhunderts, ist besonders merkwürdig durch die großartige» Verhältnisse ihres Innern, trotz dem bestialischen Stil jener Zeit, sowie durch die Kühnheit ihrer Cvnstrnktion; auch sie hat drei Schiffe von fast gleicher Höhe, daS mittlere von zg F. lichter Weite bei KS F. Höhe, von den 14 F. breiten Abseiten durch dünne verkröpftc viereckige 20 F. von einander abstehende Pfeiler geschieden, das Ganze mit massiven 8 bis 9 Zoll dicken Gewölben aus Tuffsteinen bedeckt, zwischen Mauern von nur 4 F. Dicke und ohne alle Strebepfeiler *). S. 9. Die Bibliothek in Mainz ist reich an römischen und mittelalterlichen Stcinmonumcntcn. Höchst merkwürdig sind mehre Kapitäle von dem Pallast Karl's des Großen Die hier, wie weiter angegebenen Dimensionen sind rheinländi- sches Masi, also jeder Fuji gleich 139,13 pariser Linien, wie solcher I8IK für ganz Preußen als Landesmaß angenommen worden. Der - Verfasser hatte schon seit Lahrcn beim Aufmessen so mancher alten Bauwerke häufig die Bemerkung gemacht, wie solche nach diesem Fußmas! angelegt sehn müßten, indem alle Dimensionen aus runden Zahlen bestanden. Es war ihm dies um so überraschender, als dieses Maß weder am Rhein nv sonstwo, Brandenburg, Dänemark und Leiden ausgenommen, daS landesübliche war, und namentlich am ganzen Rhein der Fuß zwischen IZ7 und 129 pariser Linien schwankt. Noch überraschender war ihm nun ganz kürzlich die Entdeckung, daß auch die römischen Monumente in Trier dieselbe Erscheinung zeigten, ob- schon der alte römische Fuß bekanntlich nur ILO bis 132 pariser 445 in Ingelheim (ein anderes liegt im Hofe des dortigen Posthauses). Diese, so wie einige Pilasterkapitäle an dem Dom zu Aachen und die gedachte ans Moller'S deutschen Denkmälern bekannte Vorhalle zu Lorsch beweisen zur Genüge, daß zu jener Zeit kcineSwegeS im sogenannten byzantinischen, sondern noch ganz im römischen Stile gebaut wurde. Bemerkenswerth sind im Hofe jener Bibliothek auch einige Bildwerke von dem leider abgebrochenen, ans Moller ebenfalls bekannten, Kaufhanse in Mainz. S. tl. Die unter Napoleon entworfene Rheinbrücke sollte nicht von Holz, sondern ganz aus Stein erbaut werden, indem er, als ihm das noch vorhandene, im Museum aufgestellte Modell zu einer hölzernen vorgelegt wurde, erklärte, er wolle keine Brücke von Schwefelhölzer», sondern ein Monument ans Granit. Reisenden Architekten ist noch die Besichtigung der protestantischen Kirche und der neuen östreichischcn Cascrne in Ca- stel, sowie ein Ausflug nach den Resien der eingestürzten neuen Kirche und dem Knrsaal in Wiesbaden, und die Rückkehr über Bieberich zu empfehlen, wo Schloß und Garten, letzterer mit einer gar modernen alten Burg, aber mehren recht zierlichen kleinen Brücken, sehenswerth sind. Ingelheim S. 18. Bereits unter den Merovingern gab es Palläste zu Straßburg, Speier, Worms, Mainz, Andernach und Aachen, der Vater und Großvater Karls des Großen erbauten dergleichen an der Maas zu Heristall und Jopile, letzterer den zu Nym wegen und den hie- Linien enthielt. Sollte dieser geheimnisvolle rheinländische Fuß, welchen die Römer und so viele Baumeister späterer Werke (z. V. der Kirchen St. Castor, Florin und Jesuiten in Coblcnz, jener zu Limburg an der Hardt vom I. 1»!U>, des Schlosses zu Heidelberg und einer Menge anderer) gebraucht, der aber seit undenklicher Zeit als Landesmaß verschwunden, nun vielleicht der alt-griechische sehn, indem dieser nach Eytelwein (Maße und Gewichte, Berlin 181») DU! bis 142"" besaß, also unscrm von I,'!!(!>'! gleich war, und die Bauwerke in Trier aus den Zeiten Kaiser Constantin's wohl durch griechische Baumeister errichtet sepn könnten. 38 446 sigen wahrscheinlich um 770, welchen er auch am mcisicn bewohnte, Ermoldus Nigellius, der gleichzeitige Biograph Ludwigs des Frommen besingt seine Pracht^), und beschreibt die Reihe von Gemälden in demselben, beginnend mit Erschaffung der Welt und endigend mit der Auserstehung des Erlösers, sowie auch mythologische Gegenstände und die Tha- tcn Karls des Großen vorstellend, dann jene in der dortigen Kirche, und zwar auf ihrer rechten Seite mit Darstellungen ans dem alten Testament, links aus dem neuen. Auch ist noch ein Brief vom Papst Hadrian aus dem Jahre 784 vorhanden, in welchem er dem Kaiser die erbetenen Mosaiken, Marmor und andere Arbeiten aus dem Pallaste zu Ravenna bewilligt. Die nachfolgenden Kaiser wohnten ebenfalls häufig hier bis gegen das Jahr 1000. Dann gerietst das Gebäude in Verfall, bis Kaiser Friedrich Barbarossa es wieder herstellte. Von ihm rührt wahrscheinlich die Kirche her, welche Kaiser Karl IV. 1347 erneuerte und einige Chorherren dabei stiftete, die 1766 in Ruinen standund später zur protestan Inclita gosta Oei, seines ineinorainla virornm pictura insixni, quo relexente potent. Ferner der ungenannte sächsische Dichter unter Kaiser Arnulph im Leben Karls des Großen: (tu.neilam praecipuas pnlebra Ilavenna «lellit. ") Die tlcta äcinlenuae Palatino«! enthalten im ersten Bande ei»? ausführliche sorgfältige Zusammenstellung alles von diesem Pallaste Bekannten , mit den Abbildungen der wenigen dainaligen Mauer, reste desselben, so wie der besagten Kirche und eines nunmehr in dieser aufgestellten Grabsteins, ein- gekrönte weibliche Figur darstellend, welche für das Bildnis einer der vier Frauen Karl'ö des tischen Kirche eingerichtet, noch das alte Chor und Transept zeigt. Der Pullast selbst ward 1270 vom Kaiser Richard verbrannt, ein festes Kastell bestand indessen hier noch is04, wo solches vergeblich belagert und die Stadt verbrannt wurde. Gegenwärtig ist außer der Kirche und dem gedachten Säulen- knauf im Hof des Posihauses von dem ganzen Pallast nicht das Mindeste mehr vorhanden. Die Säulen an dem Brunnen auf dem Heidelberger Schloß, dem deutschen Alhambra, sollen von hier entnommen seyn, bestehen jedoch nicht aus fremdem Granit, sondern wie die Teufelssäule vor dem Dom in Trier, und alle dem Verfasser in hiesiger Gegend bekannten, aus jenem von dem bekannten Steinbruch im Odenwald, wo auch die kleine Niescnsaulo liegt. Aiodoricl, und Lborbarh S. 24. Freunde alter Baukunst mögen beide Orte besuchen. Die Kirche zu Kiederich ') zeigt ein trefflich »ollständiges Exemplar des Stils gegen Ende des lü. Jahrhunderts, auch die dasige etwas ältere Kapelle mit einer künstlichen Treppe und einem Steinhelm, d. h. steinernem Thurmdach gehört zu den besten der Art. Sowie der Dom in Mainz die Baustile mehrer Jahrhunderte an einem und demselben Gebäude vereinigt, und darum das Aeußere keinen angenehmen Eindruck gewährt, so sind solche zu Ellerbach an einzelnen Gebäuden zu erkennen, wovon zugleich jedes zu den ausgezeichneten gehört. Zuerst die alte Kirche mit drei Schissen unter einem Dach und sehr schlanken Säulen, wahrscheinlich noch aus der Zeit der ersten Stiftung im Jahre itZi und nur die Gewölbe aus späterer, dann das alte leider mit vielen Wänden durchbaute Dvrmitorium, die neuere li8l> geweihte Kirche, daS spätere Dvrmitorium, etwa zwischen 1Z00 und 1400 erbaut, endlich der Capitelsaal, gegenwärtig ein Holz- Gr osten gehalten wird, indessen nach den Spitzbogenverzierungen offenbar einer späteren Zeit, wahrscheinlich der gedachten Restauration angehört. ') Die Kanzel ist von 14!» , die Kirchstühle IZIN von Erbard Sallkener aus Adensperrek, welcher ähnliche zu Eauodernbeim fertigte. 448 Ml, allenfalls zwischen 1400 und 1500. Sehr eigenthümlich, ja vielleicht einzig ist die Anordnung der Pfeilerreihe in jenem neuer», im Lichten 232 F. langen 42 F. tiefen Dormitoriuni; niedrige, starke, runde Säulen mit mannigfaltigen Knäufen tragen hohe, 20 F. weit gespannte Spitzbogengewölbe, jede der ic> Säulen ist um etwas höher, wie ihre vorhergehende, die erstere hat nämlich 5 F. 3 Z> die letzte 0 F. 5 Z. Höhe; steht man nun bei dieser, so vermehrt sich die perspectivische scheinbare Verkürzung der übrigen, und der ganze Raum erscheint hierdurch größer; stellt man sich dagegen an das andere Ende, so erscheinen alle Säulen von gleicher Höhe. Unter demselben findet sich ein eben so zierlicher Keller, mit den besten Weinen aus deutschen Gauen, deren allerbeste wohl die ersten in der Welt sind; sie wachsen in dem nahe gelegenen Steinberg, wo Ivo Morgen Weinberge mit einer Mauer eingeschlossen auf das Sorgfältigsie gebaut werden. Sämmtliche Klostergebäude dienen gegenwärtig zu einer Irren- und Bcsser- ungs-Anstalt für das Herzogthum Nassau, beide ebenfalls zu den allerbesten der Art gehörend. Mittclhcim und Iohannislicrq S. 23. Die dortigen Kirchen sind beide dreischiffig, das mittlere Schiff auf einfachen Pfeilern, erhöht init einem Transept, Holzdecke, in eine Chor- und zwei Nebennischen endigend. Letztere ist im Innern wie Aeu- ßern leider modernisirt, die Mitlelheimer dagegen fast ganz erhalten. Ein niedriger Thurm steht über dem Krcuzfeld, d. h. dort, wo Schiff und Transept sich kreuzen, das Portal ist höchst einfach, seine Ueberwölbung nach Römerart abwechselnd aus Steinen von verschiedener Farbe. Sie ist gegen 1140 erbaut, die Johannisberger vielleicht etwas älter, da schon livö Erzbischof Ruthard von Mainz, als Sühne eines durch einen seiner Verwandten begangenen Judcnmords, hier ein Kloster unter dem Namen Bischofsberg gründete, welches Erzbischof Adelbert 1130 zur Abtei erhob, und der vollzogenen Einweihung der Kirche gedenkt. «Lissingen S. 20. Ein schöner Taufstein aus dem 15. Jahrhundert ist aus der alten Kirche in die neue versetzt worden. 449 Nndcslzrim S. 29. Die hiesige, wie die meisten Kirchen im Rheingau, stammen ans dein fünfzehnten Jahrhundert und sind mehr oder weniger zierlich und sehenswerth. Das Gewölbe der hiesigen ist vorzuglich geeignet, die Art und Weiss erkennen zu lassen, wie diese alten, leichten Kirchengewölbc fast ganz aus freier Hand, d. h. lediglich mittelst Ilnterrusiung ihrer Gräten, nach einer höchst sinnreichen Methode eingcwölbt wurden, welche der Verfasser das Glück hatte, wieder aufzufinden, und ihre Anwendbarkeit bei der Ausführung mehrerer größeren Kirchcnbaute» bewahrheitete, in Treis, Cobern und Valwig, und sodann in dem 4. Hefte deö Crelleschen Baujour- nals ausführlich beschrieb, aus welchem dieser Aussatz in das ckiniruirl c!» tZenie civil (I>ui'i» 1831) sowie in das ^VUI'- uul ot ilxz ro^n! InsiiiiUiou lHoinion 1831) Überging. Die Niederburg gehört zu den allermerkwürdigstcn Monumenten. Sie war offenbar ein Castcll, und zwar eines der größern, aus drei überwölbten Stockwerken bestehend. Die Außenfläche der Eiebelmauern nach der offenen Ecke tragen die deutlichsten Spuren, daß zur Zeit ihrer Erbauung hier ein älteres Gebäude gestanden, und das neue gegen dasselbe gemauert worden. DaS Ganze bildet ein Viereck von 105 F. Länge bei 83 F. Breite und über 00 Fuß Höhe, welches einen iunern engen Hof umschließt, und wovon jene Ecke 35 F. lang 28 F. breit als die leere Stelle des gedachten altern fehlt. Zu den Zeiten Merian's gegen 1040 scheint dieses noch hier, sowie ein kleiner Thurm auf dem neueren gestanden zu haben. DaS Erdgeschoß enthält kleine überwölbte Räume, zwischen 8 — 14 F. starken Mauern aus harter Grauwacke, mit Füllwerk zwischen regelmäßigen horizontalen Außeuschichten, von welchen der größere Thcil auf der Westseite sich abgelöset hat. Zu beiden oberen Stockwerken führen ganz enge Treppe»; hier werden die inncrn Räume größer, ja eS finden sich zwei Eckfäle oder vielmehr Hallen von etwa 80 F. mittlerer Länge bei 14 F. Breite und 14—17 F. Höhe, eine mit gemauerten Sitzbänkcn auf beiden Seiten. Alles ist uberwölbt und zwar in den beiden untern Stockwer- 33 ^ 4SV ken mit Tonnen-, in dem ober» mit ganz eigenthümlichcn Kreuzgewölben zwischen vortretenden Gurten; die Diagonalgrate sowohl als die Schiltmauern und Gurten bilden nämlich Halbkreise, welche mit geraden Brettern eingeschalt und hierauf die Kappen gewölbt waren. Die Scheitelliuicn sind daher nicht horizontal, sondern von allen Seiten nach der Mitte stark ansteigend, eine Form, welche die Stärke solcher Gewölbe bedeutend vermehrt und ihren Schub auf die Außeu- mauern gleichmäßiger verthcilt. Auf der Rheinscite zeigen sich noch Spuren einer Maucrkrönuug mit kleinen Bogen, welche wahrscheinlich Zinnen trugen. Die wenigen Fenster sind enge, niedrig, mit Bogen geschlossen und nach dem inner» Hof hin meistens gekuppelt. Zwei schon bei der Erbauung in die Mauer eingebundene Kamine i» jenen Sälen ruhen auf Säulen, deren Füße bereits profilirte Eckblätter haben, die zuerst in Form roher Klumpen am Rhein gegen 10^0 vorkommen, den Ursprung des Gebäudes also um so eher zwischen I0S0 und 1100 feststellen möchten, da die beschriebenen Kreuzgewölbe erst noch später vorkommen. Singen S. 57. Eben so wenig ein Römerkastell, wie das vorhergehende, ist dieBurgruineKloppund von sehr geringem Umfange. Die Brücke ist von Erzbischof Willigis (st 10N) erbaut, aber mehrmals erneuert. Der Taufstein in der Pfarrkirche, nach dem großen Brande von 1405 erbaut, stammt gleichfalls aus späterer Zeit; letztere ist gleich jener zu Lorch und der Carinelitcnkirche zu Boppard etwa gegen lävo durch Anbauung eines Seitenschiffes erweitert worden, indem man die Mauern zwischen den Strebepfeiler» öffnete, und diese gleich als Pfeiler stehen ließ. Das hier angefügte Seitenschiff ist ein doppeltes, d. h. durch eine Reihe schlanker Säulen in zwei Reihen zierlicher Gewölbe mit inannichfaltigcn Grätnetze» geschieden; an der westlichen und südlichen Kirch- thüre befinden sich Schlagleisicn mit schönen Skulpturen. Von der Kirche auf dem Ruprechtsberge, erbaut um 1140, sind nur die Fundamente der Chornische, nebst dem untern Stock deS südlichen Thurms noch übrig, und wegen ihrer Ein- 4SI sachheit bemerkenswerth. Das Kloster wurde t6Z2 von den Schweden verbrannt und erscheint bei Merlau noch als eine sehr ansehnliche Ruine, die erst zu Ansang 1S00 abgetragen wurde. Etwa eine halbe Stunde aufwärts an der Nahe, zu Munster, steht eine kleine sxitzbogige Kirche mit einem steinernen Thnrmdach und ausgezeichneten Glasmalereien. Roch etwas weiter aufwärts bei Bretzenheim finden sich merkwürdige Neste einer erst in den letzten Jahren verkauften, in Sandsteinfclsen gehauenen Kirche nebst einigen ebenfalls darin ausgemeißelten Eremitenwohuungeu. Ehrcntrls S. 46. Wurde von den? mainzischen Vicedom Philipp von Bolanden unter Erzbifchof Siegfried erbaut, und 122S von der Wittwe des Erbauers dem Erzsiift abgetreten. Ilnutchrrg S. 49. Eigentlich Faizberg, ursprünglich nur ein unbedeutendes zweistöckiges Gebäude, im Lichten 40 F. laug 20 F. tief, mit vier Stuben, konnte als Landsitz eines Prinzen natürlich nicht nach dem alten Plan hergestellt werden. Schreiber dieses fertigte zwei neue, wovon der größere mit einem »cu zu erbauenden Rittersaal nicht zur Ausführung kam, sondern der kleinere, nach welchem das HauS die gegenwärtige Einrichtung erhielt, und der vordere runde Thurm an der Stelle eines alten Giebel», dein Rest eines ehemaligen hölzernen Gebäudes auf der jetzigen Terrasse, neu errichtet wurde. Auch die Ausführung geschah unter seiner Leitung bis dahin, wo das Gebäude unter Dach gebracht war; an der inner» Auszierung jedoch, der Krönung des neuen Thurm», dem ThorhauS und der Zugbrücke hat er keinen Antheil. Mrmenslnrrhe S. 60. Sie ist gar nicht uninteressant, und es ist in jeder Hinsicht sehr erfreulich, daß sie gegenwärtig durch die Pietät Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzessiun Friedrich, der hoch- und allverehrtcn Gemahlin» des erlauchten Besitzers von Rheiusiciu, vollständig wieder hergestellt wird. Olirrdirliach S. 67. Die dortige nicht uuzierliche Kirche besitzt eine a»S Schmiedeeisen gefertigte Kanzel. 