n L I k I L n Buch der wieder X NU VOI^I 1O8Lk xLLK? O. C. N e ch t Verlag München/ 192) Copyright by O. C. Recht Verlag München / l923 V 0 k k I? L> L iesc neue Ausgabe des „Buchs der Lieder" kann ich dem überrheinischeu Publikum nicht zuschicken, ohne sie mit freundlichen Grüßen in ehrlichster Prosa zu begleiten. Ich weiß nicht, welches wunderliche Gefühl mich davon abhält, dergleichen Vorworte, wie es bei Gcdichte- sammlungcn üblich ist, in schönen Rhythmen zu versifizieren. Seit einiger Zeit sträubt sich etwas in mir gegen alle gebundene Rede, und, wie ich höre, regt sich bei manchen Zeitgenossen eine ähnliche Abneigung. Es will mich bedünken, als sei in schönen Versen allzuviel gelogen worden und die Wahrheit scheue sich, in metrischen Gewanden zu erscheinen. Vicht ohne Befangenheit übergebe ich der Lesewelt den erneuerten Abdruck dieses Buches. Es hat mir die größte Überwindung gekostet, ich habe fast ein ganzes Jahr gezaudert, ehe ich mich zur flüchtigen Durchsicht desselben entschließen konnte. Bei seinem Anblick erwachte in mir all jenes Unbehagen, das mir einst vor zehn Iahren, bei der ersten Publikation, die Seele beklemmte. Verstehen wird diese Empfindung nur der Dichter oder Dichterling, der seine ersten Gedichte gedruckt sah. Erste Gedichte! Sie müssen auf nachlässigen, verblichenen Blättern geschrieben sein, dazwischen hie und da müssen welke Blumen liegen, oder eine blonde Locke, oder ein vcrfärbtes Stückchen Band, und an mancher Stelle muß noch die Spur einer Träne sichtbar sein. . . Erste Gedichte aber, die gedruckt sind, grell schwarz gedruckt auf entsetzlich glattem Papier, diese haben ihren süßesten, jungfräulichsten Reiz verloren, und erregen bei dem Verfasser einen schauerlichen Mißmut. Ja, es sind nun zehn Jahre, seitdem diese Gedichte zuerst erschienen, und ich gebe sie, wie damals, in chronologischer Folge, und ganz voran ziehen wieder Lieder, die in jenen früheren Jahren gedichtet worden, als die ersten Küsse der deutschen Muse in meiner Seele brannten. Ach, die Küsse dieser guten Dirne verloren seitdem sehr viel von ihrer Glut und Frische! Bei so langjährigem Verhältnis mußte die Inbrunst der Flitterwochen allmählich verrauchen/ aber die Zärtlichkeit wurde manchmal um so herzlicher, besonders in schlechten Tagen, und da bewährte sie mir ihre ganze Liebe und Treue, die deutsche Muse! Sie tröstete mich in heimischen Drangsalen, folgte mir ins Exil, erheiterte mich in bösen Stunden des Verzagcns, ließ mich nie im Stich, sogar in Geldnot wußte sie mir zu helfen, die deutsche Muse, die gute Dirne! Ebensowenig, wie an der Zeitfolge, änderte ich an den Gedichten selbst. Rur hie und da in der ersten Abteilung wurden einige Verse verbessert. Der Raumersparnis wegen habe ich 5 die Dedikationen der ersten Auflage weggelassen, Doch kann ich nicht umhin zu erwähnen, das; das lyrische Intermezzo einem Buche entlehnt ist, welches unter dem Titel „Tragödien" im Jahre 182Z erschien und meinem Oheim Salomon Heine zugeeignet worden. Die hohe Achtung, die ich diesem großartigen Manne zollte, sowie auch meine Dankbarkeit für die Liebe, die er mir damals bewiesen, wollte ich durch jene Widmung beurkunden. „Die Heimkehr", welche zuerst in den „Reisebildern" erschien, ist der seligen Friederike Varnhagen von Ense gewidmet, und ich darf mich rühmen, der erste gewesen zu sein, der diese große Frau mit öffentlicher Huldigung verehrte. Es war eine große Tat von August Varnhagen, daß er, alles kleinliche Bedenken abweisend, jene Briefe veröffentlichte, worin sich Rahel mit ihrer ganzen Persönlichkeit offenbart. Dieses Buch kam zur rechten Zeit, wo es eben am besten wirken, stärken und trösten konnte. Das Buch kam zur trostbedürftig rechten Zeit. Es ist, als ob die Rahel wußte, welche posthume Sendung ihr beschieden war. Sie glaubte freilich, es würde besser werden, und wartete,- doch als das Warten kein Ende nahm, schüttelte sie ungeduldig den Kopf, sah Varnhagen an und starb schnell — um desto schneller auferstchn zu können. Sie mahnt mich an die Sage jener anderen Rahel, die aus dem Grabe hcrvorstieg und an der Landstraße stand und weinte, als ihre Kinder in die Gefangenschaft zogen. Ich kann ihrer nicht ohne Wehmut gedenken, der liebreichen Freundin, die mir immer die unermüdlichste Teilnahme widmete und sich oft nicht wenig für mich ängstigte in jener Zeit meiner jugendlichen Ubermüten, in jener Zeit, als die Flamme der Wahrheit mich mehr erhitzte, als erleuchtete. . . Diese Zeit ist vorbei! Ich bin jetzt mehr erleuchtet, als erhitzt. Solche kühle Erleuchtung kommt aber immer zu spät bei den Menschen. Ich sehe jetzt im klarsten Lichte die Steine, über welche ich gestolpert. Ich hätte ihnen so leicht ausweichen können, ohne darum einen unrechten Weg zu wandeln. Jetzt weiß ich auch, daß man in der Welt sich mit allem befassen kann, wenn man nur die dazu nötigen Handschuhe anzieht. Und dann sollten wir nur das tun, was tunlich ist und wozu wir am meisten Geschick haben, im Leben wie in der Kunst. Ach! zu den unseligsten Mißgriffen des Menschen gehört, daß er den Wert der Geschenke, die ihm die Natur am bequemsten entgegen trägt, kindisch verkennt, und dagegen die Güter, die ihm am schwersten zugänglich sind, für die kostbarsten ansieht. Den Edelstein, der im Schöße der Erde fcstgewachsen, die perle, die in den Untiefen des Meeres verborgen, hält der Mensch für die besten Schätze,- er würde sie gering achten, wenn die Natur sie gleich Kieseln und Muscheln zu seinen Füßen legte. Gegen unsere Vorzüge sind wir gleichgültig,- über unsere Gebrechen suchen wir uns so lange zu täuschen, bis wir sie endlich für Vortrefflichkcitcn halten. Als ich einst nach einem Konzerte von paganini diesem Meister mit leidenschaftlichen Lob- sprüchcn über sein Violinspiel entgegentrat, unterbrach er mich mit den Worten: „Aber wie gefielen Ihnen heute meine Komplimente, meine Verbeugungen?" Bescheidenen Sinnes und um Vachsicht bittend, übergebe ich dem Publikum das „Buch der Lieder",- für die Schwäche dieser Gedichte mögen vielleicht meine politischen, theologischen und philosophischen Schriften einigen Ersatz bieten. Bemerken muß ich jedoch, daß meine poetischen, ebensogut wie meine politischen, theologischen und philosophischen Schriften, einem und demselben Gedanken entsprossen sind, und daß man die einen nicht verdammen darf, ohne den andern allen Beifall zu entziehen. Zugleich erlaube ich mir auch die Bemerkung, daß das Gerücht, als hätte jener Gedanke eine bedenkliche Umwandlung in meiner Seele erlitten, aus Angaben beruhet, die ich ebenso verachten wie bedauern muß. Vur gewissen bornierten Geistern konnte die Milderung meiner Rede oder gar mein erzwungenes Schweigen, als ein Abfall von mir selber erscheinen. Sie mißdeuteten meine Mäßigung, und das war um so liebloser, da ich doch nie ihre Übermut mißdeutet habe. Höchstens dürste man mich einer Ermüdung beschuldigen. Aber ich habe ein Recht, müde zu sein . . . bind dann muß jeder dem Gesetze der Zeit gehorchen, er mag wollen oder nicht . . . bind scheint die Sonne noch so schön, Am Ende muß sie untergehn! Die Melodie dieser Verse summt mir schon den ganzen Morgen im Kopse und klingt vielleicht wider aus allem, was ich soeben geschrieben. In einem Stücke von Raimund, dem wackern Komiker, der sich unlängst aus Melancholie totgeschossen, erscheinen Jugend und Alter als allegorische Personen, und das Lied, welches die Jugend singt, wenn sie von dem Helden Abschied nimmt, beginnt mit den erwähnten Versen. Vor vielen Iahren, in München, sah ich dieses Stück,- ich glaube, es heißt: „Der Bauer als Millionär". Sobald die Jugend abgeht, sieht man, wie die Person des Helden, der allein auf der Szene zurückbleibt, eine sonderbare Veränderung erleidet. Sein braunes Haar wird allmählich grau und endlich schneeweiß,- sein Rücken krümmt sich, seine Knie schlottern,- an die Stelle des vorigen Ungestüms tritt eine weinerliche Weichheit. . . das Alter erscheint. Naht diese winterliche Gestalt auch schon dem Verfasser dieser Blätter? Gewahrst du schon, teurer Leser, eine ähnliche Umwandlung an dem Schriftsteller, der immer jugendlich, fast allzu jugendlich, in der Literatur sich bewegte? Es ist ein betrübender Anblick, wenn ein Schriftsteller 7 vor unseren Augen, angesichts des ganzen Publikums, allmählich alt wird. Wir Habens gesehen, nicht bei Wolfgang Goethe, dem ewigen Jüngling, aber bei August Wilhelm von Schlegel, dem bejahrten Gecken,- wir Habens gesehen, nicht bei Adalbert Chamisso, der mit jedem Jahre sich blütcnrcicher verjüngt, aber wir sahen es bei Herrn Ludwig Deck, dem ehemaligen romantischen Strohmian, der jetzt ein alter räudiger Muntsche geworden. . . O, ihr Götter, ich bitte euch nicht, mir die Jugend zu lassen, aber laßt mir die Tugenden der Jugend, den uneigennützigen Groll, die uneigennützige Träne! Laßt mich nicht ein alter Polterer werden, der aus Neid die jüngeren Geister ankläfft, oder ein matter Iammermensch, der über die gute alte Zeit beständig flennt . . . Laßt mich ein Greis werden, der die Jugend liebt und trotz der Altersschwäche noch immer teilnimmt an ihren Spielen und Gefahren! Mag immerhin meine Stimme zittern und beben, wenn nur der Sinn meiner Worte unerschrocken und frisch bleibt! Sic lächelte gestern so sonderbar, halb mitleidig, halb boshaft, die schöne Freundin, als sie mit ihren rosigen Fingern meine Locken glättete . . . Nicht wahr, du hast auf meinem Haupte einige weiße Haare bemerkt? „Und scheint die Sonne noch so schön, Am Ende muß sie untergehn!" Geschrieben zu Paris, im Frühjahre 18Z?. 8 Das ist der alte Märchenwald! Es duftet die Lindenblüte! Der wunderbare Mondenglanz Bezaubert mein Gemüte. Ich ging fürbaß, und wie ich ging, Erklang es in der Höhe. Das ist die Nachtigall, sie singt Von Lieb und Liebeswehe. Sie singt von Lieb und Liebeswch, Von Tränen und von Lachen, Sie jubelt so traurig, sie schluchzet so froh, Vergessene Träume erwachen. — Ich ging fürbaß, und wie ich ging, Da sah ich vor mir liegen Auf freiem Platz ein großes Schloß, Die Giebel hoch aufstiegen. Verschlossene Fenster, überall Ein Schweigen und ein Trauern,- Es schien, als wohne der stille Tod In diesen öden Mauern. Dort vor dem Tor lag eine Sphinx, Ein Zwitter von Schrecken und Lüsten, Der Leib und die Tatzen wie ein Löw, Ein Weib an Haupt und Brüsten. Ein schönes Weib! Der weiße Blick, Er sprach von wildem Begehren,- Die stummen Lippen wölbten sich Und lächelten stilles Gewähren. 9 Die Nachtigall, sie sang so süß, Ich könnt nicht widerstehen — Und als ich küßte das holde Gesicht, Da wars um mich geschehen. Lebendig ward das Marmorbild, Der Stein begann zu ächzen - Sie trank meiner Küsse lodernde Glut Mit Dürsten und mit Lechzen. Sie trank mir sast den Odem aus Und endlich, wollustheischend, Umschlang sie mich, meinen armen Leib Mit den Löwentatzcn zerfleischend. Entzückende Marter und wonniges Weh! Der Schmerz wie die Lust unermeßlich! Derweilen des Mundes Kuß mich beglückt, Verwunden die Tatzen mich gräßlich. Die Nachtigall sang: „O schöne Sphinx! O Liebe! was soll es bedeuten, Daß du vermischest mit Todesqual All deine Seligkeiten? O schöne Sphinx! O löse mir Das Rätsel, das wunderbare! Ich Hab darüber nachgedacht Schon manche tausend Jahre." 10 — Das hätte ich alles sehr gut in guter Prosa sagen können. . . Wenn man aber die alten Gedichte wieder durchliest, um ihnen, behufs eines erneuerten Abdrucks, einige Nachfeile zu erteilen, dann überrascht einen unversehens die klingende Gewohnheit des Reims und Silbenfalls, und siehe! es sind Verse, womit ich diese dritte Auflage des „Buches der Lieder" eröffne. O phöbus Apollo! sind diese Verse schlecht, so wirst du mir gern verzeihen . . . Denn du bist ein allwissender Gott, und du weißt sehr gut, warum ich mich seit so vielen Iahren nicht mehr vorzugsweise mit Maß und Gleichklang der Wörter beschäftigen konnte... du weißt, warum die Flamme, die einst in brillanten Feuerwerksspielcn die Welt ergötzte, plötzlich zu . weit ernsteren Bränden verwendet werden mußte . . . Du weißt, warum sie setzt in schweigender Glut mein Herz verzehrt. . . Du verstehst mich, großer schöner Gott, der du ebenfalls die goldene Leier zuweilen vertauschtest mit dem starken Bogen und den tödlichen Pfeilen . . . Erinnerst du dich auch noch des Marsyas, den du lebendig geschunden? Es ist schon lange her, und ein ähnliches Beispiel tät wieder not. . . Du lächelst, o mein ewiger Vater! Geschrieben zu Paris, den 20. Februar 18Z9. / 1. Mir träumte einst von wildem Liebesglühn, Von hübscheil Locken, Myrten und Resede, Von süßen Lippen und von bittrer Rede, Von düstrer Lieder düstern Melodien. Verblichen und verweht sind längst die Träume, Verweht ist gar mein liebstes Traumgebild! Geblieben ist mir nur, was glutenwild Ich einst gegossen Hab in weiche Reime. Du bliebst, verwaistes Lied! Verweh jetzt auch, Und such das Traumbild, das mir längst entschwunden. Und grüß es mir, wenn du es aufgefunden - Dem luftgen Schatten send ich luftgen Hauch. 15 2. Ein Traum, gar seltsam schauerlich, Ergötzte und erschreckte mich. Noch schwebt mir vor manch grausig Bild, Und in dem Herzen wogt es wild. Das war ein Garten, wunderschön, Da wollt ich lustig mich ergehn,- Viel schöne Blumen sahn mich an, Ich hatte meine Freude dran. Es zwitscherten die Vögelein Viel muntre Liebesmelodein,- Die Sonne rot, von Gold umstrahlt, Die Blumen lustig bunt bemalt. Viel Balsamduft aus Kräutern rinnt. Die Lüfte wehen lieb und lind,- Und alles schimmert, alles lacht, Und zeigt mir freundlich seine Pracht. Inmitten in dem Blumenland Ein klarer Marmorbrunnen stand,- Da schaut ich eine schöne Maid, Die emsig wusch ein weißes Kleid. Die Wänglein süß, die Auglein mild, Ein blondgelocktes Heilgenbild,- 16 Und wie ich schau, die Maid ich fand So fremd und doch so wohlbekannt. Die schöne Maid, die sputet sich, Sie summt ein Lied gar wunderlich: „Rinne, rinne Wässerlein, Wasche mir das Linnen rein!" Ich ging und nahete mich ihr, Und flüsterte: „O sage mir, Du wunderschöne süße Maid, Für wen ist dieses weiße Kleid?" Da sprach sie schnell: „Sei bald bereit, Ich wasche dir dein Totenkleid!" Und als sie dies gesprochen kaum, Zerfloß das ganze Bild wie Schaum. — Und fortgezaubert stand ich bald In einem düstern wilden Wald. Die Bäume ragten himmelan,- Ich stand erstaunt und sann und sann. Und horch! welch dumpfer Widerhall! Wie ferner Axtcnschläge Schall,- Ich eil durch Busch und Wildnis fort, Und komm an einen freien Ort. 17 Inmitten in dem grünen Raum, Da stand ein großer Eichenbaum,- Und sieh! mein Mägdlein wundersam Haut mit dem Beil den Eichenstamm. Und Schlag auf Schlag, und sonder Weil, Summt sie ein Lied und schwingt das Beil: „Eisen blink, Eisen blank, Zimmre hurtig Eichenschrank!" Ich ging und nahete mich ihr, Und flüsterte: „O sage mir, Du wundersüßes Mägdelein, Wem zimmerst du den Eichenschrein?" Da sprach sie schnell: „Die Zeit ist karg, Ich zimmre deinen Totensarg!" Und als sie dies gesprochen kaum, Zerfloß das ganze Bild wie Schaum. - Es lag so bleich, es lag so weit Ringsum nur kahle, kahle Heid,- Ich wußte nicht, wie mir geschah, Und heimlich schaudernd stand ich da. Und nun ich eben fürder schweif, Gewahr ich einen weißen Streif,- 18 ^ u k I I. v Ich eilt drauf zu, und eilt und stand, Und sieh! die schöne Maid ich fand. Auf weiter Heid stand weiße Maid, Grub tief die Erd mit Grabescheit. Kaum wagt ich noch sie anzuschaun, Sie war so schön und doch ein Graun. Die schöne Maid, die sputet sich, Sie summt ein Lied gar wunderlich: „Spaten, Spaten, scharf und breit, Schaufle Grube tief und weit!" Ich ging und nahete mich ihr, Und flüsterte: „O sage mir, Du wunderschöne süße Maid, Was diese Grube hier bedeutet?" Da sprach sie schnell: „Sei still, ich Hab Geschaufelt dir ein kühles Grab." Und als so sprach die schöne Maid, Da öffnet sich die Grube weit. Und als ich in die Grube schaut, Ein kalter Schauer mich durchgraut,- Und in die dunkle Grabesnacht Stürzt ich hinein — und bin erwacht. 19 3. Im nächtgen Traum Hab ich mich selbst geschaut, In schwarzem Galafrack und seidner Weste, Manschetten an der Hand, als gings zum Feste, Und vor mir stand mein Liebchen, süsz und traut. Ich beugte mich und sagte: „Sind Sie Braut? Ei! ei! so gratulier ich, meine Beste!" Doch fast die Kehle mir zusammenpreßte Der langgezogne, vornehm kalte Laut. Und bittre Tränen plötzlich sich ergossen Aus Liebchens Augen, und in Tränenwogen Ist mir das holde Bildnis fast zerflossen. O süße Augen, fromme Liebessterne, Obschon ihr mir im Wachen oft gelogen, Und auch im Traum, glaub ich euch dennoch gerne 20 4. Im Traum sah ich ein Männchen, klein und putzig, Das ging auf Stelzen, Schritte ellenweit, Trug weiße Wäsche und ein feines Kleid, Inwendig aber war es grob und schmutzig. Inwendig war es jämmerlich, nichtsnutzig, Jedoch von außen voller Würdigkeit,- Von der Courage sprach es lang und breit, Und tat sogar recht trutzig und recht stutzig. „Und weißt du, wer das ist? Komm her und schau!" So sprach der Traumgott, und er zeigt mir schlau Die Bilderflut in eines Spiegels Rahmen. Vor einem Altar stand das Männchen da, Mein Lieb daneben, beide sprachen: „Ja!" Und tausend Teufel riefen lachend: „Amen!" 2l l'K^UIvIKII.VLK 5. Was treibt und tobt mein tolles Blut? Was flammt mein Herz in wilder Glut? Es kocht mein Blut und schäumt und gärt, Und grimme Glut mein Herz verzehrt. Das Blut ist toll, und gärt und schäumt, Weil ich den bösen Traum geträumt: Es kam der finstre Sohn der Nacht, Und hat mich keuchend fortgebracht. Er bracht mich in ein Helles Haus, Wo Harfenklang und Saus und Braus, Und Fackelglanz und Kerzenschein,- Ich kam zum Saal, ich trat hinein. Das war ein lustig Hochzeitfest,- Zu Tafel saßen froh die Gäst. Und wie ich nach dem Brautpaar schaut,— O weh! mein Liebchen war die Braut. Das war mein Liebchen wunnesam, Ein fremder Mann war Bräutigam: Dicht hinterm Ehrenstuhl der Braut, Da blieb ich stehn, gab keinen Laut. Es rauscht Musik, — gar still stand ich,- Der Freudenlärm betrübte mich. 22 Die Braut, sie blickt so hochbeglückt, Der Bräutgam ihre Hände drückt. Der Bräutgam füllt den Becher sein Und trinkt daraus, und reicht gar fein Der Braut ihn hin,- sie lächelt Dank, — O weh! mein rotes Blut sie trank. Die Braut ein hübsches Apflein nahm, Und reicht es hin dem Bräutigam. Der nahm sein Messer, schnitt hinein, — O weh! Das war das Herze mein. Sie äugeln süß, sie äugeln lang, Der Bräutgam kühn die Braut umschlang, Und küßt sie auf die Wangen rot, O weh! mich küßt der kalte Tod. Wie Blei lag meine Zung im Mund, Daß ich kein Wortlein sprechen kunnt. Da rauscht es auf, der Tanz begann,- Das schmucke Brautpaar tanzt voran. Und wie ich stand so leichenstumm, Die Tänzer schweben flink herum,- — Ein leises Wort der Bräutgam spricht, Die Braut wird rot, doch zürnt sie nicht. 23 k ^ u ^ ö I u O 6. Im süßen Traum, bei stiller Nacht Da kam zu mir mit Zaubermacht, Mit Zaubermacht die Liebste mein, Sie kam zu mir ins Kämmerlein. Ich schau sie an, das holde Bild! Ich schau sie an, sie lächelt mild, Und lächelt, bis das Herz mir schwoll, Und stürmisch kühn das Wort entquoll: „Nimm hin, nimm alles, was ich Hab, Mein Liebstes tret ich gern dir ab. Dürft ich dafür dein Buhle sein, Bon Mitternacht bis Hahnenschrein." Da staunt mich an gar seltsamlich, So lieb, so weh und inniglich, Und sprach zu mir die schöne Maid: „O, gib mir deine Seligkeit!" „Mein Leben süß, mein junges Blut, Gäb ich mit Freud und wohlgemut Für dich, o Mädchen, engelglelch, — Doch nimmermehr das Himmelreich." Wohl braust hervor mein rasches Wort, Doch blühet schöner immerfort, 24 Und immer spricht die schöne Maid: „O, gib mir deine Seligkeit!" Dumpf dröhnt dies Wort mir ins Gehör, Und schleudert mir ein Glutenmeer Wohl in der Seele tiefsten Raum,- Ich atine schwer, ich atme kaum. — Das waren weiße Engelein, Umglänzt von goldnem Glorienschein,- Nun aber stürmte wild herauf Ein greulich schwarzer Koboldhauf. Die rangen mit den Engelein, Und drängten fort die Engelein,- Und endlich auch die schwarze Schar In Nebelduft zerronnen war. — Ich aber wollt in Lust vergehn, Ich hielt im Arm mein Liebchen schön,- Sie schmiegt sich an mich wie ein Reh, Doch weint sie auch mit bitterm Weh. Feins Liebchen weint,- ich weiß warum, Und küß ihr Nosenmündleln stumm — „O still, feins Lieb, die Tränenflut, Ergib dich meiner Liebesglut! 25 Ergib dich meiner Liebesglut-" Da plötzlich starrt zu Eis mein Blut,- Laut bebet auf der Erde Grund, Und öffnet gähnend sich ein Schlund. Und aus dem schwarzen Schlünde steigt Die schwarze Schar,-- feins Lieb erbleicht! Aus meinen Armen schwand feins Lieb,- Ich ganz alleine stehen blieb. Da tanzt im Kreise wunderbar Um mich herum die schwarze Schar, Und drängt heran, erfaßt mich bald, Und gellend Hohngelächter schallt. Und immer enger wird der Kreis, Und immer summt die Schauerwcis: „Du gäbest hin die Seligkeit, Gehörst uns nun in Ewigkeit!" 