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iesc neue Ausgabe des „Buchs der Lieder" kann ich dem überrheinischeu Publikum nichtzuschicken, ohne sie mit freundlichen Grüßen in ehrlichster Prosa zu begleiten. Ich weißnicht, welches wunderliche Gefühl mich davon abhält, dergleichen Vorworte, wie es bei Gcdichte-sammlungcn üblich ist, in schönen Rhythmen zu versifizieren. Seit einiger Zeit sträubt sich etwasin mir gegen alle gebundene Rede, und, wie ich höre, regt sich bei manchen Zeitgenossen eineähnliche Abneigung. Es will mich bedünken, als sei in schönen Versen allzuviel gelogen wordenund die Wahrheit scheue sich, in metrischen Gewanden zu erscheinen.
Vicht ohne Befangenheit übergebe ich der Lesewelt den erneuerten Abdruck dieses Buches.Es hat mir die größte Überwindung gekostet, ich habe fast ein ganzes Jahr gezaudert, ehe ichmich zur flüchtigen Durchsicht desselben entschließen konnte. Bei seinem Anblick erwachte inmir all jenes Unbehagen, das mir einst vor zehn Iahren, bei der ersten Publikation, die Seelebeklemmte. Verstehen wird diese Empfindung nur der Dichter oder Dichterling, der seine erstenGedichte gedruckt sah. Erste Gedichte! Sie müssen auf nachlässigen, verblichenen Blätterngeschrieben sein, dazwischen hie und da müssen welke Blumen liegen, oder eine blonde Locke,oder ein vcrfärbtes Stückchen Band, und an mancher Stelle muß noch die Spur einer Tränesichtbar sein. . . Erste Gedichte aber, die gedruckt sind, grell schwarz gedruckt auf entsetzlichglattem Papier, diese haben ihren süßesten, jungfräulichsten Reiz verloren, und erregen bei demVerfasser einen schauerlichen Mißmut.
Ja, es sind nun zehn Jahre, seitdem diese Gedichte zuerst erschienen, und ich gebe sie, wiedamals, in chronologischer Folge, und ganz voran ziehen wieder Lieder, die in jenen früherenJahren gedichtet worden, als die ersten Küsse der deutschen Muse in meiner Seele brannten.Ach, die Küsse dieser guten Dirne verloren seitdem sehr viel von ihrer Glut und Frische! Beiso langjährigem Verhältnis mußte die Inbrunst der Flitterwochen allmählich verrauchen/ aberdie Zärtlichkeit wurde manchmal um so herzlicher, besonders in schlechten Tagen, und da bewährtesie mir ihre ganze Liebe und Treue, die deutsche Muse! Sie tröstete mich in heimischen Drang-salen, folgte mir ins Exil, erheiterte mich in bösen Stunden des Verzagcns, ließ mich nie imStich, sogar in Geldnot wußte sie mir zu helfen, die deutsche Muse, die gute Dirne!
Ebensowenig, wie an der Zeitfolge, änderte ich an den Gedichten selbst. Rur hie und dain der ersten Abteilung wurden einige Verse verbessert. Der Raumersparnis wegen habe ich
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