432 Surhuvach S. öS. Hier gab eS bis uns bis neueste Zeit allerdings einen Bacchnsaltar; eS war jedoch nicht jener FclS im Rhein, sondern eine Gesellschaft von Zechbrüdern, die Zechbürgen genannt, die eigne Weingüter besaß, einen Vorsteher wählte und den Ertrag jener Güter jährlich oerschinan- sete, Ihre erneuerten Statuten oom Jahre löst» sind noch vorhanden. Drei ähnliche Stiftungen bestanden in den? benachbarten Steeg. Auch der Fischfang scheint hier bereits in alter Zeit berühmt gewesen zn seyn, da er schon 87l von König Ludwig der Abtei Prüm geschenkt wurde. Die Ruine der Wern erskirche gehört zu den allerzierlichstcn. Sie bestand eigentlich nur aus einem dreifachen Chor ohne Schiff, an dessen Stelle die ältere Kapelle gestanden zu haben scheint, welche wahrscheinlich nach der Erhebung der Gebeine des heiligen Wernerim Jahre 1428 durch den Anbau dieses Kreuzchors vergrößert wurde. Die Profile der Fenster und der Bogen sind wunderschön. Auf der Abbildung der Belagerung von Stahleck bei Merian erscheint sie noch vollständig. Die Pfarrkirche mag um 1200 erbaut seyn; sie hat ebenfalls manches Eigcnthümliche und Schöne, z. B. die verlängerten Schlußsteine der Gewölbe und das südliche Portal. Die Pfalz im AHein S. 61. Im Innern ganz und gar unbedeutend, rührt sie nnbezweifelt von Kaiser Ludwig dem Baiern her, da die Bulle des Papstes Johann xxil. vom Jahre 1326 ausdrücklich sagt: guost imUorvieus olim liux liir- vrrrlus suos enormes et rletest-rmtos exvessus, g»or»m ') Die Chronik erzählt von ihm, wie er, ein armer Knabe aus Wamrodd, von den Luden zu Oberwesel 1285 eingefangen und zu Tode gemartert wird, dann die Leiche nach Mainz gebracht werden soll, bei Bacharach jedoch der Kahn trotz allen Anstrengungen der Ruderer unbeweglich bleibt lan der Stelle, wo später das Kloster Windesbach errichtet wurde, dessen bis auf das Mauerwerk zerstörte Kirche etwas oberhalb Bacharach nahe an der Heerstraße steht) und die Juden genöthigt sind, die Leiche am Ufer zu verbergen. Sie wird hier gefunden, in der Kirche des heil. Suibertus, der jetzigen Pfarrkirche aufgestellt, zeigt sich sofort wundcrthätig und wird in einer für sie erbauten Kapelle beigesetzt. 453 oecnslono xor diverso« prueessiis unstros diverses tempo- rebus de lrnirui» eiostroriim oneiseli», presento muliilii- diuo enpeusn tideleum Imbitos exeoiniuuiiientiouis vineulc» iiened-etus . . . nicht aufhöre zu iduve (Caub) ungebührlich schwere Abgaben von den dort passircndcn Maaren zu erhebe» nnd dazu turriu, kortissemune auf einer Rheininsel erbaut habe. (S. lZiiietleer, e»d. diploeu.) Die jetzige Bedachung tiefes Thurmes, sowie der übrigen Gebäude ist sehr häßlich, und es wäre sehr wünschenswcrth, wenn alle Dächer nach Innen gekehrt, und Mauern wie Thürmen ihre alte Zinnen- krönnng wiedergegeben würde, was mit sehr mäßigen Kosten geschehen könnte nnd wodurch das Ganze sich als eine höchst großartige und malerische Burg darstellen müßte. Glierwescl S. 36. Die wenigen Neste tcö unbedeutenden Rathhauscs sind schon seit »lehren Jahre» verschwunden, dagegen alle vier Kirchen sehenswerth. Der Thurm der großartigen Stiftskirche erinnert, gleich dem der St. Martinskirche daselbst nnd der Pfarrkirche zu Bacharach, durch die häufigen Zinnen an die bekannte Bauart der englischen Kirchengebäude. Der Hochaltar, mit der Kirche eingeweiht lZZl, mehre Grab- mäler und andere Bilder erscheinen alle gleich merkwürdig; die Bühne zwischen Chor nnd Schiff, ein sogenannter Lettner, ist der einzige in hiesigen Landen, welcher so viel dem Verfasser bekannt, sich bis heute erhalten hat^); das Blätterwerk an seinen Sänlenknäufen gehört zu dem besten; auch einige Theile der Chvrstühle, so wie beide Portale, deren westliches noch die ursprünglichen mit Eisenweik reich verzierten Thürflügel besitzt, sind ausgezeichnet schön, und die Gewölbe des Kreuzganges wenigstens eigcnthümlich; das ist auch die volle 3 F. betragende Erweiterung des Mittelschiffs nach Osten hin und jene der Abseiten nach Westen. Am Schiff der Kirche stehen die Strebepfeiler wie an jener zu S i m m c r n nach Innen. Die Ruinen derFranziskanerki r ch e ') Ein anderer in Sobernheim wurde erst vor einigen Iahren abgebrochen. 434 zeigen die seltene Einrichtung, wie nur ei» Nebenschiff angelegt und vom Hauptschiff durch ubereck gestellte Pfeiler geschieden worden. Die abgerissene Franziskanerkirche zu Koblenz hatte, wie die seit 1816 in einen Pferdestall verwandelte Franziskanerkirche in Andernach, dieselbe Einrichtung. Sehens- werth sind endlich auch die Werner- und Martinskirche (letztere wurde 1333 zum Collegiatstift erhoben), das einzeln stehende alte Thor bei der Stiftskirche und der stolze Thurm am untern Ende der Stadt. St. Goar S. 73. DaS Grabgewölbe oder die Crypta unter der Stiftskirche, wo ehemals die Gebeine des heil. Goar geruht, ist kcinesweges das ursprüngliche. Dieser Heilige, aus Aquitanien gebürtig, lebte zuerst als Einstedler an der Lahn, dann in einer Felsenhöhle bei St. Goar, bis er an der Stelle der jetzigen Kirche eine Zelle mit einer kleinen Kirche erbaute, hier 647, nach Andern schon 573 starb, wo denn Wallfahrten nach seinem wunderwirkenden Grabe die Zelle in größere Aufnahme brachten, auch das Entstehen und denNamen der Stadtvcranlaßten. Bertradana, dieGemah- linn des Königs Pipin, war, als sie einst von dem durch ihre Großmutter Bertrada gestifteten Kloster Prüm den Rhein hinauf nach Worms fuhr, mit der Gastfreiheit der Zelle St. Goars, welcher damals ein gewisser Erping vorstand, übel zufrieden und klagte ihrem Gemahl hierüber. Der König, unzufrieden die Gastfreiheit gerade da verletzt zu sehen, wo sie der Heilige so sehr geübt hatte, übergab die Zeile sofort dem Abt AsveruS von Prüm, welcher den Bau einer neuen Kirche begann, die jedoch erst unter Karl dem Großen vollendet, vom Erzbischof LulluS in Mainz (st 787) eingeweiht wurde. Diese brannte 1137 ab und von der hiernach erbauten dritten Kirche besteht noch jene Crypta unter der jetzigen von I44l bis 6g erbauten vierten Kirche. Die Beste Rheinfels zeigt zwar mehr von neueren Befe- siigungsmitteln, wie Burgmäßiges, einige Reste älterer Gebäude, so wie der Z315 gestifteten Schloßkapelle sind jedoch immer »och sehenswerth. 4ZZ Noichenlwrg S. 76. Im Jahr 1284 erbaut und allerdings 1302 vom Kaiser Alb recht erobert und zerstört, aber izig wurde ein Neubau (wie eS in der Chronik heißt, nach astatischer Bauart, nämlich ohne Dächer) mit Beihülfe des großen Chur- fürsten Balduin von Trier begonnen, auch diesem zu Lehn aufgetragen. Der Tod des Grafen Wilhelm 1331 vereitelte dessen Plan, eine Stadt hier zu gründen, wozu Kaiser Ludwig 1324 ein Privilegium erthcilte und des bereits erbauten Schlosses gedenkt, welches bis in die neueren Zeiten bewohnt war. Diese Ruine ist ebenso großartig wie eigenthüm- lich; ein Portal im Schloßhvf erinnert an Maurisches, das Innere eines hoch über spindelartigen Säulen, deren Zwischen- gebälke ausgebrannt, mit zierlichen Spitzgewölben geschlossenen Gebäudes ist höchst malerisch und großartig. Reisenden Architekten ist eine Wanderung dorthin durch das sogenannte Schweizcrthal und zurück über PaterSberg sehr zu empfehlen; sie werden in Rcichenberg sehen, wie bei guten langen Bruchsteinen alle kostbaren Werkstücke entbehrt werden können. Thurnbcrg S. 77. Von Erzbischos Boemnnd begonnen, von seinem Nachfolger Cuno (s 1388) vollendet, und erst in neuerer Zeit, nicht zerstört, sondern verlasse», würde sich vor vielen andern Burgen zu einer wenig kostbaren Herstellung eignen, indem alles Mauerwerk erhalten ist, und nur das Holz- werk fehlt, die innere Einrichtung völlig zu erkennen, sogar die alten Kamins noch vorhanden, auch die ehemaligen Wohngebäude nicht allznklein sind. Hirzenach S. 79. Eine hiesige Zelle wurde von den Kaisern Heinrich in. und iv. dem Martinstift in Worms zur Errichtung eines Klosters übergeben, auch diese Uebergabe von Erzbischos Friedrich von Köln mg bestätigt. Aus dieser Zeit mag die Kirche in Basilikenform stammen, welcher um 1300 ein Chor mit eigenthümlichen und schönen Profilirungen beigefügt worden. Von zwei kleinen runden Thürmen neben derselben ist nur der Unterbau vorhanden. Ihre nicht sehr kostspielige Vollendung würde die Kirche zu einer der zierlichsten machen. 45.6 Bornhofen S. 82. Die Kirche Hut gleich jenen zu Clvtten, Kempcnich und Namedy zwei Schiffe, durch eine Reihe schlanker Säulen geschieden; die gedachte Erweiterung besteht in dem Anbau einer Kapelle und Vorhatte, letztere von äußerst kuhner Confirnktion. Auf drei Seiten offen, auf zweien mit einer, vorne mit drei Vogenöffnungen von 12 F. lichter Weite zwischen nicht ganz 2 F. starken gemauerten 7 F. hohen auf einer Zfüßigeu Sockelmauer stehenden Pfeilern, sind diese auf keine sichtbare Weife unter sich oder mit der Nückmauer verankert, beide Eckpfeiler also dem Schnb der anstoßenden Bogen völlig frei gegeben. Boppard S. 82. Die alte Kaiserburg stand nicht an der Stelle der jetzige», sondern am unteren Ende der Stadt. Die dasige Pfarrkirche Hatto allerdings schon Kaiser Otto dem St. Martinsiist in Worms verliehen; auch mögen die salischc» Heinriche hier eine Kirche erbaut haben, nicht aber die gegenwärtige, welche jedenfalls viel jünger, ja nach einer handschriftlichen Nachricht um 1200 errichtet worden seyn soll; der Chor mag aus der Mitte des 13. Jahrhunderts stammen und zeigt ei» vorzügliches Exemplar des Uebergangssiils. bin der Kirche bemerkt man ebenfalls eine ältere Restauration; ihr gehört wohl die ganz einzige Ueberwölbungsart an, ei» spitzhogiges Tonnengewölbe mit fächerartig aufgesetzten Wülsten als Rippen. Auch die ganze Anordnung der Westfronte erscheint eigenthümlich, so wie der Bogcnkranz unter dein Dache, vor allem aber die kleinen auf Kragsteine gestellten Archivolteu über den Thurmsenstern, die an kleinern hiesigen Landkirchcn wohl öfters über den Thürcn, über Fenstern sonst nur in England vorkommen und dort Traufsteinc ((imystones) genannt werden. Endlich finden sich hier Emporen über den Abseiten, sogenannte Männcrchöre, anderwärts sehr selten und in unserer Gegend häufig^). Die Carmelitenkirche besaß '1 z. B. St. Leonhard in Frankfurt, Limburg, Kiderich, Bacharaw, St. Goar, St. Johann bei Niedcrlahnstein, Liebfraucn zu Koblenz, Ems, Güls, Mallendar, Andernach, Oberbreisig, Sinzig, Heimersheim, Ahrweiler, St. Peter, St. Ursula, Marie Lys- 4S7 sehr schöne Glasmalereien, welche 1818 verschleudert wurden; sie hat ein angesetztes Seitenschiff, wie in Bingen und Lorch, reich geschnitzte Chorstühle und einen zierlichen, mit einem Baldachin geschmückten Dreisitz neben dem Hochaltar, einem schönen Marmorbasrelicf gegenüber. Die Franziskanerkirche wurde begonnen 1626, vollendet 1662. Maridnrg S. 89. Römisches findet sich nichts daran, und auch sonst nichts Sonderliches. (Sberlahnltcin S. 92. Dem Westends der Kirche gegenüber ist ein altes, leider sehr beschädigtes, Basrelief eingemauert, daS wahrscheinlich über einem älteren Portal gestanden. Der innere Hof des Schlosses ist sehenswerth. Äönigktuhl S. 94 Er hatte eine an den sieben Seiten des Rechtecks herumlaufende Bank, indem ans der achten sich die Treppe befand. Seine Erbauung befahl Kaiser Karl IV. 1376 den Bürgern von NhenS mit den Worten: „in dem Garten und an der Stadt, wo die Kurfürsten eynen romischen Kunig zu nennen, und zu welen überein pflegen zu kommen, ein Gestnels zn machen, und daß allewege bewarcn, und Halden ewiglich." Stolzenfels S. 96. Die größte aller rheinischen Burgen, von Erzbischof Arnold mit von dem Stifte St. Castor in Koblenz entliehenem Geld erbaut, wurde 1436 Residenz des abgedankten Kurfürsten Ulrich von Manderscheid. Auch der genannte Erzbischof Werner hielt sich meist dort auf^); er hatte von seinem Vorfahren Cuno viele Schätze ererbt, seinem Nachfolger aber keine hinterlassen. Es ging daher die Sage, sie sepen dort vergraben. Erzbischof Johann (sis03) ließ indessen schon vergeblich darnach suchen. Da sämmtliche kirchen und Columba zu Köln, St. Quirin in Neust, endlich i» den Lesuitenkirchen zu Koblenz, Köln, Düsseldorf, Paderborn und Antwerpen. "> Die Limburger Chronik sagt: „Es hat dieser Erzbischof Werner eine besondere Lust auf Capellen dem Schloß, daher auch die Brief, die von da herkommen an unser Stift, genieinlich Datum Stolzenfels inHaben." 39 438 Räume, welche die Burg zur Zeit besaß, noch deutlich zu erkennen sind, so liefert sie einen abermaligen Beweis von der Beschränktheit aller damaligen Fürstenivvhnungen. Demnach durste sich diese Burg vor alle» andern zu einer Herstellung eignen, (d. h. im eigentliche» Sinne, wo nichts mehr und nichts anders gemacht wird, als ehemals bestanden, nicht aber eine gänzliche Umgestaltung zu einer Villa im Stile des Mittelalters, wie dies bei Rheinstein unerläßlich war), da der Räume doch so viele, solche auch von hinlänglicher Größe sind, um einem einfachen fürstlichen Landsitze zn genügen, dabei aber die Erneuerung der Zinnen auf allen Mauern und Thür- men bei der überaus günstigen Umgebung schon allein hinreichte, das Ganze als eine der großartigsten Ritterburgen darzustellen. Eine Abbildung von Stolzenfels und Lahneck vor der Zerstörung von >689 findet sich in Matth. Me- rian's Ititli erschienener 't'oxoxraplna. .^rolUeg. tUo°»ot. Trsv. et Ool. p. 24. St. Zohannliirclze S. 99. Der große Thurm ist älter, der kleinere verwegener Weise auf drei zweifüßige Mauern gesetzt, jünger wie die Kirche, die während dem 40jährigen Lause eines deulschen Prozesses über die Verpflichtung des Zehntbesitzers zur Unterhaltung derselben, völlig Ruine geworden. Ihr Chor ist von Außen quadratisch geschlossen, im Innern eine Nische auf vorgewölbte Ecken gestellt. Die Uebcrwölbung der Sakristei ist bemorkenSwerlh; sie besteht in einem elliptischen Kreuzgewölbe, indem die Gräten Halbkreise bilden, welche nach allen vier Seiten sich geradlinig verlängern und somit die Schilde zu Halbellipsen geworden sind. Die Männerchöre hatten, gleichwie in den Kirchen zu Ems und Vallendar nur das Dach als Decke. Ihr Alter ist unbekannt und möchte gegen It00 zu setzen seyn, da der kleine Thurm offenbar ins Ende des t2. oder den Anfang des 13. Jahrhunderts gehört. Koblenz S. 104. Wahrscheinlich eines der SV Kastelle, welche Drusus um das Jahr 9 vor Chr. Geburt am Rhein erbaute. Als 0«!