26 7. Nun hast du das Kaufgeld, nun zögerst du doch? Blutfinstrer Gesell, was zögerst du noch? Schon sitze ich harrend im Kämmerlein traut, Und Mitternacht naht schon, — es fehlt nur die Braut. Viel schauernde Lüftchen vom Kirchhofe wehn,- — Ihr Lüftchen! habt ihr mein Bräutchen gesehn? Viel blasse Larven gestalten sich da, Umknicksen mich grinsend und nicken: „O ja!" pack aus, was bringst du für Botschafterei, Du schwarzer Schlingel in Feucrlivrei? „Die gnädige Herrschaft meldet sich an, Gleich kommt sie gefahren im Drachcngespann." Du lieb grau Männchen, was ist dein Begehr? Mein toter Magister, was treibt dich her? Er schaut mich mit schweigend trübseligem Blick, Und schüttelt das Haupt und wandelt zurück. Was winselt und wedelt der zotige Gesell? Was glimmert Schwarz-Katers Auge so hell? Was heulen die Weiber mit fliegendem Haar? Was lullt mir Frau Amme mein Wiegenlied gar? Frau Amme, bleib heut mit dein Singsang zu Haus, Das Eiapopeia ist lange schon aus,- 27 Ich feire ja heute mein Hochzcitfest, — Da schau mal, dort kommen schon zierliche Gast. Da schau mal! Ihr Herren, das nenn ich galant! Ihr tragt, statt der Hüte, die Köpf in der Hand! Ihr Zappelbein-Leutchen im Galgenornat, Der Wind ist still, was kommt ihr so spat? Da kommt auch alt Besenstielmütterchen schon, Ach, segne mich, Mütterchen, bin ja dein Sohn. Da zittert der Mund im weißen Gesicht: „In Ewigkeit, Amen!" das Mütterchen spricht. Zwölf winddürre Musiker schlendern herein,- Blind Fiedelweib holpert wohl hinterdrein. Da schleppt der Hanswurst, in buntscheckiger Jack, Den Totengräber huckepack. Es tanzen zwölf Klosterjungfraun herein,- Die schielende Kupplerin führet den Reihn. Es folgen zwölf lüsterne pfäffelein schon, Und pfeifen ein Schandlied im Kirchenton. Herr Trödler, o schrei dir nicht blau das Gesicht. Im Fegfeuer nützt mir dein pelzröckel nicht,- Dort heizet man gratis jahraus, jahrein, Statt mit Holz, mit Fürsten- und Bettlergebein. 28 Die Blumenmädchen sind bucklicht und krumm, Und purzeln kopfüber im Zimmer herum. Ihr Eulengesichtcr und Heuschreckenbein, Hei! laßt mir das Rippengeklapper nur sein! Die samtliche Holl ist los fürwahr, Und lärmet und schwärmet in wachsender Schar,- Sogar der Verdammniswalzer erschallt, - Still, still! nun kommt mein Feinsliebchen auch bald. Gesindel, sei still oder trolle dich fort! Ich höre kaum selber mein leibliches Wort. — Ei, rasselt nicht eben ein Wagen vor? Frau Köchin! wo bist du? schnell öffne das Tor! Willkommen, Feinsliebchen, wie gehts dir, mein Schatz? Willkommen, Herr Pastor, ach, nehmen Sie Platz! Herr Pastor mit Pferdefuß und Schwanz, Ich bin Cur Ehrwürden Diensteigener ganz! Lieb Bräutchen, was stehst du so stumm und so bleich? Der Herr Pastor schreitet zur Trauung sogleich,- Wohl zahl ich ihm teure, blutteure Gebühr, Doch, dich zu besitzen, gilts Kinderspiel mir. Knie nieder, süß Bräutchen, knie hin mir zur Seit! — Da kniet sie, da sinkt sie, - o selige Freud! 29 Sie sinkt mir ans Herz, an die schwellende Brust, Ich halt sie umschlungen mit schauernder Lust. Die Goldlockenwellen umspielen uns beid: An mein Herze pochte das Herze der Maid. Sie pochen wohl beide vor Lust und vor Weh, Und schweben hinauf in die Himmelshöh. Die Herzlein schwimmen im Freudcnsee, Dort oben in Gottes Heilger Höh,- Doch auf den Häuptern, wie Grausen und Brand, Da hat die Hölle gelegt die Hand. Das ist der finstre Sohn der Nacht, Der hier den segnenden Priester macht,- Er murmelt die Formel aus blutigem Buch, Sein Beten ist Lästern, sein Segen ist Fluch. Und es krächzet und zischet und heulet toll, Wie Wogengebrause, wie Donnergeroll,- Da blitzet auf einmal ein bläuliches Licht, - „In Ewigkeit, Amen!" das Mütterchen spricht. 30 8. Ich kam von meiner Herrin Haus, Und wandelt in Wahnsinn und Mitternachtsgraus. Und wie ich am Kirchhof Vorübergehn will, Da winken die Gräber ernst und still. Da winkts von des Spielmanns Leichenstein, Das war der flimmernde Mondesschein. Da lispelts: „Lieb Bruder, ich komme gleich!" Da steigts aus dem Grabe nebelbleich. Der Spielmann wars, der entstiegen jetzt, Und hoch aus den Leichenstein sich setzt. Und die Saiten der Zither greift er schnell, Und singt dabei recht hohl und grell: „Ei! kennt ihr noch das alte Lied, Das einst so wild die Brust durchglüht, Ihr Saiten, dumpf und trübe? Die Engel, die nennen es Himmelsfreud, Die Teufel, die nennen es Höllenleid, Die Menschen, die nennen es — Liebe!" Kaum tönte des letzten Wortes Schall, Da taten sich auf die Gräber all,- Viel Luftgestalten dringen hervor, Umschweben den Spielmann und schrillen im Chor: 31 „Liebe! Liebe! deine Macht Hat uns hier zu Bett gebracht, Und die Augen zugemacht, - Ei, was rufst du in der Nacht?" So heult es verworren, und ächzet und girrt, Und brauset und sauset, und krächzet und klirrt,- Und der tolle Schwann den Spielmann umschweift Und der Spielmann wild in die Saiten greift: „Bravo! Bravo! immer toll! Seid willkommen! Habt vernommen, Das; mein Zauberwort erscholl! Liegt man doch jahraus, jahrein, Mäuschenstill im Kämmerlein,- Laßt uns heute lustig sein! Mit Vergunst, - Seht erst zu, sind wir allein? - Narren waren wir im Leben, Und mit toller Wut ergeben Einer tollen Liebesbrunst. Kurzweil kann uns heut nicht fehlen, Zeder soll hier treu erzählen, Was ihn weiland hergebracht, Wie gehetzt, Wie zerfetzt Ihn die tolle Liebesjagd." 32 Da hüpft aus dem Kreise, so leicht wie der Wind, Ein mageres Wesen, das summend beginnt: „Ich war ein Schneidergeselle Mit Nadel und mit Scher,- Ich war so flink und schnelle Mit Nadel und mit Scher,- Da kam die Meisterstochter Mit Nadel und mit Scher,- Und hat mir ins Herz gestochen Mit Nadel und mit Scher." Da lachten die Geister im lustigen Chor,- Ein Zweiter trat still und ernst hervor: „Den Rivaldo Rinaldini, Schinderhanno, Orlandini, Und besonders Carlo Moor Nahm ich mir als Muster vor. Auch verliebt — mit Ehr zu melden — Hab ich mich wie jene Helden, Und das schönste Frauenbild Spukte mir im Kopfe wild. Und ich seufzte auch und girrte,- Und wenn Liebe mich verwirrte, 33 Steckt ich meine Finger rasch In des reichen Nachbars Tasch. Doch der Gassenvogt mir grollte, Das; ich Sehnsuchtstränen wollte Trocknen mit dem Taschentuch, Das mein Nachbar bei sich trug. Und nach frommer Häschersitte Nahm man still mich in die Mitte, Und das Zuchthaus, heilig gros;, Schloß mir auf den Mutterschaf;. Schwelgend süß in Liebessinnen, Saß ich dort beim Wollespinnen, Bis Rinaldos Schatten kam Und die Seele mit sich nahm." Da lachten die Geister im lustigen Chor,- Geschminkt und geputzt trat ein Dritter hervor: „Ich war ein Konig der Bretter, Und spielte das Liebhaberfach, Ich brüllte manch wildes: ,Ihr Götter!^ Und seufzte manch zärtliches: ,Ach!' Den Mortimer spielt ich am besten, Maria war immer so schön! 34 Doch trotz der natürlichsten Gesten, Sie wollte mich nimmer versteh». — Einst, als ich verzweifelnd am Ende: Maria, du Heilige!' rief, Da nahm ich den Dolch behende Und stach mich ein bißchen zu tief." Da lachten die Geister im lustigen Chor: Im weißen Flausch trat ein Vierter hervor: „Vom Katheder schwatzte herab der Professor, Er schwatzte, und ich schlief gut dabei ein,- Doch hätt mirs behagt viel tausendmal besser Bei seinem holdseligen Töchterlein. Sie hat mir oft zärtlich am Fenster genicket, Die Blume der Blumen, mein Lebenslicht! Doch die Blume der Blumen ward endlich gepflücket Vom dürren Philister, dem reichen Wicht. Da flucht ich den Weibern und reichen Halunken, Und mischte mir Teufelskraut in den Wein, Und Hab mit dem Tode Schmollis getrunken, Der sprach: ,Fiducit, ich heiße Freund Hein!^ Da lachten die Geister im lustigen Chor,- Einen Strick um den Hals, trat ein Fünfter hervor: 35 „Es prunkte und prahlte der Graf beim Wein Mit dem Töchterchen sein und dem Edelgestein. Was schert mich, du Gräflein, dein Edelgestein? Mir mundet weit besser dein Töchterlein. Sie lagen wohl beid unter Niegel und Schloß, Und der Graf besoldte viel Dienertroß. Was scheren mich Diener und Niegel und Schloß? Ich stieg getrost auf die Leitersproß. An Liebchens Fensterlein klettr ich getrost. Da hör ich es unten fluchen erbost: ,Fein sachte, mein Bübchen, muß auch dabei sein, Ich liebe ja auch das Edelgestein/ So spöttelt der Graf und erfaßt mich gar, Und jauchzend umringt mich die Dienerschar. ,Zum Teufel, Gesindel! ich bin ja kein Dieb,- Ich wollte nur stehlen mein trautes Lieb/ Da half kein Gerede, da half kein Nat, Da machte man hurtig die Stricke parat,- Wie die Sonne kam, da wundert sie sich. Am hellen Galgen fand sie mich." Da lachten die Geister im lustigen Chor,- Den Kopf in der Hand, trat ein Sechster hervor: 36 „Zum Waidwerk trieb mich Liebesharm,- Ich schlich umher, die Büchs im Arm. Da schnarrets hohl vom Baum herab, Der Rabe rief: ,Kopf—ab! Kopf ab!^ O, spürt ich doch ein Täubchen aus, Ich brächt es meinem Lieb nach Haus! So dacht ich, und in Busch und Strauch Späht ringsumher mein Iägeraug. Was koset dort? was schnäbelt fein? Zwei Turteltäubchen mögens sein. Ich schleich herbei, - den Hahn gespannt, Sieh da! mein eignes Lieb ich fand. Das war mein Täubchen, meine Braut, Ein fremder Mann umarmt sie traut, — Nun, alter Schütze, treffe gut! Da lag der fremde Mann im Blut. Bald drauf ein Zug mit Henkersfron — Ich selbst dabei als Hauptperson — Den Wald durchzog. Vom Baum herab Der Rabe rief: ,Kopf—ab! Kopf—ab!^" Da lachten die Geister im lustigen Chor,- Da trat der Spielmann selber hervor: 37 „Ich Hab mal ein Liedchen gesungen, Das schöne Lied ist aus,- Wenn das Herz im Leibe zersprungen, Dann gehen die Lieder nach Haus!" Und das tolle Gelächter sich doppelt erhebt, Und die bleiche Schar im Kreise schwebt,- Da scholl vom Kirchturm „eins" herab, Da stürzten die Geister sich heulend ins Grab. 38 9. Der Traumgott bracht mich in ein Riesenschloß, Wo schwüler Zauberduft und Lichterschimmer, Und bunte Menschenwoge sich ergoß Durch labyrinthisch vielverschlungne Zimmer. Die Ausgangspforte sucht der bleiche Troß Mit Händeringen und mit Angstgewimmer. Iungfraun und Ritter ragen aus der Menge, Ich selbst bin fortgezogen im Gedränge. Doch plötzlich steh ich ganz allein, und seh, Und staun, wie schnell die Menge könnt verschwinden, Und wandre fort allein, und eil, und geh Durch die Gemächer, die sich seltsam winden. Mein Fuß wird Blei, im Herzen Angst und Weh, Verzweifl ich fast, den Ausgang je zu finden. Da komm ich endlich an das letzte Tor,- Ich will hinaus - o Gott, wer steht davor! Es war die Liebste, die am Tore stand, Schmerz um die Lippen, Sorge auf der Stirne, Ich soll zurückgehn, winkt sie mit der Hand,- Ich weiß nicht, ob sie warne oder zürne. Doch aus den Augen bricht ein süßer Brand, Der mir durchzuckt das Herz und das Gehirne. Wie sie mich ansah, streng und wunderlich, Und doch so liebevoll, erwachte ich. 39 ^ u kl ö I 0 v w. Nacht lag auf meinen Augen, Blei lag auf meinem Mund, Mit starrem Hirn und Herzen Lag ich im Grabesgrund. Wie lang kann ich nicht sagen, Daß ich geschlafen Hab, Ich wachte auf und horte, Wies pochte an mein Grab. „Willst du nicht aufstehn, Heinrich? Der ewge Tag bricht an,- Die Toten sind erstanden, Die ewge Lust begann." Mein Lieb, ich kann nicht aufstehn. Bin ja noch immer blind,- Durch Weinen meine Augen Gänzlich erloschen sind. „Ich will dir küssen, Heinrich, Vom Auge fort die Nacht,- Die Engel sollst du schauen, Und auch des Himmels Pracht." Mein Lieb, ich kann nicht aufstehn, Noch blutets immerfort, 40 ^ u Ivl ö I I. O Wo du ins Herz mich stachest Mit einem spitzgen Wort. „Ganz leise leg ich, Heinrich, Dir meine Hand aufs Herz,- Dann wird es nicht mehr bluten, Geheilt ist all sein Schmerz." Mein Lieb, ich kann nicht aufstehn, Es blutet auch mein Haupt,- Hab ja hineingeschossen, Als du mir wurdest geraubt. „Mit meinen Locken, Heinrich, Stopf ich des Hauptes Wund, Und dräng zurück den Blutstrom Und mache dein Haupt gesund." Es bat so sanft, so lieblich, Ich könnt nicht widersteh»,- Ich wollte mich erheben Und zu der Liebsten gehn. Da brachen auf die Wunden, Da stürzt mit wilder Macht Aus Kopf und Brust der Blutstrom, Und sich! — ich bin erwacht. 41 n. Ich lag und schlich und schlief recht mild, Verscheucht war Gram und Leid,- Da kam zu mir ein Traumgebild, Die allerschönste Maid. Sie war wie Marmelstein so bleich, Und heimlich wunderbar,- Im Auge schwamm es perlengleich, Gar seltsam wallt ihr Haar. Und leise, leise sich bewegt Die marmorblasse Maid, Und an mein Herz sich niederlegt Die marmorblasse Maid. Wie bebt und pocht vor Weh und Lust Mein Herz und brennet heiß! Nicht bebt, nicht pocht der Schönen Brust, Die ist so kalt wie Eis. „Nicht bebt, nicht pocht wohl meine Brust, Die ist wie Eis so kalt,- Doch kenn auch ich der Liebe Lust, ' Der Liebe Allgewalt. Mir blüht kein Rot auf Mund und Wang. Mein Herz durchströmt kein Blut,- 42 Doch sträube dich nicht schaudernd bang, Ich bin dir hold und gut." Und wilder noch umschlang sie mich, Und tat mir fast ein Leid,- Da kräht der Hahn - und stumm entwich Die marmorblasse Maid. 43 k u ^ L I u v 12. Da Hab ich viel blasse Leichen Beschworen mit Wortesmacht,- Sie wollen nun nicht mehr weichen Zurück in die alte Nacht. Das zähmende Sprüchlein vom Meister Vergas; ich vor Schauer und Graus,- Nun ziehn die eignen Geister Mich selber ins neblichtc Haus. Laßt ab, ihr finstern Dämonen! Laßt ab, und drängt mich nicht! Noch manche Freude mag wohnen Hier oben im Rosenlicht. Ich muß ja immer streben Nach der Blume, wunderhold,- Was bedeutet mein ganzes Leben, Wenn ich sie nicht lieben sollt? Ich mächt sie nur einmal umfangen Und pressen ans glühende Herz! Nur einmal auf Lippen und Wangen Küssen den seligsten Schmerz! Nur einmal aus ihrem Munde Mächt ich hören ein liebendes Wort, - 44 Alsdann wollt ich folgen zur Stunde Euch, Geister, zum finsteren Ort. Die Geister Habens vernommen, Und nicken schauerlich. Feinsliebchen, nun bin ich gekommen,- - Feinsliebchen, liebst du mich? 45 k ^ u ^ L I I. v Deutschland Ein Traum (1316) Sohn der Torheit! träume immer, Wenn dirs Herz im Busen schwillt,- Doch im Leben suche nimmer Deines Traumes Ebenbild! Einst stand ich in schönen Tagen Auf dem höchsten Berg am Rhein,- Deutschlands Gauen vor mir lagen, Blühend hell im Sonnenschein. Unten murmelten die Wogen Milde Zaubermelodein,- Süße Ahnungsschauer zogen Schmeichelnd in mein Herz hinein. Lausch ich jetzt beim Sang der Wogen, Klingt viel andere Melodei: Schöner Traum ist längst verflogen, Schöner Wahn brach längst entzwei. Schau ich jetzt von meinem Berge In das deutsche Land hinab, Seh ich nur ein Völklein Zwerge Kriechend auf der Riesen Grab. 46 ^ u ^ L I I. O Muttersöhnchen gehn in Seide, Nennen sich des Volkes Kern, Schurken tragen Ehrgeschmeide, Söldner brüsten sich als Herrn. Nur ein Spottbild auf die Ahnen Ist das Volk im deutschen Kleid,- Denn die alten Röcke mahnen Schmerzlich an die alte Zeit, Wo die Sitte und die Tugend prunklos gingen Hand in Hand, Wo mit Ehrfurchtscheu die Jugend Vor dem Greisenalter stand,- Wo kein Jüngling seinem Mädchen Modeseufzer vorgelügt,- Wo kein witziges Despötchen Meineid in System gefügt,- Wo ein Handschlag mehr als Eide Und Notarienakte war, Wo ein Mann im Eisenkleide, Und ein Herz im Manne war. — Unsre Gartenbeete hegen Tausend Blumen wunderfein, 47 Schwelgend in des Bodens Segen, Lind umspielt vom Sonnenschein. Doch die allerschönste Blume . Blühet unsren Beeten nie, Sie, die einst im Altertume Selbst auf starrein Fels gedieh,- Die auf kalter Bergesfeste Männer mit der Eisenhand pflegten als der Blumen beste - Gastlichkeit wird sie genannt. Müder Wandrer, steige nimmer Bach der hohen Burg hinan,- Statt der gastlich warmen Zimmer, Kalte Wände dich empfahn. Von dem Wartturm bläst kein Wächter, Keine Fallbrück rollt herab,- Denn der Burgherr und der Wächter Schlummern längst im kühlen Grab. In den dunkeln Särgen ruhen Auch die Frauen minnehold,- Wahrlich hegen solche Truhen Reichern Schatz denn perl und Gold. 48 ^ u kl L I k v Heimlich schauern da die Lüfte Wie von Minnesängerhauch/ Denn in diese Heilgen Grüfte Stieg die fromme Minne auch. Zwar auch unsre Damen preis ich, Denn sie blühen wie der Mai, Lieben auch, und üben fleißig Tanzen, Sticken, Malerei. Singen auch in süßen Reimen Von der alten Lieb und Treu, Freilich zweifelnd im geheimen, Ob das Märchen möglich sei. Unsre Mütter einst erkannten, Sinnig, wie die Einfalt pflegt, Daß den schönsten der Demanten Nur der Mensch im Busen trägt. Ganz nicht aus der Art geschlagen Sind die klugen Töchterlein,- Denn die Fraun in unfern Tagen Lieben auch die Edelstein! Traum der Freundschaft 49 ^ u kl ö I 0 v Mocht auch Aberglauben herrschen Denn die schöne Zordansperle Hat des Römers Geiz verfälscht, Fort ihr Bilder schönrer Tage, Weicht zurück in eure Nacht! Weckt nicht mehr die eitle Klage Um die Zeit, die uns versagt! 50 l u v u 1. Die du bist so schön und rein, Wunnevolles Magedein, Deinem Dienste ganz allein Möcht ich wohl mein Leben weihn. Deine süßen Augelein Glänzen mild wie Mondesschein/ Helle Rosenlichter streun Deine roten Wängelein. Und aus deinem Mündchen klein Blinkts hervor wie perlenreihn,- Doch den schönsten Edelstein Hegt dein stiller Busenschrein. Fromme Minne mag es sein, Was mir drang ins Herz hinein. Als ich weiland schaute dein, Wunnevolles Magedein! 51 I. I L O L k 2. Einsam klag ich meine Leiden Im vertrauten Schoß der Nacht,- Frohe Menschen muß ich meiden, Fliehen scheu, wo Freude lacht. Einsam fließen meine Tränen, Fließen immer, fließen still,- Doch des Herzens brennend Sehnen Keine Träne löschen will. Einst, ein lachend muntrer Knabe, Spielt ich manches schöne Spiel, Freute mich der Lebensgabe, Wußte nie von Schmerzgefühl. Denn die Welt war nur ein Garten, Wo viel bunte Blumen blühn, Wo mein Tagwerk Blumen-warten, Rosen, Veilchen und Jasmin. Träumend süß auf grüner Aue Sah ich Bächlein fließen mild,- Wenn ich jetzt in Bächlein schaue, Zeigt sich mir ein bleiches Bild. Bin ein bleicher Mann geworden Seit mein Auge sie gesehn: 52 I L O U Heimlich weh ist mir geworden, Wundersam ist mir geschehn. Tief im Herzen hegt ich lange Englein stiller Friedensruh,- Diese flohen zitternd, bange, Ihrer Sternenheimat zu. Schwarze Nacht mein Aug umdüstert, Schatten drohen feindlich grimm,- Und im Busen heimlich flüstert Eine eigen fremde Stimm. Fremde Schmerzen, fremde Leiden Steigen auf mit wilder Wut, Und in meinen Eingeweiden Zehret eine fremde Glut. Aber daß in meinem Herzen Flammen wühlen sonder Ruh, Daß ich sterbe hin vor Schmerzen - Minne, sieh! das tatest du! 53 I. I T v L k 3. Jedweder Geselle, sein Mädel am Arm, Durchwandclt die Lindenreihn,- Ich aber, ich wandle, daß Gott erbarm! Ganz mutterseel-allein. Mein Herz wird beengt, mein Auge wird trüb, Wenn ein andrer mit Liebchen sich freut. Denn ich habe auch ein süßes Lieb, Doch wohnt sie gar ferne und weit. So manches Jahr getragen ich Hab Ich trage nicht länger die Pein, Ich schnüre mein Bündlein und greife den Stab, Und wandr in die Welt hinein. Und wandre fort manch hundert Stund, Bis ich komm an die große Stadt,- Sie prangt an eines Stromes Mund, Drei keckliche Türme sie hat. Da schwindet bald mein Liebesharm, Da harret Freude mein,- Da kann ich wandeln, Feinsliebchen am Arm Durch die duftigen Lindenreihn. 54 I u O u 4. Wenn ich bei meiner Liebsten bin Dann geht das Herz mir auf,- Dann bin ich reich in meinem Sinn Und biet die Welt zu Kauf. Doch wenn ich wieder scheiden muß Aus ihrem Schwanenarm, Dann schwindet all mein Uberfluß, Und ich bin bettelarm. 55 I e v L 5. Morgens steh ich auf und frage: Kommt Feinsliebchen heut? Abends sink ich hin und klage: Ausblieb sie auch heut. In der Nacht mit meinem Kummer Lieg ich schlaflos, wach,- Träumend, wie im halben Schlummer, Wandle ich bei Tag. 56 I. I L v T 6. Es treibt mich hm, es treibt mich her! Noch wenige Stunden, dann soll ich sie schauen, Sie selber, die schönste der schönen Jungfrauen,- Du treues Herz, was pochst du so schwer! Die Stunden sind aber ein faules Volk! Schleppen sich behaglich träge. Schleichen gähnend ihre Wege,- Tummle dich, du faules Volk! Tobende Eile mich treibend erfaßt! Aber wohl niemals liebten die Hören,- — Heimlich im grausamen Bunde verschworen, Spotten sie tückisch der Liebenden Hast. 57 I. I L v L k 7. Ich wandelte unter den Bäumen Mit meinem Gram allein,- Da kam das alte Träumen, Und schlich mir ins Herz hinein. Wer hat euch dies Wörtlein gelchret, Ihr Vöglein in luftiger Höh? Schwelgt still! wenn mein Herz es höret, Dann tut es noch einmal so weh. „Es kam ein Iungfräulein gegangen, Die sang es immerfort, Da haben wir Vöglein gefangen, Das hübsche goldene Wort." Das sollt ihr mir nicht mehr erzählen, Ihr Vöglein wunderschlau,- Ihr wollt meinen Kummer mir stehlen, Ich aber niemanden trau. 58 I. I L O L 8. Lieb Liebchen, legs Händchen aufs Herze mein,- - Ach, hörst du, wies pochet im Kämmerlein? Da hauset ein Zimmermann schlimm und arg, Der zimmert mir einen Totensarg. Es hämmert und klopfet bei Tag und bei Nacht/ Es hat mich schon längst um den Schlaf gebracht. Ach, sputet euch, Meister Zimmermann, Damit ich balde schlafen kann! 59 I. I L v L 9. Ich wollte, meine Lieder Das wären Blümelein: Ich schickte sie zu riechen Der Herzallerliebsten mein. Ich wollte, meine Lieder Das wären Küsse fein: Ich schickt sie heimlich alle Nach Liebchens Wängelein. Ich wollte, meine Lieder Das wären Erbsen klein: Ich kocht eine Erbsensuppe, Die sollte köstlich sein. 60 I u I) L k 10. In Vaters Garten heimlich steht Ein Blümchen, traurig und bleich,- Der Winter zieht fort, der Frühling weht, Bleich Blümchen bleibt immer so bleich. Die bleiche Blume schaut Wie eine franke Braut. Zu mir bleich Blümchen leise spricht: „Lieb Brüderchen, pflücke mich!" Zu Blümchen sprech ich: Das tu ich nicht, Ich pflücke nimmermehr dich. Ich such mit Müh und Vot Die Blume purpurrot. Bleich Blümchen spricht: „Such hin, such her Bis an deinen kühlen Tod, Du suchst umsonst, findst nimmermehr Die Blume purpurrot. Mich aber pflücken tu, Ich bin so krank wie du." So lispelt bleich Blümchen und bittet sehr - Da zag ich und pflück ich es schnell. Und plötzlich blutet mein Herze nicht mehr, Mein inneres Auge wird hell. In meine wunde Brust Kommt stille Engellust. 61 I L v u N. Schöne Wiege meiner Leiden, Schönes Grabmal meiner Ruh, Schöne Stadt, wir müssen scheiden, - Lebe wohl! ruf ich dir zu. Lebe wohl, du heilge Schwelle, Wo da wandelt Liebchen traut,- Lebe wohl, du heilge Stelle, Wo ich sie zuerst geschaut. Hätt ich dich doch nie gesehen, Schöne Herzenskönigin! Nimmer war es dann geschehen, Daß ich jetzt so elend bin. Nie wollt ich dein Herze rühren, Liebe Hab ich nie erfleht,- Nur ein stilles Leben führen Wollt ich, wo dein Odem weht. Doch du drangst mich selbst von hinnen Bittre Worte spricht dein Mund,- Wahnsinn wühlt in meinen Sinnen, Und mein Herz ist krank und wund. Und die Glieder matt und träge Schlepp ich fort am Wanderstab, Bis mein müdes Haupt ich lege Ferne in ein kühles Grab. 62 I L v L 12. Warte, warte, wilder Schiffsinann, Gleich folg ich zum Hafen dir,- Von zwei Jungfrau» nehm ich Abschied, Von Europa und von ihr. Blutquell, rinn aus meinen Augen, Blutquell, brich aus meinem Leib, Daß ich mit dem heißen Blute Meine Schmerzen niederschreib. Ei, mein Lieb, warum just heute Schauderst du, mein Blut zu sehn? Sahst mich bleich und herzeblutend Lange Jahre vor dir stehn! Kennst du noch das alte Liedchen Von der Schlang im Paradies, Die durch schlimme Apfelgabe Unfern Ahn ins Elend stieß? Alles Unheil brachten Apfel! Eva bracht damit den Tod, Eris brachte Trojas Flammen, Du brachtst beides, Flamm und Tod. 63 I L v u 13. Berg und Burgen schaun herunter, In den spiegelhellen Rhein, Und mein Schiffchen segelt munter, Rings umglänzt von Sonnenschein. Ruhig seh ich zu dem Spiele Goldner Wellen, kraus bewegt,- Still erwachen die Gefühle, Die ich tief im Busen hegt. Freundlich grüßend und verheißend Lockt hinab des Stromes Pracht,- Doch ich kenn ihn, - oben gleißend, Birgt sein Innres Tod und Nacht. Oben Lust, im Busen Tücken, Strom, du bist der Liebsten Bild! Die kann auch so freundlich nicken, Lächelt auch so fromm und mild. 64 I L O L 14. Anfangs wollt ich fast verzagen. Und ich glaubt, ich trüg es nie,- Und ich Hab es doch getragen, — Aber fragt mich nur nicht: wie? 65 I L v u 15. Oben, wo die Sterne glühen, Müssen uns die Freuden blühen, Die uns unten sind versagt,- In des Todes kalten Armen Kann das Leben erst erwärmen, Und das Licht der Nacht enttagt. 66 6 I L O L 16. Mit Rosen, Zypressen und Flittergold Möcht ich verzieren lieblich und hold Dies Buch wie einen Totenschrein, Und sargen meine Lieder hinein. O, könnt ich die Liebe sargen hinzu! Am Grabe der Liebe wachst Blümlein der Ruh, Da blüht es hervor, da pflückt man es ab, — Doch mir blühts nur, wenn ich selber im Grab. Hier sind nun die Lieder, die einst so wild, Wie ein Lavastrom, der dem Ätna entquillt, Hervorgestürzt aus dem tiefsten Gemüt, Und rings viel blitzende Funken versprüht! Run liegen sie stumm und totengleich, Run starren sie kalt und nebelbleich. Doch aufs neu die alte Glut sie belebt, Wenn der Liebe Geist einst über sie schwebt. Und es wird im Herzen viel Ahnung laut: Der Liebe Geist einst über sie taut,- Einst kommt dies Buch in deine Hand, Du süßes Lieb im fernen Land. Dann löst sich des Liedes Zauberbann, Die blassen Buchstaben schaun dich an, Sie schauen dir flehend ins schöne Aug, Und flüstern mit Wehmut und Liebeshauch. 67 I u v u 17. Wenn junge Herzen brechen, So lachen drob die Sterne, Sie lachen und sie sprechen Herab aus der blauen Ferne: „Die armen Menschen lieben Sich zwar mit vollen Seelen, Und müssen sich doch betrüben, Und gar zu Tode quälen. Wir haben nie empfunden Die Liebe, die so verderblich Den armen Menschen drunten,- Drum sind wir auch unsterblich." 68 6 I U L> U k 18. Jegliche Gestalt bekleidend, Bin ich stets in deiner Bähe, Aber immer bin ich leidend, Und du tust mir immer wehe. Wenn du, zwischen Blumenbeeten Wandelnd in des Sommers Tagen, Einen Schmetterling zertreten — Hörst du mich nicht leise klagen? Wenn du eine Rose pflückest, Und mit kindischem Behagen Sie entblätterst und zerstückest — Hörst du mich nicht leise klagen? Wenn bei solchem Rosenbrechen Böse Dornen einmal wagen In die Finger dich zu stechen — Hörst du mich nicht leise klagen? Hörst du nicht die Klagetöne Selbst im Ton der eignen Kehle? In der Bacht seufz ich und stöhne Aus der Tiefe deiner Seele. 69 I L v U 19. Die Wälder und Felder grünen. Es trillert die Lerch in der Luft, Der Frühling ist erschienen Mit Lichtern und Farben und Dust. Der Lerchengesang erweicht mir Das winterlich starre Gemüt, Und aus dem Herzen steigt mir Ein trauriges Klagelied. Die Lerche trillert gar feine: „Was singst du so trüb und bang?" Das ist ein Liedchen, o Kleine, Das sing ich schon jahrelang! Das sing ich im grünen Haine, Das Herz von Gram beschwert,- Schon deine Großmutter, o Kleine, Hat dieses Lied gehört! 70 I L O T 20. Ich dacht an sie den ganzen Tag, Und dacht an sie die halbe Nacht. Und als ich fest im-Schlafe lag, Hat mich ein Traum zu ihr gebracht. Sie blüht wie eine junge Ros, Und sitzt so ruhig, still beglückt. Ein Rahmen ruht auf ihrem Schoß, Worauf sie weiße Lämmchen stickt. Sie schaut so sanft, begreift es nicht, Warum ich traurig vor ihr steh. „Was ist so blaß dein Angesicht, Heinrich, sag mirs, wo tuts dir weh?" Sie schaut so sanft und staunt, daß ich Still weinend ihr ins Auge seh. „Was weinest du so bitterlich, Heinrich, sag mirs, wer tut dir weh?" Sie schaut mich an mit milder Ruh, Ich aber fast vor Schmerz vergeh. „Wer weh mir tut, mein Lieb, bist du, Und in der Brust da sitzt das Weh." Da steht sie auf und legt die Hand Mir auf die Brust ganz feierlich,- Und plötzlich all mein Weh verschwand, Und heitern Sinns erwachte ich. v 21. Ich will mich im grünen Wald ergehn, Wo Blumen sprießen und Vögel singen,- Denn wenn ich im Grabe einst liegen werde, Ist Aug und Ohr bedeckt mit Erde, Die Blumen kann ich nicht sprießen sehn, Und Vogelgesang hör ich nicht klingen. 72 I u v u 22. Wir wollen jetzt Frieden machen Ihr lieben Blümelein. Wir wollen schwatzen und lachen Und wollen uns wieder freun. Du weißes Maienglöckchen, Du Rose mit rotem Gesicht, Du Nelke mit bunten Fleckchen, Du blaues Vergißmeinnicht! Kommt her, ihr Blumen, jede Soll mir willkommen sein — Nur mit der schlimmen Resede Las; ich mich nicht mehr ein. 73 I T O U 23. Es faßt mich wieder der alte Mut, Mir ist, als jagt ich zu Nasse, Und jagte wieder mit liebender Glut Nach meiner Liebsten Schlosse. Es faßt mich wieder der alte Mut, Mir ist, als jagt ich zu Nasse, Und jagte zum Streite mit hassender Wut, Schon harret der Kampfgenasse. Ich jage geschwind wie der Wirbelwind, Die Wälder und Felder fliegen! Mein Kampfgenoß und mein schönes Kind, Sie müssen beide erliegen. 74 I u v u 24. Tag und Nacht Hab ich gedichtet, Und Hab doch nichts ausgerichtet,- Bin in Harmonien geschwommen, Und bin doch zu nichts gekommen. 75 I. I L v L 25. Daß ich dich liebe, o Möpschen, Das ist dir wohlbekannt. Wenn ich mit Zucker dich füttre, So leckst du mir die Hand. Du willst auch nur ein Hund sein, Und willst nicht scheinen mehr,- All meine übrigen Freunde Verstellen sich zu sehr. 76 I T v L 26. Gewiß, gewiß, der Rat war gut, Hätt unsereins kein junges Blut. Wir trinken aus, wir schenken ein, Wir klopfen an, sie ruft herein! Hat uns die eine fortgeschickt, Die andre hat uns zugenickt, Und wird uns hier das Weinglas leer, Ei nun, es wächst am Rheine mehr! 77 I L O L 27. Lieben und Hassen, Hassen und Lieben Ist alles über mich hingegangen,- Doch blieb von allem nichts an mir hangen, Ich bin der Mersclbe geblieben. 78 I u v L Zum Polterabend 1. Mit deinen großen, allwissenden Augen Schaust du mich an, und du hast recht: Wie konnten wir zusammen taugen, Da du so gut, und ich so schecht! Ich bin so schlecht und bitterblütig, Und Spottgeschenke bring ich dar Dem Mädchen, das so lieb und gütig, Und ach! sogar aufrichtig war. 79 I L v L 2. O, du kanntest Koch und Küche, Loch und Schliche, Tür und Tor! Wo wir nur zusammen strebten, Kamst du immer mir zuvor. ^ Jetzt heiratest du mein Mädchen, Teurer Freund, das wird zu toll - Toller ist es nur, das; ich dir Dazu gratulieren soll! 80 u I u O u k 3. „O, die Liebe macht uns selig, O, die Liebe macht uns reich!" Also singt man tausendkehlig In dem Heilgen römschen Reich. Du, du fühlst den Sinn der Lieder, Und sie klingen, teurer Freund, Jubelnd dir im Herzen wieder. Bis der große Tag erscheint: Wo die Braut, mit roten Bäckchen, Ihre Hand in deine legt, Und der Vater, mit den Säckchen, Dir den Segen überträgt. Säckchen voll mit Geld, unzählig Linnen, Betten, Silberzeug - O, die Liebe macht uns selig, O, die Liebe macht uns reich! 6 81 I. I L O ^ 4. Der wette Boden ist überzogen Mit Blumendecken, der grüne Wald, Er wölbt sich hoch zu Siegesbogen, Gefiederte Einzugmusik erschallt. Es kommt der schöne Lenz geritten, Sein Auge sprüht, die Wange glüht! Ihr solltet ihn zur Hochzeit bitten, Denn gerne weilt er, wo Liebe blüht. 82 ^ n 2 6 l. Die Weihe Einsam in der Waldkapelle, Vor dem Bild der Himmelsjungfrau, Lag ein frommer bleicher Knabe Demutsvoll dahingesunken. „O Madonna! laß mich ewig Hier auf dieser Schwelle knieen, Wollest nimmer mich verstoßen In die Welt, so kalt und sündig. „O Madonna! sonnig wallen Deines Hauptes Strahlenlocken,- Süßes Lächeln mild umspielet Deines Mundes heilge Rosen. O Madonna! deine Augen Leuchten mir wie Sternenlichter,- Lebensschifflein treibet irre, Sternleln leiten ewig sicher. O Madonna! sonder Wanken Trug ich deine Schmerzenprüfung, Frommer Minne blind vertrauend, Rur in deinen Gluten glühend. 83 O Ivl N 2 U O Madonna! hör mich heute, Gnadenvolle, wunderreiche, Spende mir ein Huldeszeichen, Nur ein leises Huldeszeichen!" Da tat sich ein schauerlich Wunder bekunden, Wald und Kapell sind auf einmal verschwunden, Knabe nicht wußte, wie ihm geschehn, Hat alles auf einmal umwandelt gesehn. Und staunend stand er im schmucken Saale, Da saß Madonna, doch ohne Strahlen,- Sie hat sich verwandelt in liebliche Maid, Und grüßet und lächelt mit kindlicher Freud. Und sieh! vom blonden Lockenhaupte Sie selber sich eine Locke raubte, Und sprach zum Knaben mit himmlischem Ton: „Nimm hin deinen besten Erdenlohn!" Sprich nun, wer bezeugt die Weihe? Sahst du nicht die Farben wogen Flammig an der Himmelsbläue? Menschen nennens Regenbogen. Englein steigen auf und nieder, Schlagen rauschend mit den Schwingen, Flüstern wundersame Lieder, Süßer Harmonien Klingen. 84 O ^ ^ ^ ^ ^ 2. Der Traurige Allen tut es weh im Herzen, Die den bleichen Knaben sehn, Dem die Leiden, dem die Schmerzen Aufs Gesicht geschrieben stehn. Mitleidvolle Lüfte fächeln Kühlung seiner heißen Stirn,- Labung möcht ins Herz ihm lächeln Manche sonst so spröde Dirn. Aus dem wilden Lärm der Städter Flüchtet er sich nach dem Wald. Lustig rauschen dort die Blätter, Lustger Vogelsang erschallt. Doch der Sang verstummet balde, Traurig rauschet Baum und Blatt, Wenn der Traurige dem Walde Langsam sich genähert hat. 86 3. B e r g st i m m e Ein Reiter durch das Bergtal zieht Im traurig stillen Trab: „Ach! zieh ich jetzt wohl in Liebchens Arm, Oder zieh ich ins dunkle Grab?" Die Bergstimm Antwort gab: „Ins dunkle Grab!" Und weiter reitet der Reitersmann, Und seufzet schwer dazu: „So zieh ich denn hin ins Grab so früh, — Wohlan, im Grab ist Ruh!" Die Stimme sprach dazu: „Im Grab ist Ruh!" Dem Reitersmann eine Trane rollt Von der Wange kummervoll: „Und ist nur im Grabe die Ruhe für mich, So ist mir im Grabe wohl." Die Stimm erwidert hohl: „Im Grabe wohl!" 87 O Ivl N 2 L 4. Zwei Brüder Oben auf der Bergesspitze Liegt das Schloß in Nacht gehüllt,- Doch im Tale leuchten Blitze, Helle Schwerter klirren wild. Das sind Brüder, die dort fechten Grimmen Zweikampf, wutentbrannt. Sprich, warum die Brüder rechten Mit dem Schwerte in der Hand? Gräfin Lauras Augenfunken Zündeten den Brüderstreit,- Beide glühen liebestrunken Für die adlig holde Maid. Welchem aber von den beiden Wendet sich ihr Herze zu? Kein Ergrübeln kanns entscheiden, — Schwert heraus, entscheide du! Und sie fechten kühn verwegen, Hieb auf Hiebe niederkrachts. Hütet euch, ihr wilden Degen, Böses Blendwerk schleicht des Nachts. 88 Ivl n 2 T Wehe! Wehe! blutge Brüder! Wehe! Wehe! blrttges Tal! Beide Kämpfer stürzen nieder, Einer in des andern Stahl. — Viel Jahrhunderte verwehen, Viel Geschlechter deckt das Grab,- Traurig von des Berges Höhen Schaut das öde Schloß herab. Aber nachts, im Talesgrunde, Wandelts heimlich, wunderbar,- Wenn da kommt die zwölfte Stunde, Kämpfet dort das Brüderpaar. 89 5. Der arme Peter I. Der Hans und die Grete tanzen herum, Und jauchzen vor lauter Freude. Der Peter steht so still und stumm, Und ist so blaß wie Kreide. Der Hans und die Grete sind Bräutgam und Braut, Und blitzen im Hochzcitgeschmeide. Der arme Peter die Nägel kaut Und steht im Werkeltagskleide. Der Peter spricht leise vor sich her, Und schaut betrübt auf beide: „Ach! wenn ich nicht gar zu vernünftig war, Ich tat mir was zuleide." 90 0 ^ N ^ U II, „In meiner Brust, da sitzt ein Weh, Das will die Brust zersprengen,- Und wo ich steh, und wo ich geh, Wills mich von hinnen drängen. Es treibt mich nach der Liebsten Nah, Als könnts die Grete heilen,- Doch wenn ich der ins Auge seh, Mus; ich von hinnen eilen. Ich steig hinauf des Berges Höh, Dort ist man doch alleine,- Und wenn ich still dort oben steh, Dann steh ich still und weine." 91 0 ^ ^ ^ 2 L III. Der arme Peter wankt vorbei, Gar langsam, leichenblaß und scheu. Es bleiben fast, wenn sie ihn sehn, Die Leute auf der Straße stehn. Die Mädchen flüstern sich ins Ohr: „Der stieg wohl aus dem Grab hervor?" Ach nein, ihr lieben Iungfräulein, Der legt sich erst ins Grab hinein. Er hat verloren seinen Schatz, Drum ist das Grab der beste Platz, Wo er am besten liegen mag Und schlafen bis zum Jüngsten Tag. 92 0 ^ N ^ T 6. Lied des Gefangenen Als meine Großmutter die Liese behext, Da wollten die Leut sie verbrennen. Schon hatte der Amtmann viel Tinte verkleckst, Doch wollte sie nicht bekennen. Und als man sie in den Kessel schob, Da schrie sie Mord nnd Wehe! Und als sich der schwarze Qualm erhob, Da flog sie als Rab in die Höhe. Mein schwarzes, gefiedertes Großmütterlein! O komm mich im Turme besuchen! Komm, fliege geschwind durchs Gitter herein, Und bringe mir Käse und Kuchen. Mein schwarzes, gefiedertes Großmütterlein O möchtest du nur sorgen, Daß die Muhme nicht auspickt die Augen mein, Wenn ich luftig schwebe morgen. 93 0 Ivl ^ N ^ U 7. Die Grenadiere Nach Frankreich zogen zwei Grenadier, Die waren in Rußland gefangen. Und als sie kamen ins deutsche Quartier, Sie ließen die Köpfe hangen. Da hörten sie beide die traurige Mär: ' Daß Frankreich verloren gegangen, Besiegt und zerschlagen das große Heer, - Und der Kaiser, der Kaiser gefangen. Da weinten zusammen die Grenadier Wohl ob der kläglichen Kunde. Der eine sprach: „Wie weh wird mir, Wie brennt meine alte Wunde!" Der andre sprach: „Das Lied ist aus, Auch ich möcht mit dir sterben, Doch Hab ich Weib und Kind zu Haus, Die ohne mich verderben." — „Was schert mich Weib, was schert mich Kind, Ich trage weit beßres Verlangen,- Laß sie betteln gehn, wenn sie hungrig sind, — Mein Kaiser, mein Kaiser gefangen! 94 O 2 ^ Gewähr mir, Bruder, eine Vitt: Wenn ich jetzt sterben werde, So nimm meine Leiche nach Frankreich mit, Begrab mich in Frankreichs Erde. Das Ehrenkreuz am roten Band Sollst du aufs Herz mir legen,- Die Flinte gib mir in die Hand, Und gürt mir um den Degen. So will ich liegen und horchen still Wie ein Schildwach, im Grabe, Bis einst ich höre Kanonengebrüll Und wiehernder Rosse Getrabe. Dann reitet mein Kaiser wohl über mein Grab, Viel Schwerter klirren und blitzen,- Dann steig ich gewaffnet hervor aus dem Grab, - Den Kaiser, den Kaiser zu schützen!" 95 k 0 8. Die Botschaft Mein Knecht! steh auf und sattle schnell, Und wirf dich auf dein Roß, Und jage rasch durch Wald und Feld Nach König Duncans Schloß. Dort schleiche in den Stall und wart, Bis dich der Stallbub schaut. Den forsch mir aus: „Sprich, welche ist Bon Duncans Töchtern Braut?" Und spricht der Bub: „Die Braune ists," So bring mir schnell die Mär. Doch spricht der Bub: „Die Blonde ists," So eilt das nicht so sehr. Dann geh zum Meister Seiler hin Und kauf mir einen Strick, Und reite langsam, sprich kein Wort, Und bring mir den zurück. 96 0 Ivl ^ 2 L 9. Die Heimführ ring Ich geh nicht allein, mein feines Lieb, Du mußt mit mir wandern Nach der lieben, alten, schaurigen Klause, In dem trüben, kalten, traurigen Hause, Wo ineine Mutter am Eingang kaurt, Und auf des Sohnes Heimkehr laurt. „Laß ab von mir, du finstrer Mann! Wer hat dich gerufen? Dein Odem glüht, deine Hand ist Eis, Dein Auge sprüht, deine Wang ist weiß,- Ich aber will mich lustig freun An Rosendufi und Sonnenschein." Laß duften die Rosen, laß scheinen die Sonn. Mein süßes Liebchen! Wirf um den weiten weißwallenden Schleier, Und greif in die Saiten der schallenden Leier, Und singe ein Hochzeitslied dabei,- Der Nachtwind pfeift die Melodei. 97 Ivl ^ n ^ e w. Don R a m i r o „Donna Klara! Donna Klara! Heißgeliebte langer Jahre! Hast beschlossen mein Verderben, bind beschlossen ohn Erbarmen. Donna Klara! Donna Klara! Ist doch süß die Lebensgabe! Aber unten ist es grausig, In dem dunkeln, kalten Grabe. Donna Klara! Freu dich, morgen Wird Fernando am Altare Dich als Ehgemahl begrüßen, - Wirst du mich zur Hochzeit laden?" „Don Ramiro! Don Ramiro! Deine Worte treffen bitter, Bittrer als der Spruch der Sterne, Die da spotten meines Willens. Don Ramiro! Don Ramiro! Rüttle ab den dumpfen Trübsinn,- Mädchen gibt es viel auf Erden, Aber uns hat Gott geschieden. 98 O KI ^ T U Don Ramiro, der du mutig So viel Mohren überwunden, Uberwinde nun dich selber, - Komm auf meine Hochzeit morgen." - „Donna Klara! Donna Klara! Ja, ich schwör es, ja, ich komme! Will mit dir den Reihen tanzen,- Gute Nacht, ich komme morgen." — „Gute Nacht!" — Das Fenster klirrte. Seufzend stand Ramiro unten, Stand noch lange wie versteinert,- Endlich schwand er fort im Dunkeln. - Endlich auch nach langem Ringen, Muß die Nacht dem Tage weichen,- Wie ein bunter Blumengarten Liegt Toledo ausgebreitet. prachtgebäude und Paläste Schimmern hell im Glanz der Sonne,- Und der Kirchen hohe Kuppeln Leuchten stattlich, wie vergoldet. Summend, wie ein Schwärm von Bienen, Klingt der Glocken Festgeläute, 99 k O 1U ^ N 2 Lieblich steigen Betgesänge Aus den frommen Gotteshäusern. Aber dorten, siehe! siehe! Dorten aus der Marktkapelle, Im Gewimmel und Gewoge, Strömt des Volkes bunte Menge. Blanke Ritter, schmucke Frauen, Hofgesinde, festlich blinkend, Und die hellen Glocken läuten, Und die Orgel rauscht dazwischen. Doch, mit Ehrfurcht ausgewichen, In des Volkes Mitte wandelt Das geschmückte junge Ehpaar, Donna Klara, Don Fernando. Bis an Bräutigams Palasttor Wälzet sich das Volksgewühle,- Dort beginnt die Hochzeitfeier, prunkhast und nach alter Sitte. Ritterspiel und frohe Tafel Wechseln unter lautem Jubel,- Rauschend schnell entfliehn die Stunden, Bis die Rächt herabgesunken. 100 0 ^ ^ 2 L Und zum Tanze sich versammeln In dem Saal die Hochzeitgäste,- In dem Glanz die Lichter funkeln Ihre bunten Prachtgewänder. Auf erhobne Stühle ließen Braut und Bräutigam sich nieder, Donna Klara, Don Fernando, Und sie tauschen süße Reden. Und im Saale wogen heiter Die geschmückten Menschenwellen, Und die lauten pauken wirbeln, Und es schmettern die Drommeten. „Doch warum, o schöne Herrin, Sind gerichtet deine Blicke Dorthin nach der Saalesecke?" So verwundert sprach der Ritter. „Siehst du denn nicht, Don Fernando, Dort den Mann im schwarzen Mantel!" Und der Ritter lächelt freundlich: „Ach, das ist ja nur ein Schatten." Doch es nähert sich der Schatten, Und es war ein Mann im Mantel,- Und Ramiro schnell erkennend, Grüßt ihn Klara, glutbefangen. Und der Tanz hat schon begonnen, Munter drehen sich die Tänzer In des Walzers wilden Kreisen, Und der Boden dröhnt und bebet. „Wahrlich gerne, Don Ramiro, Will ich dir zum Tanze folgen, Doch im nächtlich schwarzen Mantel Hättest du nicht kommen sollen." Mit durchbohrend stieren Augen Schaut Ramiro auf die Holde, Sie umschlingend spricht er düster: „Sprachest ja, ich sollte kommen!" Und ins wirre Tanzgetümmel Drängen sich die beiden Tänzer,- Und die lauten pauken wirbeln, Und es schmettern die Drommeten. „Sind ja schneeweiß deine Wangen!" Flüstert Klara, heimlich zitternd. „Sprachest ja, ich sollte kommen!" Schallet dumpf Ramiros Stimme. 102 0 ^ ^ N 2 Und im Saal die Kerzen blinzeln Durch das flutende Gedränge,- Und die lauten pauken wirbeln, Und es schmettern die Drommeten. „Sind ja eiskalt deine Hände!" Flüstert Klara, schauerzuckend. „Sprachest ja, ich sollte kommen!" Und sie treiben fort im Strudel. „Las; mich, laß mich! Don Nanüro! Leichenduft ist ja dein Odem!" Wiederum die dunkeln Worte: „Sprachest ja, ich sollte kommen!" Und der Boden raucht und glühet, Lustig tönet Geig und Bratsche,- Wie ein tolles Zauberweben Schwindet alles in dem Saale. „Laß mich, laß mich! Don Ramiro Wimmerts immer im Gewoge. Don Ramiro stets erwidert: „Spracheft ja, ich sollte kommen!" — „Nun, so geh, in Gottes Namen!" Klara ricfs mit fester Stimme, 103 O 14 ^ N 2 U Und dies Wort war kaum gesprochen, Und verschwunden war Ramiro. Klara starret, Tod im Antlitz, Kaltumflirret, nachtumwoben,- Ohnmacht hat das lichte Bildnis In ihr dunkles Reich gezogen. Endlich weicht der Nebelschlummer, Endlich schlägt sie auf die Wimper,- Aber Staunen will aufs neue Ihre holden Augen schließen. Denn derweil der Tanz begonnen, War sie nicht vom Sitz gewichen. Und sie sitzt noch bei dem Bräutgam: Und der Ritter sorgsam bittet: „Sprich, was bleichet deine Wangen? Warum wird dein Aug so dunkel? —" — „Und Ramiro? " stottert Klara, Und Entsetzen lahmt die Zunge. Doch mit tiefen, ernsten Falten Furcht sich jetzt des Bräutgams Stirne: „Herrin, forsch nicht blutge Kunde, - Heute mittag starb Ramiro." 104 11. B e l s a z e r Die Mitternacht zog näher schon,- In stummer Ruh lag Babylon. Nur oben in des Königs Schloß, Da flackerts, da lärmt des Königs Troß. Dort oben in dem Königssaal, Belsazer hielt sein Königsmahl. Die Knechte saßen in schimmernden Reihn, Und leerten die Becher mit funkelndem Wein. Es klirrten die Becher, es jauchzten die Knecht,- So klang es dem störrigen Könige recht. Des Königs Wangen leuchten Glut,- Im Wein erwuchs ihm kecker Mut. Und blindlings reißt der Mut ihn fort,- Und er lästert die Gottheit mit sündigem Wort. Und er brüstet sich frech, und lästert wild! Die Knechtenschar ihm Beifall brüllt. Der König rief mit stolzem Blick,- Der Diener eilt und kehrt zurück. Er trug viel gülden Gerät auf dem Haupt,- Das war aus dem Tempel Iehovas geraubt. 