>a>ientes genannt bei Ammianus Marcellinus B. i«Z. Cap. 3 (eine etwas dunkele Stelle), wird es besucht von Childebert 585, Thevdorich 721, Kurl dem Großen, seinem Sohne Ludwig 823 und 836, welcher hier Zusammenkünfte mit seinen Söhnen gehalten, und den Söhnen in den Jahren 842, 48 und 60. Bis zu dem hiesigen Castell und nicht weiter, kommen die Normannen 882, und hier entlaßt Karl der Dicke sein Kriegsheer nach gemachtem Frieden. Im Jahr 842 Lothringen zngetheilt, kömmt eS mit diesem abwechselnd an Deutschland und Frankreich, bis eS ersterem verbleibt und Kaiser Heinrich Ii. alle seine hiesigen Regalien (1018) dem Erzbischofe Poppo von Trier schenkt. Im Jahr i>82 erhalten die Burger von dem Zoll 60 Mark zur Unterhaltung der Stadtgebäude; 1240 war die Stadt noch ohne Mauern; diese werden 1262 begonnen von Erzbischof Arnold, 1254 von der Stadt fortgesetzt, 1250 wird das in der Stadt hierzu erhobene Angeld, eine Art Accise, bestätigt, unter Erzbischof Heinrich (reg. 1260 — 86) endlich die Stadt, wie es heißt, vollends umbmuyrt, wozu 1276 eine neue Ungeltsauflage gemacht, vom Domcapitel auf 6 Jahre bestätigt, allein über 12 Jahre lang erhoben wurde. ErzbischofHeinrich beginnt zur selbigen Zeit einen Burgbau (das jetzige Fabrikgebäude an der Mvsel- brücke). Darüber entstand 1280 ein Aufruhr; die Bürger wurden zwar bezwungen, aber durch gewählte Schiedsrichter die Sache dahin entschieden, daß beide mit ihren Befestigungen fortfahren dürsten. Derselbe Streit und Vertrag wiederholt sich 1324. Schon 1267 geschieht Erwähnung eines Siechhau. seS außerhalb der Stadt. Im Jahr >30l verbindet sich diese mitBonn, Andernach, Boppard lind Oberwesel zur wechselseitigen Hülfe, und 1304 — 1334 werden ähnliche Bündnisse geschlossen, wieder 1353 mit Köln. Bonn, Andernach und Oberwesel, wonach Köln 3000 Mann und Ivo Schützen, Koblenz2000, Andernach 1000, Bonn 500 Mann, auch die letztern zusammen Ivo Schützen stellen sollen, obschon es 1366 nur 658 Bürger in Koblenz gab, 63 in Weiß, 56 in Lützelkvblenz, einer ehemaligen Vorstadt jenseits der Moselbrücke und 34 zu Neueudorf. Ein städtisches Frauenhaus wird 1450 das Haus der schönen Dirnen genannt. Die Stadt zahlt dafür jährlich 3 Mark Zins 460 an das Stift St. Castor, verkauft dasselbe jedoch zwischen 1570— 1374 in Folge der Tridentinischen Kirchenbeschlüsse. Im 16. Jahrhundert gab es in der Stadt, ohne die geistlichen Gebäude 674 Häuser, worunter nur 22 von zwei Haushaltungen, aber 101 von Wiltwen bewohnt waren, in Weiß 63, in Lützelkoblenz 70, in Neuendorf 29. — Im Jahr 16Z2 wird Koblenz von den Schweden besetzt, und an die Franzosen übergeben, 1636 von der Kaiserlich-Bairischen Armee belagert, über die Hälfte aller Hänser zerstört, (schon im Kriege zwischen K. Philipp und Otto war die Stadt verbrannt (1199), so wie 200 Häuser darin 1397 durch einen Ritter von Ehrcnburg), darauf übergeben und auf alle Weise mißhandelt bis 1666. — Erzbischof Karl Kaspar erweitert hieraus die Firmungstraße, nachdem er schon 1663 eine Schiffbrücke über den Rhein errichtet hatte. Im Jahr 1666 wüthete die Pest, 1688 verbrannte bei einer Belagerung der Franzosen ein Drittheil der Stadt, ganz Lützelkoblenz und die Thürme der Liebfrauenkirche. Die Stadt erholt sich nun allmählig, 1748 wird der Paradeplatz angelegt, 1763 der Entenpfuhl bebaut, 1773 ein Theil der Festungswerke geschleift, das Schloß in der Neustadt begonnen, 1787 die Residenz des Kurfürsten nebst allen Dicasterien von Thal-Ehrenbreitstein hierhin verlegt, 1794 rücken die Franzosen, 1814 die Russen ein. Die Geschichte einzelner Gebäude ist folgende: Die Castvrkirche von Erzbischof Helti erbaut, wird 836 eingeweiht, acht Tage nachher vom Kaiser Ludwig besucht und begabt, 860, 922 und öfters zu Kirchenversammlungen gebraucht, dann schon im 11. Jahrhundert durch Verfall und Brand beschädigt. Daher erbaut ein Probst Bruno zwischen 1137 und 1201 einen neuen Chor, (nach der Einfachheit des Innern und den ungewöhnlich dicken Mauern zu schließen, wohl nur das Aeußere als Mantel um eine ältere Apse), mit beiden Nebenthürmen, Erzbischof Johann daS Schiff und Transept und weiht die Kirche aufs neue 1208. Später (1493) wird die Holzdecke des Mittelschiffes durch ein reich verziertes Gewölbe ersetzt, auch die Kirche zu 4«1 zwei verschiedenen Zelten restanrirt, einmal 1785 nach der großen Ueberschwemmung, dann >830 unter Leitung des Verfassers. Die ältesten Theile dieser in ihren Hauptformen ausgezeichnet schönen Kirche sind also der innere Theil des Chors und der untere der Vorderlhürme, wie sich ersieres an der Stelle wo die ersten Pfeiler des Schiffs angesetzt sind, leicht erkennen läßt. Selbst diese älteren Theile möchte» indessen nicht dem Bau von 830 angehören, sondern einem später» unbekannten, (nach der Aehnlichkeil einiger Einzelheiten mit andern an den Thürmen von St. Florin vielleicht gleichzeitig seyn mit diesen), wohl aber von jenem die einzelnen Pilasterkapi- täle an der Vorderseite der Thürme herrühre», welche zu den Pilasiern nicht passen und offenbar von einem andern altern Gebäude entnommen worden sind. Der Grundriß gehört zu den besten, die Weite deS Schiffes, und die glücklichen Verhältnisse der Arkaden machen das Innere wahrhast erhebend. ES würde noch gar sehr gewinnen, wen» man die Chorstühle aus dem Transept entfernte, dieses erniedrigen und mit dem Schiff verbinden wollte, was ohnehin schon zur größern Raumgewinnung nöthig wäre, und gewiß die würdigste Feier des im nächsten Jahr bevorstehenden tausendjährigen Jubiläums seyn würde. In den Au- ßeninaucrn der Abseiten sind, wie in St. Cunibert zu Cöln, flache Nischen angebracht, offenbar in der Absicht, die Haltbarkeit derselben durch die stärker» Pfeiler zwischen den Nische» zu vermehren; dasselbe, was man später, wenn auch, wie weiter unten gezeigt werden soll, in anderer Absicht durch die nach Außen oder Innen angesetzten Strebepfeiler bezweckte. Nichts desto weniger sind jene Mauern sehr stark aus dem Loth gewichen, und haben die damit verbundenen Gewölbe der Abseiten dermaßen auseinandergerissen, daß die Ursprung lich halbkreisförmigen Gurtbogen durch wiederholtes Ausfüllen der Risse im Scheitel sich in gedrückte Bogen verwandelt finden. Dieses Ausweichen der Seilenmauern, dem wir so häufig an alten Gebäuden begegnen, wird höchst irriger Weise dem Schub der Gewölbe zugeschrieben. Das ist offenbar 39 ^ 462 falsch, weil einmal kleine, dünne Gewölbe gar nicht schieben, was sich schon dadurch beweiset, daß die Hälfte derselben an jenen Mauern schwebend hängen geblieben, da sie doch sonst hätte einstürzen müssen, sobald ihre Scheitellinie sich getrennt hatte. Nun dies aber nicht erfolgt ist, also diese Hälfte nur als ein mit der Mauer zusammenhängender Theil betrachtet werden kann, so muß sie auch als eine innere Ueberwucht die Mauer eher nach Innen hin überziehen, wie nach Außen hin- drückcn. Da aber letzteres hier wie an so vielen andern Orten dennoch Statt gefunden, so kann die Ursache nur in etwas Anderem liegen, und möchte in der Regel dem Umstände zuzuschreiben seyn, baß fast niemals für eine gehörige Abwäs- serung, d. h. Ableitung der Dachtraufe von dem Fuß der Abseiten gesorgt worden. In trockener Jahreszeit bekömmt aber bekanntlich jedes Erdreich mehr oder weniger Risse, es öffnet sich also eine Fuge zwischen ihm und dem Fundamentmaner- wcrk, bei Regengüssen dringt nun hier das Wasser ein, nn- terweicht die Außenseite der Mauersohle, die Mauer senkt sich also durch ihr eignes Gewicht, und ein Zoll Senkung hier verursacht bei einer zwölf F. hohen Mauer schon ein Ueberwei- chen ihrer Krone um einem vollen Fuß aus der Lothlinie. Dieser Umstand ist, soviel dem Verfasser bekannt, noch nirgends beachtet, oder doch zur Sprache gebracht worden; ja es ist ihm nur ein einziger Fall vorgekommen, wo bei einer bedeutenden Kirche, jener zu Altenberg bei Köln, schon in älteren Zeit für eine gehörige Abwässerung gesorgt war. In der Kirche sind sehenswert!): das leider moderne Grabmal der heiligen Ritza, der Sage nach eine Tochter Ludwigs des Frommen. In einem Schreiben der Bürger von Koblenz vom Jahr an den Papst mit der Bitte um die Heiligsprechung derselben, heißt eS indessen, wie man Alters halber nur von ihr wisse, daß sie ans königlichem oder herzoglichem Stamm gewesen, worauf Papst Gregor X. dem Erz- bischofc Heinrich erlaubt, ihre Reliquien zu erheben, waS dann auch t28!Z geschah, u) Außer andern Grabmonumenten ein alter Grabstein im nördlichen Kreuzesarm mit eingelassenen 463 wachsartigen Farben und der einfachen Inschrift: Lctck.-^tteus, wahrscheinlich aus dem 13. Jahrhundert, c) DaS Monument des Erzbischofs Cuno von Falkenstein (ff 1388) im reinsten Spitzbogenstil mit einem Wandgemälde, dem einzigen bekannte» a»6 dieser Zeit, c» Diesem gegenüber das Grabmal seines Nachfolgers Werner (ff 1418) von ungleich geringerem Knnstwerth. s) Die guten alten Biloer auf der Rückseite beider Chorwände. i) DaS bronzene Kruzifix auf dem Hochaltar. ») Die Kanzel, ein sehr gutes Exemplar des Stils von I62S. 2. Die Kirche deS h. Florin us, jetzt Garnisonkirche, soll nebst einen: Kloster von einer gewissen Mechtild, Verwandten der heil. Helena erbaut seyn, und war zuerst der h- Jungfrau geweiht. Erzbischof Heinrich (ff gus) gedenkt ihrer, Erzbischof Ludolph (ff 1008) nennt sie Florinskirche. Sie wird 1012 von Kaiser Heinrich, ferner i»70 und 71 von Andern begabt, von Erzbischof Bruno 1110 nach alter Sitte ein Hospital dabei gegründet, dies jedoch 121g vom Erzbischof Thcodorich dem deutschen OrdenShauS dahier übergeben. Derselbe Bruno (ff 1124) erbaute die dermalige Kirche, wie eS heißt, Mtckiori «cl>7 kaufte die preußische Regierung sie von dieser für 27,ovo Thaler und ließ solche 464 burch de» Schreiber dieses mit eine»! Aufwand von beinahe 12,ovo Thaler zu einer Garnison- und protestantischen Kirche herstellen »nd einrichten. Die Herrn Professor Klein anstößige Form des neuen Thürsturzes ist ganz construktionSgemäß und findet sich an allen Kirchen jener Zeit; in dem Bogenfeld darüber vermißt man allerdings die Bildwerke, welche gleich jenen über der südlichen Thüre der Kirche zn Andernach dorthin gedacht waren, indessen aus Mangel an Mitteln nicht zur Ausfuhrung kamen. Das Kirchenschiff hat ungemein schöne Verhältnisse, welche offenbar beim Entwurf durch Zahlen be stimmt wurden. Die lichte Weite des Schiffs beträgt nämlich 30 F. rheinläudisch, die Pfeilerstärke 3 F. also der Weite, die Distanz der Pfeilerachscn >5 F., also deren Hälfte, ihr lichter Abstand >2 F., oder das Vierfache der Pfeilerstärke, die Höhe dieser 15 F., mithin der Achsendisianz gleich. Höchst merkwürdig ist noch ein kleines anstoßendes Gebäude, wahrscheinlich schon ursprünglich, wie jetzt, Wohnung des Küsters. Unten auf den Bogen des Kreuzgangs an der Nordseite der Kirche ruhend, besteht sie aus zwei Stockwerken mit Gewölben bedeckt. Sogar der Rauchfangmantel der kleinen Küche ist von der allerzierlichsien Ausschmückung aus der Uebergangszeit des Rundbogens in den Spitzbogen, also dem Anfange des 13. Jahrlmnterts, ei» wahres Kleinod, und reisenden Malern zu einem Closet für ein Ritterfräulei» höchlich zu empfehlen. 3. Die Kirche zu U. L. Frauen, die älteste Pfarr- ') Er kann hier nicht bergen, wie ihm die nachstehende allerhöchste Kabinetsordre die größte Freude gemacht, und wie er hierin reichlichen Ersatz findet für andern Undank! „Ich habe die hiesige evangelische Kirche in Augenschein genommen und das Innere derselben hat Meinen ganz besonderen Beifall erregt, da Ich darin ohne Prunk und Ucbcrladung, Alles vereinigt finde, was das Gemüth zur Andacht und Erbauung erheben kann. Ich beauftrage Sie daher, der Behörde, welche diesen Bau besorgt hat, und namentlich dem Baumeister Mein Wohlgefallen zu erkennen zu geben. Koblenz, den 2!>. Juni 1821. gez. Friedrich Wilhelm. A n den Staatsministcr v. Ingersleben. 4V5 kirche, da sie im Bereich des alten Castells lag, findet sich dennoch erst im 11. Jahrhundert genannt. Das gegenwärtige Schiff nnd die Thürme wurden unter der Negierung von Erzbischof Arnold (ff 125S) erbaut, der Chor 1404 begonnen^), allein erst 1431 vollendet, das Gewölbe um 1500, und die Thurmspitzen nach der Belagerung von 1688. Die Säulen unter dem Orgelchor, aus dem westlichem Chor der Kirche zu Laach entnommen, bestehen aus Kalksinter, welcher sich in der großen römischen Wasserleitung zwischen Trier und Köln angesetzt und von welchem fast an allen rheinischen Kirchen kleine Säulen vorkommen. 4. Die ehemalige Dominikanerkirche ist gegenwärtig in ein Magazin verwandelt. Nach einer dort befindlichen, offenbar nicht gleichzeitigen, Inschrift wäre der Chor 1235 vollendet, jedenfalls aber mit Zusätzen und Aenderungen nach dem großen Brande von 1441. 5. Von der Franziskanerkirche, wahrscheinlich 1450 e rrichtet, wo die Franziskaner das Kloster bezogen, ist nur der Chor »och übrig, indem er zu dem hier errichteten HoSpital als Kapelle beibehalten wurde. Der Direktor der Düsseldorfer Kunstschule Herr Schadow hat ihr ein großes Altarblatt, die heil. Jungfrau als Himmelsköniginn darstellend, vielleicht sein bestes Bild, geschenkt, mit dem weisen Vorbehalt, daß es Eigenthum der dieses Hospital so herrlich verwaltenden barmherzigen Schwestern verbleibe. 6. Die ehemalige Jesuitenkirche (der Orden wurde 1580 hierhiuberufen), nun eine Hülfskirche von St. Casior, erbaut 160!» bis im5, ist ein höchst merkwürdiges Beispiel einer eben so klugen, als kühnen Gewölbekonstruktion, indem keine andere der dem Verfasser bekannten Kirchen so dünne Mauern und, mit Ausnahme deS Chors, dabei ohne alle Strebepfeiler, hat. So wie der ganze Stil der Kirche ein sonderbares Gemisch von dem Antikmodernen jener Zeit mit dem *) S. am letzten Pfeiler rechts die Inschrift: ^nno 1420 vdiit 46« Spitzbogen zeigt, so besteht auch das nur ü Zoll dicke Gewölbe schon nicht mehr aus Kreuzgewölben, sondern aus einem Tonnengewölbe mit nach italienischer Weise einschneidenden Lünet- ten, dagegen mit einem reichen Rippcnnetz, und ungemein vielen Wappen und Hauszeichen auf dessen Knote», von allen Geschlechtern, die zu dem Bau beigetragen. 7. Die kleine St. Georgkirche, tnis erbaut, und zu Schulsälen eingerichtet, zeigt noch ganz den Spitzbogenstil. Ohne das unbezweifelbar richtige Datum wurde man sie unbedenklich 100 Jahre zurücksetzen. 8. Die Carmelitcnkirche, gegen IN59, also nur wenig später, ist schon ganz im italienischen Stil mit einer Kuppel, aber gleich dem anstoßenden ehemaligen Kloster sehr gut und tüchtig konstruirt, auch der nördliche Flügel des letztern durch alle drei Etagen massiv überwölbt. Erstere ist gegenwärtig Mehlmagazin, letzteres Sirresthaus. 