105 0 ^ ^ 2 U Und der König ergriff mit frevler Hand Einen heiligen Becher, gefüllt bis am Rand. Und er leert ihn hastig bis auf den Grund, Und rufet laut mit schäumendem Mund: „Zehova! dir kund ich auf ewig Hohn, - Ich bin der König von Babylon!" Doch kaum das grause Wort verklang, Dem König rvards heimlich im Busen bang. Das gellende Lachen verstummte zumal,- Es wurde leichenstill im Saal. Und sieh! und sieh! an weißer Wand Da kams hervor, wie Menschenhand,- Und schrieb und schrieb an weißer Wand Buchstaben von Feuer, und schrieb und schwand. Der König stieren Blicks da saß, Mit schlotternden Knien und totenblaß. Die Knechtenschar saß kalt durchgraut, Und saß gar still, gab keinen Laut. Die Magier kamen, doch keiner verstand Zu deuten die Flammenschrift an der Wand. Belsazer ward aber in selbiger Bacht Bon seinen Knechten umgebracht. W6 0 IU TL N T U 12. Die Minnesänger Zu dem Wettgesange schreiten Minnesänger setzt herbei,- Ei, das gibt ein seltsam Streiten, Ein gar seltsames Turnei! Phantasie die schäumend wilde, Ist des Minnesängers Pferd, Und die Kunst dient ihm zum Schilde, Und das Wort, das ist sein Schwert. Hübsche Damen schauen munter Vom beteppichten Balkon, Doch die rechte ist nicht drunter Mit der rechten Lorbeerkron. Andre Leute, wenn sie springen In die Schranken, sind gesund,- Doch wir Minnesänger bringen Dort schon mit die Todeswund. Und wem dort am besten dringet Liederblut aus Herzensgrund, Der ist Sieger, der erringet Bestes Lob aus schönstem Mund. 107 O ^ ^ ^ 2 L 13. Ständchen eines Mauren^) Meiner schlafenden Zuleima Rinnt aufs Herz, ihr Tränentropfen,- Dann wird ja das süße Herzchen Sehnsuchtsvoll nach Abdul klopfen. Meiner schlafenden Zuleima Spielt ums Ohr, ihr Seufzer trübe,- 5) Die nachfolgende spätere Umarbeitung des Gedichtes findet sich in Nummer Z6 der Wiener „Sonntagsblätter" vom 5. September 184?: Der sterbcnde A l m a n s o r Auf die schlafende Zuleima Fallen Tränen, glühend heiße,- Meiner Tränen Flut benetzet Ihre Hand, die schwanenweiße. Auf die schlafende Zuleima Fällt mein Blut in roten Tropfen,- Und sie seufzet schwer nn Traume, Und das Herzchen hör ich klopfen. Ach! der Schmerz ist stumm geboren, Ohne Zunge in dem Munde, Hat nur Tränen, hat nur Blut, Blut aus tiefer Todeswunde. 108 () Ivl n T Dann träumt ja das blonde Köpfchen Heimlich süß von Abduls Liebe. Meiner schlafenden Zuleima Ström aufs Händchen, Herzblutquelle,- Dann trägt ja ihr süßes Händchen Abduls Herzblut rot und helle. Ach! der Schmerz ist stumm geboren Ohne Zunge in dem Munde, Hat nur Tränen, hat nur Seufzer, Und nur Blut aus Herzenswunde. 109 O ^ ^ 2 R 14. Die F e n st e r s ch a u Der bleiche Heinrich ging vorbei, Schön Hedwig lag am Fenster. Sie sprach halblaut: „Gott steh mir bei, Der unten schaut bleich wie Gespenster!" Der unten erhob sein Aug in die Höh, Hinschmachtend nach Hedewigs Fenster. Schön Hedwig ergriff es wie Liebesweh, Auch sie ward bleich wie Gespenster. Schön Hedwig stand nun mit Liebesharm Tagtäglich lauernd am Fenster. Bald aber lag sie in Heinrichs Arm, Allnächtlich zur Zeit der Gespenster. 110 O N 2 15. Der wunde Ritter*) Ich weiß eine alte Kunde, Die hallet dumpf und trüb,- Ein Ritter liegt liebeswunde, Doch treulos ist sein Lieb. Als treulos muß er verachten Die eigne Herzliebste sein. Als schimpflich muß er betrachten Die eigne Liebespeln. Er möcht in die Schranken reiten Und rufen die Ritter zum Streit: „Der mag sich zum Kampf bereiten, Wer mein Lieb eines Makels zeiht!" 5) In der ältesten Fassung schließen sich noch folgende zwei Strophen an: Er möcht mit eigenem Blute Abwaschen den Fleck seines Liebs/ Mit dein eignen Himmelsgute Möcht er sühnen die Schuld seines Liebs. Am liebsten möcht er liegen Mit Liebchen im Totcnschrein. Ans kalte Lieb sich schmiegen/ — Der ?od macht alles rein. III O ^ ^ 2 L 16. Wasserfahrt Ich stand gelehnet an den Mast Und zählte jede Welle. Ade, mein schönes Vaterland! Mein Schiff, das segelt schnelle! Ich kam schön Liebchens Haus vorbei, Die Fensterscheiben blinken,- Ich guck mir fast die Augen aus, Doch will mir niemand winken. Ihr Tränen, bleibt mir aus dem Aug, Daß ich nicht dunkel sehe. Mein krankes Herze, brich mir nicht Vor allzu großem Wehe!^) In der ältesten Fassung schließen sich noch folgende zwei Strophen an: Stolziere nicht, du falsche Maid, Ich wills meiner Mutter sagen,- Wenn meine Mutter mich weinen sieht. Dann brauch ich nicht lange zu klagen. Meine Mutter singt mir ein Wiegenlied vor. Bis ich schlafe und erbleiche,- Doch dich schleppt sie nachts bei den Haaren herbei, Und zeigt dir ineine Leiche. 113 O ^ ^ 14 2 L 17. Das Liedchen von der Reue Herr Ulrich rettet im grünen Wald, Die Blätter lustig rauschen, Er sieht eine holde Mädchengestalt Durch Baumeszweige lauschen. Der Junker spricht: Wohl kenne ich Dies blühende, glühende Bildnis. Verlockend stets umschwebt es mich In Volksgewühl und Wildnis. „Zwei Röslein sind die Lippen dort, Die lieblichen, die frischen,- Doch manches häßlich bittre Wort Schleicht häßlich oft dazwischen. Drum gleicht dies Mündlein gar genau Den hübschen Rosenbüschen, Wo gistge Schlangen wunderschlau Im dunkeln Laube zischen. Dort jenes Grübchen wunderlieb In wunderlieben Wangen, Das ist die Grube, worein mich trieb Wahnsinniges Verlangen. 114 O kl N 2 U Dort seh ich ein schönes Lockenhaar Vom schönsten Köpfchen hangen. Das sind die Netze wunderbar, Womit mich der Böse gefangen. Und jenes blaue Auge dort, So klar wie stille Welle, Das hielt ich für des Himmels Pfort, Doch wars die Pforte der Hölle." — Herr Ulrich reitet weiter im Wald, Die Blätter rauschen schaurig. Da sieht er fern eine zweite Gestalt, Die ist so bleich, so traurig. Der Junker spricht: „O Mutter dort, Die mich so mütterlich liebte, Der ich mit bösem Tun und Wort Das Leben bitterlich trübte? O, könnt ich dir trocknen die Augen naß, Mit der Glut von meinen Schmerzen! O, könnt ich dir röten die Wangen blaß, Mit dem Blut aus meinem Herzen!" Und weiter reitet Herr Ulerich, Im Wald beginnt es zu düstern, Viel seltsame Stimmen regen sich, Die Abendwinde flüstern. 115 0 ^ N 2 L Der Junker hört die Worte sein Gar vielfach wiederklingen. Das taten die lustigen Waldvöglein, Die zwitschern laut und singen: „Herr Ulrich singt ein hübsches Lied, Das Liedchen von der Reue, Und hat er zu Ende gesungen das Lied, So singt er es wieder aufs neue." 116 0 1U ^ ^ 2 U 18. An eine Sängerin Als sie eine alte Romanze sang Ich denke noch der Zaubervollen, Wie sie zuerst mein Auge sah! Wie ihre Töne lieblich klangen Und heimlich süsz ins Herze drangen, Entrollten Tränen meinen Wangen - Ich wußte nicht, wie mir geschah. Ein Traum war über mich gekommen,- Mir war, als sei ich noch ein Kind, Und säße still beim Lämpchenscheine In Mutters frommem Kämmerleine, Und läse Märchen, wunderfeine, Derweilen draußen Nacht und Wind. Die Märchen fangen an zu leben, Die Ritter steigen aus der Gruft,- Bei Ronzisval, da gibts ein Streiten, Da kommt Herr Roland herzureiten, Viel kühne Degen ihn begleiten, Auch leider Ganelon, der Schuft. Durch den wird Roland schlimm gebettet, Er schwimmt in Blut, und atmet kaum,- 117 O ^ N 2 Kaum mochte fern sein Iagdhornzeichen Das Ohr des großen Karls erreichen, Da muß der Ritter schon erbleichen — Und mit ihm stirbt zugleich mein Traum. Das war ein lautverworrnes Schallen, Das mich aus meinen Träumen rief. Verklungen war jetzt die Legende, Die Leute schlugen in die Hände Und riefen „Bravo!" ohne Ende,- Die Sängerin verneigt sich tief. U18 ^ n 2 19. Die Lehre Mutter zum Bienelcin: „Hut dich vor Kerzenschein!" Doch was die Mutter spricht, Bienelein achtet nicht,- Schwirret ums Licht herum, Schwirret mit Sum-sum-sum, Hört nicht die Mutter schrein: „Bienelein! Bienelein!" Junges Blut, tolles Blut, Treibt in die Flammenglut, Treibt in die Flamm hinein, — „Bienelein! Bienelein!" 's flackert nun lichterrot, Flamme gab Flammentod. - „Hüt dich vor Mägdelein, Söhnelein! Söhnelein!" 119 20. Das Lied von den Dukaten Meine güldenen Dukaten, Sagt, wo seid ihr hingeraten? Seid ihr bei den güldnen Fischlein, Die im Bache froh und munter Tauchen auf und tauchen unter? Seid ihr bei den güldnen Blümlein, Die auf lieblich grüner Aue Funkeln hell im Morgentaue? Seid ihr bei den güldnen Vöglein, Die da schweifen glanzumwoben In den blauen Lüsten oben? Seid ihr bei den güldnen Sternlein, Die im leuchtenden Gewimmel Lächeln jede Nacht am Himmel? Ach! ihr güldenen Dukaten Schwimmt nicht in des Baches Well, Funkelt nicht auf grüner Au, Schwebet nicht in Lüsten blau, Lächelt nicht am Himmel hell - Meine Manichäer, traun! Halten euch in ihren Klaun. 120 O lvl N T L 21. Gespräch auf der paderborner Heide Hörst du nicht die fernen Töne, Wie von Brummbaß und von Geigen? Dorten tanzt wohl manche Schöne Den geflügelt leichten Reigen. „Ei, mein Freund, das nenn ich irren. Von den Geigen hör ich keine, Nur die Ferklein hör ich quirren, Grunzen nur hör ich die Schweine." Hörst du nicht das Waldhorn blasen? Jäger sich des Weidwerks freuen,- Fromme Lämmer seh ich grasen, Schäfer spielen auf Schalmeien. „Ei, mein Freund, was du vernommen, Ist kein Waldhorn, noch Schalmeie,- Nur den Sauhirt seh ich kommen, Heimwärts treibt er seine Säue." Hörst du nicht das ferne Singen, Wie von süßen Wettgesängen? Englein schlagen mit den Schwingen Lauten Beifall solchen Klängen. 121 0 Ivl ^ N 2 U „Ei, was dort so hübsch geklungen, Ist kein Wettgesang, mein Lieber! Singend treiben Gänsejungen Ihre Gänselein vorüber." Hörst du nicht die Glocken läuten, Wunderlieblich, wunderhelle? Fromme Kirchengänger schreiten Andachtsvoll zur Dorfkapelle. „Ei, mein Freund, das sind die Schellen Von den Ochsen, von den Kühen, Die nach ihren dunkeln Ställen Mit gesenktem Kopfe ziehen." Siehst du nicht den Schleier wehen? Siehst du nicht das leise Nicken? Dort seh ich die Liebste stehen, Feuchte Wehmut in den Blicken. „Ei, mein Freund, dort seh ich nicken Nur das Waldweib, nur die Liese,- Blaß und hager an den Krücken Hinkt sie weiter nach der Wiese." Nun, mein Freund, so magst du lachen Uber des Phantasten Frage! Wirst du auch zur Täuschung machen, Was ich fest im Busen trage? 122 O kl ^ ^ ^ L 22. Traum und Leben Es glühte der Tag, es glühte mein Herz, Still trug ich mit mir herum den Schmerz. Und als die Nacht kam, schlich ich fort Zur blühenden Rose am stillen Ort. Ich nahte mich leise und stumm wie das Grab. Nur Tranen rollten die Wangen hinab,- Ich schaut in den Kelch der Rose hinein, Da glomms hervor, wie ein glühender Schein. Und freudig entschlief ich beim Rosenbaum,- Da trieb sein Spiel ein neckender Traum: Ich sah ein rosiges Mädchenbild, Den Busen ein rosiges Mieder umhüllt. Sie gab mir was Hübsches, recht goldig und weich,- Ich trugs in ein goldenes Häuschen sogleich. Im Häuschen da geht es gar wunderlich bunt, Da dreht sich ein Völkchen in zierlicher Rund. Da tanzen zwölf Tänzer ohn Ruh und Rast, Die haben sich fest bei den Händen gefaßt,- Und wenn ein Tanz zu enden begann, So fängt ein andrer von vorne an. 123 0 ^ ^ ^ 2 L Und es summt mir ins Ohr die Tanzmusik: „Die schönste der Stunden kehrt nimmer zurück,- Dein ganzes Leben war nur ein Traum, Und diese Stunde ein Traum im Traum." — Der Traum war aus, der Morgen graut, Mein Auge schnell nach der Rose schaut, - O weh! statt des glühenden Fünkleins steckt Im Kelche der Rose ein kaltes Insekt. 124 k O ^ ^ ^ 2 L ^ 23. Lebensgruß Stammbuchblatt Eine große Landstraß ist unsre Erd, Wir Menschen sind Passagiere,- Man rennet und jaget, zu Fuß und zu Pferd, Wie Läufer oder Kuriere. Man fährt sich vorüber, man nicket, man grüßt Mit dem Taschentuch aus der Karosse,- Man hätte sich gerne geherzt und geküßt, Doch jagen von hinnen die Rosse. Kaum trafen wir uns auf derselben Station, Herzliebster Prinz Alexander, Da bläst schon zur Abfahrt der postillon, Und bläst uns schon auseinander. 125 24. Wahrhaftig Wenn der Frühling kommt mit dem Sonnenschein, Dann knospen und blühen die Blümlein auf,- Wenn der Mond beginnt seinen Strahlenlauf, Dann schwimmen die Sternlein hinterdrein,- Wenn der Sänger zwei süße Auglein sieht, Dann quellen ihm Lieder aus tiefem Gemüt,- — Doch Lieder und Sterne und Blümelein, Uirö Auglein und Mondglanz und Sonnenschein, Wie sehr das Zeug auch gefällt, So machts doch noch lang keine Welt. 126 O 2 L 25. Erinnerung Was willst du traurig, liebes Traumgebilde? Ich sehe dich, ich fühle deinen Hauch! Du schaust mich an mit wehmutvoller Milde: Ich kenne dich, und ach! du kennst mich auch. Ich bin ein kranker Mann jetzund, die Glieder Sind lebensmatt, das Herz ist ausgebrannt, Mißmut umflort mich, Kummer drückt mich nieder,- Viel anders wars, als ich dich einstens fand! In stolzer Kraft, und von der Heimat ferne, Jagte ich da nach einem alten Wahn,- Die Erd wollt ich zerstampfen, und die Sterne Wollte ich reißen aus der Himmelsbahn.- Frankfurt, du hegst viel Varrn und Bösewichter, Doch lieb ich dich, du gabst dem deutschen Land Manch guten Kaiser und den besten Dichter, Und bist die Stadt, wo ich die Holde fand. Ich ging die Zeil entlang, die schöngebaute, Es war die Messe just, die Schacherzeit, Und bunt war das Gewimmel, und ich schaute Wie träumend auf des Volks Geschäftigkeit. 127 0 Ivl ^ U Da sah ich Sie! mit heimlich süßem Staunen Erblickt ich da die schwebende Gestalt, Die selgen Augen und die sanften Braunen — Es zog mich fort mit seltsamer Gewalt. Und über Markt und Straßen gings, und weiter Bis an ein Gäßchen, schmal und traulich klein - Da dreht sich um die Holde, lächelt heiter, Und schlüpft ins Haus - ich eilte hinterdrein. Die Muhme nur war schlecht, und ihrem Geize Opferte sie des Mädchens Blüten hin,- Willig ergab das Kind mir seine Reize, Jedoch, bei Gott! es dacht nicht an Gewinn. Bei Gott! auf andre Weiber noch, als Musen, Versteh ich mich, mich täuscht kein glatt Gesicht, So, weiß ich, klopft kein einstudierter Busen, Und solche Blicke hat die Lüge nicht. Und sie war schön! Schöner ist nicht gewesen Die Göttin, als sie stieg aus Wellenschaum. Vielleicht war sie das wunderschöne Wesen, Das ich geahnt im frühen Knabcntraum! Ich Hab es nicht erkannt! Es war umnachtet Mein Sinn und fremder Zauber mich umwand. 128 O IU ^ 2 L Vielleicht das Glück, wonach ich stets geschmachtet, Ich hielts im Arm - und Hab es nicht erkannt! Doch schöner war sie noch in ihren Schmerzen, Als nach drei Tagen, die ich wundersüs; Verträumt an ihrem wundersüßen Herzen, Der alte Wahn mich weiter eilen hieß,- Als sie, mit wild verzweifelnder Gebärde Und aufgelöstem Haar die Hände rang, Und endlich niederstürzte, auf die Erde, Und lautaufweinend meine Knie umschlang! Ach Gott! es hatte sich in meinen Sporen Ihr Haar verwickelt - bluten sah ich sie - Und doch riß ich mich los — und Hab verloren Mein armes Kind, und wieder sah ichs nie! Fort ist der alte Wahn, jedoch das Bildnis Des armen Kinds umschwebt mich, wo ich bin. Wo irrst du jetzt, in welcher kalten Wildnis? Dem Elend und dem Gram gab ich dich hin! 129 26. Berlin Berlin! Berlin! du großes Jammertal, Bei dir ist nichts zu finden, als lauter Angst und Qual. Der Offizier ist hitzig, der Zorn und der ist groß: Miserabel ist das Leben, das man erfahren muß. Und wenns dann Sommer ist, So ist eine große Hitz,- So müssen wir exerzieren, Daß uns der Buckel schwitzt. Komm ich auf Wachtparad Und tu einen falschen Schritt, So ruft der Adjutant: „Den Kerl dort aus dem Glied! Die Tasche herunter, Den Säbel abgelegt, Und tapfer drauf geschlagen, Daß er sich nicht mehr regt!" Und wenns dann Friede ist, Die Kräfte sind dahin,- Die Gesundheit ist verloren, Wo sollen wir denn nun hin? 130 O Ivl ^ ^l 2 Alsdann so wird es heißen: Ein Vogel und kein Nest! Nun, Bruder, häng den Schnappsack Du bist Soldat gewest. 131 0 N U 7 7 Sonettenkranz an A.W. von Schlegel 1. Der schlimmste Wurm: des Zweifels Dolchgedanken, Das schlimmste Gist: an eigner Kraft verzagen, Das wollt mir fast des Lebens Mark zernagen,- Ich war ein Reis, dem seine Stützen sanken. Da mochtest du das arme Reis beklagen, An deinem gütgen Wort läßt du es ranken, Und dir, mein hoher Meister, soll ichs danken, Wird einst das schwache Reislein Blüten tragen. O mögst dus ferner noch so sorgsam warten, Daß es als Baum einst zieren kann den Garten Der schönen Fee, die dich zum Liebling wählte. Von jenem Garten meine Amin erzählte: Dort lebt ein heimlich wundersüßes Klingen, Die Blumen sprechen und die Bäume singen. i32 0 N k 7 7 2. Im Reifrockputz, mit Blumen reich verzieret, Schönpflästerchen auf den geschminkten Wangen, Mit Schnabelschuhn, mit Stickerein behangen, Mit Turmfrifur, und wespengleich geschnüret: So war die Aftermuse ausstaffieret, Als sie einst kam, dich liebend zu umfangen. Du bist ihr aber aus dem Weg gegangen, Und irrtest fort, von dunklem Trieb geführet. Da fandest du ein Schloß in alter Wildnis, Und drinnen lag, wie A holdes Marmorbildnis, Die schönste Maid in Zauberschlaf versunken. Doch wich der Zauber bald bei deinem Gruße, Aufwachte lächelnd Deutschlands echte Muse, Und sank in deine Arme liebestrunken. ^l33 0 N k ^ l' 3. Zufrieden nicht mit deinem Eigentume, Sollt noch des Rheines Niblungshort dich laben, Nahmst du vom Themsestrand die Wundergaben, Und pflücktest kühn des Tajo-Ufers Blume. Der Tiber hast du manch Kleinod entgraben, Die Seine mußte zollen deinem Ruhme, — Du drängest gar zu Brahmas Heiligtum?, Und wolltst auch perlen aus dem Ganges haben. Du geizger Mann, ich rat dir, sei zufrieden Mit dem, was selten Menschen ward beschieden, Denk ans Verschwenden jetzt, statt ans Erwerben. Und mit den Schätzen, die du ohn Ermüden Zusammen hast geschleppt aus Nord und Süden, Mach reich den Schüler jetzt, den lustgen Erben. 134 O N U 7 7 An den Hofrat Georg S(artorius) in Böttingen Stolz und gebietend ist des Leibes Haltung, Doch Sanftmut sieht man um die Lippen schweben, Das Auge blitzt, und alle Muskeln beben, Doch bleibt im Reden ruhige Entfaltung. So stehst du auf dem Lehrstuhl, von Verwaltung Der Staaten sprechend, und vom klugen Streben Der Kabinette, und vom Völkerleben, Und von Germaniens Spaltung und Gestaltung. Aus dem Gedächtnis lischt mir nie dein Bild! In unserer Zeit der Selbstsucht und der Roheit Erquickt ein solches Bild von edler Hoheit. Doch was du mir, recht väterlich und mild, Zum Herzen sprachst in stiller, trauter Stunde, Das trag ich treu im tiefen Herzensgrunde. 135 0 N L I An I. B. R(ousseau) Dein Freundesgruß könnt mir die Brust erschließen, Die dunkle Herzenskammer mir entriegeln,- Ich bin umfächelt wie von Zauberflügeln, Und heimatliche Bilder mich begrüßen. Den alten Rheinstrom seh ich wieder fließen, In seinem Blau sich Berg und Burgen spiegeln, Goldtrauben winken von den Rebenhügeln, Die Winzer klettern und die Blumen sprießen. O, könnt ich hin zu dir, zu dir, Getreuer, Der du noch an mir hängst, so wie sich schlingt Der grüne Efeu um ein morsch Gemäuer. O, könnt ich hin zu dir, und leise lauschen Bei deinem Lied, derweil Rotkehlchen singt Und still des Rheines Wogen mich umrauschen. 136 8 O N L 7 L An I. B. Rousseau (Ins Stammbuch) Bang hat der pfaff sich in der Kirch verkrochen, Der Herrschling zittert auf dem morschen Thrönlein, Auf seinem Kopfe wackelt schon sein Krönlein — Denn Rousseaus Rainen Hab ich ausgesprocben. Doch wähne nicht das Hüpplein, womit pochen Die Mystiker, sei Rousseaus Glaubensfahnlein, Auch halte nicht für Rousseaus Freiheit, Söhnlcin, Das Süpplein, das die Demagogen kochen. Sei deines Ramens wert, für wahre Freiheit bind freie Wahrheit kämpf mit deutschem Sinne. Schlag drein mit Wort und Schwert, sei treu und bieder. Glaube, Freiheit, Minne sei deine Dreiheit, Und fehlt dir auch das Myrtenreis der Minne, So hast du doch den Lorbeerkranz der Lieder. 137 8 L> N U 7 7 U An Franz von Z. Es zieht mich nach Nordland ein goldener Stern,- Ade, mein Bruder! denk mein in der Fern! Bleib treu, bleib treu der Poesie, Verlaß das süße Bräutchen nie! Bewahr in der Brust, wie einen Hort, Das liebe, schöne deutsche Wort! - Und kommst du mal nach dem Norderland, So lausche nur am Norderstrand, Und lausche bis fern sich ein Klingen erhebt, Und über die feiernden Fluten schwebt. Dann mags wohl sein, daß entgegen dir zieht Des wohlbekannten Sängers Lied. Dann greif auch du in dein Saitenspiel Und gib mir süße Kunden viel: Wies dir, mein trauter Sänger, ergeht, Und wies meinen Lieben allen ergeht, Und wies ergeht der schönen Maid, Die so manches Jünglings Herz erfreut, Und in manches gesendet viel Glut hinein, Die blühende Rose am blühenden Rhein! Und auch vom Vaterland Kunde gib: Obs noch das Land der treuen Lieb, 138 8 O N L 7 'r ^ Ob der alte Gott noch in Deutschland wohnt, Und niemand mehr dem Bösen front, Und wie dein süßes Lied erklingt Und heitere Märchen hinüber bringt, Weht über die Wogen zum fernen Strand, So freut sich der Sänger im ?iorderland. 1l39 O N T l' 7 An meine Mutter B. Heine, gebornc von Geldern 1. Ich bins gewohnt, den Kopf recht hoch zu tragen, Mein Sinn ist auch ein bißchen starr und zähe,- Wenn selbst der Konig mir ins Antlitz sähe, Ich würde nicht die Augen niederschlagen, Doch, liebe Mutter, offen will ichs sagen. Wie mächtig auch mein stolzer Mut sich blähe, In deiner selig süßen, trauten Nähe Ergreiff mich oft ein demutvolles Zagen. Ist es dein Geist, der heimlich mich bezwinget, Dein hoher Geist, der alles kühn durchdringet, Und blitzend sich zum Himmelslichte schwinget? Quält mich Erinnerung, daß ich verübet So manche Tat, die dir das Herz betrübet, Das schöne Herz, das mich so sehr geliebet! 