9. Die St. Barbarakirche, t707 erbaut mit elliptischen Kreuzgewölben und Spitzbogenfettster. tv. Die Schloßkirche, auch endlich seit l83i Mehlmagazin, gegen 1787 im besten französisch-italienischen Stil trefflich ausgeführt, mit weißem Stuckmarmor und großem Reichthum ausgezeichnet schön geformter Ornamente. Unter den weltlichen Gebäuden ist zuerst der Mvselbrücke zu gedenken. Papst Clemens vi. verlieh 1343 einen Ablaß zur Unterstützung des von unserm großen Kurfürsten Balduin beabsichtigten Baues derselben, Kaiser Karl IV. bewilligte >359 die Erhebung eines Zolles auf derselben, weil sie „zerbrochen und auch noch nicht vollendlich sey vollführt," die Erzbischöfe Werner und Jakob verliehen endlich zu ihrer Nollendung nochmals Jndulgcnzen iao9 und >4äo. Ihre vielfachen Krümmungen können nicht, wie Manche meinen, von einer ungleichen Senkung der Kasten bei Fundamcntirung der Pfeiler herkommen, indem diese Methode erst viel später erfunden wurde, sondern weit wahrscheinlicher von beim Abstecken dieser Pfeiler begangenen Fehlern, von welchen fast keiner mit seinen benachbarten in gerader Linie oder auch nur parallel sieht. 467 Die Alten waren hierin überhaupt nicht allein nachlässig, sondern besaßen auch nur höchst unvollkommene Meßinstrumente^). Bei einer etwas genauen Ausmessung alter Bauwerke finden sich daher die größten Ungleichheiten, die Pfeilerabstände und Abseiten differiren fast immer um einige Zoll, nicht selten bedeutender, ja bei der Kirche zu Simmern bis zu 2 F. Höchst selten sind die Anlagen im Winkel, auch stehen die Sockel und Kapitälo niemals unter sich in der Setzwage. Selbst bei de» auf das Beste ausgeführten Gebäuden, z.B. beim Kölner Dom, kommen diese Ungleichheiten nicht nur vor, sondern sind sogar bedeutend. Die erzbischöfliche Burg, jetzt Fabrik von lackirten Blechwaaren, wie oben bemerkt, von CrzbischvfHeinrich 1280 begonnen, hat außer dem modernen Vorbau, einen altern dicht an diesen stoßenden von Crzbischof Johann von der Leyen aus dem Jahre 1558, so wie eine abermalige Restauration von 1681, in erster»! aber die schönste aller dem Verfasser bekannten Wendolstiegen. Die noch vorhandenen Gräben zeigen deutlich den geringen Umfang dieser Fürstenwvhnung. Der wackere Speckle z. B. in seinem bekannten Werk über Befestigungskunst spricht ganz geheimnisvoll von einem vortrefflichen Instrument seiner Erfindung zur Aufnahme eines Stadt- berings, theilt dessen Beschreibung als eine besondere Gabe mit, und — was ist es am Ende? Eine gewöhnliche Voussole mit einer eingetheilten Papierscheibe. Ebenso unbekannt waren damals den Werkmeistern die einfachsten geometrischen Construktionen, ja die Angabe von dergleichen oft ganz unrichtig, wie z, B. die Art und Weise, die verschiedenen Krümmungen der Gewölbrippen zu bestimmen, worüber der Danziger Werkmeister Manisch ein eigenes Buch herausgegeben, in welchem er von einem durchaus falschen Prinzip ausgeht. Sehr ergötzlich ist es daher, wenn man so oft lesen muß, wie die Wölbekunst der Alten auf tiefen mathematischen Geheimnissen beruht habe, die leider für die Wissenschast verloren gegangen sehe», Sie besahen nichts, wie einen gesunden Hausmannsverstand, eine tüchtige von früher Jugend an geübte Praktik, waren mehr auf der Baustelle, wie zu Hause, dachten oder trieben auch nicht viel Anderes; sie langten hiermit freilich weiter, wie gründlich Gelehrte, die oft schon zwei linke Hände gleich mit auf die Welt gebracht oder an Heften lahm geschrieben haben, und nun vom Schreibtische aus Bauten dirigiren wollen. 468 Der Vau des Kaufhauses bei St. Flvrin wurde 1479 beschlösse», sein oberer Theil jedoch nach dem Braude von 1688 rcstaurirt. Das neben demselben stehende ehemalige Schöffen- gcrichlshaus, mit dem niedlichen Erker auf der Moselseite und einem an diesen stoßenden ungemein zierlich überwölbten Saal, wurde von Erzbischvf Richard 15Z0 erbaut. Die Mauer diesem gegenüber mit einer kleinen Bogenstellung ist der älteste und einzige Nest der zum Stift Flvrin gehörigen Nebengebäude. — Ein Haus nahe an der Kornpsvrte hat noch seine Zinnonkrönung, so wie eine überwölbte Hausflur erhalten. Schräg gegenüber stehen zwei Bürgerhäuser mit wohlerhalte- neu Giebelfronten, um 1500 erbaut. Die schone große Vorhalle in dem Gebäude des königlichen Generalkvmmando's, dem ehemaligen leyenschen Hof, möchte aus derselbe» Zeit stammen. Von dem Gymnasial-Gebäude, den? ehemaligen Jesuitenkvllegium, ist der Flügel nach dem freien Platz hin 1695 von Kurfürst Johann Hugo, der anstoßende ältere von Kurfürst Johann von Schön enberg 1592, der südliche ältere von 1588. DaS ehemalige kurfürstliche Residenzschloß nach den Rissen des ältern Peyre mit einigen Aenderungen von dessen Nachfolger Divnart von 1778 bis 1788 mit einem Aufwand von 1,200 ,000 Thaler trierisch (einer Million preußische Thaler) erbaut, in der Hauptanlage großartig und als Wohnung für einen unvermählten Herrn und viele Diener sehr zweckmäßig angelegt, empfiehlt sich dabei ganz besonders durch eine tüchtige und sorgfältige Ausführung aller einzelnen Theile. Die beiden Hauptetagen wurden 1822 — 1824 zu Justizlokalen hergestellt und eingerichtet. Hierbei zeigte sich der ehemalige Con- zertsaal, für die öffentlichen Verhandlungen des Geschwornen- gerichtS bestimmt, in akustischer Hinsicht so ungünstig, daß keiner die Rede des andern verstehen konnte, wenn dieser 92 F. lange, 40 F. breite, 46 F. hohe Saal nicht ganz mit Menschen angefüllt war. Da anderwärts ähnliche große mit verrohrten hölzernen Tonnen- und Kugelgewölben überdeckte Räume dein selben Uebelstand unterliegen, so konnte die gewünschte Abhülfe 469 auch nur auf diesem Wege gesucht werden. Der Verfasser ließ daher versuchsweise eine Decke von Segeltuch in der Höhe der Kämpferlinie über de» ganzen Saal ausbreiten, und da nun jener störende Wiederhast sofort aufhörte, eine leinene, zeltartig geformte, leicht angemalte Decke einziehen, welche jenes Gewölbe völlig von dem untern Raum trennt. Außer der großen rs F, breiten Haupttreppe, wo jede Stufe aus einem einzigen Stein besteht, bleibt eine andere ebenfalls steinerne neben der gedachten Kapelle für jeden Architekten von beson- derui Interesse, indem die einzelnen u F. breiten Arme bei einer lichten Ocffnung von 6 auf 8 F. einzig durch den Schnitt der Wangen schwebend getragen werden. Dem Schreiber die- ses ist keine von ähnlicher Kühnheit und Leichtigkeit bekannt^). Das hiesige Theater, gleich den benachbarten mit Nr. I00ü und ivll bezeichneten Wohngebäuden, ein Werk des würdigen BaudirektorS Krähe in Braunschweig, verdient in Hinsicht auf Reinheit dcS gewählten Stils, zweckmäßige Ein- lhcilung und Raumökonomie ein wahres Muster für kleinere Schauspielhäuser genannt zu worden. Die Anlage seines Pro- sceniumS hält der Verfasser für die schönste von allen, die ihm bekannt geworden. Das S. 134 genannte Leichenhaus, dessen Details übrigens dem Verfasser nicht angehören, hat er der Form des so schönen wie für die Kunstgeschichte merkwürdigen Baptisteriums zu Cobern^) nachgebildet, indem diese sich für daS Aeußere wie Innere gleich günstig ergab. Der hohe, durch eine Reihe ') Als ein besonderer Liebhaber der Treppenbaukunst hat er sich bemüht, durch die schwebenden steinernen Treppen auf Rh einst ein und in dem hiesigen Oberpräsidialgebäude, die eisernen am Mainzer Thor, die hölzerne Doppeltreppe im Wirthshaus zun. Bater Rhein, die äußere und innere an dem neuen Pfarrhause zu St. Castor, so wie durch andere auf Schloß R h eine ck einige Beiträge zu derselben zu liefern. "> Wer nur einigermaßen mit dem Baufach befreundet ist, und wem es nur immer Zeit und Mittel gestatten, möge Koblenz nicht verlassen, ohne einen Ausflug dorthin, sowie nach der herrlichen Kirche in Munstermaifeld und nach den Burgen Elz und Ehrenburg zu machen, was zu Wagen in cincm Tage geschehen kann. 40 4?« Fenster dicht unter der Decke sehr vollständig erleuchtete Mit- rclsaal eignet sich hierdurch vorzüglich zu den Leichensektionen- Von den sechs niedriger» Abseiten dient eine zum Vorflur, eine zur Aufstellung der Leichen, eine für den Rettungsapxa- rat (der freilich hier, wie allerwärts, noch nie gebraucht wurde), die drei übrigen zur Wohnung des Wärters. Unter den Wohnhäusern der Stadt sind endlich jene noch zu erwähnen, welche nach dem großen Brande von 1688 um das Jahr 1700 errichtet wurden, und sich meist durch vorgebaute Erker über leichten Kragsteinen auszeichnen. Manche derselben bestehen aus mehren Etagen z. B. jene an den vier Eckhäusern bei der Hauptwache, andere zeichnen sich durch ihre Größe aus, z. B. jene an dem ehemaligen Krämerbau, dem Pfarrhaus zu ll. L. F. und dem Hause zum Rosenstock Nr. 43, dessen gekuppelte Fenster dabei das Eigene haben, daß sie in den Progressionen 2, 3, 4, 3 und 2 anwachsen und aufhören. In wie hohem Maße endlich die dies- und jenseitigen Festungsbauten in Entwurf, Construklion und Ausführung ihren Baumeistern zur Ehre gereichen, ist weltbekannt, wohl aber möchte ein anderer Umstand nicht mit Stillschweigen übergangen werden, da er denselben wahrlich nicht minder zur Ehre gereicht, daß nämlich keiner der vielen Handwerker, Lieferanten und Unternehmer bei diesen Bauten reich geworden ist, obschon sie über fünf Millionen preuß. Thlr. gekostet haben. Thal Lhrrnl'rcitttrin S. 148. Die Kapuzinerkirche, 1638 erbaut, hat gleich vielen älteren und neueren Kirchen ein verputztes Schcingewölbe, welches wenigstens das Verdienst einer sinnreichen, einfachen Construklion besitzt. Halbkreisförmig ausgeschifteie Dachstühle und zwischen denselben aufgestellte leichte Curven aus Eichenholz sind unterwärts horizontal, von einer zur andern mit gewöhnlichen Faßreifen, in geringen Abstände», so wie die runde Seite nach oben gekehrt benagelt, die hierdurch gebildeten schwalbenschwanzförmigen Zwischen räume mit Strohlehm über und angetragen, und die so gebil dete leichte dünne Gewölbcdccke auf gewöhnliche Weise ver putzt. DaS ehemalige Dikastcrial-, nun Proviantgebäude, 47! um I7S0 erbaut, unter der Leitung des Vaters des noch lebenden Obristen Seitz, des Besitzers der reizend gelegenen Villa in Pfaffendorf, und so mancher Knnstschätze, durch alle Etagen massiv überwölbt und trefflich ausgeführt, liefert einen abermaligen Beweis, wie ein Gebäude, selbst einem geschmacklosen Stil angehörend, dennoch einen angenehmen Eindruck macht, sobald die Hauptmassen und Verhältnisse schön, die Ausführung gut, und alles daran Ersichtliche consequent ist.— Der dortige Sauerbrunnen, unter dem Namen Born hier wie in Koblenz hochgeehrt, wird schon 1326 in einer Urkunde Schwalburn, 1ZS5 St. Georgenbrunnen genannt. Ems S. 144. Im Dorf Ems steht eine gute, leider etwas modernisirte kleine Basilika'P. tlallcndar S. IS4. besitzt eine ähnliche und zwar mit einer Crppta, jedoch mit Gewölben und andern Zusätzen aus dem fünfzehnten Jahrhundert. Crzbischof Hetti erbaute an dieser Stelle eine Kirche, gleichzeitig mit St. Castor in Koblenz, welche in dem verheerenden Krieg zwischen den Gegenkaisern Otto und Philipp um 1200 zu Grunde gegangen seyn mag, da die jetzige aus dieser Zeit, der Thurm aber aus dem rs. Jahrhundert herzuslammen scheint. Sie besitzt sehcns- werthe Monstranzen, Kelche und Reliqnicngefäße. Niederwerth S. tSZ. Die Kirche ist wohl gegen 1500 erbaut, da bei Versetzung der Chorherren hierhin, I4Z7, durch Crzbischof Raban denselben eine schon tZZ7 eigeweihte Kapelle angewiesen wurde. Lcndori' S. 1S6. Die hiesige lutherische Kirche ist ebenfalls eine ganz sehenswerths Basilika mit eigenthümlichen Ver- ch Alle hiesigen der Art ruhen auf einfachen viereckigen Pfeilern, und nur einige in Köln auf Säulen mit Wiirftlknaufen. Die einzig« bekannte Ausnahme macht jene zu Höchst, die gleick den alten römischen, corinthische Säulen besitzt. Ihr Alter ist leider unbekannt; 1090 schenkte sie Erzbischof Ruthard von Mainz dem dortigen Stift St. Alban; 1440 wurde sie dem Antoniterordcn übergeben, und von diesem stammt wohl der Chor, so wie das schöne nördliche Portal. 472 zierungcn und Formen. Auch besaß da§ Mittelschiff ursprünglich keine Holzdecke, wie St. Johann zu Niederlahustein, die Kirchen zu Ems und Vallendar, sondern ein Steiugewölbe; an dem Bogenwerk über den Fenstern wechseln schon Rundbogen mit Spitzbogen. Lag» S. 157. Die alte, sehr merkwürdige Klosterkirche besteht aus drei verschiedenen Theilen; das Transcpt, 1202 erbaut, zeigt noch nicht die leiseste Spur eines Spitzbogens, dagegen ein Kuppelgewölbe über dem Krenzfeld. Am später angefügten einfachen Schiff (d. h. ohne Abseiten) ist der Rundbogen zwar vorherrschend, doch findet sich der Spitzbogen über dem Portal und den nördlichen Fenstern. Die mit eingeschnittenen Bogen verbundenen Wandpfeiler mit kleinen ausgekragten Nebenpfcilern beweisen, daß gleich bei der Erbauung rundbogige Gewölbe hierhin bestimmt, und die gegenwärtige Holzdecke wohl nur vorläufig war, obschon die Mauern keine Strebepfeiler besaßen. Der Chor mag um 1400 erbaut scyn; seine Grundform, sechs Seiten eines Achtecks, ist ganz eigenthümlich, und beim Eintritt gewährt seine starke Beleuchtung durch die wegen der Ausbiegung beider Chorseitcn und der ungewöhnlichen Länge des Schiffs nicht sichtbaren Seitenfenster einen höchst malerischen Anblick, zumal das Transcpt wenig Licht besitzt. Der metallene vergoldete und reich verzierte Kasten mit dem Arm des h. Simo n ist schens- werth. Probst Bruno von Bonn, später Erzbischof zuKöln, schenkte ihn hierhin 1204. — Auf der benachbarten Eisenhütte sind die Hütte, mit dem weiten eisernen, eine große Fahrbahn schwebend tragenden Dachgerüste, auf 22 F. hohen Säulen ruhend, die Krahnen, welche sich um diese winden, das Geschützbohrwerk und eine englische Maschincndrehbank der größten Art, für jeden Techniker höchst sehenswerth. Das dortige Magazin verkauft unter manchen andern größern nnd kleinern Gußwaarcn, Basreliefs mit den Schauseitcn alter Bauwerke, z. B. des Baptisteriums in Cobcrn, der Kirchen zu Bonn, Andernach, Sinzig, Münsiermaiseld, des Rathhauses zu Münster, deS Grabmals von Erzbischof Cnno u. a. m. 473 Aomcrsdork S. IS9. Eine ältere Kirche, 1210 geweiht, wird in dem grausamen Kriegs zwischen Erzbischof Balduin nnd dcni Grafen von Isenburg nni lZ47 verbrannt; letzterer muß, Ersatz leisten, es wird eine neue Kirche gebaut nnd deren Chor istüi eingeweiht. Der mit einem Theil des Kreuzgangs noch vorhandene Kapitelsaal gehört zu unfern schönsten Monumenten. Zwei seiner sechs Säulen^) bestehen aus Granitz die verzierten Gewölberippen sowie die Strebepfeiler beweisen, daß er zu den Gebäuden gehört, welche der Abt Bruno von BrannSberg um I2ll> hier erbaute. Bei dem Verkauf der Klostergebände wurde seine Erhaltung dem Ankäufer zu Bedingung gemacht. ') Boisserse giebt in seinen Denkmälern des Niedcrrheins Taf. NVIII, Abbildungen und zugleich nachstehende Erläuterungen über den eigentlichen Gebrauch desselben! „Das Kapitelhaus cder der Kapitelsaal war derjenige Theil der Kloster- cder Stiftsgebäude, welcher nach der Kirche die würdigste Bestimmung hatte. Hier versammelten sich in den Klöstern täglich die Mönche nach dem Morgengottesdienst unter dem Borsitz des Abtes oder Priors. Es wurden die Lebensgeschichte des Heiligen des Tages, und ein Kapitel aus der Ordensregel vorgetragen l daher der Name Kapitelsaal); auch wurde der auf den Tag bezügliche Theil der Jahrbücher gelesen, worin die verstorbenen Ordensbrüder, die Wohl- thäter und Beschützer verzeichnet waren; bei allem diesem sprach man passende Gebete. Hierauf folgte die Rüge und Bestrafung der Vergehen, die öffentlich stattgefunden hatten, oder deren die Brüder sich selbst anklagten; zuletzt kam die Vcrthcilung der Arbeiten und Geschäfte, sowie die Berathung der Klosterangelegcn- heiten, oder bei eintretendem Fall die Aufnahme von Novizen und die Wahl eines Abtes oder Priors." Dieser Bestimmung des Kapitelsaals gemäß erbaute man denselben stets mit besonderem Aufwand; man errichtete ihn gewöhnlich in der Nähe der Kirche an der Ostseite des Kreuzganges. In seinem Innern brachte man rund herum Bänke und an der Mittlern Wand einen ausgezeichneten Sitz für den Abt oder Prior, bei-den Stiften für den Probst oder Dechanten an, auch schmückte man den Saal mit Gemälden, und stellte ein Kreuz und ein Lesepult darin auf. "j Schreiber in seiner gedachten Nheinreise S. 331 giebt sie für römisch, räth dringend, sie auszubrechen, und bei den römischen Monumenten, einigem alten Fundamentmauerwerk, zu Bieber oder Engers aufzustellen, also den Capitclsaal einzustürzen und die Säulen zu vergraben! 40 * 474 Engers S. 100. Das Deckengemälde im Schloßsaal aus der älteren besseren Zeit des Hofmalers Zick ist sehenswcrth, sowie die herrliche Aussicht auf dem Balkon. Das dortige Gewächs- und Treibhaus mit gußeisernen Fenstern, auch letzteres mit eiserner Nachrüstung durch den Verfasser 1821 erbaut, haben gegen 8300 Rthlr. gekostet. Das erwähnte Mauerwerk, die Fundamente eines 50 F. langen 30 F. weiten Gebäudes scheint bei der schlechten Arbeit und dem Mangel der Ziegel eher der hier gestandenen Burg, wie einem römischen Gebäude angehört zu haben. Johann Philipp von Neiffenberg, in den elutig. 8-r^- von«., und nach ihm Andere, z. B. Schreiber, machten cS zum Widerlager einer römischen Rheinbrücke. Neuwied S. 102. Die hiesige Sammlung römischer Al- terthümer ist besonders reich an kleinen Geräthcn, Werkzeugen und dergleichen Gegenständen. Auch angebrannte Waizenkör- ner finden sich darunter, die noch völlig genießbar sind. Andernach S. 107. An der bei Boisseröe Taf. 44 bis 43 abgebildeten Kirche ist der nördliche Chortburm offenbar sehr viel älter, wie die übrige Kirche; er mag von jener frühern übrig seyn, welche unter Ludwig dem Kinde 008 erbaut worden seyn soll, und wahrscheinlich in dem oft gedachten Kriege zwischen Otto und Philipp ilgg mit der Stadt zerstört wurde. Die jetzige mag also zu Anfang des 13. Jahrhunderts errichtet seyn, vielleicht von Erzbischos Johann von Trier, welcher 1212 das Patrvnatrecht derselben erkaufte, sowie auch später Kaiser Friedrich Iii. 1475 einen Altar und eine Messe darin stiftete. Das Gewölbe über dem Schiff trägt drei Wappen: das städtische, kaiserliche und jenes des kölner Erzbischofs Hermann IV. (ff 1508), es ist daher unzweifelhaft aus dieser Zeit, obschon man es für älter halten Da die einzelnen Blätter des genannten Werkes zu haben sind, so schien es nützlich, ihre Zahl uberall beizusetzen, damit der Leser hierdurch erfahre, von welchen der rheinischen Bauwerke dcrt Abbildungen exisiircn. 47S würde. Ausgezeichnet schön ist das Basrelief über der südlichen Eingangslhüre, so wie die Kämvferverzierungen an dieser und den übrigen, eigcnthümlich das Vorherrschen der Horizon- tallinien und die reiche Ausschmückung der Westfroute. Von seltener Schönheit sind auch die Prvsilirungcn des Koblenzer Thors. Ihre mannichfaltigen Beschädigungen rühren wahrscheinlich daher, daß in einem der vielen Kriege nach damaliger Sitte an das Thor Feuer angelegt worden, welches diese Basaltlava nicht verträgt, sondern schon bei mäßiger Erhitzung zerspringt. An den großartigen Ruinen des erzbischöflichen Pallastes mit den gewalligen Thürmen, nach ihren Verzierungen unzweifelhaft gegen Ende des 15. Jahrhunderts erbaut^), ist noch der Rest der Brücke ersichtlich, welche die dortigen Bürger in einer Fehde mit dessen Besitzer abgebrochen, schon 1355 durch die als Schiedsrichter gewählten Städte Köln, Bonn, Koblenz und Wesel zu dereu Herstellung verur- theilt, solche abermals zerbrochen haben müsse», da sie in einem Vertrag von 1467 deren Herstellung wieder erlaubten, worauf indessen der Verweser des Erzsiifts 1473 Verzicht leistete. Der Pallast der australischen Könige stand übrigens nicht an dieser Stelle, sondern nach dem Gedicht, worin Vonanti»« iroi-tuontns um 562 seine Nheinreise besingt^), dicht am "> Wenige Städte möchten eines so ernst pittoresken Eingangs sich rühmen können, wie Andernach von dieser Seite her, dessen Erhaltung sie übrigens einzig der schützenden Hand S. K. H. des Kronprinzen verdankt. ") ^ntonnnoonsis (lnstolli proinpt'us oil orcos» eptgue snlinvs rolioit, guoU Kua prnotla vonit. Iliuc lau«ta viilons, Iiuc laeta xalutia reüitono. 476 Rhein. Dort befindet sich auch noch ein Stadtthor, dessen innerer der Stadt zugekehrter Theil, gemäß den daran ausgestellten rohen, kurz geschürzten Statuen wenigstens römisch seyn könnte. Die Franziskanerkirche, seit I8l8 Pferdestall, gehört, wie schon früher bemerkt, zu den seltenen, welche gleich Anfangs zwei Schiffe erhielten; es bestand hier schon 124« eine Kirche. Die gegenwärtige ist zwischen 1414 und 14«3 erbaut, auch wurde 1489 eine Statue der heil. Jungfrau in derselben geweiht. Der großartige Thurm am uutcrn Ende der Stadt ist gegen 1520 errichtet, in welchem Jahre die Stadt mit dem Erzbischof Hermann von Köln wegen dessen Bau unterhandelte. Der Nhcinkrahncn wurde >534 errichtet, indem damals die Stadt die erzbischöfliche Bewilligung dazu erhielt; sein Bogenkranz mit der Attike darüber gibt ein gutes Bild des Uebsrgangs vom Spitzbogenstil in den Modernantiken, so wie das ehemals gräflich Leyenschc Haus ohnwcit des Koblenzer Thors letzteren in seiner höchsten Blüthe zeigt. Das bemerkte Zudenbad endlich, den Reisenden so oft als ein Römcrbad vorgeführt, ist wirklich nichts als ein ganz gewöhnliches Judenbad, dergleichen sich in allen Städten *) befinden, wo Juden wohnen, indem die Judenfrauen verpflich- II0?>riUM Ilist. Irev. l. 11. Da nun hiernach das alte Eastell dicht am Rheine lag, die Ruine des ehemaligen erzbischöflichen Schlosses aber ziemlich weit von hier entfernt liegt, so folgert Schreiber S. 336 gar naiv, das; der Rhein seither seinen Lauf geändert haben müsse. Den großen runden Thurm mit dem gothischen Vogenkranz und einem Mufchelgewölbe macht er natürlich zu einem Rö'merwerk. *) Ein ähnliches in Koblenz ist ganz roh, ein anderes zu Friedberg in der Wetterau dagegen sehr zierlich im Spitzbogenstil ausgeführt. Alle bestehen aus einem Brunnen, um welchen eine Treppe bis zum Wasser hinunterführt. 477 tet sind, zuweilen ein Bad zu nehmen, und zwar in einem Wasser, welches in das Becken geflossen seyn, und nicht hineingetragen oder gepumpt worden seyn muß. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts hatten die hiesigen Bürger ihre Inden verjagt, auch ihre Häuser und Synagoge zerstört, mußten aber laut eines schiedsrichterlichen Urthcils vom Jahre 1287 allen Schaden ersetzen und die Juden wieder aufnehmen, bis die Stadt endlich 1596 von dem kölner Erzbischof Ernest das Privilegium erhielt, alle abzuschaffen. St. Thomas S. 109. Ein srommer Mönch, Jsenber- t u s, 1129 als Prior zu Herstellung der Klostcrzucht hierhingesendet, starb im Geruch der Heiligkeit, und wurde in der Kapelle des heil. Michael begraben, wo er sich besonders in Heilung von Kinderkrankheiten wunderwirkend zeigte. Diese Kapelle im Aeußern durch eine schöne Bogenstellung merkwürdig, im Innern durch ein rein römisches Kreuzgewölbe, d. h. ein solches mit geradlinigen, horizontalen Scheitellinien, ist hierdurch, so wie durch ihr bestimmtes Datum von besonder»! Kunsiwcrth, daher um so mehr zu bedauern, daß sie vor einigen Jahren in Zellen für tobsüchtige Irren umgewandelt worden. Glücklicherweise ist daö Gewölbe stehen geblieben; es bleibt daher die Möglichkeit, wohl gar die Wahrscheinlichkeit, sie einstens wieder hergestellt zu sehen, zumal jede Irrenanstalt gewiß einer Kirche bedarf, und nach den neueren Erfahrungen in der Jrrenbehandlung dergleichen Zellen für unnöthig, ja für schädlich erklärt werden. Leudrsdort' S. 171. Die Pfarrkirche besitzt einen guten, alten Taufstein, und die etwas unterhalb gelegene heil. Grabkirche zeigt noch verzierte Spitzbogcnfcnster, obschon solche um die Mitte des 17. Jahrhunderts erbaut ist. Namcdh S. 17>. Die kleine alte Klosterkirche aus dem Ende des l5. Jahrhunderts, durch eine Reihe dünner Sänlcn in zwei Schiffe geschieden, gehört zu den niedlichsten; auch besitzt der Chor einiges Eigenlhümliche. Fornich S. 172. Die Kapelle au der Straße wurde 1369durch Johann von Irlich, Pfarrer zu Andernach erbaut. 478 Hammcrttcin S. t73. Die Burgruine als solche ist unbedeutend, desto merkwürdiger die kleine Kirche in Oberhammerstein. Nicht nur hat der Chor einen Ileberbau, der fast auf ein ehemaliges Baxtisterium schließen laßt, sondern auch die Kirche besitzt ein zwischen hölzernen Rippen ausgesiackles Gewölbe, dessen Schlußsteine ans den Hängsäulcn der Dach- stichle bestehen, in welche die Rippen eingezapft sind. tauch S. 176. Die dortige Kirche (bei Boisseree Taf. 2S. 2t>) von io<»3 bis ilSS erbaut, im reinsten Rundbvgenstil, ohne Strebepfeiler und ohne die leiseste Spur eines Spitzbogens, gleich den großen Kathedralen zu Mainz, Worms und Speier mit zwei Chören und zwei Transcple», jedes einen großen Thurm tragend mit zwei andern daneben, Alles mit einem überschwenglichen Neichthuni von den besten Ornamenten, ganz in Werkstücke» ans die beste und schönste Weise ausgeführt, verdient vor allen die Perle unseres trierischen Landes genannt zu werden, für den Kunstkenner, wie für den Kunstfreund von gleich hohem Werthe. Wie St. Clemens in Rom besitzt sie einen wunderschönen Kreuzgang vor dem Westends. Das Grabmal des Stifters von Abt Theoderich (s t2!>5) errichtet, hat keineswegs zwei Säulen verloren; sein wunderlicher Baldachin mit alt griechischen Profilirnngen würde kaum eine halbe entbehren können, sein hölzernes Bild, nicht das Nach-, sondern eher das Vorbild eines steinernen, befindet sich leider in Bürresheim. Das seit Z» Jahren fehlende Modell der Kirche, welches jenes Bild ehemals auf der Hand trug, ist ans die sonderbarste Weise in den Besitz des Verfassers gekommen, aber leider nur ein ganz rohes unrichtiges Abbild des Baues. Der Grabstein des ersten Abts Giselbert (l>52) mit seinem Brustbild und einer durch Raub undMnlh- willen zur Hälfte zerstörten Inschrift in Mosaik, verdient in dem Museum zu Bonn gesehen zu werden^). Der unterirdi- ') Zn mehrfacher Weiss merkwürdiger ist freilich eine andere im Bonner Museum aufbewahrte, um sehr hohen Preis erkaufte abentheuerliche Reliquie, der Schild »cimlich, den angeblich Hermann in der Schlacht gegen Barus getragen haben soll. 479 sche Abfluß dos Sees wurde schon von dem zweiten Abt Ful- bertus (s 1177) angelegt. Beim Verkauf der Abtei wurde das Eigeuthum der Kirche vorbehalten, für ihre bauliche Unterhaltung wird gesorgt, soviel die Mittel gestatten; es wäre sehr zu wünschen, daß vor allem eine gehörige Abwässerung vorgerichtet würde. Ihr Maugel hat bereits bedeutend geschadet; die Seitcnmanern sind etwas übergewichen, und das Gewölbe zeigt, wenn auch schon alte, doch in neuerer Zeit erweiterte Nisse. Indessen möge solches am Ente auch einstürzen, so verdiente die Kirche darum nicht minder die sorgfältigste Pflege. Ahcinrrk S. 178. Die Warte ist nicht römisch, mit 7 F. starken Mauern aus Fels gegründet, nicht sonderlich kühn, und nicht iü<>, sondern leider nur 65 F. hoch. Das alte Mauerwerk, theils älter, thcils neuer, wie die Zerstörung der Burg Nheincck nach ihrer Eroberung im I. 1150 durch Kaiser Conrad, war in so schlechtem Zustand, die darauf gesetzte Kapelle so baufällig, daß Alles abgebrochen, ja der letzte Stein aus dem Fundament gerissen werden mußte. Für die Kapelle war eS Schade, obschvn sie im Innern nach dem Brande von 1784 abscheulich modernisirt worden; die neue wurde indessen imAeu- ßern der alten getreu nachgebildet, bis auf die Krönung des Unterbaues, jenen an der Chornische, und die Bvgenstellung mit allem, was über derselben steht. Wem vielleicht der runde Giebelschluß an der Nheiufronte des Neubaues Scrupel erregt, der wird ersucht, zu bedenken, wie ein Bogenschluß beim Bo- gonstil ganz conscquent erscheint, auch dieselbe Giebclform an der Domkapelle in Goslar vorkömmt. Ahcinbrrchi S. 179. Die gespaltene Thurmspitze der Pfarrkirche hat Aehnlichkeit niit jenen an St. Gereon zu Köln; die ganze Westseite dieses Thurms ruht auf einem ungeheuren eichenen Balken über der Ehorwölbung. Die Kapelle dicht am Rhein zeigt in ihrem hübschen Innern eine sehr nette ge- wölbcförmige Heizdecke, die sich ehrlich für das giebt, was sie ist. N-rdcrhrcisig S. 179. Am untern Ende sieht ein kleines, aber ganz achtes Stück Nömermauer. Die Kirche 171S 489 errichtet, hat noch Spitzbogengewölbe mit Nippen, letztere jedoch auf römischen Wandpfeilern stehend. Oberbreisig S. 179. Die gedachte Inschrift, nnr in einen, geistlichen Spruch bestehend, findet sich auf der Sockelbedeckung der beachtenswertsten Kirche, die ein Seitenvortal besitzt, welches mit einen, arabischen d. h. einen, über den Halbkreis fortgesetzcn Kreisbogen geschlossen ist, eine Abseite mit Nischenförmigen Arkaden, einen Männerchor über der nördlichen und Pfeiler, deren Kämpfer nach dem lcsbische» Stab profilirt sind, welcher überhaupt i» den Gliederungen unserer hiesigen Bauwerke nicht selten vorkömmt. Leubsdorf S. 179. Die kleine Kirche ist nicht ganz ohne Bedeutung, mehr jedoch das kleine alte Burghaus mit den Eckthürmchen, dessen ganz erhaltenes Innere einen deutlichen Begriff gibt von der übergroßen Bescheidenheit der damaligen Ritterwvhnungen. Dattenberg S. 180. Auf dem romantischen Wege vom Rhein über Dattenberg nach Leubsdorf liegt zwischen letzterem ein kleines Plateau, welches als eine treffliche Baustelle für eine alterthümlicho Villa mit einer herrlichen Fernsicht empfohlen zu werden verdient. Sinzig S. 181. Die Kirche (bei Boisseröe Taf. 53^- 55) nicht in, deutschen, sondern dem besten UcbcrgangSstil erbaut, erfreut sich einer besonders günstigen Stellung. Wahrscheinlich, wie so viele andere, erbaut nach dem gedachten Kriege zwischen Otto und Philipp, wo die Stadt verbrannt wurde, besitzt sie in ihren Massen wie Einzelheiten recht viel Schönes. Eine kleinere einfachere in dem benachbarten Heimersheim an der Ahr zeigt eine auffallende Aehnlichkeit mit derselben. Zwei Stunden weiter zu Ahrweiler steht eine gar herrliche Kirche mit dreifache», Chor, errichtet zwischen 1245 und 74 von Gottfried von Blankenheim, dem 35. Abt von Prüm. Die Stadt Sinzig war zur Zeit bedeutend. Die fränkischen Könige hatten ein Palatium dort, welches bis Iiw noch zuweilen bewohnt wurde; auch bewilligte Kaiser 48! Adolph ihr 1297 die Erhebung einer Auflage zur Vollendung