140 O N U 1k 7 2. Im tollen Wahn halt ich dich einst verlassen, Ich wollte gehn die ganze Welt zu Ende, Und wollte sehn, ob ich die Liebe fände, Um liebevoll die Liebe zu umfassen. Die Liebe suchte ich auf allen Gassen, Vor jeder Türe streckt ich aus die Hände, Und bettelte um geringe Liebesspende, — Doch lachend gab man mir nur kaltes Hassen. Und immer irrte ich nach Liebe, immer Nach Liebe, doch die Liebe fand ich nimmer, Und kehrte um nach Hause, krank und trübe. Doch da bist du entgegen mir gekommen, Und ach! was da in deinem Aug geschwommen, Das war die süße, langgesuchte Liebe. 141 O N 6 7 7 An H. Str. Nachdem ich seine Zeitschrist für Erweckung altdeutscher Kunst gelesen Wir ich drin Büchlein hastig aufgeschlagen, Da grüßen mir entgegen viel Vertraute, Viel goldne Bilder, die ich weiland schaute Im Knabentraum und in den Kindertagen. Ich sehe wieder stolz gen Himmel ragen Den frommen Dom, den deutscher Glaube baute, Ich hör der Glocken und der Orgel Laute, Dazwischen klingts wie süße Liebesklagen. Wohl seh ich auch, wie sie den Dom umklettern, Die flinken Zwerglein, die sich dort erfrechen, Das hübsche Blum- und Schnitzwerk abzubrechen. Doch mag man immerhin die Eich entblättern Und sie des grünen Schmuckes rings berauben — Kommt neuer Lenz, wird sie sich neu belauben. 142 O N T 7 7 Das projektierte Denkmal Goethes zu Frankfurt am Main Hört zu, ihr deutschen Männer, Mädchen, Frauen, Und sammelt Subskribenten unverdrossen! Frankfurts Bewohner haben jetzt beschlossen, Ein Ehrendenkmal Goethcn zu erbauen. „Zur Meszzeit wird der fremde Krämer schauen,"- So denken sie, — „das; wir des Manns Genossen, Das; unserm Boden solche Blum entsprossen, Und blindlings wird man uns im Handel trauen." O, laßt dem Dichter seine Lorbeerreiser, Ihr Handelsherren! Behaltet euer Geld. Ein Denkmal hat sich Goethe selbst gesetzt. In Windeln war er einst euch nah,- doch jetzt Trennt euch von Goethe eine ganze Welt, Euch, die ein Flüßlein trennt vom Sachsenhäuser. 143 0 14 U l' l' Bamberg und Würzburg In beider Weichbild fließt der Gnaden Quelle, Und tausend Wunder täglich dort geschehen. Umlagert sieht man dort von Kranken stehen Den Fürsten, der da heilet auf der Stelle. Er spricht: „Steht auf und geht!" Und flink und schnelle Sieht man die Lahmen selbst von hinnen gehen. Er spricht: „Schaut auf und sehet!" Und es sehen Sogar die Blindgebornen klar und helle. Ein Jüngling naht, von Wassersucht getrieben, Und fleht: „Hilf, Wundertäter, meinem Leibe!" Und segnend spricht der Fürst: „Geh hin und schreibe!" In Bamberg und in Würzburg machts Spektakel, Die Handlung Gebhards rufet laut: „Mirakel!" - Neun Dramen hat der Jüngling schon geschrieben. 144 8 0 N R 7 1- „Das B i l d" Trauerspiel vou Freiherrn E. von Houwald „Lessing-Da Vincis Nathan und Galotti, Schiller-Naffael Wallenstein und Posa, Egmont und Faust von Goethe-Buonarotti, Die nimm zum Muster, Houwald-Spinarosa!" 145 0 N e 7- 7 „Aue assin und N i c o l e t t e" oder „Die Liebe aus der guten alten Zeit" An I. F. Koreff Hast einen bunten Teppich ausgebreitet, Worauf gestickt sind leuchtende Figuren. Es ist der Kampf feindseliger Naturen, Der halbe Mond, der mit dem Kreuze streitet. Trompetentusch! Die Schlacht wird vorbereitet,- Im Kerker schmachten, die sich Treue schwuren,- Schalmeien klingen auf Hrovencer Fluren,- Auf dem Basar Karthagos Sultan schreitet. Freundlich ergötzt die bunte Herrlichkeit: Wir irren wie in märchenhafter Wildnis, Bis Lieb und Licht besiegen Haß und Nacht. Du, Meister, kanntest der Kontraste Macht, Und gabst in schlechter neuer Zeit das Bildnis Von Liebe aus der guten alten Zeit! 146 O N L 7 7 L Die Nacht auf dem Drache nfels An Fritz von B. Um Mitternacht war schon die Burg erstiegen, Der Holzstoß flammte auf am Fuß der Mauern, Und wie die Burschen lustig niederkauern, Erscholl das Lied von Deutschlands Heilgen Siegen. Wir tranken Deutschlands Wohl aus Rheinweinkrügen, Wir sahn den Burggeist auf dem Turme lauern, Viel dunkle Ritterschatten uns umschauern, Viel Nebelfraun bei uns vorüberfliegen. Und aus den Türmen steigt ein tiefes Ächzen, Es klirrt und rasselt, und die Eulen krächzen,- Dazwischen heult des Nordsturms Wutgebrause. — Sieh nun, mein Freund! so eine Nacht durchwacht ich Auf hohem Drachenfels, doch leider bracht ich Den Schnupfen und den Husten mit nach Hause. 147 0 Z i -r An Fritz S t (e i n m a n n ) Ins Stammbuch Die Schlechten siegen, Untergehn die Wackern, Statt Myrten lobt man nur die dürren Pappeln, Worin die Abendwinde tüchtig rappeln, Statt stiller Glut lobt man nur Helles Flackern. Vergebens wirst du den Parnaß beackern, Und Bild auf Bild und Blum auf Blume stapeln, Vergebens wirst du dich zu Tode zappeln, Verstehst dus nicht, noch vor dem Ei zu gackern. Auch mußt du wie ein Kampfstier dich behörnen, Und Schutz- und Trutzkritiken schreiben lernen, Und kräftig oft in die Posaune schmettern. Auch schreibe nicht für Bachwelt, schreib für Pöbel, Der Knalleffekt sei deiner Dichtung Hebel, — Und bald wird dich die Galerie vergöttern. 148 o n L I Fresko-Sonette an Christian S(ethe) 1. Ich tanz nicht mit, ich rauchre nicht den Klötzen, Die außen goldig sind, inwendig Sand,- Ich schlag nicht ein, reicht mir ein Bub die Hand, Der heimlich mir den Namen will zerfetzen. Ich beug mich nicht vor jenen hübschen Wetzen, Die schamlos prunken mit der eignen Schand,- Ich zieh nicht mit, wenn sich der Pöbel spannt Vor Siegeswagen seiner eiteln Götzen. Ich weiß es wohl, die Eiche muß erliegen, Derweil das Rohr am Bach durch schwankes Biegen In Wind und Wetter stehn bleibt, nach wie vor. Doch sprich, wie weit bringts wohl am End solch Rohr? Welch Glück! als Spazierstock dients dem Stutzer, Als Kleiderklopfer dients dem Stieselputzer. 149 O N L 7 7 2. Gib her die Larv, ich will mich jetzt maskieren, In einen Lumpenkerl, damit Halunken, Die prächtig in Charaktermasken prunken, Nicht wähnen, ich sei einer von den Ihren. Gib her gemeine Worte und Manieren, Ich zeige mich in pöbelart versunken, Verleugne all die schönen Geistesfunken, Womit jetzt fade Schlingel kokettieren. So tanz ich auf dem großen Maskenballe, Umschwärmt von deutschen Rittern, Mönchen, Kön gen Von Harlekin gegrüßt, erkannt von wen'gen. Mit ihrem Holzschwert prügeln sie mich alle. Das ist der Spaß. Denn wollt ich mich entmummen So müßte all das Galgenpack verstummen. 150 O N U 7 7 3. Ich lache, ob den abgeschmackten Lassen/ Die mich anglohen mit den Bocksgesichtern, Ich lache ob den Füchsen, die so nüchtern Und hämisch mich beschnüffeln und begaffen. Ich lache ob den hochgelahrten Affen, Die sich aufblähn zu stolzen Geistesrichtern,- Ich lache ob den feigen Bösewichtern, Die mich bedrohn mit giftgetränkten Waffen. Denn wenn des Glückes hübsche Siebensachen Uns von des Schicksals Händen sind zerbrochen, Und so zu unfern Füßen hingeschmissen,- Und wenn das Herz im Leibe ist zerrissen, Zerrissen, und zerschnitten, und zerstochen, — Dann bleibt uns doch das schöne gelle Lachen. 151 O N L 7 7 4. Im Hirn spukt mir ein Märchen wunderfein, Und in dem Märchen klingt ein feines Lied, Und in dem Liede lebt und webt und blüht Ein wunderschönes zartes Mägdelein. Und in dem Mägdlein wohnt ein Herzchen klein, Doch in dem Herzchen keine Liebe glüht,- In dieses lieblos frostige Gemüt Kam Hochmut nur und Ubermut hinein. Hörst du, wie mir im Kopf das Mägdlein klinget? Und wie das Liedchen summet ernst und schaurig? Und wie das Mägdlein kichert, leise, leise? Ich fürchte nur, daß mir der Kopf zerspringet, - Und ach! da wärs doch gar entsetzlich traurig, Käm der Verstand mir aus dem alten Gleise. 152 O 5l L 7 7 5. In stiller, wehmutweicher Abendstunde Umklingen mich die längst verschollnen Lieder, Und Tränen fließen von der Wange nieder, Und Blut entquillt der alten Herzenswunde. Und wie in eines Zauberspiegels Grunde Seh ich das Bildnis meiner Liebsten wieder,- Sie sitzt am Arbeitstisch im roten Mieder, Und Stille herrscht in ihrer selgen Runde. Da plätzlich springt sie auf vom Stuhl, und schneidet Von ihrem Haupt die schönste aller Locken, Und gibt sie mir — vor Freud bin ich erschrocken. Mephisto hat die Freude mir verleidet, Er spann ein festes Seil von jenen Haaren, Und schleift mich dran herum seit vielen Iahren. 153 0 5l U 7 7 6. „Als ich vor einem Jahr dich wiederblickte, Küßtest du mich nicht in der Willkommstund." So sprach ich, und der Liebsten roter Mund Den schönsten Kuß auf meine Lippen drückte. Und lächelnd süß ein Myrtenreis sie pflückte Vom Myrtenstrauche, der am Fenster stund: „Nimm hin und pflanz dies Reis in frischen Grund, Und stell ein Glas darauf," sprach sie und nickte. — Schon lang ists her. Es starb das Reis im Topf. Sie selbst Hab ich seit Iahren nicht gesehn,- Doch brennt der Kuß mir immer noch im Kopf. Und aus der Ferne triebs mich jüngst zum Ort, Wo Liebchen wohnt. Vorm Hause blieb ich stehn Die ganze Rächt, ging erst am Morgen fort. 154 O N L 7 7 7. Hut dich, mein Freund, vor grimmen Teufelsfratzen, Doch schlimmer sind die sanften Engelfrätzchen. Ein solches bot mir einst ein süßes Schmätzchen, Doch wie ich kam, da fühlt ich scharfe Tatzen. Hüt dich, mein Freund, vor schwarzen alten Katzen, Doch schlimmer sind die weißen jungen Kätzchen,- Ein solches macht ich einst zu meinem Schätzchen, Doch tat mein Schätzchen mir das Herz zerkratzen. O süßes Frätzchen, wundersüßes Mädchen! Wie konnte mich dein klares Äuglein täuschen? Wie könnt dein pfötchen mir das Herz zerfleischen? O meines Kätzchens wunderzartes pfötchen! Könnt ich dich an die glühnden Lippen pressen, Und könnt mein Herz verbluten unterdessen! 155 O N U 7 I 8. Wie nahm die Armut bald bei mir ein Ende, Wüßt ich den Pinsel kunstgerecht zu führen Und hübsch mit bunten Bildern zu verzieren Der Kirchen und der Schlösser stolze Wände. Wie flösse bald mir zu des Goldes Spende, Wüßt ich auf Flöten, Geigen und Klavieren So rührend und so fein zu musizieren. Daß Herrn und Damen klatschen in die Hände. Doch, ach! mir Armen lächelt Mammon nie,- Denn leider, leider! trieb ich dich alleine, Brotloseste der Künste, Poesie! Und ach! wenn andere sich mit vollen Humpen Zum Gotte trinken im Champagnerweine, Dann muß ich dürsten, oder ich muß — pumpen. 156 8 0 N LI'?' 9. Die Welt war mir nur eine Marterkammer, Wo man mich bei den Füßen aufgehangen Und mir gezwickt den Leib mit glühnden Zangen Und eingeklemmt in enger Eisenklammer. Wild schrie ich auf vor namenlosem Jammer, Blutströme mir aus Mund und Augen sprangen, - Da gab ein Mägdlein, das vorbeigegangen, Mir schnell den Gnadenstoß mit goldnem Hammer. Neugierig sieht sie zu, wie mir im Krämpfe Die Glieder zucken, wie im Todeskampfe Die Zung aus blutgem Munde hängt und lechzet. Neugierig horcht sie, wie mein Herz noch ächzet, Musik ist ihr mein letztes Todesröcheln, Und spottend steht sie da mit kaltem Lächeln. 157 0 N U 7 10. Du sahst mich oft im Kampf mit jenen Schlingeln, Geschminkten Katzen und bebrillten Pudeln, Die mir den blanken Namen gern besudeln, Und mich so gerne ins Verderben züngeln. Du sähest oft, wie mich Pedanten hudeln, Wie Schellenkappentrager mich umklingeln, Wie gistge Schlangen um mein Herz sich ringeln,- Du sahst mein Blut aus tausend Wunden sprudeln. Du aber standest fest gleich einem Turme,- Ein Leuchtturm war dein Kopf mir in dem Sturme, Dein treues Herz war mir ein guter Hafen. Wohl wogt um jenen Hafen wilde Brandung, Nur wenige Schiff erringen dort die Landung. Doch ist man dort, so kann man sicher schlafen. 158 0 N U 7 7 11. Ich möchte weinen, doch ich kann es nicht,- Ich möcht mich rüstig in die Höhe heben, Doch kann lchs nicht,- am Boden muß ich kleben, Umkrächzt, umzischt von eklem Wurmgezücht. Ich möchte gern mein heitres Lebenslicht, Mein schönes Lieb, allüberall umschweben, In ihrem selig süßen Hauche leben, - Doch kann ichs nicht, mein krankes Herze bricht. Aus dem gebrochnen Herzen fühl ich fließen Mein heißes Blut, ich fühle mich ermatten, Und vor den Augen wirds mir trüb und trüber Und heimlich schauernd sehn ich mich hinüber Bach jenem Bebelreich, wo stille Schatten Mit weichen Armen liebend mich umschließen. 159 0 N U 7 An Sie Die roten Blumen hier und auch die bleichen, Die einst geblüht aus blutgen Herzenswunden, Die Hab ich nun zum schmucken Strauß verbunden, Und will ihn dir, du schöne Herrin, reichen. Nimm huldreich hin die treuen Sangeskunden,- Ich kann ja nicht aus diesem Leben weichen, Ohn rückzulassen dir ein Liebeszeichen — Gedenke mein, wenn ich den Tod gefunden! Doch nie, o Herrin, sollst du mich beklagen,- Beneidenswert war selbst mein Schmerzenleben — Denn liebend dürft ich dich im Herzen tragen. Und größres Heil noch soll mir bald geschehen: Mit Geisterschutz darf ich dein Haupt umschweben Und Friedensgrüße in dein Herze wehen. 160 M a n f r e dH Erster Aufzug Erster Auftritt Eine gotische Halle. - Mitternacht. — Manfred allein Manfred Ich muß die Ampel wieder füllen, dennoch Brennt sie so lange nicht, als ich muß wachen. Mein Schlaf — wenn ich auch schlaf - ist doch kein Schlaf. Nur ein fortdauernd Brüten in Gedanken, Die ich nicht bannen kann. Im Herzen pocht mirs Gleich wie ein Wecker, und mein Aug erschließt Sich nur, einwärts zu schaun. Und dennoch leb ich, Und trage Menschenform und Menschenantlitz. Doch Kummer sollt des Weisen Lehrer sein,- Der Schmerz macht weise, und wers meiste weiß, Den schmerzt am meisten auch die bittre Wahrheit: Daß der Erkenntnisbaum kein Baum des Lebens! Vorbemerkung: Die Übersetzung der ersten Szene aus „Manfred" und des „Gut Nacht" aus „Childe Harold" entstand erst voriges Jahr und möge als Probe dienen, wie ich einige englische Dichter ins Deutsche zu übertragen gedenke. Die Lieder „Lebe wohl" und „An Inez" sind weit früher — und zwar in unreifer, fehlerhafter Form — übersetzt, und wurden aus bloß zufälligen Gründen hier abgedruckt. Berlin, den 20. November l82l. //. 163 ^ n 5 k T v Nun Hab ich jede Wissenschaft durchgrübelt, Auch Weltweisheit, die Kräfte der Natur Erforscht, und fühl im Herzen die Gewalt, Die solche dienstbar machen könnt mir selber. Doch frommt es nicht. - Den Menschen tat ich Gutes, Und mir geschah auch Gutes, selbst von Menschen. Doch frommt das nicht. — Ich hatte meine Feinde, Ich sank vor keinem, mancher sank vor mir. Doch frommt es nicht. — Denn Gutes, Böses, Leben, Macht, Leidenschaft, wie ichs bei andern sehe, Das war bei mir wie Regen auf den Sand, Seit jener grausen Stund. Ich fürchte nichts, Mich quält der Fluch, daß ich nichts fürchten kann, Kein stärkres pochen fühl, von Hoffnung, Wünschen, Sehnsucht nach einem Wesen dieser Erde. Mein Werk beginn! Geheimnisvolle Mächte! Ihr Geister dieses unbegrenzten Weltalls! Ihr, die ich stets gesucht in Licht und Dunkel! Ihr, die den Erdball rings umwebt, und luftig Im Hauche wohnt,- ihr, die als Lieblingsplätze Euch ausgesucht die steilsten Bergesgipfel,- Ihr, die in Erd- und Meerabgründen hauset, - Euch ruf ich her kraft des geschriebnen Zaubers, Der euch mir unterjocht. Steigt auf! Erscheint! (pause) 164 ^ n I? k L Sie zögern. — Ich beschwör euch bei dem Worte Des Geisteroberhaupts, bei diesem Zeichen, Das euch erzittern macht, beim Willen dessen, Der nimmer stirbt, - steigt auf! Steigt auf! Erscheint! (pause) Sie zögern. — Geister in der Erd und Lust! Ihr sollt nicht spotten meiner. Ich beschwör euch, Bei noch viel mächtgrer Macht, beim Talisman, Den ausgeheckt einst der verdammte Stern, Der nun, ein Trümmerbrand zerstörter Welt, Wie eine Höll im ewgen Räume wandelt,- Beim grausen Fluch, der meine Seel belastet, Bei dem Gedanken, der stets in mir lebt, Und um mich lebt, beschwör ich euch. Erscheint! (Ein Stern wird sichtbar im dunkeln Hintergrunde der Halle. Er bleibt stehen. Man hört eine Stimme singen.) Erster Geist Mensch! Auf deines Wortes Schall Stürmt ich aus der Wolkenhall, Die der Dämmrung Hauch gebildet, Die das Abendlicht vergüldet Mit Karmin und Himmelbläu, Daß sie mir ein Lusthaus sei. Zwar sollt ich gehorchen nimmer, Dennoch ritt ich auf dem Schimmer Eines Sternleins zu dir her,- Mensch! erfüllt sei dein Begehr. 165 ^ n 5 k L Zweiter Geist Montblanc ist der König der Berge, Die krönten schon längst seine Höh,- Auf dem Felsenthron sitzend, im Wolkentalar, Empfing er die Krön von Schnee. WieA Gurt umschnallt seine Hüft ein Wald, Seine Hand die Lawine hält,- Doch vor dem Fall muß der donnernde Ball Still stehn, wenns mir gefällt. Des Gletschers ruhlos kalte Mass Sinkt tiefer Tag für Tag,- Doch ich bins, der sie sinken lass, Und auch sie hemmen mag. Ich bin der Geist des Berges hier, Wollt ichs, er beugte sich, Erzitternd bis zum Markte schier, — Und du, was riefst du mich? Dritter Geist In dem bläulichen Meergrund, Wo der Wellenkampf schweigt, Wo ein Fremdling der Wind ist. Und die Meerschlange kreucht, Wo die Nixe ihr Grünhaar Mit Muscheln durchschlingt, — 166 7^ l>l k L O Wie wenn Sturm auf der Meerfläch, Scholl dein Spruch, der mich zwingt. In mein still Korallhaus Erdröhnte er schwer,- Denn der Wassergeist bin ich — Sprich aus dein Begehr! Vierter Geist Wo der Erdschüttrer schlummert Auf Kissen von Glut, Wo die pechström aufwälzen Die kochende Flut, Wo die Wurzel des Andes Die Erde durchwebt, Also tief wie ihr Gipfel Zum Himmel aufstrebt, Dort ließ ich die Heimat, Dein Ruf riß mich fort, — Bin Knecht deines Spruches, Mein Herr ist dein Wort. Fünfter Geist Mein Roß ist Wind, mit Geißelhieb Treib ich das Sturmgewühl,- Das Wetter, das dahinten blieb, Ist noch von Blitzen schwül. 167 ^ n k? k L Mich hat gar schnell, über Land und Well, Ein Windstoß hergebracht,- Die Flott, die ich traf, die segelt brav, Doch sinkt sie noch heute nacht. Sechster Geist Mein Wohnhaus ist der Schatten süßer Nacht,- Was quälst du mich ans Licht mit Zaubermacht? Siebenter Geist Vor Erdbeginn beherrschte ich Den Stern, der nun beherrschet dich. Das war ein Erdball, hübsch belebt, Wie keiner je die Sonn umschwebt. Sein Lauf war schön geregelt, kaum Trug schönern Stern der Himmelsraum. Da kam die Stunde — und er ward Ein Flammenball unförmger Art, Ein Schweifstern, der sich pfadlos schlingt, Und Menschen schreckt und Unheil bringt, Der nie ermattend rollt und schwelst, Und irrend ohne Laufbahn laust, Ein Tollbild, das da oben brennt, Ein Ungeheur am Firmament! Und du, dem dies ein Schicksalstern, Wurm, dem ich hohnvoll dien als Herrn, 168 ^ ^ k ^ v Du zwangst mich (mit der kurzen Macht, Die dich am End mir eigen macht,) Auf kurz hieher, wo zitternd gar Hier diese schwache Geisterschar Mit einem Ding, wie du bist, schwätzt — Du Sohn des Staubs, was willst du jetzt? Die sieben Geister Erd, Weltmeer, Luft und Nacht, Gebirg und Wind Und auch dein Stern umstehn als Geister dich, Und harren deines Winkes, Menschenkind, — Was will der Sohn des Staubes? — sprich! Manfred Ich will vergessen — Erster Geist Was — und wie — warum? Manfred Was in mir ist, will ich vergessen, lesets In mir — ihr kennts und ich kanns nimmer sagen. G e i st Nur was wir haben, können wir dir geben, Verlange Gegenstände, Herrschaft, Weltmacht, Ganz oder nur ein Teil, verlang ein Zeichen, Das dir die Elemente dienstbar macht, 169 TL n ? k L Die wir regieren, jedes, all dergleichen Sei dein. Manfred Vergessen, Selbstvergessenheit — Könnt ihr nicht schaffen dies aus dunklen Reichen, Ihr, die mir prahlerisch so vieles bietet? Geist In unsrer Macht stehts nicht,- es seie denn — Du stürbest jetzt. Manfred Wird mirs der Tod gewähren? G e i st Wir sind unsterblich und vergessen nicht,- Wir leben ewig, und Vergangnes ist uns Mitsamt der Zukunft gegenwärtig. Siehst du? Manfred Ihr höhnt mich,- doch die Macht, die euch hierherzwang, Gab euch in meine Hand. Höhnt nicht, ihr Knechte! Die Seel, der Geist, der prometheffche Funken, Die Flamme meines Lebens ist so leuchtend, Durchglühnd und weithinblitzend wie die eure, Gibt der nichts nach, obgleich in Staub gekleidet. Gebt Antwort! sonst beweis ich, wer ich bin. 170 14 k? k ^ G e i st Die alte Antwort genügt,- die beste Antwort Sind deine eignen Wort. Manfred Erklär die Rede. Geist Wenn, wie du sagst, dein Wesen unserm gleicht, So hattest du schon Antwort, als wir sagten: Was Tod die Menschen nennen, bleibt uns fremd. M anfred So rief ich euch umsonst aus euren Reichen, Ihr könnt nicht oder wollt nicht helfen. Geist Sprich! Was wir vermögen, bieten wir, dein sei's,- Besinn dich, eh du uns entläßt, frag nochmals — Macht, Herrschaft, Kraft, Berlängrung deiner Tage Manfred Verflucht! was habe ich zu tun mit Tagen? Sie sind mir jetzt schon allzulang — fort! fort! 171 XI ^ N 5 k ^ Geist Gemach! sind wir mal hier, kanns doch dir nützen. Besinn dich, glbts denn gar nichts, das wir könnten Nicht ganz unwert in deinen Augen machen? Manfred Nein, nichts,- doch bleibt — ich möcht wohl, eh wir scheiden, Euch schaun von Angesicht zu Angesicht, Ich höre eure Stimmen, süsz und schmachtend Wie Harfentöne auf dem Wasser, immer Steht leuchtend vor mir jener klare Stern! Doch anders nichts. Kommt näher, wie ihr seid, Kommt all, kommt einzeln, in gewohnten Formen. G e i st Wir tragen keine Formen, außer die Des Elements, wovon wir Seel und Urgeist,- Wähl die Gestalt, worin wir kommen sollen. Manfred Ich wählen! Gibts ja keine Form auf Erden, Die häßlich oder reizend wär für mich. Euer Mächtigster mag wählen sich ein Antlitz, Das ihm das beste dünkt. Erschein! 