ihrer Befestigung. tinz S. 182. DaS schöne Gemälde, schon durch den bekannten Bildermördcr Pereira vielfach beschädigt, ist im verflosseneu Jahre durch eine» unglückliche» Sturz auf dcu Boden beinahe völlig zu Gruude gegangen. Der schöne, schlanke Helm auf dem Thurm besitzt die leichteste Dachrüstung, die dem Verfasser noch vorgekommen; sie verdankt ihr Dasein wahrscheinlich dem großen Brande von 1391. Remagen S. 184. Der Thvrweg des katholischen Pfarrhauses besteht aus dem Neste eines älteren mit einer kleinen Nebenthüre. Die sonderbaren grotesken Skulpturen daran möchten auf ein hohes Alterthum deuten, wenn nicht einiges architektonische Beiwerk auf das Ende des Ii. Jahrhunderts hinzeigte. Aehnliche Skulpturen befinden sich übrigens an dem mittäglichen Seiteneingang des DomS zu Münster in Westphalen. Apollinarisberg S. 18s. Erzbischof Friedrich von Köln (s II3I) erbaute hier eine Zelle für einige Mönche; 1164 wurden die Gebeine des heil. Apollinaris dort niedergelegt; die vorhandene Cryxta ist daher wohl von dem ersten Bau. Die neuere Kirche, wahrscheinlich nach den, oft gedachten Kriege zwischen Otto und Philipp errichtet, hat Aehnlichkcit mit jener in Oberbreisig und manches Eigcnthümlicho, besonders an den Gewölben. Kirche und Gebäude mit ansehnlichen Gütern stehen zum Verkauf. Möchten sie sich doch eines Käufers, wie Rheineck, zu erfreuen haben! Es gibt nicht leicht eine schönere Stelle für einen Landsitz. Die Aussicht gehört zu den reizendsten, ja die Ansicht des Siebcngebirges von hier aus ist wundervoll. Unkel S. 187. Die dortige Kirche, deren Mittclsäulcn oben dicker wie unten sind, besitzt einen guten, beiBoissersie Tafel 24 abgebildeten Taufsieiu. Helsterbach S. 196. Der Chor dieser 1210 begonnenen, 12 33 eingeweihten Kirche ist ungemein beachtungswcrth, da 41 482 er beweiset, welche Massen auf spindelförmige, ja pfeifenstiol- ähnliche Säulen gesetzt werden können. Möchte wenigstens dieser einzige Rest einer herrlichen Kirche (bei Weisseres Taf. Zg bis 44 vollständig abgebildet), zugleich vielleicht die malerischste aller Ruinen, der Nachwelt erhalten werden, was mit sehr mäßigen Kosten geschehen könnte. Ein dortiger Mönch, Cäsarius, schrieb 1222 dieniortunriim, ein gar merkwürdiges Buch. Eine absonderlich ergötzliche Geschichte daraus möge den schönen Leserinnen nicht vorenthalten werden ') „Heinrich von Wied war ein reicher und mächtiger Ritter, Dienstmann Herzog Heinrich's von Sachsen. Noch leben Viele, die ihn gekannt, und sich vielleicht der Begebenheit erinnern, die ich erzählen will. Er hatte eine edle und geliebte Gemahlinn. Eines Tages, als die Rede kam auf Eva's Verschuldung, fängt die Frau, nach Weiberart, an, unsre Urmutter zu tadeln und zu schelten ob ihres Unbestandes, daß sie um einen geringen Apfel aus Gier das ganze Menschengeschlecht in solche Qual und Noth gestürzt. Der Mann antwortete: „richte nicht! Du hättest es vielleicht gerade so gemacht in ähnlicher Versuchung. Ich will dir etwas vorschreiben, was noch weniger ist, und du wirst es mir zu Liebe doch nicht thun. Sie fragte: „was ist es?" — Der Ritter erwiederte:" an dem Tage, wo du aus dem Bade kommst, sollst du in die Lache auf unserm Hofe nicht hineingehen mit nackten Füßen. Die andern Tage, wenn es dich gelüstet, magst du immer hineingehen." — Es war ein schmutzig, stinkend Wasser, zusammengelaufen aus allem Unrath im ganzen Hofe. Sie lachte und erschrack davor, daß sie ein solches Verbot übertreten könnte. Aber Heinrich fügte hinzu: „wir wollen sogar eine Strafe dazuthun. Wenn du gehorsam bist, bekommst du von nur vierzig Mark Silber; wo nicht, zahlst du mir eben so viel." Das gefiel ihr wohl. Der Mann aber stellte, ihr unbewußt, geheime Wächter an der Lache auf. Sonderbar! Von dieser Stunde an konnte eine so anständige und sittsame Frau nicht mehr durch den Hof gehen, ohne die Lache anzusehen, und so oft sie badete, stellte sick Versuchung nach der Lache ein. Einstmals, indem sie vom Bade kam, sagte sie zur Magd: „ich sterbe, wenn ich nicht in die Lache da hineinsteige!" — Und sogleich gürtete sie sich, sah umher, und da sie Niemand in der Nähe glaubte, schritt sie hin ein in das stinkende Wasser bis an die Kniee mit ihrer Dienerinn, und spazierte darin hin und her, recht nach Herzenslust. Das wurde sogleich dem Mann gemeldet. Er frohlockte, und sagte, als sie erschien: „wie ist es. Herrinn? Habt ihr heute recht ge- 483 Godesberg S. 198. Der stolze Thurm ist wieder nichts weniger, wie römisch, sondern unzweifelhaft angehörig dem Burgbau, vom Kölner Erzbischof Theoderich begonnen im Jahr 1212. Am Ende deS Dorfs steht eine kleine Capelle mit einem anstoßenden Gebäude, beide beachtcnswcrth. Lonn S. 205. Wie bedeutend das Münsterstift, dessen Kirche nach Schreibers Reise vbengedachtermaßen von den Normannen um 882 zerstört und von der Kaiserinn Helena gegen 332 hergestellt worden seyn soll, schon im Jahr 1131 war, bezeugt die BestätigungSbnlle seiner Besitzungen vom Papst Znnocenz Ii., nach welcher ihm außer einer Menge anderer Güter nicht weniger als 35 Pfarrkirchen mit ihren Zehnten zngchörtcn; 1139 verleiht ihm derselbe die Aufsicht über vier Landdiakvnate mit 388 Pfarr- und Feudalkirchen. Der Chor (b. Boisseröe Taf. 56) mit seinen Thürmen und der Crypta, sowie der Kreuzgang, wurde von dem Probst Gerhard, einem Grafen von Sayn, gegen 1157, die Kirche später, wahrscheinlich vom Probst Johannes um 1270 erbaut. Sie litt sehr durch Brand 1590 und 1630, gehört übrigens zu uusern schönsten Monumenten, besonders der Ileber- gangspcriode. Ihr Inneres erscheint gar großartig, besitzt schöne Einzelnheiten und wie der seither viel zn wenig beachtete Kreuzgang, viel EigenthümlichcS; der Hauptkirche einer Stadt wie Bonn, und dem privilegirten Muscnsitz der Rheinprovinz angehörig, verdient er wahrlich nicht, als Magazin sür leere Fässer und Champagnerkörbe gebraucht zu worden. Von der 1810 abgetragenen Martinskirche gibt es nur noch badet?" — Sie sagte: ja. Er fuhr fort: „in der Wanne, oder in der Lache?" — Bei dem Worte schwieg sie voll Verwirrung. Denn sie merkte, daß ihre Thorheit nicht verborgen war. Er aber setzte hinzu: „wo ist nun, o Herrinn, eure Sündhaftigkeit, euer Gehorsam, euer Selbstruhm? Schwächer, als Eva, seyd ihr versucht, lauer widerstanden, schändlicher gefallen. So gebt denn heraus, was ihr schuldet!" Und da sie nichts hatte um zu bezahlen, nahm er alle ihre köstlichen Gewänder, und vertheilte sie unter Andere, so daß sie eine Seit lang viel Qual ausstand." Buch IV. Cap» 77. 484 eine Ansicht bei Weissersie Taf. i und einen Querschnitt von Meyer; nach diesen scheint sie dem Anfang des il.Jahrhunderts angehört zu haben. — Das Innere der ehemaligen Minoriten- nun Pfarrkirche, in den letzten Jahren recht gut resiaurirt, gewährt einen besonders angenehmen, heitern Eindruck. Ihr Alter ist nicht bekannt, fällt aber wohl in die spätere Spitzbogenzeit. — Die INI7 geweihte Jcsnitenkirche hat, wie alle dieses Ordens, gute Verhältnisse, die selbst durch den schlechten Stil jener Zeit wenig gestört werden. — Freunde römischer Denksteine finden viel Merkwürdiges in der zur Universität gehörigen Sammlung. Schwarz-Ahcindort S. 220. Eine der äußerst seltenen Doppclkirchcn d. h. zwei übereinanderstehend, genießt des seltenen Glücks, in einer alten Steinschrift ihre Geschichte jedem Leser vorzutragen. Von Arnold, einem Grafen zu Wied, damals Erzbischofvon Cöln, 1148 begonnen und zu seiner Grabstätte bestimmt (>I56 als Erzbischof zu Mainz gestorben, wurde er auch hier beigesetzt), >151 eingeweiht, zeigt sie noch keine Spur des Spitzbogens. Sie ist daher für die Geschichte der Baukunst von besonderem Werth, hat dabei einen fast um die ganze Kirche führenden Umgang auf mehr wie hundert kleinen Säulen ruhend, die sowohl an den Füßen, als an den Knäufen, eine ganze Mnstcrkarte der mannichfaltigsten Verzierungen und Profile darstellen. Äöln S. 224. Der heil. Maternus soll als erster Bischof und Schüler des Apostels Petrus eine Domkirche schon im Jahre <14 erbaut und der heil. Cäcilia geweiht haben; eine spätere wurde vom Erzbischof Hildebold gegründet, welchem Carl der Große, dem er bei seinem Tode 814 beigestanden, in feinem Testament Schätze hierzu vermachte, (derselbe Hildebold vermachte auch 81» dem Dom seine Bücher) und wurde 873 in Gegenwart vieler fremden Bischöfe geweiht. Sie stand in der Gegend der heutigen Burgmauer, jedoch schon bei den Einfällen der Normannen gegen 882, so wie >080 durch .Brand vielfach beschädigt, brannte sie endlich >248 vollends ab. Noch in demselben Jahre legte der Erzbischof Conrad 48S vo» Hochstetten den Gouudsieiu zu dem gegenwärtigen^), wovon jedoch erst unter seinein vierten Nachfolger 1320 der Chor vollendet und feierlich eingeweiht wurde, indem die Unruhen jener Zeit viele Störungen im Bau veranlaßt zu haben scheinen. Erzbischof WilhelmuS (s 1362) errichtete einen Hochaltar, so wie sein eignes Grabmal. Von dem älteren Dom besteht keine Zeichnung; man weiß nur, daß er zwei Chöre über Crypten, zwei hölzerne Thurme und daü Schiff auf jeder Seite 10 Fenster hatte. lieber die so oft besprochene Frage, ob man diesen über- herrlichen Bau, das Riesenwerk ohne Gleichen'"), vollenden soll, sei) es dem Verfasser erlaubt, seine Ansicht mit wenigen Worten hier auszusprechen. Wie diese Vollendung technisch nicht unmöglich, ja wie sie nicht einmal schwierig sey, bedarf für den praktischen Architekten keines Beweises. Ihm ist es zur Genüge bekannt, welche ungeheueren Fortschritte Mechanik, Technik und Meß- kunst i» neuerer Zeit gemacht. Der Nichtprakliker dagegen mag an den dortigen neuesten Restaurationen, die wir und die Welt unserem frommen Könige nicht genugsam verdanken können, sich eben so leicht hiervon überzeugen. Cs handelt sich also einzig um die erforderlichen Geldmittel, welche nach 'z Das Prachtwerk über den Dom, welches wir Sulpiz Bois- scrse's großsinniger Aufopferung bedeutender Summen verdanken, ist weltbekannt. Um es gemeinnütziger zu machen, wäre eine verkleinerte Ausgabe sehr wünschenswerth. Das Dombiichclchcn von de Noel, dem Bcwahrer der Wallraf'scheu Sammlung, einem Manne von seltenem Kunstsinne und der ausgcbreitetsten Geschichtskenntniß, verdient Jedem empfohlen zu werden. ') I>r. Whewell in seinem trefflichen, noch viel zu wenig bekann- briclxe I8Z0 sagt von ihm S. 67 so schön wie wahr: cvwgmr« catko- ppleiulia, sna gorbap6 Uio eurliest oxbibltian ot tlm beautios ot tlu» st)io. Boisserse nennt ihn noch schöner und leider noch wahrer »ein doppeltes Denkmal des erhabensten Geistes, und beharrlichsten Willens und kunstreichsten Vermögens, und hinwieder, der alles störenden Zwietracht, ein Sinnbild der gssammtcn Geschichte des deutschen Vaterlandes". 4t 486 zuverlässige» Ermittelungen etwa fünf Millionen Thaler für die Vollendung des ganzen d. h. nebst den beiden Thürmen, betragen. Diese im Laufe weniger Jahre oder eines Regen- tenaltcrS aufzubringen, erlauben die unglücklichen Verhältnisse unserer Zeit allerdings nicht, ja eine solche Ausgabe wurde bei dem Andrang so viel anderer dringenderer Bedürfnisse eine sträfliche Verschwendung genannt zu werden verdienen. Was hindert uns dagegen, auf der Bahn fortzuwandeln, die unsere Voreltern betraten? Auch sie waren, als sie den Bau begannen, dessen Plan gleich einer andern Minerva aus dein Kopf eines älter» Schinkel, gleich in herrlichster Rüstung herausgesprungen, gewiß nicht so unwissend oder unklug, um zu wähne», daß sie hoffen dürften, sich dessen Vollendung zu erfreue». ES verdient daher vielleicht diese Pietät der Begründer und das Riesenhafte der Conccption des Baues gleiche Bewunderung; haben nun ihre Nachkommen in einer wild bewegten, und wenn auch kräftigen, doch rohen Zeit während beinahe 400 Jahre» sich dennoch fortwährend bemüht, das erste Bauwerk aller Zeiten und Völker nach Kräften zu fördern, so ziemt es sich gewiß unserer Zeit, dasselbe zu thun. Ob das Ziel früher oder später erreicht, das vor so» Jahren Begonnene in r>o oder Ivo Jahren vollendet werde, bleibt für die Sache selbst ziemlich gleichgültig^). Den letzte» Termin angenommen, handelt eS sich also von einer jährlichen Verwendung von üvovo Thalern, eine Summe, deren Aufbringung zur Ehre und Verherrlichung Gottes einer Provinz, die Er vor so viele» gesegnet, um so weniger schwer fallen durfte, als sie hierbei gewiß auf die Unterstützung einer Regierung *) „Große Bauwerke sind ihrer Natur nach nur in längerer Zeit zu vollenden. Die ersten Unternehmer müssen daher immer auf die Beharrlichkeit und Ausdauer ihrer Nachfolger rechnen. Hat das Werk seine Bestimmung behalten, und ist also noch im Reich des Lebenden, so scheint es selbst stillschweigende Uebereinkunft der Generationen zu fodern, das Angefangene zu fördern, das Unvollendete zu vollenden, damit Großes und Herrliches nicht als Bruchstück dastehe." Moller. 487 zähle» dürfte, deren beste» Willen »nd regsten Eifer für alles Ente niemand verkennt, und deren Herrschers»»»» vor allen gleichzeitigen sich durch einen wahrhast frommen Sinn auszeichnet. Auch Beiträge von Privaten würden gewiß nicht ausbleiben, sobald der Wille, den Bau fortzusetzen, einmal ausgesprochen wäre. Ist eS doch das einzig erfreuliche Zeichen unserer Zeit, daß bei alle dem Getreibe der verschiedenen Parteien in den, bessern Kern des Volks überall ein reiner, religiöser Sinn sich immer kräftiger entfaltet. Lesen wir nicht beinahe täglich von mehr oder minder wohlthätigcn Stiftungen, ja haben wir nicht hier ganz in der Nähe es noch vor Kurzem erlebt, wie ein schlichter ehemaliger Klosterbruder fast seine ganze Habe, über 33,000 Gulden, die er mühselig einem nächst achtzigjährigen Leben abgekarget hatte, zur Gründung einer Kirche in seinem heimathlichcn Dorfe, zur Stiftung einer Vikarie bei einer andern, und zur Unterstützung der Arniuth mit freudigem Herzen hingegeben, und seinem kleinen Küsterdicnst noch mit demselben Eifer vorsteht, womit er ihn vor vier und dreißig Jahren angetreten hat. S. 234. Von dem Dombild, bekanntlich früher Altarbild in der Rathhauskapclle, heißt es in dem wenig bekannten Städtebuch von Simon Novellanus: „Dies Jahr(ir>74) ist das NathhauS mit einer Galarey oder Moenian auss das herrlichst verziert, von kunstreichen Meistern mit besonderem Fleiß und vortreffentlicher künstiger Arbcyt auf t<> Säulen (so aus hartem schwarzem Marmor und ein, Stück gehauen) gebaut, und mit lustigen Bogen unten und oben vorhaben, hat in der mittelsten Höhe ein bequemen Spaciergang, ist nit vn merkliche Kosten folnzogen. Recht gegenüber hats ein Ca- pell, ist vor Zeiten der Juden Synagvg oder Schul gewesen, aber im Jahr Christi I42l> der Allerheiligsten Jungfrauen Mariä zu ehren geweiet, Jerusalem genennet. In dieser Capell ist eine so kunstreiche gemalte Altartafel, das sie auch die hocherfah- rcuste Maler nit genugsam loben, und sich an deren mit höhe- steni Verwunderen ersettigen kunncn ". Hiernach, so wie nach de», Gegenstand des VildeS zu schließen, möchte eS wohl für 488 diese Kapelle eigens bestellt, also nach 1426 gefertigt worden sehn, was um so wahrscheinlicher wird, wenn man dasselbe mit dem oben gedachten Wandgemälde am Grabmal des Erz- bischofs Cuno in St. Castor zu Koblenz, nach 1388 gefertigt, vergleicht. Eine Jahreszahl findet sich nirgends darauf, wohl aber ans dem einen Flügel ein sehr deutliches »i so wie ans dem andern ein eben so deutliches x, v und x nur daß der Berbindungsstrich an ersierem von unten nach oben, und nicht wie üblich von oben nach unten gezogen. ES ist nun wohl nicht abzusehen, weshalb der Maler nicht eben so gut si. Xnx geheißen haben könne, wie Wilhelm oder Stephau, da die Kölner Nachrichten von keinen, derselben etwas wissen, die Limburger Chronik des Meisters Wilhelm schon 1380 gedenkt, die Stelle^) in A. Dürers Reisebericht aber das gesehene Gemälde nicht näher bezeichnet, mithin eben so gut ein anderes darunter verstanden sehn kann. Hieß nun der Maler dieses herrliche» Bildes wirklich SI. Xox, was niemand gerade um des ungewöhnlichen NamenS willen für unmöglich erklären wird, so erscheint es als eigne Tücke des Schicksals, daß man ihm denselben streitig machen will, obschon er ihn so deutlich und in die Augen fallend auf de» Vordergrund seines BildeS gesetzt hat, wie es kaum irgend ein Anderer gethau. S. 233. Gewiß vorzüglich sehenswert!) ist die St. Marienkirche im Capitol. Ihr Grundriß ist wohl der schönste von allen; nur ihre Namensschwester, neben dem Dom zu Trier stehend und 1222 bis 1243 erbaut, könnte ihr hierin vielleicht den Rang streitig machen. Daß die h. Plectrudis, um 700 eine Kirche auf dieser Stelle erbaut, ist allerdings richtig; allein wenn eS irgend eine Baugeschichte giebt, so war dies nicht die gegenwärtige, die nach dem ganze» Stil, besonders den merkwürdigen Säulen hinter der Orgel, frühestens '1 »Item Hab 2 wcißpf. von der Taffel aufzusperren geben, die Meister Steffen zu Cöln gemacht hat." ") Bei Baisse röe Las. 2, so wie .3 bis !