172 ^ n 5 k L Siebenter Geist (erscheint in der Gestalt eines schönen Weibes) Sieh her! Manfred O Gott! Wenns so sein soll, und du kein Wahnbild Und auch kein Blendwerk bist, so könnt ich dennoch Recht glücklich sein — umarmen will ich dich, Wir wollen wieder — (die Gestalt verschwindet) "s Herz ist mir zermalmet. (Manfred stürzt besinnungslos nieder.) Eine Stimme (spricht folgenden Zauberbann) Wenn der Mond im Wasser schwimmt, Und im Gras der Glühwurm blinkt, Wenn am Grab das Dunstbild glimmt, Und im Sumpf das Irrlicht winkt, Wenn Sternschnuppen niederschießen, Und sich Eulen krächzend grüßen, Wenn, umschattet von den Höhn, Baum und Blätter stille stehn: Dann kommt meine Seel auf dich, Und mein Zauber reget sich. Schläfst du auch mit Augen zu, Findet doch dein Geist nicht Ruh, 173 14 5 k L Schatten dröhn, die nie verbleichen, Und Gedanken, die nicht weichen,- Von geheimer Macht umrauscht, Bist du nimmer unbelauscht,- Bist wie leichentuchumhängt, Wie von Wolken eingezwängt,- Sollst jetzt leben immerfort Hier in diesem Zauberwort. Siehst mich zwar nicht sichtbarlich, Dennoch fühlt dein Auge mich Als ein Ding, das unsichtbar Nah dir ist, und nahe war,- Und wenns dir dann heimlich graust, Und du hastig rückwärts schaust, Siehst du staunend, daß ich nur Bin ein Schatten deiner Spur, Und verschweigen muß dein Mund Jene Macht, die dir ward kund. Und ein Zaubersang und Spruch Hat dein Haupt getauft mit Fluch,- Und ein Lufigeist voller List Legt dir Schlingen, wo du bist,- In dem Wind Horst du ein Wort, Das dir scheucht die Freude fort,- 174 ^ n 5 k u Und die Nacht, so still und hehr, Gönnt dir Ruhe nimmermehr,- Und des Tages Sonnenschein Soll dir unerträglich sein. Aus deinen Tränen, falsch und schlau, Kocht ich ein tödliches Gebrau,- Aus deines Herzens schwarzem Quell preßt ich des schwarzen Blutes Well,- Aus deines Lächelns Falt ich zog Die Schlang, die dort sich ringelnd bog,- Aus deinem Mund nahm ich den Reiz, Den Hauch des allerschlimmsten Leids,- Ich prüft manch Gift, das mir bekannt, Doch deins am giftigsten ich fand. Bei deines Schlangenlächelns Mund, Eiskaltem Herzen, Arglistschlund, Bei deinem Aug, scheinheilig gut, Bei deiner Seel verschloßner Wut, Bei deiner Kunst, womit du gar Dein Herz für menschlich gäbest dar, Bei deiner Lust an fremdem Leid, Bei deiner Kainsähnlichkeit, Hierbei verfluch ich dich, Gesell,- Sei selber deine eigne Höll! ^l75 ^ n 5 k T Und auf dein Haupt gieß ich den Saft, Der dir ein solch Verhängnis schafft/ Schlafen nicht und sterben nicht Gönnt dein Schicksal dir, du Wicht,- Sollst den Tod stets nahe schaun. Freudig zwar und doch mit Graun. Sieh! der Zauber schon umringt dich, Klanglos seine Kett umschlingt dich,- Auf dein Herz und Hirn zugleich Kam der Spruch - verwelk, verbleich! 176 f Lebewohl Befreundet waren weiland ihre Herzen, Doch Lästerzungen können Wahrheit schwärzen,- Und die Beständigkeit wohnt nur dort oben,- Und dornig ist das Leben, und die Jugend Ist eitel,- und entzweit sein mit Geliebten, Das kann wie Wahnsinnschmerz im Hirne toben. * » * Doch nie fand sich ein Mittler dieser beiden. Der heilen wollte ihrer Herzen Leiden, Genüber standen sich die Schmerzgestalten, Wie Klippen, die des Blitzes Strahl gespalten. Ein wilder, wüster Strom fließt jetzt dazwischen: Doch aller Elemente zorn'ge Schar Vermag wohl nimmer gänzlich zu verwischen Die holde Spur von dem, was einstens war. (Aus Coleridges „Christabel") Lebe wohl, und seis auf immer! Seis auf immer, lebe wohl! Doch, Versöhnungslose, nimmer Dir mein Herze zürnen soll. Könnt ich öffnen dir dies Herze, Wo dein Haupt oft angeschmiegt, Jene süße Ruh gefunden, Die dich nie in Schlaf mehr wiegt! 177 L L U ^7 0 U Könntest du durchschau» dies Herze Und sein innerstes Gefühl! Dann erst sähst du: es so grausam Fortzustoßen, war zu viel. Mag sein, daß die Welt dich preise, Und die Tat mit Freuden seh, - Muß nicht selbst ein Lob dich kränken, Das erkaust mit fremdem Weh? Mag sein, daß viel Schuld ich trage,- War kein andrer Arm im Land, Mir die Todeswund zu schlagen, Als der einst mich lieb umwand? Dennoch täusche dich nicht selber, Langsam welkt die Liebe bloß, Und man reißt so raschen Bruches Nicht ein Herz vom Herzen los. Immer soll dein Herz noch schlagen,, Meins auch, blut es noch so sehr,- Immer lebt der Schmerzgedanke: Wieder sehn wir uns nicht mehr!? Solche Worte schmerzen bittrer, Als wenn man um Tote klagt,- Jeder Morgen soll uns finden Im verwitwet Bett erwacht. 178 L L L ^ 0 » Suchst du Trost, wenns erste Lallen Unsres Mägdleins dich begrüßt: Willst du lehren „Vater" rufen Sie, die Vaters Huld vermißt? Wenn, umarmt von ihren Händchen, Dich ihr junger Kuß entzückt, Denke sein, der fern dich liebet, Den du liebend einst beglückt! Wenn du schaust, daß ihr Gesichtlein Meinen Zügen ähnlich sei, Zuckt vielleicht in deinem Herzen Ein Gefühl, das mir noch treu. Alle meine Fehltritt kennst du, All mein Wahnsinn fremd dir blieb,- All mein Hoffen, wo du gehn magst, Welkt — doch gehts mit dir, mein Lieb. Ied Gefühl hast du erschüttert,- Selbst mein Stolz, sonst felsenfest, Beugt sich dir, — von dir verlassen, Meine Seel mich jetzt verläßt. Doch was helfen eitel Worte, — Kommt ja gar von mir das Wort! Bur entzügelte Gedanken Brechen durch des Willens pfort. 179 L L L V/ 0 Lebe wohl! ich bin geschleudert Fort von allen Lieben mein, Herzkrank, einsam und zermalmet, - Tödlicher kann Tod nicht sein! 180 / An I n e z (CHit de Harold. Erster Gesang) O, lächle nicht ob meinen ftnstern Brauen, Das Wiederlächeln wird mir gar zu schwer, Doch Tränen mögen nie dein Aug betauen, Umsonst geweinte Tränen nimmermehr. O, forsche nicht von jenem Schmerz die Kunde, Der nagend Freud und Jugend mir zerfrißt. Enthülle nicht die tiefgeheime Wunde, Die du sogar zu heilen machtlos bist. Es ist kein Liebesweh, es ist kein Hassen, Es ist kein Schmerz getäuschter Ruhmbegier, Was stets mich treibt, das Liebste zu verlassen, Was mir die Gegenwart verekelt schier. Es ist kein Überdruß, der mich erdrücket Bei allem, was ich hör und seh und fühl. Denn keine Schönheit gibts, die mich entzücket, Kaum noch ergötzt mich deiner Augen Spiel. Es ist die düstre Glut, die stets getragen In tiefer Brust der ew'ge Wandersmann, Der nirgendwo sich kann ein Grab erjagen, Und doch im Grab nur Ruhe finden kann. 181 I n T Welch Elend kann sich selbst entfliehn? Vergebens Durchjag ich rastlos jedes fernste Land, Und stets verfolget mich der Tod des Lebens, Der Teufel, der „Gedanke" wird genannt. Doch andre seh ich, die sich lustig tauchen In jenes Freudenmeer, dem ich entwich,- O möge nie ihr schöner Traum verrauchen, Und keiner mög erwachen so, wie ich! Noch manchen Himmelsstrich muß ich durcheilen, Verdammt, noch manches Mal zurückzusehn,- Nur ein Bewußtsein kann mir Trost erteilen: Was auch gescheh, das Schlimmst ist mir geschehn. Was ist denn dieses Schlimmste? Laß die scharfen, Die scharfen Stachelfragen lasse fort! O lächle nur, - doch such nicht zu entlarven Ein Männerherz, zu schaun die Hölle dort. 182 Gut' Nacht (Childe Harold. Erster Gesang) Leb wohl! leb wohl! im blauen Meer Verbleicht die Heimat dort. Der Nachtwind seufzt, wir rudern schwer. Scheu fliegt die Möwe fort. Wir segeln jener Sonne zu, Die untertaucht mit Pracht,- Leb wohl, du schöne Sonn und du, Mein Vaterland - gut Nacht! Aufs neu steigt bald die Sonn heran, Gebärend Tageslicht,- Nur Lust und Meer begrüß ich dann, Doch meine Heimat nicht. Mein gutes Schloß liegt wüst und leer, Mein Herd steht öde dort, Das Unkraut rankt dort wild umher. Mein Hund heult an der pfort. Komm her, komm her, mein Page klein, Was weinst du, armes Kind? Fürchtst du der Wogen wildes Dräun, Macht zittern dich der Wind? 183 i ^ e n 7 Wisch nur vom Aug die Träne hell, Das Schiff ist fest gefügt, Kaum fliegt der beste Falk so schnell, Wie unser Schlfflein fliegt. „Laß brausen Flut, laß heulen Wind, . Mich schreckt nicht Wind, nicht Flut,- Sir Childe, viel andre Ding es sind, Weshalb ich schlimmgemut. Denn ich verließ den Vater mein, Und auch die Mutter traut,- Mir blieb kein Freund, als du allein, Und der dort oben schaut. Lang segnete mein Vater mich, Doch klagte er nicht sehr. Doch Mutter weint wohl bitterlich, Biß daß ich Wiederkehr." — Still, still, mein Bub, dich zieret hold Im Auge solche Trän, Hätt ich dein schuldlos Herz, man sollt Auch meins nicht trocken sehn. Komm her, komm her, mein Schloßdienstmann, Was hat dich bleich gemacht? Fürchtst du, der Franzmann käm heran, Durchfröstelt dich die Nacht? 184 c-u'r „Glaubst du, ich zittre für den Leib? Sir Childe, bin nicht so bang! Doch denkt er an sein fernes Weib, Wird bleich des Treuen Wang! Am Seerand, wo dein Stammschloß ragt, Da wohnt mir Weib und Kind,- Wenn nun der Bub nach Vater fragt, Was sagt sie ihm geschwind?" Still, still, mein wackrer Schloßdienstmann, Man ehre deinen Schmerz,- Doch ich bin leichtrer Art, und kann Entfliehn, als seis ein Scherz. Ich traue Weibesseufzern nicht! Ein frischer Buhlertroß Wird trocknen jenes Auge licht, Das jüngst noch überfloß. Mich quälet kein Erinnerung süß, Kein Sturm, der näher rollt,- Mich quält nur, daß ich nichts verließ. Weshalb ich weinen sollt. Und nun schwimm ich auf weitem Meer. Bin einsam in der Welt: — Sollt ich um andre weinen sehr, Da mir kein Tränlein fällt? 185 u 'r n ^ <2 n Mein Hund heult nur, bis neue Speis Ein neuer Herr ihm reicht/ Kehr ich zurück und nah ihm leis Zerfleischt er mich vielleicht. Mit dir, mein Schiff, durchsegl ich frei Das wilde Meergebraus,- Trag mich, nach welchem Land es sei, Nur trag mich nicht nach Haus! Sei mir willkommen, Meer und Lust! Und ist die Fahrt vollbracht, Sei mir willkommen, Wald und Klust! Mein Vaterland — gut Nacht! 186 (1822-^823) I > I » « > > I W . Meine Qual und meine Klagen Hab ich in dies Buch gegossen, Und wenn du es aufgeschlagen, Hat sich dir mein Herz erschlossen Prolog Es war mal ein Ritter, trübselig und stumm, Mit hohlen, schneeweißen Wangen,- Er wankte und schlenderte schlotternd herum, In dumpfen Träumen befangen. Er war so hölzern, so täppisch, so links, Die Blümlein und Mägdlein, die kicherten rings, Wenn er stolpernd vorbeigegangen. Oft saß er im finstersten Winkel zu Haus,- Er hatt sich vor Menschen verkrochen. Da streckte er sehnend die Arme aus, Doch hat er kein Wörtlein gesprochen. Kam aber die Mitternachtsstunde heran, Ein seltsames Singen und Klingen begann — An die Türe da hört er es pochen. Da kommt seine Liebste geschlichen herein Im rauschenden Wellenschaumkleide, Sie blüht und glüht wie ein Röselein, Ihr Schleier ist eitel Geschmeide. Goldlocken umspielen die blonde Gestalt, Die Auglein grüßen mit süßer Gewalt — In die Arme sinken sich beide. 189 Der Ritter umschlingt sie mit Liebesmacht, Der Hölzerne steht jetzt in Feuer, Der Blasse errötet, der Träumer erwacht, Der Blöde wird freier und freier. Sie aber, sie hat ihn gar schalkhaft geneckt, Sie hat ihm ganz leise den Kopf bedeckt Mit dem weißen, demantenen Schleier. In einen kristallenen Wasserpalast Ist plötzlich gezaubert der Ritter. Er staunt, und die Augen erblinden ihm fast Vor alle dem Glanz und Geflitter. Doch hält ihn die Rixe umarmet gar traut, Der Ritter ist Bräutgam, die Rixe ist Braut, Ihre Jungfrauen spielen die Zither. Sie spielen und singen, und singen so schön, Und heben zum Tanze die Füße,- Dem Ritter, dem wollen die Sinne vergehn, Und fester umschließt er die Süße - Da löschen auf einmal die Lichter aus, Der Ritter sitzt wieder ganz einsam zu Haus, In dem düstern poetenstübchen. j90 1. Im wunderschönen Monat Mai, Als alle Knospen sprangen, Da ist in meinem Herzen Die Liebe aufgegangen. Im wunderschönen Monat Mai, Als alle Vögel sangen, Da Hab ich ihr gestanden Mein Sehnen und Verlangen. 191 2. Aus meinen Tranen sprießen Viel blühende Blumen hervor, Und meine Seufzer werden Ein Nachtigallenchor. Und wenn du mich lieb hast, Kindchen, Schenk ich dir Blumen all, Und vor deinem Fenster soll klingen Das Lied der Nachtigall. 192 3. Die Rose, die Lilie, die Taube, die Sonne, Die liebt ich einst alle in Liebeswonne. Ich lieb sie nicht mehr, ich liebe alleine Die Kleine, die Feine, die Reine, die Eine,- Sie selber, aller Liebe Bronne, Ist Rose und Lilie und Taube und Sonne. 193 4. Wenn ich in deine Augen seh, So schwindet all mein Leid und Weh,- Doch wenn ich küsse deinen Mund, So werd ich ganz und gar gesund. Wenn ich mich lehn an deine Brust, Kommts über mich wie Himmelslust,- Doch wenn du sprichst: „Ich liebe dich!" So muß ich weinen bitterlich. 194 5. Dein Angesicht, so lieb und schön, Das Hab ich jüngst im Traum gesehn, Es ist so mild und engelgleich, Und doch so bleich, so schmerzenbleich. Und nur die Lippen, die sind rot,- Bald aber küßt sie bleich der Tod. Erlöschen wird das Himmelslicht, Das aus den frommen Augen bricht. 195 6. Lehn deine Wang an meine Wang, Dann fließen die Tränen zusammen! Und an mein Herz drück fest dein Herz, Dann schlagen zusammen die Flammen! Und wenn in die große Flamme fließt Der Strom von unfern Tränen, Und wenn dich mein Arm gewaltig umschließt — Sterb ich vor Liebessehnen! 5 / 196 X 7. Ich will meine Seele tauchen In den Kelch der Lilie hinein,- Die Lilie soll klingend hauchen Ein Lied von der Liebsten mein. Das Lied soll schauern und leben Wie der Kuß von ihrem Mund, Den sie mir einst gegeben In wunderbar süßer Stund. 197 8. Es stehen unbeweglich Die Sterne in der Höh Viel tausend Jahr, und schauen Sich an mit Liebesweh. Sie sprechen eine Sprache, Die ist so reich, so schön,- Doch keiner der Philologen Kann diese Sprache verstehn. Ich aber Hab sie gelernet, Und ich vergesse sie nicht,- Mir diente als Grammatik Der Herzallerliebsten Gesicht. 198 UPKI8LUU8 9. Auf Flügeln des Gesanges, Herzliebchen, trag ich dich fort, Fort nach den Fluren des Ganges, Dort weiß ich den schönsten Ort. Dort liegt ein rotblühender Garten Im stillen Mondenschein/ Die Lotosblumen erwarten Ihr trautes Schwesterlein. Die Veilchen kichern und kosen, Und schaun nach den Sternen empor,- Heimlich erzählen die Rosen Sich duftende Märchen ins Ohr. Es hüpfen herbei und lauschen Die frommen, klugen Gazelln,- Und in der Ferne rauschen Des heiligen Stromes Welln. Dort wollen wir niedersinken Unter dem Palmenbaum, Und Lieb und Ruhe trinken Und träumen seligen Traum. 199 w. Die Lotosblume ängstigt Sich vor der Sonne Pracht, Und mit gesenktem Hanpte Erwartet sie träumend die Nacht. Der Mond, der ist ihr Buhle, Er weckt sie mit seinem Licht, Und ihm entschleiert sie freundlich Ihr frommes Blumengesicht. Sie blüht und glüht und leuchtet Und starret stumm in die Höh,- Sie dustet und weinet und zittert Vor Liebe und Liebesweh. 200 11. Im Rhein, im schönen Strome, Da spiegelt sich in den Welln, Mit seinem großen Dome, Das große, heilige Köln. Im Dom, da steht ein Bildnis, Auf goldenem Leder gemalt,- In meines Lebens Wildnis Hats freundlich hineingestrahlt. Es schweben Blumen und Englein Um unsere liebe Frau,- Die Augen, die Lippen, die Wänglein, Die gleichen der Liebsten genau. 201 12. Du liebst mich nicht, du liebst mich nicht, Das kümmert mich gar wenig,- Schau ich dir nur ins Angesicht, So bin ich froh wie A König. Du hassest, Hasseft mich sogar, So spricht dein rotes Mündchen! Reich mir es nur zum Küssen dar, So tröst ich mich, mein Kindchen. 202 13. Du sollst mich liebend umschließen, Geliebtes, schönes Weib! Umschling mich mit Armen und Füßen Und mit dem geschmeidigen Leib. Gewaltig hat umfangen, Umwunden, umschlungen schon Die allerschönste der Schlangen Den glücklichsten Laokoon. 203 I.VKI8<2NL8 14. O schwöre nicht und küsse nur, Ich glaube keinem Weiberschwur! Dein Wort ist süß, doch süßer ist Der Kuß, den ich dir abgeküßt! Den Hab ich, und dran glaub ich auch, Das Wort ist eitel Dunst und Hauch. O schwöre, Liebchen, immerfort, Ich glaube dir aufs bloße Wort! An deinen Busen sink ich hin, Und glaube, daß ich selig bin,- Ich glaube, Liebchen, ewiglich Und noch viel länger liebst du mich. 204 15. Auf meiner Herzliebsten Augelein Mach ich die schönsten Kanzonen. Auf meiner Herzliebsten Mündlein klein Mach ich die besten Terzinen. Auf meiner Herzliebsten Wängelein Mach ich die herrlichsten Stanzen. Und wenn meine Liebste ein Herzchen hatt, Ich machte darauf ein hübsches Sonett. 205 16. Die Welt ist dumm, die Welt ist blind, Wird täglich abgeschmackter! Sie spricht von dir, mein schönes Kind, Du hast keinen guten Charakter. Die Welt ist dumm, die Welt ist blind, Und dich wird sie immer verkennen,- Sie weis; nicht, wie süß deine Küsse sind, Und wie sie beseligend brennen. 206 17. Liebste, sollst mir heute sagen: Bist du nicht ein Traumgebild, Wie's in schwülen Sommertagen Aus dem Hirn des Dichters quillt? Aber nein, ein solches Mündchen, Solcher Augen Zauberlicht, Solch ein liebes, süßes Kindchen, Das erschafft der Dichter nicht. Basilisken und Vampire, Lindenwürm und Ungeheur, Solche schlimme Fabeltiere, Die erschafft des Dichters Feur. Aber dich und deine Tücke, Und dein holdes Angesicht, Und die falschen frommen Blicke — Das erschafft der Dichter nicht. 207 18. Wie die Wellenschaumgeborene Strahlt mein Lieb in Schönheitsglanz/ Denn sie ist das auserkorene Bräutchen eines fremden Manns. Herz, mein Hexz, du vielgeduldiges, Grolle nicht ob dem Verrat,- Trag es, trag es, und entschuldig es, Was die holde Törin tat. 208 19. Ich grolle nicht, und wenn das Herz auch bricht, Ewig verlornes Lieb! ich grolle nicht, Wie du auch strahlst in Diamantenpracht, Es fällt kein Strahl in deines Herzens Nacht. Das weiß ich längst. Ich sah dich ja im Traum, Und sah die Nacht in deines Herzens Raum, Und sah die Schlang, die dir am Herzen frißt, Ich sah, mein Lieb, wie sehr du elend bist. 209 20. Ja, du bist elend, und ich grolle nicht,- — Mein Lieb, wir sollen beide elend sein. Bis uns der Tod das kranke Herze bricht, Mein Lieb, wir sollen beide elend sein. Wohl seh ich Spott, der deinen Mund umschwebt, Und seh dein Auge blitzen trotziglich, Und seh den Stolz, der deinen Busen hebt, - Und elend bist du doch, elend wie ich. Unsichtbar zuckt auch Schmerz um deinen Mund, Verborgne Träne trübt des Auges Schein, Der stolze Busen hegt geheime Wund, — Mein Lieb, wir sollen beide elend sein. 2W 21. Das ist ein Flöten und Geigen, Trompeten schmettern drein,- Da tanzt den Hochzeitreigen Die Herzallerliebste mein. Das ist ein Klingen und Dröhnen Von Hauken und Schalmein,- Dazwischen schluchzen und stöhnen Die guten Engelein. 211 l. V k l 5 L II ^ ^ 22. So hast du ganz und gar vergessen, Daß ich so lang dein Herz besessen, Dein Herzchen, so süß und so falsch und so klein, Es kann nirgend was Süßres und Falscheres sein. So hast du die Lieb und das Leid vergessen, Die das Herz mir täten zusammenpressen. Ich weiß nicht, war Liebe größer als Leid? Ich weiß nur, sie waren groß alle beid! 212 23. Und wüßtens die Blumen, die kleinen, Wie tief verwundet mein Herz, Sie würden mit mir weinen, Zu heilen meinen Schmerz. Und wüßtens die Nachtigallen, Wie ich so traurig und krank, Sie ließen fröhlich erschallen Erquickenden Gesang. Und wüßten sie mein Wehe, Die goldnen Sternelein, Sie kämen aus ihrer Höhe, Und sprächen Trost mir ein. Die alle könnens nicht wissen, Nur eine kennt meinen Schmerz: Sie hat ja selbst zerrissen, Zerrissen mir das Herz. 213 24. Warum sind denn die Rosen so blas;, O sprich, mein Lieb, warum? Warum sind denn im grünen Gras Die blauen Veilchen so stumm? Warum singt denn mit so kläglichem Laut Die Lerche in der Lust? Warum steigt denn aus dem Balsamkraut Hervor ein Lelchenduft? Warum scheint denn die Sonn auf die Au So kalt und verdrießlich herab? Warum ist denn die Erde so grau Und öde wie ein Grab? Warum bin ich selbst so krank und so trüb, Mein liebes Liebchen? sprich! O sprich, mein herzallerliebstes Lieb, Warum verließest du mich? 214 25. Sie haben dir viel erzählet Und haben viel geklagt! Doch was meine Seele gequälet, Das haben sie nicht gesagt. Sie machten ein großes Wesen Und schüttelten kläglich das Haupt/ Sie nannten mich den Bösen, Und du hast alles geglaubt. Jedoch das Allerschlimmste, Das haben sie nicht gewußt! Das Schlimmste und das Dümmste, Das trug ich geheim in der Brust. 215 26. Die Linde blühte, die Nachtigall sang, Die Sonne lachte mit freundlicher Lust,- Da küßtest du mich, und dein Arm mich umschlang, Da preßtest du mich an die schwellende Brust. Die Blätter fielen, der Rabe schrie hohl, Die Sonne grüßte verdrossenen Blicks,- Da sagten wir frostig einander: „Lebwohl!" Da knicktest du höflich den höflichsten Knicks. 216 27. Wir haben viel füreinander gefühlt, Und dennoch uns gar vortrefflich vertragen. Wir haben oft „Mann und Frau" gespielt, Und dennoch uns nicht gerauft und geschlagen, Wir haben zusammen gejauchzt und gescherzt, Und zärtlich uns geküßt und geherzt. Wir haben am Ende aus kindischer Lust „Verstecken" gespielt in Wäldern und Gründen, Und haben uns so zu verstecken gewußt, Daß wir uns nimmermehr wiederfinden. 217 28. Ich glaub nicht an den Himmel, Wovon das pfäfflein spricht,- Ich glaub nur an dein Auge, Das ist mein Himmelslicht. Ich glaub nicht an den Herrgott, Wovon das pfäfflein spricht: Ich glaub nur an dein Herze, Aen andern Gott Hab ich nicht. Ich glaub nicht an den Bösen, An Holl und Höllenschmerz,- Ich glaub nur an dein Auge, Und an dein böses Herz. 218 H 29. Du bliebest mir treu am längsten, Und Haft dich für mich verwendet, Und hast mir Trost gespendet In meinen Nöten und Ängsten. Du gäbest mir Trank und Speise, Und hast mir Geld geborget, Und hast mich mit Wäsche versorget, Und mit dem paß für die Reise. Mein Liebchen, daß Gott dich behüte Noch lange vor Hitz und vor Kälte, Und daß er dir nimmer vergelte Die mir erwiesene Güte! 219 30. Die Erde war so lange geizig, Da kam der Mai, und sie ward spendabel, Und alles lacht und jauchzt und freut sich, Ich aber bin nicht zu lachen kapabel. Die Blumen sprießen, die Glöcklein schallen, Die Vögel sprechen wie in der Fabel! Mir aber will das Gespräch nicht gefallen, Ich finde alles miserabel. Das Menschenvolk mich ennuyieret, Sogar der Freund, der sonst passabel,- — Das kömmt, weil man „Madam" titulieret Mein süßes Liebchen, so süß und aimabel. 220 31. Und als ich so lange, so lange gesäumt, In fremden Landen geschwärmt und geträumt: Da ward meiner Liebsten zu lang die Zeit, Und sie nähete sich ein Hochzeitkleid, Und hat mit zärtlichen Armen umschlungen Als Bräutgam den dümmsten der dummen Jungen. Mein Liebchen ist so schön und mild, Noch schwebt vor mir ihr süßes Bild,- Die Veilchenaugen, die Rosenwänglein, Die glühen und blühen jahraus, jahrein. Daß ich von solchem Lieb könnt weichen, War der dümmste von meinen dummen Streichen.