> die vollständigen Nisse und die Abbildung der schönen Thure am nördlichen Eingang derselbe». 489 UNI das Jahr 1000 gesetzt werden möchte, wie auch der außen am Chor eingemauerte Grabstein der Stifterinn offenbar einer noch spätem Zeit angehört. Historische Data fehlen freilich hier, wie bei so vielen Kölner Monumenten; wenigstens ist bis jetzt nichts darüber aufgefunden, außer daß Erzbischvf Bruno (-s MS) hundert Gulden znr Vollendung des Kreuz- gangS vermachte, von welchem jedoch nur ein Paar Säulen noch herstammen können, und daß nach 1637 der eiserne Ring um den Chor gelegt worden. DaS Schiff besaß ursprünglich nach allen Anzeigen eine Holzdecke; das Gewölbe dürfte dem 14. Jahrhundert angehören, sowie auch nach untrüglichen Merkmalen der dreifache Chor nicht mit dem Schiff gleichzeitig ist. Die Angabe, daß Erzbischof Anno das Chorherrcnstist von Dortmund i»S7 hierhin versetzt habe, beruht auf einer Verwechselung, da dies nach der von ihm erbauten, leider abgebrochenen Kirche Murin, ml clr.-ulus Statt fand. Die schöne Crppta enthält sehr merkwürdige Wandgemälde und ist wieder höchst unschicklicher Weise als Magazin vcrmiethct. Be- merkenswerth sind die südliche Chorkapelle, gestiftet 1460 von der Familie Hardenrath, welche auch die durchbrochenen Chorwände machen ließ, die nördliche Capelle mit dein schwebenden Rippennetz (ein ähnliches besitzt St. Leonhard in Frankfurt) mit einem zierlichen Betstuhl, bronzenen Taufbecken, und einem Gemälde mit dem Zeichen von Dürer, die Orgelbühne ans den Resten einer Capelle oder vielmehr eines Lettners von Jahr l62S zusammengesetzt, endlich die schönen alten Glasmalereien und die mancherlei Grabsteine, welche an dem Westende ausgestellt, bis in die älteste christliche Zeit hinaufreichen. S. 237. Die verschicdenzeitige Entstehung von St. Gereon, (b. B. Taf. 6t —63) ebenfalls eine Perle der Kirchenbaukunst, ist ziemlich vollständig ermittelt und daher für deren Geschichte von besonderer Wichtigkeit. Die h. Helena baute hier eine Kirche um 320, welche SllS zu den goldenen Märti- rern genannt wird, wahrscheinlich, weil sie gleich anderen aus dieser Zeit Mosaikgemälde auf Goldgrund enthielt. In ei- 490 nein Gedicht unseres Venantius Fortunatas um 570 an den Bischof Carentinns wird dieser als Erneuerer goldener Tempel gepriesen. Es scheinen also schon damals Acndernngen in derselben vorgenommen worden zu seyn, jedenfalls wohl auch nach den Verwüstungen der Normannen um 882. Der altere Theil der Crypta zwischen dem Zehneck und den Thürme», mit dem darüber stehenden Zwischenchor, jedoch ohne seine Gewölbe, die nach einem im Jahr 1434 erfolgten Einsturz erneuert worden, möchte nach diesen Verwüstungen, also in das 10. Jahrhundert, zu setzen seyn. Diese Thürme nebst Chornische und der Crypta unter diesen sind von Erzbi- schof Anno erbaut, welcher 1067 die Capellen neben der Crypta, INNS diese selbst, dann 1060 die restaurirte Kirche einweihte. Thürme und Chor sammt der neueren Crypta stnd also unstreitig aus dieser Zeit, und nurj die Gewölbe in letzterer, wie bemerkt, nach 1434 erneuert, was sich auch in der Crypta aus der Vergleichung ihrer Säulen mit den altern Wandsäulen sehr deutlich ausspricht. An diesem Bau von Anno bemerken wir nun, wie die Eckblätter der Säulenfüße nur auS unförmlichen Klumpen bestehen, auch an mehren noch fehlen, und die Knäufe von einfacher, ziemlich roher Form sind. Was nun die Kirche selbst betrifft, so wurde solche 1212 begonnen, 1227 mit dem Kuppelgewölbe vollendet, 1316 die Sakristei erbaut und 1683 die gegenwärtige Anmalung und Vergoldung im Innern der Kirche vorgenommen. S. 236. Die Ansicht der Apostelkirche vom Neumarkt ans gehört zu den großartigsten und anmuthigsten, die Kirche selbst zu den schönsten; sie ist zudem für die Bangeschichte besonders wichtig, da sie einen abermaligen Beweis liefert, wie die höchste Blüthe des Rnndbogenstils gegen das Jahr 120» zu setzen ist. Den Bau einer Kirche begann hier Erzbischos Heribert 1021 und sein Nachfolger Piligri» vollendete ihn 1035, allein sie verbrannte i»gg und abermals 119g. Die gegenwärtige Kirche wurde nun nach diesem letzten Brand erbaut, und von der altern scheint nichts übrig geblieben zu seyn, als der untere Theil deS Hauxtthnrms und einiger an- 491 stoßenden Thcile, nämlich soweit deren Mauerwerk ans Bruchsteinen desteht. Daß den, so sey, geht deutlich aus den Worten des Gclenius") hervor, dessen Zeugniß hier um so zuverlässiger ist, da sein Bruder Dechant des Stiftes war, welchem die Kirche angehörte. Auch CäsariuS, welcher seine Diulogl 1222 schrieb, erzählt B. 8. C. KZ., wie ein reicher Mann, dessen Namen er nennt, als er von jenem Brand gehört, bei sich erwogen, daß Sünde zwar von großem Gewicht sey, schwere Werkstücke aber dennoch von größerem; wenn er also dergleichen zu dem neuen Bau der Kirche schenke, demnächst beim letzten Gericht die heiligen Apostel solche in die Wagschale seiner guten Werke legen und diese hierdurch die andere, mit seinen Sünden belastete aufschnellen müsse. Er habe nun sofort eine ansehnliche Ladung solcher Werkstücke auf die Bausteile geschafft und diese seien auch bei dem Bau zu dessen Fundamenten verwendet worden. Selbst dieser Bau scheint im Schiff noch eine Holzdecke gehabt zu haben, indem man bei Errichtung der Gewölbe die einfachen Pfeiler mit Pilastern und Säulen verstärkte, wie dies bei einiger Aufmerksamkeit unzweifelhaft erkannt werden kann. Nach einer Inschrift auf einem nicht mehr vorhandenen Sarcophag mit Reliquien der heil. Ursula im Chor dieser Kirche, wäre solche I2lb überwölbt worden; dies möchte jedoch nur von den Gewölben dieses ChorS zu verstehen sepn, da die übrigen jünger zu sepn scheinen. S. 237. St. Cunibert (b. B. Taf. K7 —72) ist für die riiniin opus, sed recentius post incendiuin lpiod sub ^dolplio civil! magnitudine ^oloniuo. Köln, 1645 S. Bei dem Lesen dieses Hauptwerks über alle dortigen Kirchenbauten bedauert man zweierlei: einmal den Mangel aller und jeder Baukritik, indem Gelen überall, wo seine Archive kein jüngeres Datum eines Gebäudes klar aussprechen, das ältere ohne weiteres für dasselbe annimmt. Mehr aber noch schmerzt es, wenn man die Beschreibungen der ungeheuren Masse von Kunstschätzen ließt, welche die dortigen Kirchen besaßen, und nun nur allzugut weiß, wie und auf welche schnöde Weise alles das verloren gegangen. 492 Baugcschichte nicht mindev wichtig. Eine altere, wie die Chronik sagt „poriiinKnilie-r»!" Kirche erbaute der Crzbischof dieses Namens gegen 0Z3 und weihte sie dem h. Clemens. Crzbischof Conrad errichtete an ihrer Steile die jetzige und weihte solche in demselben Jahr 124», wo er den Grundstein zum Dom gelegt, ihrem seither unter die Zahl der Heiligen aufgenommenen Stifter. Der hohe westliche Thurm mit dem anstoßenden Transept ruhte ans sehr leichten Mauern, doch haben ihn diese trotz einer im Jahr 1Z78 durch den Bischof Wich- bold von Cnlm vorgenommenen Vergrößerung desselben aber 450 Jahre getragen, und sein vor einigen Jahren erfolgter Einsturz ist wahrscheinlich dem schweren Geläute zuzuschreiben, welches man später darauf angebracht'-). Der Wiederaufbau des obern Theils dieses Thurms wird wohl jedenfalls unterbleiben; möge es nur auch die Holzdccke, welche dem herzustellenden Transept zugedacht seyn soll. Haben seine Schwib bogen so lange einen im Mauerwerk siebzig Fuß hohen Thurm ohne sonderliches Murren getragen, so werden sie gewiß eine leichte Ueberwölbung nicht ablehnen. Eine Holzdocke wäre da gegen eine Schmach für unsere ganze Bauzunst so wohl, wie für die Zeitgenossen, als hätten die einen dergleichen Gewölbe nicht auszuführen verstanden, und die anderen die hierorts ganz geringen Mehrkosten dazu versagt. Hoffentlich wird man alsdann, wenn auch etwas später, den westlichen Thürmen ihre ältere» schlanken Spitzen wiedergeben. Der kleine Umgang am Chor zeigt genau dieselben Säulchcn, wie das Zehu- cck zu St. Gereon, ein abermaliger Beweis von der geriu gen Zeitverschiedenheit beider. '1 Nicht das Gewicht eines solchen Geläutes ist es natürlich, waS den Thürmen Schaden zufügt, sondern die Erschütterung, welche das Läuten verursacht. Ist nun der Elockenstuhl nicht ziemlich hoch und etwas elastisch, so wird die Erschütterung seiner Basis schon so stark, das! sie sich dem Mauerwerk mittheilt. Häufig, ja sehr häusig sieht man aber gar, das der obere Theil deü Stuhis durch Keile und Streben gegen letzteres verspannt ist. wo also jeder Schwung der Glocke einen heftige» St es! gegen dasselbe ausübt, welchem das festeste Mauerwerk auf die Länge nicht widersteht, und wodurch eine Menge Thiirme zu Grunde gehen. 493 S. 238. St. Peter, um 1524 erbaut, eine gar niedliche Kirche, besitzt, außer dem berannten unangenehmen Bilde von Rubens, ausgezeichnet gute Glasmalereien von 1528 und 3g, nebst einem metallenen Taufbecken von 150b; in dem anstoßenden Kreuzgange mit seiner Holzdecke wird jeder gesunde Sinn empfinden, welch erfreulichen Eindruck selbst die oinsach- sten Construktivncn machen können. St. Cacilia, gerade gegenüber, dem anstoßenden Hos pital zugehörig, wird in neuester Zeit als Mehlmagazin benutzt; ihre baldige Rückgabe und Herstellung wäre um so mehr zu wünschen, als jedes Hospital eines eigenen Gotteshauses bedarf. Sie ist dabei ein ganz vorzüglich reines Ercm- xlar des Stils von 1200, und hat ein älteres, von sehr Wenigen gekanntes, merkwürdiges Portal im Innern und eine eiserne Glocke, genau von der Form der sogenannten Kuhschellen; am ovalen Rande beträgt die Weite 13 ^ und 8 ^ Zoll bei 15 s /z Zoll Höhe; sie besteht aus drei mit kuxfernen Nägeln zusammengenieteten Platte», soll von einem Schwein aus dem vormals in der Nähe gelegenen Pfuhl um das Jahr <>13 herauSgcwühlt, von dem damals regierenden Erzbi- schose Cunibert aber getauft worden scyn, und muß jedenfalls ein sehr hohes Alter besitzen. St. Ursula. Wenngleich in sehr alter Zeit gestiftet, zeigt das gegenwärtige Schiff, besonders aber die Halle untcr dem Thurm doch eine so große Aehnlichkcit mit dem II44 erbauten St. Mauritius, daß beide ziemlich gleichzeitig seyn müssen, zumal eine bestimmte Nachricht erzählt, wie der Erzbischof Bruno in jener Halle (in ,,nr«i29 eingeweiht (daS anstoßende Cvllegium >6Zl), zeigt sie neben dem damaligen Stil noch eine Menge Einzelheiten in Spitzbogen. St. Pantaleon wurde 966 von Erzbischof Bruno begonnen, Materialien der abgetragenen römischen Brücke und des Casielles zu Deuz zu ihrem Bau verwendet, endlich 98» die Kirche von Erzbischof Warin eingeweiht. Die vorhandene aus mannichfache Weise verunstaltet, möchte eine spätere, von der 98» geweihten jedoch der untere Thcil des großen Thurmes nebst den anstoßenden unter» und vbern Capellen übrig geblieben sehn, wie sowohl daS Innere, als die hohen Capitäle über den Pilastern an den Außenmauern des vom anstoßenden Festungsbauhvf aus sichtbaren nördlichen Giebels vermu- then lassen. Wie au römischen Uebcrwölbungen zwischen Bruch- und Hausteinen gewöhnlich Ziegelschichten sich eingebunden finden, sind auch hier zwischen dem Tufstcinmauerwerk dergleichen ersichtlich. Aehnliches hat der Verfasser nirgends in Köln bemerkt; er hält darum dieses Gebäude für das älteste der dortigen auS der christlichen Zeit. Die Ucberwöl bung der Kirche, so wie die Erhöhung deS ThurmeS geschah 162» durch den Abt Heinrich Spich ern agel. S. 24». Groß-Martin gehört (b. B. Taf. iv-IS) nicht minder zu den schönsten Kirchen Kölns, ist indessen nichts weniger, wie die uralte, noch die vom Erzbischof Bru no 959 hergestellte; ja sogar die Thllrme, welche Erzbischof Anno 1072 dem Chor anfügte, sind verschwunden, der klarste Beweis, daß der gegenwärtige kühne Thurm jünger sehn 49 s muß. Das ist er denn auch, da er mit der Kirche selbst vom Abte Gottschalk (reg. 1152 biSii7Z) erbaut und letztere vom Erzbischofe Philipp 1172 eingeweiht wurde. DaS Schiff schein! auch wieder ursprünglich zu einer Hvlzdecke gerichtet gewesen, und daS jetzige Gewölbe nach dem großen Brande von >478 eingezogen worden zu seyn. Der Thurm gehört, wie dessen Grundrisse bei Boisseröe zeigen, zu den allerkühnsten. Nach dem gedachten Brande blieb er iso Jahre ohne Dach, bis ein dortiger Kaufmann. Ewald von Bacharach, das nöthige Geld zu seiner Herstellung vermachte. Der schöne Taufstein ist keineswegs antik, sondern nach dem Stil seiner Verzierungen eher jünger, wie älter, als die Kirche. Die jetzt protestantische, sonst Antoniterkirche wurde von Erzbischof Friedrich eingeweiht IZ34, vbschon Erzbischof Wichbvld diesen Orden bereits 1238 aus Frankreich hierhin berufen hatte. St. Georg (b. B. Taf. 21—24) von Erzbischof Anno, dessen oben bei St. Gereon gedacht ist, erbaut und zwar die Kirche im Anfang seiner Regierung gegen 1060, die Kapelle in dem großen Thurm gegen deren Ende, indem 1074 bei ihrer Ein weihung ein Aufstand der Bürger Kölns ausbrach und Anno selbst verjagt wurde, weil man glaubte, er wolle hier nahe vor dem Thore des damaligen Kölns eine Citadelle bauen und, wie eS in That nicht ganz