^) Im Originalmanuskript findet sich noch folgende Strophe: Ost wenn ich sitze und einsam bin. Kommt mir die Frage in den Sinn, Ob sie denn meiner ganz und gar Vergessen hat auf immerdar? Dann seufz ich und muß zu mir selber sagen: Das ist die dümmste der dummen Fragen. 221 I.VKI5<2NL5 32. Die blauen Veilchen der Augelein, Die roten Rosen der Wängelein, Die weißen Lilien der Händchen klein, Die blühen und blühen noch immerfort, Und nur das Herzchen ist verdorrt. 222 33. Die Welt ist so schön und der Himmel so blau, Und die Lüste wehen so lind und so lau, Und die Blumen winken auf blühender Au, Und funkeln und glitzern im Morgentau, Und die Menschen jubeln, wohin ich schau — Und doch möcht ich im Grabe liegen, Und mich an ein totes Liebchen schmiegen. 223 34. Mein süßes Lieb, wenn du im Grab, Im dunkeln Grab wirst liegen. Dann will ich steigen zu dir hinab, Und will mich an dich schmiegen. Ich küsse, umschlinge und presse dich wild, Du Stille, du Kalte, du Bleiche! Ich jauchze, ich zittre, ich weine mild, Ich werde selber zur Leiche. Die Toten stehn auf, die Mitternacht ruft, Sie tanzen im lustigen Schwarme: Wir beide bleiben in der Gruft, Ich liege in deinem Arme. Die Toten stehn auf, der Tag des Gerichts Ruft sie zu Oual und Vergnügen,- Wir beide bekümmern uns um nichts, Und bleiben ruhig liegen. 224 33. Ein Fichtenbaum steht einsam Im Norden auf kahler Höh. Ihn schläfert/ mit weißer Decke Umhüllen ihn Eis und Schnee. Er träumt von einer Palme, Die fern im Morgenland Einsam und schweigend trauert Auf brennender Felsenwand. 225 36. Schöne, helle, goldne Sterne, Grüßt die Liebste in der Ferne, Sagt, daß ich noch immer sei Herzekrank und bleich und treu. 226 UVKI8LUU8 37. (Der Kopf spricht:) Ach, wenn ich nur der Schemel war, Worauf der Liebsten Füße ruhn! Und stampfte sie mich noch so sehr, Ich wollte doch nicht klagen tun. (Das Herz spricht:) Ach, wenn ich nur das Kißchen war, Wo sie die Nadeln steckt hinein! Und stäche sie mich noch so sehr, Ich wollte mich der Stiche freun. (Das Lied spricht:) Ach, war ich nur das Stück Papier, Das sie als Papillote braucht! Ich wollte heimlich flüstern ihr Ins Ohr, was in mir lebt und haucht. W 15' 227 38. Seit die Liebste war entfernt, Hatt ichs Lachen ganz verlernt. Schlechten Witz riß mancher Wicht, Aber lachen könnt ich nicht. Seit ich sie verloren Hab, Schafft ich auch das Weinen ab,- Fast vor Weh das Herz mir bricht, Aber weinen kann ich nicht. 228 39. Aus meinen großen Schmerzen Mach ich die kleinen Lieder,- Die heben ihr klingend Gefieder Und flattern nach ihrem Herzen. Sie fanden den Weg zur Trauten, Doch kommen sie wieder und klagen, Und klagen, und wollen nicht sagen, Was sie im Herzen schauten. 229 I 8 (2 tt u 8 40. Ich kann es nicht vergessen, Geliebtes, holdes Weib, Daß ich dich einst besessen, Die Seele und den Leib. Den Leib möcht ich noch haben, Den Leib, so zart und jung,- Die Seele könnt ihr begraben, Hab selber Seele genung. Ich will meine Seele zerschneiden, Und hauchen die Halste dir ein, Und will dich umschlingen, wir müssen Ganz Leib und Seele sein. 230 41. Philister in Sonntagsröcklein Spazieren durch Wald und Flur,- Sie jauchzen, sie hüpfen wie Böcklein, Begrüßen die schöne Natur. Betrachten mit blinzelnden Augen, Wie alles romantisch blüht,- Mit langen Ohren saugen Sie ein der Spatzen Lied. Ich aber verhänge die Fenster Des Zimmers mit schwarzem Tuch,- Es machen mir meine Gespenster Sogar einen Tagesbesuch. Die alte Liebe erscheinet, Sie stieg aus dem Totenreich,- Sie setzt sich zu mir und weinet, Und macht das Herz mir weich. 231 8 (2 N L 8 42. Manch Bild vergessener Zeiten Steigt auf aus seinem Grab, Und zeigt, wie in deiner Nähe Ich einst gelebet Hab. Am Tage schwankte ich träumend Durch alle Straßen herum, Die Leute verwundert mich ansahn, Ich war so traurig und stumm. Des Nachts, da war es besser, Da waren die Straßen leer,- Ich und mein Schatten selbander, Wir wandelten schweigend einher. Mit widerhallendem Fußtritt Wandelt ich über die Brück,- Der Mond brach aus den Wolken Und grüßte mit ernstem Blick. Stehn blieb ich vor deinem Hause Und starrte in die Höh, Und starrte nach deinem Fenster, — Das Herz tat mir so weh. Ich weiß, du hast aus dem Fenster Gar oft herabgesehn, Und sahst mich im Mondenlichte Wie eine Säule stehn. 232 43. Ein Jüngling liebt ein Mädchen, Die hat einen andern erwählt,- Der andre liebt eine andre, Und hat sich mit dieser vermählt. Das Mädchen heiratet aus Arger Den ersten besten Mann, Der ihr in den Weg gelaufen,- Der Jüngling ist übel dran. Es ist eine alte Geschichte, Doch bleibt sie immer neu,- Und wem sie just passieret, Dem bricht das Herz entzwei. 233 44. Freundschaft, Liebe, Stein der Weisen, Diese dreie hört ich preisen, Und ich pries und suchte sie, Aber, ach! ich fand sie nie. 234 45. Hör ich das Liedchen klingen, Das einst die Liebste sang, So will mir die Brust zerspringen Vor wildem Schmerzendrang. Es treibt mich ein dunkles Sehnen Hinauf zur Waldeshöh, Dort löst sich auf in Tränen Mein übergroßes Weh. 235 46. Es schauen die Blumen alle Zur leuchtenden Sonne hinauf,- Es nehmen die Ströme alle Zum leuchtenden Meere den Lauf. Es flattern die Lieder alle Zu meinem leuchtenden Lieb — Behmt mit meine Tränen und Seufzer, Ihr Lieder, wehmütig und trüb! 236 47. Mir träumte von einem Kö'nigskind, Mit nassen, blassen Wangen,- Wir saßen unter der grünen Lind, Und hielten uns liebumfangen. „Ich will nicht deines Vaters Thron, Und will nicht sein Zepter von Golde, Ich will nicht seine demantene Krön, Ich will dich selber, du Holde." — „Das kann nicht sein," sprach sie zu mir, „Ich liege ja im Grabe, Und nur des Nachts komm ich zu dir, Weil ich so lieb dich habe." 237 48. Mein Liebchen, wir saßen beisammen, Traulich im leichten Kahn. Die Nacht war still, und wir schwammen Auf weiter Wasserbahn. Die Geisterinsel, die schone, Lag dämmrig im Mondenglanz,- Dort klangen liebe Töne. Und wogte der Ncbeltanz. Dort klang es lieb und lieber Und wogt es hin und her,- Wir aber schwammen vorüber Trostlos auf weitem Meer. 238 V I 5 L U U 5 49. Aus alten Märchen winkt es Hervor mit weißer Hand, Da singt es und da klingt es Von einem Zauberland, Wo große Blumen schmachten Im goldnen Abendlicht, Und zärtlich sich betrachten Mit brautlichem Gesicht,- — Wo alle Bäume sprechen, Und singen wie ein Chor, Und laute Quellen brechen Wie Tanzmusik hervor,- — Und Liebesweisen tönen Wie du sie nie gehört, Bis wundersüßes Sehnen Dich wundersüß betört! Ach, könnt ich dorthin kommen. Und dort mein Herz erfreun, Und aller Qual entnommen, Und frei und selig sein! Ach! jenes Land der Wonne, Das seh ich oft im Traum,- Doch, kommt die Morgensonne, Zerfließts wie eitel Schaum. 239 50. Ich Hab dich geliebet und liebe dich noch! Und fiele die Welt zusammen, Aus ihren Trümmern stiegen doch Hervor meiner Liebe Flammen. 240 51. Am leuchtenden Sommermorgen Geh ich im Garten herum. Es flüstern und sprechen die Blumen, Ich aber, ich wandle stumm. Es flüstern und sprechen die Blumen, Und schaun mitleidig mich an: „Sei unserer Schwester nicht böse, Du trauriger, blasser Mann!" tS 241 52. Es leuchtet meine Liebe In ihrer dunkeln Pracht, Wie 'n Märchen, traurig und trübe, Erzahlt in der Sommernacht. „Im Zaubergarten wallen Zwei Buhlen, stumm und allein,- Es singen die Nachtigallen, Es flimmert der Mondenschein. Die Jungfrau steht still wie ein Bildnis, Der Ritter vor ihr kniet. Da kommt der Riese der Wildnis, Die bange Jungfrau flieht. Der Ritter sinkt blutend zur Erde, Es stolpert der Riese nach Haus" — Wenn ich begraben werde, Dann ist das Märchen aus. 242 53. Sie haben mich gequälet, Geärgert blau und blaß, Die einen mit ihrer Liebe, Die andern mit ihrem Haß. Sie haben das Brot mir vergiftet, Sie gössen mir Gift ins Glas, Die einen mit ihrer Liebe, Die andern mit ihrem Haß. Doch sie, die mich am meisten Gequält, geärgert, betrübt, Die hat mich nie gehasset, Und hat mich nie geliebt. 362 IT n T I KI K u 14 94. Uber die Berge steigt schon die Sonne, Die Lämmerherde läutet fern,- Mein Liebchen, mein Lamm, meine Sonne und Wonne, Noch einmal sah ich dich gar zu gern! Ich schaue hinauf mit spähender Miene - Leb wohl, mein Kind, ich wandre von hier! Vergebens! Es regt sich keine Gardine,- Sie liegt noch und schläft — und träumt von mir? 363 tt L I Ivl X L 95. Zu Halle auf dem Markt, Da stehn zwei große Löwen, Ei du hallischer Löwentrotz, Wie hat man dich gezähmet! Zu Halle auf dem Markt, Da steht ein großer Riese. Er hat ein Schwert und regt sich nicht, Er ist vor Schreck versteinert. Zu Halle auf dem Markt, Da steht eine große Kirche. Die Burschenschaft und die Landsmannschaft, Die haben dort Platz zum Beten. 364 DIL 96. Schöne, wirtschaftliche Dame, Haus und Hof ist wohlbestellt, Wohlversorgt ist Stall und Keller, Wohlbeackert ist das Feld. Jeder Winkel in dem Garten Ist gereutet und geputzt, Und das Stroh, das ausgedroschen, Wird für Betten noch benutzt. Doch dein Herz und deine Lippen, Schöne Dame, liegen brach, Und zur Hälfte nur benutzet Ist dein trautes Schlafgemach. 365 u « u I Ivl K 97. Dämmernd liegt der Sommerabend Uber Wald und grünen Wiesen,- Goldner Mond im blauen Himmel Strahlt herunter, duftig labend. An dem Bache zirpt die Grille, Und es regt sich in dem Wasser, Und der Wandrer hört ein plätschern Und ein Atmen in der Stille. Dorten, an dem Bach alleine, Badet sich die schöne Elfe,- Arm und Backen, weiß und lieblich, Schimmern in dem Mondenscheine. 366 T T I IU K L 98. Nacht liegt auf den fremden Wegen, - Krankes Herz und müde Glieder,- Ach, da fließt, wie stiller Segen, Süßer Mond, dein Licht hernieder. Süßer Mond, mit deinen Strahlen Scheucheft du das nächtge Grauen,- Es zerrinnen meine Oualen, Und die Augen übertauen. 367 L tt 6 I Ivl K 99. Der Tod, das ist die kühle Nacht, Das Leben ist der schwüle Tag. Es dunkelt schon, mich schläfert, Der Tag hat mich müd gemacht. Llber mein Bett erhebt sich ein Baum, Drin singt die junge Nachtigall,- Sie singt von lauter Liebe, Ich hör es sogar im Traum. 368 u u u l 1U K 100. „Sag, wo ist dein schönes Liebchen, Das du einst so schön besungen, Als die zaubermächtgen Flammen Wunderbar dein Herz durchdrungen?" Jene Flammen sind erloschen, Und mein Herz ist kalt und trübe, Und dies Büchlein ist die Urne, Mit der Asche meiner Liebe. 369 e «Li KI K L An die Tochter der Geliebten Ich seh dich an und glaub es kaum — Es war ein schöner Nosenbaum — Die Düfte stiegen mir lockend zu Häupten, Das; sie mir zuweilen das Hirn betäubten — Es blüht hervor die Erinnerung — Ach! damals war ich närrisch und jung — Jetzt bin ich alt und närrisch — Ein Stechen Fühl ich im Aug — Nun muß ich sprechen In Reimen sogar — es wird mir schwer, Das Herz ist voll, der Kopf ist leer! Du kleine Eousinenknospe! es zieht Bei deinem Anblick durch mein Gemüt Gar seltsame Trauer, in seinen Tiefen Erwachen Bilder, die lange schliefen — Sirenenbilder, sie schlagen auf Die lachenden Augen, sie schwimmen herauf Lustplätschernd — die Schönste der Schar, Die gleicht dir selber auf ein Haar! Das ist der Jugend Frühlingstraum - Ich seh dich an, und glaub es kaum! Das sind die Züge der teuern Sirene, Das sind die Blicke, das sind die Töne — Sie hat ein süßkrötigcs Stimmelein, 370 L 13 6 I ^ X L Bezaubernd die Herzen gros; und klein — Die Schmeicheläuglein spielen ins Grüne, Meerwunderlich mahnend an Delphine - Ein bißchen spärlich die Augenbraun, Doch hochgewölbt und anzuschaun Wie anmutstolze Siegesbogen — Auch Grübchenringe, lieblich gezogen Dicht unter das Aug in den rosigen Wänglein — Doch leider! weder Menschen noch Englein Sind ganz vollkommen — das herrlichste Wesen Hat seine Fehler, wie wir lesen In alten Märchen. Herr Lusignan, Der einst die schönste Meerfee gewann, Hat doch an ihr, in manchen Stunden, Den heimlichen Schlangenschwanz gefunden. 371 L T I IU K u Götterdämmerung Der Mai ist da mit seinen goldnen Lichtern Und seidnen Lüften und gewürzten Düften, Und freundlich lockt er mit den weißen Blüten, Und grüßt aus tausend blauen Veilchenaugen, Und breitet aus den blumreich grünen Teppich, Durchwebt mit Sonnenschein und Morgentau, Und ruft herbei die lieben Menschenkinder. Das blöde Volk gehorcht dem ersten Ruf,- Die Männer ziehn die Rankinghosen an Und Sonntagsröck mit goldnen Spiegelknöpfen,- Die Frauen kleiden sich in Unschuldweiß,- Jünglinge kräuseln sich den Frühlingsschnurrbart: Jungfrauen lassen ihre Busen wallen,- Die Stadtpoeten stecken in die Tasche Papier und Bleistift und Lorgnett, — und jubelnd Zieht nach dem Tor die krausbewegte Schar, Und lagert draußen sich auf grünem Rasen. Bewundert, wie die Bäume fleißig wachsen, Spielt mit den bunten, zarten Blümelein, Horcht auf den Sang der luftgen Vögelein, Und jauchzt hinauf zum blauen Himmelszelt. Zu mir kam auch der Mai. Er klopfte dreimal An meine Tür und rief: „Ich bin der Mai, Du bleicher Träumer, komm, ich will dich küssen!" 372 u U U I ki X U Ich hielt verriegelt meine Tür und rief: Vergebens lockst du mich, du schlimmer Gast. Ich habe dich durchschaut, ich Hab durchschaut Den Bau der Welt, und Hab zu viel geschaut, Und viel zu tief, und hin ist alle Freude, Und ev/ge Qualen zogen in mein Herz. Ich schaue durch die steinern harten Rinden Der Menschenhäuser und der Menschenherzen, Und schau in beiden Lug und Trug und Elend. Auf den Gesichtern leff ich die Gedanken, Viel schlimme. In der Jungfrau Schamerröten Seh ich geheime Lust begehrlich zittern,- Auf dem begeistert stolzen Iünglingshaupt Seh ich die lachend bunte Schellenkappe,- Und Frahenbilder nur und sieche Schatten Seh ich auf dieser Erde, und ich weiß nicht, Ist sie ein Tollhaus oder Krankenhaus. Ich sehe durch den Grund der alten Erde, Als sei sie von Kristall, und seh das Grausen, Das mit dem freudigen Grüne zu bedecken Der Mai vergeblich strebt. Ich seh die Toten, Sie liegen unten in den schmalen Särgen, Die Händ gefaltet und die Augen offen, Weis; das Gewand und weis; das Angesicht, Und durch die Lippen kriechen gelbe Würmer. Ich seh, der Sohn setzt sich mit seiner Buhle 373 L u u I, kl X u Zur Kurzweil nieder auf des Vaters Grab,- Spottlieder singen rings die Nachtigallen, Die sanften Wiesenblumen lachen hämisch, Der tote Vater regt sich in dem Grab — Und schmerzhast zuckt die alte Mutter Erde. Du arme Erde, deine Schmerzen kenn ich, Ich seh die Glut in deinem Busen wühlen, Und deine tausend Adern seh ich bluten, Und seh, wie deine Wunde klaffend aufreißt, Und wild hervorströmt Flamm und Rauch und Blut. Ich sehe deine trotzgen Riesensöhne, Uralte Brut, aus dunkeln Schlünden steigend Und rote Fackeln in den Händen schwingend,- Sie legen ihre Eisenleiter an Und stürmen wild hinauf zur Himmelsfeste,- - Und schwarze Zwerge klettern nach, und knisternd Zerstieben droben alle goldnen Sterne. Mit frecher Hand reißt man den goldnen Vorhang Vom Zelte Gottes, heulend stürzen nieder Aufs Angesicht die frommen Engelscharen. Auf seinem Throne sitzt der bleiche Gott, Reißt sich vom Haupt die Krön, zerrauft sein Haar — Und näher dringt heran die wilde Rotte. Die Riesen werfen ihre roten Fackeln Ins weite Himmelreich, die Zwerge schlagen 374 u « L I ^ X U U Mit Flammcngeißeln auf der Englein Rücken - Die winden sich und krümmen sich vor Oualen, Und werden bei den Haaren fortgeschleudert. - Und meinen eignen Engel seh ich dort, Mit seinen blonden Locken, süßen Zügen, Und mit der ev/gen Liebe um den Mund, Und mit der Seligkeit im blauen Auge — Und ein entsetzlich häßlich schwarzer Kobold Reißt ihn vom Boden meinen bleichen Engel. Beäugelt grinsend seine edlen Glieder, Umschlingt ihn fest mit zärtlicher Umschlingung - Und gellend dröhnt ein Schrei durchs ganze Weltall, Die Säulen brechen, Erd und Himmel stürzen Zusammen, und es herrscht die alte Rächt. 375 IL tt L I ^ K L R a t c l i f f Der Traumgott brachte mich in eine Landschaft, Wo Trauerweiden mir „Willkommen" winkten Mit ihren langen, grünen Armen, wo die Blumen Mit klugen Schwesteraugen still mich ansahn, Wo mir vertraulich klang der Vogel Zwitschern, Wo gar' der Hunde Bellen mir bekannt schien, Und Stimmen und Gestalten mich begrüßten Wie einen alten Freund, und wo doch alles So fremd mir schien, so wunderseltsam fremd. Vor einem ländlich schmucken Hause stand ich,- In meiner Brust bewegte sichs, im Kopfe Wars ruhig, ruhig schüttelte ich ab Den Staub von meinen Reisekleidern, Grell klang die Klingel und die Tür ging auf. Da waren Männer, Frauen, viel bekannte Gesichter. Stiller Kummer lag auf allen Und heimlich scheue Angst. Seltsam verstört, Mit Beileidsmienen fast, sahn sie mich an, Daß es mir selber durch die Seele schauert, Wie Ahnung eines unbekannten Unheils. Die alte Margret Hab ich gleich erkannt,- Ich sah sie forschend an, jedoch sie sprach nicht. „Wo ist Maria?" fragt ich, doch sie sprach nicht, Griff leise meine Hand und führte mich 376 Die tt U I IU K U U k Durch viele lange, leuchtende Gemächer, Wo Prunk und Pracht und Totenstille herrschte, Und führt mich endlich in ein dämmernd Zimmer, Und zeigt mit abgewandtem Angesicht Nach der Gestalt, die auf dem Sofa saß. „Sind Sie Maria?" fragt ich. Innerlich Erstaunt ich selber ob der Festigkeit, Womit ich sprach. Und steinern und metallos Scholl eine Stimm: „So nennen mich die Leute." Ein schneidend Weh durchfröstelte mich da, Denn jener hohle, kalte Ton war doch Die einst so süße Stimme von Maria! Und jenes Weib im fahlen Lilakleid, Nachlässig angezogen, Busen schlotternd, Die Augen gläsern starr, die Wangenmuskeln Des weißen Angesichtes lederschlaff — Ach, jenes Weib war doch die einst so schöne, Die blühend holde, liebliche Maria! „Sie waren lang auf Reisen!" sprach sie laut. Mit kalt unheimlicher Vertraulichkeit, „Sie schaun nicht mehr so schmachtend, liebster Freund, Sie sind gesund, und pralle Lend und Wade Bezeugt Solidität." Ein süßlich Lächeln Umzitterte den gelblich blassen Mund. In der Verwirrung sprachs aus mir hervor: „Man sagte mir, Sie haben sich vermählt?" - 377 IL « L I ^ X L „Ach ja!" sprach sie gleichgültig laut und lachend, „Hab einen Stock von Holz, der überzogen Mit Leder ist, Gemahl sich nennt,- doch Holz Ist Holz!" Und klanglos widrig lachte sie, Daß kalte Angst durch meine Seele rann, Und Zweifel mich ergriff: — sind das die keuschen, Die blumenkeuschen Lippen von Maria? Sie aber hob sich in die Höh, nahm rasch Vom Stuhl den Kaschemir, warf ihn Um ihren Hals, hing sich an meinen Arm, Zog mich von hinnen durch die offne Haustür, Und zog mich fort durch Feld und Busch und Au. Die glühend rote Sonnenscheibe schwebte Schon niedrig, und ihr Purpur überstrahlte Die Bäume und die Blumen und den Strom, Der in der Ferne majestätisch floß. „Sehn Sie das große goldne Auge schwimmen Im blauen Wasser?" rief Maria hastig. „Still, armes Wesen!" sprach ich, und ich schaute Im Dämmerlicht ein märchenhaftes Weben. Es stiegen Nebelbilder aus den Feldern, Umschlangen sich mit weißen, weichen Armen. Die Veilchen sahn sich zärtlich an, sehnsüchtig Zusammenbeugten sich die Lilienkelche,- Auf allen Rosen glühten Wollustgluten,- 378 u u u I IU u u Die Nelken wollten sich im Hauch entzünden,- In selgen Düften schwelgten alle Blumen, Und alle weinten stille Wonnctränen, Und alle jauchzten: „Liebe! Liebe! Liebe!" Die Schmetterlinge flatterten, die hellen Goldkäfer summten feine Elfenliedchen, Die Abendwinde flüsterten, es rauschten Die Eichen, schmelzend sang die Nachtigall — Und zwischen all dem Flüstern, Rauschen, Singen Schwatzte mit blechern klanglos kalter Stimme Das welke Weib, das mir am Arme hing: „Ich kenn ihr nächtlich Treiben auf dem Schloß, Der lange Schatten ist ein guter Tropf, Er nickt und winkt zu allem, was man will,- Der Blaurock ist ein Engel,- doch der Rote Mit blankem Schwert ist ihnen spinnefeind." Und noch viel buntre, wunderliche Reden Schwatzt sie in einem fort, und setzte sich Ermüdet mit mir nieder auf die Moosbank, Die unterm alten Eichenbaume steht. Da saßen wir beisammen, still und traurig, Und sahn uns an, und wurden immer trauriger. Die Eiche säuselte wie Sterbeseufzer, Tiefschmerzlich sang die Nachtigall herab. Doch rote Lichter drangen durch die Blätter, 379 L 13 u I KI X u Umflimmerten Marias weißes Antlitz, Und lockten Glut aus ihren starren Augen, Und mit der alten, süßen Stimme sprach sie: „Wie wußtest du, daß ich so elend bin? Ich las es jüngst in deinen wilden Liedern." Eiskalt durchzogs mir da die Brust, mir grauste Ob meinem eignen Wahnsinn, der die Zukunft Geschaut, es zuckte dunkel durch mein Hirn, Und vor Entsetzen bin ich aufgewacht. 380 » T I kl K L Donna Klara In dem abendlichen Garten Wandelt des Alkaden Tochter,- pauken und Drommetenjubel Klingt herunter von dem Schlosse. „Lästig werden mir die Tänze Und die süßen Schmeichelworte, Und die Ritter, die so zierlich Mich vergleichen mit der Sonne. Uberlästlg wird mir alles, Seit ich sah beim Strahl des Mondes Jenen Ritter, dessen Laute Nächtens mich ans Fenster lockte. Wie er stand so schlank und mutig, Und die Augen leuchtend schössen Aus dem edelblassen Antlitz, Glich er wahrlich Sankt Georgen." Also dachte Donna Klara, Und sie schaute auf den Boden,- Wie sie aufblickt, steht der schone, Unbekannte Ritter vor ihr. Händedrückend, liebeflüsternd Wandeln sie umher im Mondschein, Und der Zephir schmeichelt freundlich, Märchenartig grüßen Rosen. 381 « L I ^ K Märchenartig grüßen Rosen, Und sie glühn wie Llebesboten. — Aber sage mir, Geliebte, Warum du so plötzlich rot wirst? „Mücken stachen mich, Geliebter, Und die Mücken sind im Sommer Mir so tief verhaßt, als wärens Langenasge Iudenrotten." Laß die Mücken und die Juden, Spricht der Ritter, freundlich kosend. Von den Mandelbäumen fallen Tausend weiße Blütenflocken. Tausend weiße Blütenflocken Haben ihren Durst ergossen. — Aber sage mir, Geliebte, Ist dein Herz mir ganz gewogen? „Ja, ich liebe dich, Geliebter, Bei dem Heiland seis geschworen. Den die gottverfluchten Juden Boshaft tückisch einst ermordet." Laß den Heiland und die Juden, Spricht der Ritter freundlich kosend. In der Ferne schwanken traumhast Weiße Lilien, lichtumflossen. 