unwahrscheinlich ist. die wirklich übermäßig starken Mauern dieser Taufkapelle sollten nur die Grundlage eines hohen, festen Thurmes bilden. Die Kirche war ehemals ungewölbt und wer sich die kleine Mühe nehmen will, aus die Gewölbe zu steigen, wird nicht nur den Putz auf den damals nach der Kirche freistehenden Seitenwänden, sondern auf demselben mit einiger Ueberraschung den bekannten perspectivischen Mäanderzug grau in grau genialt als Fries unter der ehemaligen Holzdecke bemerken. Da man beim Wölben aber wohl die leichten Säulen, welche diese Mauern tragen, zu schwach für eine Wölbung hielt, so wurden Pfeiler zwischen einigen Arkaden eingezogen, wodurch nun die zierliche Abwechselung der großen und kleinen Bogenstellungen ent 496 stand. Die Taufkapelle darf als cm ganz vorzügliches Ereni- plar des Rundbogenstiles betrachtet werden. Die Eänlcn- knäufo, welche bei Gereon an den nicht zehn Jahre zuvor erbauten Theilen noch plump und roh erscheinen, finden sich hier schon auf das Trefflichste verziert. Nur Schade, sehr Schade, daß man alles dies in den letzten Jahren überpinselt hat. . S. 2til. Colnmba aus dem 15. Jahrhundert, zeigt viel Eigcnthümliches, Kühnes und Zierliches in ihren Bogellstellungen. Von der Minoritenkirche weiß man zwar, daß der Orden 1220 nach Köln kam und dessen Kirche 12N0 geweiht wurde, welches indessen nicht die dermalige seyn kann. Sie besitzt den zierlichsten aller Holzthürme in Köln. Ein ähnlicher kleinerer über der oben gedachten Marienkapelle, dem Nath- hanse gegenüber, verdient ebenfalls gesehen zu werden. St. Andreas gehört auch noch zu dem vielen Sehenswürdigen der überreichen Cvlonia. Sie hieß ursprünglich St. Matthäus in kassa. Ihre Gründung wird von Gelenins, der Canonikns bei derselben war, dem heil. Maternus zugeschrieben, eine zweite dem Erzbischof Willibert, eine dritte Kirche von Erzbischof Gero 378 eingeweiht. Selbst von dieser ist nichts mehr übrig, sondern das Schiff, in seinen Sänlenstellunge» auffallende Aehnlichkeit mit St. Castor in Koblenz zeigend, wohl nach dem großen Brande von 1220, der hohe, lichte Chor von demselben Erzbischofe Theoderich errichtet, von welchem die gedachte Franziskanerkirche in Andernach herstammt. St. Mauritius, eine kleine, bis ans Weniges, recht aus einem Stück bestehende Kirche, gleich ans Gewölbe und zwar ohne alle Strebepfeiler^) eingerichtet. Das bestimmte ') Es giebt so viele alte Kirchen im Rundbogen oder romanischen Stil, die ohne Strebepfeiler zu besitzen, später überwölbt wurden, so wie andere, die gleich bei ihrer Anlage hierzu bestimmt, dennoch keine erhielten, dasi deren allgemeine Einführung beim Aufkommen des Spitzbogenstils um so weniger vom Glauben an ihr- absolute 497 Datum 1144 besitzend, ist sie darum wieder für die Geschichte von vorzüglichem Werth. Wir sehen hier noch die simpolu Würfelsäulen, wie Alles, wohl der Geldmittel wegen, einfach gehalten, zierliche kleine Thürme (von dem neuem darf man nur sagen, daß er ganz neu ist) und überall Consequenz. Von Maria-Lyskirchen wissen wir wenig mehr, als nichts; nach allen Merkmalen scheint sie gleichzeitig mit St. Cunibert. Die Außenfronte zeigt eines der schönsten Portale, Notwendigkeit herrühren möchte, als es damals, wie gegenwärtig, sattsam bekannt war, wie hohe spitzbogige Kreuzgewölbe ungleich weniger Schub ausüben, als rundbogige. Ihre Einführung möchte daher wahrscheinlicher in dem Bestreben zu suchen sehn, alle großen, glatten Mauerflächen zu vermeiden, ja vielmehr Alles nur recht lustig und durchsichtig zu machen, wo es dann freilich nöthig wurde, die gehörige Stabilität durch quer gestellte Maucrmafsen zu bewirken, und von diesen aus durch Strebebogen den Anfallpunkt der großen Gewölbe des Kirchenschiffes über den leichten, durchbrochenen Gallerien, dem von den Engländern sogenannten Irikoriui», hinreichend zu verstärken. Auch diese Strebebogen haben sich bei den neuesten Restaurationen am Dom als überflüssig befunden; sie mußten nämlich abgelegt werden, um das Verwitterte zu erneuern, wo es sich dann ergab, daß sie ganz lose und schlotterig standen, also durchaus keine Spannung hatten. Wie endlich bei der späteren Kirchenform mit drei Schiffen von fast gleicher Höhe unter einem und demselben Dach, so wie durch dünne Säulen geschieden, äußere oder innere Strebepfeiler ganz und gar entbehrlich sind, ergiebt im Grunde schon die ei», fache Betrachtung des Sachverhältnisses. Dem Schub der Gewölbe über den schmalen Abseiten widersteht gewiß schon jed, Mauer von einer ihrer bedeutenden Höhe und Belastung angemessenen Stärke. Ihre Verstärkung wegen des Schubs von dem großen Mittclgewölbe wäre dagegen rein überflüssig, da sie mit diesem nie in Berührung kommen kann; würde solcher nämlich lebendig, so müßte er nothwcndig die dünnen Abseitengewölbe viel eher in die Höhe lüften und auseinander sprengen, als die Außenmauern aus dem Loth drücken. Dieser Schub des Mittelgswölbsi muß also durch ganz andere Mittel gebändigt werden. Dazu diene nun die schwere Mauer, welche man jederzeit über die Säule» gesetzt und überdem mit dem größern Thcil des Daches belastet hat. Daß man hier die Strebepfeiler dennoch beibehalten, geschai wohl nur aus Gewohnheit, daß aber klügers Baumeister ihre Ent behrlichkeit schon in älterer Zeit erkannt haben, beweisen so manch, Jesnitenkirchen und die früher beschriebene Peterskirche in Mai»!. 498 ähnlich jenen zu Groß-Martin und Gereon, und war nur von dem leider zerstörten an St. Cunibert übertroffen. S. 242. Die Ursnlinerkirche im italienischen Stil gegen 1705 erbaut, darf nicht unbesehen bleiben. Zur gehörigen Würdigung desselben steht ste gerade hier in Köln recht bequem. S. 24Z. Von dem jüngsten Theil des Nathhauses ist bereits oben bei dem Dombild geredet, lieber die Erbauung des schonen thurmartigen Archivbaues exisiirt nachstehendes RathSprotvkoll vom Jahre 1406 unter der Ueberschrift: van Nein !i!lit?.IIwri>o. „Item Imiot iinse Heren vnme Haide besonnen, dnt )'d dee Siedelnd ooel^ vo n Aeme^ne Rests »Vn solle, llnt Iloitstat NN üer Iluexlios beti-.pnnmert verde. .^.Iso Imint uuse Heren e^ndreciitliclie vvrdrnAeu, dnt man dem neeslisolromnieuden Somer, dpn llnlkstat lniven solle, lnd daroune maieben eins lcelro sio der Steile v^-nen, e)me liaitleamer. e^'iie xevolve i'.o der Steile privlleAlen, !n4; seine Unterhaltung wurde später vernachlässigt, einzelne Steinbilder verwitterten, Stücke fielen herab, und bereits in der letzten Hälfte des philosophischen Jahrhunderts nahm man die Bilder, sowohl als die Gallerie, nebst dem obern Dach herunter. Das zum Nathhause gehörige gegenüber gelegene Gebäude wurde 1608 angefangen; die Erbauungspoche des schönen Hansesaals ist leider unbekannt. S. 244. Das Haus Gürzenich, 1441 angefangen und nach einem Rathsprotokoll vom it. Dezember i474 mit einem 499 Aufwände von gegen 80,600 Gulden vollendet, enthält unten daö Kaufhaus, öden einen 175 F. langen, 70^ F. breiten, 24 F. hohen Saal mit reich verzierten Kaminen; es hieß daher Haut?, I1ni85 ltiiriieniel, tsu sovilen. S. 24S. Das Zeughaus ist ein solides, gutes Gebäude von I6vl. Der genannte Clarathurm, so wie ein ähnlicher ohnweit Mauritius, mag römische Arbeit seyn, jedoch gewiß aus der spätesten, schlechtesten Zelt, S. 24g. Der schöne Beyenthurm am obersten Ende der Stadt ist wohl nicht von Erzbischof Christoph von Beyen, da in der ganzen Reihe derselben weder ein Christoph, noch einer von Beyen vorkömmt, sondern von Erzbischof Engelbert Ii. nebst einem andern, Nyle genannt, I2gi errichtet. Beide wurden in dessen Fehde mit der Bürgerschaft 1262 erobert, letzterer später abgetragen, der andere hergestellt, jedoch erst lange nachher, da der untere Theil aus Werkstücken bestehend, wohl dem alten Bau, nach den Profilirungen des obern Theils aber dieser offenbar einer viel spätem Epoche, etwa dem 14. Jahrhundert, angehöret. Die Stadtgräben wurden Ii8l angefangen, auch 1187 Mauern und Thürme errichtet; es entsteht Streit hierüber mit Erzbischof Philipp, welcher zwar 1188 beigelegt, doch zugleich befohlen wird, vier Mauern abzubrechen, damit Recht doch wenigstens Recht bleibe. Das Grabmal (b. B. Taf. 38.) dieses ErzbischofeS Philipp (ff iltil) im Dom scheint darum auch mit Mauern und Thürmen, so wie mit dem Stadtwappen geziert zu seyn. Die Stadtthürme und Thore waren ebenfalls schon zu jener Zeit errichtet, da Erzbischof E»gelber tu. 1262 Klage führt, daß ihm die Bürger solche abgenommen. Die meisten Thore möchten indessen neuem Ursprungs seyn; die Errichtung jenes au der Straße von Bonn als ein I>r»plixnncui»m bei St. Severin wird wenigstens bei dem Jahre 1466 gemeldet; das älteste ist unstreitig das Rheinthvr. Noch zu gedenken ist endlich des schönen alte» Hauses in der Rheinstraße (Nr. 8 b. B. Taf. 34—36), eineS ähnlichen auf dem Altmarkt Nr. 48, vor allem aber des übcrzierlichcn Zoo Etzwciler'schen Hauses, a n, Hof genannt, welches gegenwärtig ohne Widerrede das schönste in Köln genannt zu werde» verdient, dann eines RitterhauseS mit einem, allen diesen eigen- thümlichen schlanken Thürmchen Nr. 5SI3 bei St. Mauritius, eines andern Nr. 7283 in der tllrichsgasse, wieder eines Nr. S3IZ in der Benestsstraße, dann Nr. 4738 am Nenmarkt, so wie noch einiger ähnlichen aus späterer Zeit viele andere sind leider verschwunden. Zuletzt verdienet auch jene große Menge von Häusern nicht unbemerkt zu bleiben, welche um isjvo errichtet, sich dadurch auszeichnen, daß die ganze Fronte aus dicht nebeneinander gestellten Fenstern besteht und die schwersten Giebel auf den leichte» Fensterpsosten ruhen. Wer sich endlich wenigstens im Allgemeinen über die Geschichte der großen, merkwürdigen Stadt unterrichten will, findet solche gut und kurz in dem 1828 bei I. P. Bachem in Köln erschienenen Werke „Köln und Bonn". Außer dem genannten Werke von Boisseräe gibt es noch einige Hefte mit Abbildungen der merkwürdigsten Gebände von Weyer, ebenfalls bei Bachem; endlich möge keiner daS kleine Buch „Sammlung von Ansichten Kölns von Weyer, mit Aphorismen aus dessen Geschichte von I. I. Lenzen, Köln 1827, bei Z. P. Bachem", ungelesen lassen, damit man nebenbei erkenne, was Sprachforscher nicht alles erweisen können. Vorstehendes ist nun so ziemlich Alles, was der Verfasser über die Bauwerke von Mainz bis Köln zusammengetragen. Möge es Veranlassung geben, daß Andere, denen mehr Zeit und HülsSmittel zu Gebote stehen, beide zu demselben Zwecke benutzen. Ueber die Monumente am ober» und untern Rhein, so wie an der Mosel hat er zwar ebenfalls Manches gesammelt, jedoch AllzuweuigeS und Allzulückenhaftes, um ähnliche Bemerkungen über diese geben zu können. Dagegen ") Die Beiblätter der Kölnischen Zeitung vom I. I8Z3 Nro. 3 bis !> geben eine ausführliche Beschreibung derselben. Möchte das in Nro. 7 angekündigte Werk über Köln's Vorzeit nur reckt viele Unterstützung finden, damit die reichen Sammlungen der drei will- digcn Herausgeber aller Welt zugänglich werden. svt dürfte die Mittheilnng nachstehender Tabelle über die Größe vieler Kirchen von einigem Interesse seyn, indem es bis jetzt an einem Werke fehlt, worin deren Grundrisse nach einem und demselben Maßstabe sich verzeichnet finden. Der angegebene Flächenraum beschränkt sich übrigens einzig auf das Innere derselben nach Abzug aller Pfeiler, so wie ohne Berücksichtigung der Sakristeien, äußeren Vorhallen, kurz von Allem, was nicht zu dem für den allgemeinen Gottesdienst bestimmten Räume gehört. Der zum Grund gelegte Maßstab ist der rhein- ländische Fuß von 139,13 Pariser Linien oder o,ZtZ8 Meter, rol5 Quadratfuß sind also gleich i»o Quadratmetern. Die größte der ägyptischen Pyramiden als das größte aller Gebäude ist zur Vcrgleichung vorangesetzt. Die Grundfläche der'größten Pyramide in Aegypten enthält Quadratfuß 376016 St. Peter in Rom 151323 Moschee in Cordova I2S0I3 Dom in Sevilla . 90184 Dom in Mayland 87229 St. Paul außerhalb Rom 75883 Dom in Florenz »3877 Dom in Köln 62913 Friedenstempel in Rom 56715 St. Sophia in Consiantinoxel 56576 dtotrs IZams in Paris 53161 Dom in Dork 52663 St. Paul in London 52054 Dom in Antwerpen 50442 Dom in Speier 45615 Münster in Ulm 43506 ") Bei 407 F. Höhe, also beinahe 44 F. höher, wie der Mlinsterthurm in Strasburg und 132 F. höher, wie der Ehrenbreitstein über dem mittleren Stand des Rheines, S02 Dom in Straßburg 41702 St. Genovcfa i» Paris 41107 St. Sulpiz ebendaselbst 40621 Dom in Metz 38163 Dom in Mainz Z75W St. Stephan in Wien 32400 Westminster in London 3218!» Moschee von Sultan Soliman II. in Constantinopel 31262 Dom in Magdeburg 31006 Dom in Freibnrg zgjgl Frauenkirche in München 23802 Dom in Paderborn 26833 Dom in Como 26379 Maria Maggiore in Rom 23370 Dom in Worms 22978 St. Laurentius in Nürnberg 21730 Kirche in Xanten 20639 Nene St. Madclaine in Paris ( außen 9133») . . 19430 Klosterkirche zu Limburg an der Hardt 19208 Maria am Capitol in Köln 19129 Pantheon in Rom 19092 Klostorkirche zu Altenberg 18432 St. Sebald in Nürnberg 17361 Apostelkirche in Köln 13087 Nene katholische Kirche in Darmstadt 14401 Moschee von Sultan Achmet in Constantinopel . . 14210 St. Cunibert in Köln 13761 St. Elisabeth in Marburg 12322 Stiftskirche zu Oberwesel 12203 St. Stephan in Mainz 12173 Stiftskirche in Cleve 12083 Klosterkirche zu Laach 11841 Nene katholische Kirche in Elberfeld 11783 Eroß-Martin in Köln 10043 Dom in Limburg an der Lahn <,835 Dom in Aachen (vor seiner Vergrößerung durch . 9704 einen neuen Chor nur 7336 Q. F.) 5V3 St. Martin in Münstermaysele 0284 St. Castor in Koblenz 8800 Pfarrkirche in Ahrweiler 8332 St. Gereon in Köln 8084 St. Florin in Koblenz 7406 Liebfranenkirche in Koblenz 6741 Pfarrkirche in Andernach 6700 Neue Kirche in Treis an der Mosel . . . . : 6334 Nene Kirche in Güls ebendaselbst 6180 Franziskanerkirche in Andernach S037 Jesuiten-Kirche in Koblenz S835 Pfarrkirche in Sinzig 0402 Pfarrkirche in Mayen 5033 Pfarrkirche in Boppard 4812 Stiftskirche in St. Goar 4336 Neue Kirche in Cobern an der Mosel 4187 Neue Kirche in Valwig daselbst 2804 Neue Kirche in Kapellen 2302 Nie Pos^vcrbindungolr find auf der ganzen Stromstrccke sehr geregelt, und so fahren jede» Tag Schnellposicn, von Frankfurt bis Köln sogar taglich zweimal, zwischen den Hanptortcn am Rhein, Strasburg, Karlsruhe, Mannheim und Heidelberg, Frankfurt, Mainz Koblenz, Trier, Aachen, Köln, Düsseldorf, Cleve u. s, w. Die Länge des Rheines. Straßburg bis Schröck (Leopoldshafen) 21 Stunden, Schröck » Mannheim 18'/- " Mannheini Mainz lÜ'/z " Mainz ,, Caub 0 '/- " Caub ,, Koblenz 10V- " Koblenz » Andernach SV, " Andernach Linz g-'/z " Linz „ Köln 12 Köln ,, Düsseldorf 10 '/z " Düsseldorf Ruhrort 7'/- " Nuhrort >, Wesel 7 " Wesel » Emmerich SV- " Emmerich zum Ausfluß in S Meer 45, ^ 177 Stunden Breite des Rheines bei mittlerem Wasserstande. Bei Straßburg ttvo Fuß Mannheim 1200 " " Mainz 1200 " " Bieberich 100» » " Eltville 1800 " " Koblenz 1200 » " Köln 1300 » » Düsseldorf 1200 " " Wesel ... 1500 " " Emmerich 2IS0 " " Schenkenschanz und Lobith . 2300 "