382 u u I Ivl K u Weiße Lilien, lichtumflossen, Blicken nach den Sternen droben. — Aber sage mir, Geliebte, Hast du auch nicht falsch geschworen? „Falsch ist nicht in mir, Geliebter, Wie in meiner Brust kein Tropfen Blut ist von dem Blut der Mohren Und des schmutzgen Iudenvolkes." Laß die Mohren und die Juden, Spricht der Ritter, freundlich kosend,- Und nach einer Myrtenlaube Führt er die Alkadentochter. Mit den weichen Liebesnetzen Hat er heimlich sie umflochten! Kurze Worte, lange Küsse, Und die Herzen Überflossen. Wie ein schmelzend süßes Brautlied Singt die Rachtigall, die holde,- Wie zum Fackeltanze hüpfen Feuerwürmchen auf dem Boden. In der Laube wird es stiller, Und man hört nur, wie verstohlen, Das Geflüster kluger Myrten Und der Blumen Atemholen. 383 u 14 u I KI K Aber pauken und Drommeten Schallen plötzlich aus dem Schlosse. Und erwachend hat sich Klara Aus des Ritters Arm gezogen. „Horch! da ruft es mich, Geliebter, Doch, bevor wir scheiden, sollst du Nennen deinen lieben Namen, Den du mir so lang verborgen." Und der Ritter, heiter lächelnd, Küßt die Finger seiner Donna, Küßt die Lippen und die Stirne, Und er spricht zuletzt die Worte: „Ich, Sennora, Euch Geliebter, Bin der Sohn des vielbelobten, Großen, schristgelehrten Rabbi Israel von Saragossa." 384 » L I K An E d o m Ein Jahrtausend schon und länger Dulden wir uns brüderlich,- Du, du duldest, daß ich atme, Daß du rasest, dulde ich. Manchmal nur, in dunkeln Zeiten, Ward dir wunderlich zumut, Und die liebefrommen Tätzchen Färbtest du mit meinem Blut. Fetzt wird unsre Freundschaft fester, Und noch täglich nimmt sie zu,- Denn ich selbst begann zu rasen, Und ich werde fast wie du! 385 DIL N U I K4 K U N k Mit einem Exemplar des „Rabbi von Bacharach" Brich aus in lauten Klagen, Du düstres Märtyrerlied, Das ich so lang getragen Im flammenstillen Gemüt! Es dringt in alle Ohren, Und durch die Ohren ins Herz,- Ich habe gewaltig beschworen Den tausendjährigen Schmerz. Es weinen die Großen und Kleinen, Sogar die kalten Herrn, Die Frauen und Blumen weinen, Es weinen am Himmel die Stern. Und alle die Tränen fließen Nach Süden im stillen Verein, Sie fließen und ergießen Sich all in den Jordan hinein. 386 n T I X A l m a n s o r X In dem Dome zu Kordova Stehen Säulen, dreizehnhundert, Dreizehnhundert Riesensäulen Tragen die gewaltge Kuppel. Und auf Säulen, Kuppel, Wänden Ziehen von oben sich bis unten Des Korans arabsche Sprüche, Klug und blumenhaft verschlungen. Mohrenköiüge bauten weiland Dieses Haus zu Allahs Ruhme, Doch hat vieles sich verwandelt In der Zeiten dunkelm Strudel. Auf dem Turme, wo der Türmer Zum Gebete aufgerufen, Tönet jetzt der Chriftenglocken Melancholisches Gesumme. Auf den Stufen, wo die Gläubgen Das Prophetcnwort gesungen, Zeigen jetzt die Glatzenpfäfflein Ihrer Messe fades Wunder. 387 u u I lu K e Und das ist ein Drehn und Winden Vor den buntgemalten Puppen, Und das blökt und dampft und klingelt, Und die dummen Kerzen funkeln. In dem Dome zu Kordova Steht Almansor ben Abdullah, All die Säulen still betrachtend, Und die stillen Worte murmelnd: „O, ihr Säulen, stark und riesig, Einst geschmückt zu Allahs Ruhme, Ietzo müßt ihr dienend Huldgen Dem verhaßten Christentum?! Ihr bequemt euch in die Zeiten, Und ihr tragt die Last geduldig,- Ei, da muß ja wohl der Schwächre Noch viel leichter sich beruhigen." Und sein Haupt, mit heiterm Antlitz, Beugt Almansor ben Abdullah Uber den gezierten Taufstein In dem Dome zu Kordova. 388 n u I ki X 2. Hastig schritt er aus dem Dome, Jagte fort auf wildem Rappen, Daß im Wind die feuchten Locken Und des Hutes Federn wallen. Auf dem Weg nach Alkolea, Dem Guadalquivir entlange, Wo die weißen Mandeln blühen, Und die dustgen Goldorangen,- Dorten jagt der luftge Ritter, pfeift und singt, und lacht behaglich. Und es stimmen ein die Vögel Und des Stromes laute Wasser. In dem Schloß zu Alkolea Wohnet Klara de Alvares, In Navarra kämpft ihr Vater, Und sie freut sich mindern Zwanges. Und Almansor hört schon ferne pauken und Drommeten schallen, Und er sieht des Schlosses Lichter Blitzen durch der Bäume Schatten. In dem Schloß zu Alkolea Tanzen zwölf geschmückte Damen, Tanzen zwölf geschmückte Ritter, Doch am schönsten tanzt Almansor. 389 » L I ^ X L Wie beschwingt von muntrer Laune Flattert er herum im Saale, Und er weiß den Damen allen Süße Schmeichelein zu sagen. Jsabellens schöne Hände Küßt er rasch und springt von dannen, Und er seht sich vor Elviren, Und er schaut ihr froh ins Antlitz. Lachend fragt er Leonoren: Ob er heute ihr gefalle? Und er zeigt die goldnen Kreuze, Eingestickt in seinen Mantel. Er versichert jeder Dame, Daß er sie im Herzen trage,- Und „so wahr ich Christ bin!" schwört er Dreißigmal an jenem Abend. 390 n L I KI K 3. In dem Schloß zu Alkolea Ist verschollen Lust und Klingen, Herrn und Damen sind verschwunden, Und erloschen sind die Lichter. Donna Klara und Almansor Sind allein im Saal geblieben,- Einsam streut die letzte Lampe Uber beide ihren Schimmer. Auf dem Sessel sitzt die Dame, Auf dem Schemel sitzt der Ritter, Und sein Haupt, das schlummermüde, Ruht auf den geliebten Knien. Rosenöl aus goldnem Fläschchen Gießt die Dame, sorgsam sinnend. Auf Almansors braune Locken — Und er seufzt aus Herzenstiefe. Süßen Kuß, mit sanftem Munde, Drückt die Dame, sorgsam sinnend. Auf Almansors braune Locken — Und es wölkt sich seine Stirne. Tränenslut aus lichten Augen Weint die Dame, sorgsam sinnend, Auf Almansors braune Locken - Und es zuckt um seine Lippen. 391 tt L I ^ X Und er träumt: er stehe wieder, Tief das Haupt gebeugt und triefend, In dem Dome zu Kordova, Und er hört viel dunkle Stimmen. All die hohen Riesensäulen Hört er murmeln unmutgrimmig, Länger wollen sies nicht tragen, Und sie wanken und sie zittern,- — Und sie brechen wild zusammen, Es erbleichen Volk und Priester, Krachend stürzt herab die Kuppel, Und die Christengötter wimmern. 392 DIL NTIKiKTNk Die Wallfahrt nach Kevlaar*) Am Fenster stand die Mutter, Im Bette lag der Sohn. „Willst du nicht aufstehn, Wilhelm, Zu schaun die Prozession?" „Ich bin so krank, o Mutter, Daß ich nicht hör und seh,- Ich denk an das tote Gretchen, Da tut das Herz mir weh." Bei dem ältesten Abdruck war dies Lied von folgender Nachbemerkung begleitet: „Der Stoff dieses Gedichtes ist nicht ganz mein Eigentum. Es entstand durch Erinnerung an die rheinische Heimat. — Als ich ein kleiner Knabe war, und im Franziskanerkloster in Düsseldorf die erste Dressur erhielt und dort zuerst Buchstabieren und Stillsitzen lernte, saß ich oft neben einem andern Knaben, der mir immer erzählte: wie seine Mutter ihn nach Kevlaar (der Akzent liegt auf der ersten Silbe, und der Ort selbst liegt im Geldernschen) einstmals mitgenommen, wie sie dort einen wächsernen Fuß für ihn geopfert, und wie sein eigner schlimmer Fuß dadurch geheilt sei. Mit diesem Knaben traf ich wieder zusammen in der obersten Klasse des Gymnasiums, und als wir im Philosophen-Kollegium bei Rektor Schallmcyer nebeneinander zu sitzen kamen, erinnerte er mich lachend an jene Mirakel-Erzählung, setzte aber doch etwas ernsthast hinzu: jetzt würde er der Mutter Gottes ein wächsernes Herz opfern. Ich hörte später, er habe damals an einer unglücklichen Liebschaft laboriert, und endlich kam er mir ganz aus den Augen und aus dem Gedächtnis. — Im Jahre i819, als ich in Bonn studierte und einmal in der Gegend von Godesberg am Rhein spazieren ging, hörte ich in der Ferne die wohlbekannten Kcvlaar-Licdcr, 393 IL 14 L I 14 K L N „Steh auf, wir wollen nach Kevlaar, Nimm Buch und Rosenkranz,- Die Mutter Gottes heilt dir Dein krankes Herze ganz." Es flattern die Kirchenfahnen, Es singt im Kirchenton,- Das ist zu Köln am Rheine, Da geht die Prozession. Die Mutter folgt der Menge, Den Sohn, den führet sie, Sie singen beide im Chore: „Gelobt seist du, Marie!" / wovon das vorzüglichste den gedehnten Refrain hat! /Gelobt seist du, Maria!' und als die Prozession näher kam, bemerkte ich unter den Wallfahrern meinen Schulkameraden mit seiner alten Mutter. Diese führte ihn. Er aber sah sehr blaß und krank aus. Berlin, den 16. des Maimonds 1822. //, " In der ältesten Auflage des ersten Bandes der „Reiscbilder" schließen sich an diese Nachbemerkung des Verfassers noch folgende Zeilen: „Ich durste diese Notiz nicht von dem Gedichte trennen, weil beide zugleich entstanden, schon einmal zusammen abgedruckt worden, und dadurch gleichsam verwachsen sind. Auf keinen Fall will ich irgendeine Vorncigung andeuten, ebensowenig, wie irgendeine Abneigung durch das vorhergehende Gedicht ausgesprochen werden soll. Dieses,,Almansost überschrieben, wird im Romane, dem es entlehnt ist, von einem Mauren, einem unmutigen Bekenner des Islams, gedichtet und gesungen. ,Und wahrlich' — so spricht ein englischer Schriftsteller — ,wie Gott, der Urschöpfer, stehe auch der Dichter, der Nachschöpfer, parteilos erhaben über allem Sektcngcklätsche dieser Erdst." 394 u L I IU K u u 2. Die Mutter Gottes zu Kevlaar Trägt heut ihr bestes Kleid,- Heut hat sie viel zu schaffen. Es kommen viel kranke Leut. Die kranken Leute bringen Ihr dar als Opferspcnd Aus Wachs gebildete Glieder, Viel wächserne Fuß und Händ. Und wer eine Wachshand opfert, Dem heilt an der Hand die Wund,- Und wer einen Wachsfusz opfert, Dem wird der Fuß gesund. Nach Kevlaar ging mancher auf Krücken, Der jetzo tanzt auf dem Seil, Gar mancher spielt jetzt die Bratsche, Dem dort kein Finger war heil. Die Mutter nahm ein Wachslicht, Und bildete draus ein Herz. „Bring das der Mutter Gottes, Dann heilt sie deinen Schmerz." Der Sohn nahm seufzend das Wachsherz, Ging seufzend zum Heiligenbild,- Die Träne quillt aus dem Auge, Das Wort aus dem Herzen quillt. 395 n L I K „Du Hochgebenedeite, Du reine Gottesmagd, Du Königin des Himmels, Dir sei mein Leid geklagt! Ich wohnte mit meiner Mutter, Zu Köllen in der Stadt, Der Stadt, die viele hundert Kapellen und Kirchen hat. Und neben uns wohnte Gretchen, Doch die ist tot jehund — Marie, dir bring ich ein Wachsherz, Heil du meine Herzenswund. Heil du mein krankes Herze — Ich will auch spät und früh Inbrünstiglich beten und singen: Gelobt seist du, Marie!" 396 T » e i kvi K u » k 3. Der kranke Sohn und die Mutter, Die schliefen im Kämmerlein,- Da kam die Mutter Gottes Ganz leise geschritten herein. Sie beugte sich über den Kranken Und legte ihre Hand Ganz leise auf sein Herze, Und lächelte mild und schwand. Die Mutter schaut alles im Traume, Und hat noch mehr geschaut,- Sie erwachte aus dem Schlummer, Die Hunde bellten so laut. Da lag dahingestrecket Ihr Sohn, und der war tot,- Es spielt auf seinen Wangen Das lichte Morgenrot. Die Mutter faltet die Hände, Ihr war, sie wußte nicht wie,- Andächtig sang sie leise: „Gelobt seist du, Marie!" ^U8 OLK. »H.K2KLI8L (1824) ^ 14 8 OLK U^K2KUI8U Prolog Schwarze Röcke, seidne Strümpfe, Weiße, höfliche Manschetten, Sanfte Reden, Einkassieren — Ach, wenn sie nur Herzen hätten! Herzen in der Brust und Liebe, Warme Liebe in dem Herzen - Ach, mich tötet ihr Gesinge Von erlognen Liebesschmerzen. Auf die Berge will ich steigen, Wo die frommen Hütten stehen, Wo die Brust sich frei erschließet, Und die freien Lüfte wehen. Auf die Berge will ich steigen, Wo die dunkeln Tannen ragen, Bäche rauschen, Vögel singen, Und die stolzen Wogen jagen. Lebet wohl, ihr glatten Säle, Glatte Herren, glatte Frauen! Auf die Berge will ich steigen, Lachend auf euch nicderschauen. 26 401 ^ u 8 OLK UH.KZ!KUI8U Auf dem Hardenbergs Steiget auf, ihr alten Träume! Offne dich, du Herzenstor! Liederwonne, Wehmutstränen Strömen wunderbar hervor. Durch die Tannen will ich schweifen, Wo die muntre Quelle springt, Wo die stolzen Hirsche wandeln, Wo die liebe Drossel singt. Auf die Berge will ich steigen, Auf die schroffen Felsenhöhn, Wo die grauen Schloßruinen In dem Morgenlichte stehn. Dorten setz ich still mich nieder Und gedenke alter Zeit, Alter blühender Geschlechter Und versunkner Herrlichkeit. Gras bedeckt jetzt den Turnierplatz, Wo gekämpft der stolze Mann, Der die Besten überwunden Und des Kampfes preis gewann. Efeu rankt an dem Balkone, Wo die schöne Dame stand, Die den stolzen Uberwinder Mit den Augen überwand. 402 ^ u 8 OLK I4^K^KKI8L Ach! den Sieger und die Siegrin Hat besiegt des Todes Hand — Jener dürre Sensenritter Streckt uns alle in den Sand. 26* 403 ^ u Z OLK Berg-Idylle U Auf dem Berge steht die Hütte, Wo der alte Bergmann wohnt,- Dorten rauscht die grüne Tanne, Und erglänzt der goldne Mond. In der Hütte steht ein Lehnstuhl, Ausgeschnihelt wunderlich,- Der darauf sitzt, der ist glücklich, Und der Glückliche bin ich! Auf dem Schemel sitzt die Kleine, Stützt den Arm auf meinen Schoß,- Auglein wie zwei blaue Sterne, Mündlein wie die Purpurrost. Und die lieben blauen Sterne Schaun mich an so himmelgroß,- Und sie legt den Lilienfinger Schalkhast auf die Purpurrost. ?lein, es sieht uns nicht die Mutter, Denn sie spinnt mit großem Fleiß, Und der Vater spielt die Zither, Und er singt die alte Weis'. 404 ^ u 8 OLK U ^ k k L I 8 L Und die Kleine flüstert leise, Leise, mit gedämpflein Laut,- Manches wichtige Geheimnis Hat sie mir schon anvertraut. „Aber seit die Muhme tot ist, Können wir ja nicht mehr gehn Nach dem Schützenhof zu Goslar, Dorten ist es gar zu schön. Hier dagegen ist es einsam, Auf der kalten Bergeshöh, Und des Winters sind wir gänzlich Wie begraben in dem Schnee. Und ich bin ein banges Mädchen, Und ich fürcht mich wie ein Kind Vor den bösen Bergesgeistern, Die des Nachts geschäftig sind." plötzlich schweigt die liebe Kleine, Wie vom eignen Wort erschreckt, Und sie hat mit beiden Händchen Ihre Augelein bedeckt. Lauter rauscht die Tanne draußen, Und das Spinnrad schnurrt und brummt, Und die Zither klingt dazwischen, Und die alte Weise summt: 405 ^ u 8 OLK „Furcht dich nicht, du liebes Kindchen, Vor der bösen Geister Macht! Tag und Nacht, du liebes Kindchen, Halten Englein bei dir Wacht!" 406 ^ u 8 OLK O^KLKLI8L 2. Tannenbaum, mit grünen Fingern, pocht ans niedre Fensterlein, Und der Mond, der stille Lauscher, Wirst sein goldnes Licht herein. Vater, Mutter schnarchen leise In dem nahen Schlafgemach,- Doch wir beide, selig schwatzend, Halsen uns einander wach. „Daß du gar zu oft gebetet, Das zu glauben wird mir schwer, Jenes Zucken deiner Lippen Kommt wohl nicht vom Beten her. Jenes böse, kalte Zucken, Das erschreckt mich jedesmal, Doch die dunkle Angst beschwichtigt Deiner Augen frommer Strahl. Auch bezweifl ich, daß du glaubest, Was so rechter Glaube heißt, — Glaubst wohl nicht an Gott den Vater, An den Sohn und Heilgen Geist?" Ach, mein Kindchen, schon als Knabe, Als ich saß auf Mutters Schoß, Glaubte ich an Gott den Vater, Der da waltet gut und groß! 407 ^ u 5 v U k Der die schöne Erd erschaffen, Und die schönen Menschen drauf, Der den Sonnen, Monden, Sternen Vorgezeichnet ihren Lauf. Als ich größer wurde, Kindchen, Noch vielmehr begriff ich schon, Ich begriff und ward vernünftig, Und ich glaubt auch an den Sohn,- An den lieben Sohn, der liebend Uns die Liebe offenbart, Und zum Lohne, wie gebräuchlich, Von dem Volk gekreuzigt ward. Jetzo, da ich ausgewachsen, Viel gelesen, viel gereist, Schwillt mein Herz, und ganz von Herzen Glaub ich an den Heilgen Geist. Dieser tat die größten Wunder, Und viel größre tut er noch,- Er zerbrach die Zwingherrnburgen, Und zerbrach des Knechtes Joch. Alte Todeswunden heilt er, Und erneut das alte Recht,- Alle Menschen, gleichgeboren, Sind ein adliges Geschlecht. 408 ^ U 8 OLK Er verscheucht die bösen Nebel Und das dunkle Hirngespinst, Das uns Lieb und Lust verleidet, Tag und Nacht uns angegrinst. Tausend Ritter, rvohlgewappnet, Hat der heilge Geist erwählt, Seinen Willen zu erfüllen,- Und er hat sie mutbeseelt. Ihre teuren Schwerter blitzen, Ihre guten Banner wehn! Ei, du möchtest wohl, mein Kindchen, Solche stolze Ritter sehn? Nun, so schau mich an, mein Kindchen, Küsse mich, und schaue dreist,- Denn ich selber bin ein solcher Ritter von dem Heilgen Geist. 409 ^ u 8 OLK UH.K2KLI8L 3. Still versteckt der Mond sich draußen Hinterm grünen Tannenbaum, Und im Zimmer unsre Lampe Flackert matt und leuchtet kaum. Aber meine blauen Sterne Strahlen auf in hellerm Licht, Und es glühn die Purpurrotem, Und das liebe Mädchen spricht: „Kleines Völkchen, Wichtelmännchen, Stehlen unser Brot und Speck, Abends liegt es noch im Kasten, Und des Morgens ist es weg. Kleines Völkchen, unsre Sahne Nascht es von der Milch, und läßt Unbedeckt die Schüssel stehen. Und die Katze säust den Rest. Und die Katz ist eine Hexe, Denn sie schleicht bei Nacht und Sturm Drüben nach dem Geisterberge, Nach dem altverfallnen Turm. Dort hat einst ein Schloß gestanden, Voller Lust und Waffenglanz,- Blanke Ritter, Fraun und Knappen Schwangen sich im Fackeltanz. 4W ^ u 8 OLK tt^k2KUI8U Da verwünschte Schloß und Leute Eine böse Zauberin,- Nur die Trümmer blieben stehen, Und die Eulen nisten drin. Doch die sel"ge Muhme sagte: Wenn man spricht das rechte Wort, Nächtlich zu der rechten Stunde, Drüben an dem rechten Ort, So verwandeln sich die Trümmer Wieder in ein Helles Schloß, Und es tanzen wieder lustig Ritter, Fraun und Knappentroß,- Und wer jenes Wort gesprochen, Dem gehören Schloß und Leut, pauken und Trompeten Huldgen Seiner jungen Herrlichkeit/" Also blühen Märchenbilder Aus des Mundes Röselein, Und die Augen gießen drüber Ihren blauen Sternenschein. Ihre goldnen Haare wickelt Mir die Kleine um die Händ, Gibt den Fingern hübsche Namen, Lacht und küßt und schweigt am End. 411 OLK O^K2KLI8L Und im stillen Zimmer alles Blickt mich an so wohlvertraut,- Tisch und Schrank, mir ist, als hätt ich Sie schon früher mal geschaut. Freundlich ernsthaft schwatzt die Wanduhr, Und die Zither, hörbar kaum, Fängt von selber an zu klingen, Und ich sitze wie im Traum. Zetzo ist die rechte Stunde, Und es ist der rechte Ort,- Ja, ich glaube, von den Lippen Gleitet mir das rechte Wort. Siehst du, Kindchen, wie schon dämmert Und erbebt die Mitternacht! Bach und Tannen brausen lauter, Und der alte Berg erwacht. Zitherklang und Zwergenlieder Tönen aus des Berges Spalt, Und es sprießt, wie 'n toller Frühling, Draus hervor ein Blumenwald,- - Blumen, kühne Wunderblumen, Blätter, breit und fabelhaft. Duftig bunt und hastig regsam, Wie gedrängt von Leidenschaft. 412 ^ u 8 OLK I 8 L Rosen, wild wie rote Flammen, Sprühn aus dem Gewühl hervor,- Lilien, wie kristallne Pfeiler, Schießen himmelhoch empor. Und die Sterne, groß wie Sonnen, Scharm herab mit Sehnsuchtsglut,- In der Lilien Riesenkelche Strömet ihre Strahlenflut. Doch wir selber, liebes Kindchen, Sind verwandelt noch viel mehr,- Fackelglanz und Gold und Seide Schimmern lustig um uns her. Du, du wurdest zur Prinzessin, Diese Hütte ward zum Schloß, Und da jubeln und da tanzen Ritter, Fraun und Knappentroß. Aber ich, ich Hab erworben Dich und alles, Schloß und Leut,- pauken und Trompeten Huldgen Meiner jungen Herrlichkeit! 413 ^ u 8 OLK Der Hirtel: knabe König ist der Hirtenknabe, Grüner Hügel ist sein Thron,- Uber seinem Haupt die Sonne Ist die große goldne Krön. Ihm zu Füßen liegen Schafe, Weiche Schmeichler rotbekreuzt,- Kavaliere sind die Kälber, Und sie wandeln stolzgespreizt. Hofschauspieler sind die Böcklein,- Und die Vögel und die Küh, Mit den Flöten, mit den Glöcklein, Sind die Kammermusizi. Und das klingt und singt so lieblich, Und so lieblich rauschen drein Wasserfall und Tannenbäume, Und der König schlummert ein. Unterdessen muß regieren Der Minister, jener Hund, Dessen knurriges Gebelle Widerhallet in der Rund. Schläfrig lallt der junge König: „Das Regieren ist so schwer,- Ach, ich wollt, daß ich zu Hause Schon bei meiner Köistgin wär! 414 ^ u 8 DTK In den Armen meiner Kön'gin Ruht mein Königshaupt so weich, Und in ihren schönen Augen Liegt mein unermeßlich Reich!" 415 u 8 OLK N^K2KLI8L Auf dem Brockel: Heller wird es schon im Osten Durch der Sonne kleines Glimmen, Weit und breit die Bergesgipfel In dem Nebelmeere schwimmen. Hatt ich Siebenmeilenstiefeln, Lief ich mit der Hast des Windes Uber jene Bergesgipfel Nach dem Haus des lieben Kindes. Von dem Bettchen, wo sie schlummert, Zog ich leise die Gardinen, Leise küßt ich ihre Stirne, Leise ihres Munds Nubinen. Und noch leiser wollt ich flüstern In die kleinen Lilienohren: Denk im Traum, daß wir uns lieben Und daß wir uns nie verloren. 416 Ich bin die Prinzessin Ilse' Und wohne im Ilsenstein,- Komin mit nach meinem Schlosse, Wir wollen selig sein. Dein Haupt will ich benetzen, Mit meiner klaren Well, Du sollst deine Schmerzen vergessen, Du sorgenkranker Gesell! In meinen weißen Armen, An meiner weißen Brust, Da sollst du liegen und träumen Von alter Märchenlust. Ich will dich küssen und herzen, Wie ich geherzt und geküßt Den lieben Kaiser Heinrich, Der nun gestorben ist. Es bleiben tot die Toten, Und nur der Lebendige lebt,- Und ich bin schon und blühend, Mein lachendes Herze bebt. Komm in mein Schloß herunter, In mein kristallenes Schloß, Dort tanzen die Fräulein und Ritter, Es jubelt der Knappentroß. H.U8 OLK Es rauschen die seidenen Schleppen, Es klirren die Eisensporn, Die Zwerge trompeten und pauken, Und fiedeln und blasen das Horn. Doch dich soll mein Arm umschlingen, Wie er Kaiser Heinrich umschlang,-- Ich hielt ihm zu die Ohren, Wenn die Trompet erklang. 418 DIL ^ 0 L D 5 L L (1825-1826) 27* N L> k v 8 Erster Zyklus Uneigennützig zu sein in allem, am uneigennützigsten in Liebe und Freundschaft, war meine höchste Lust, meine Maxime, meine Ausübung, so daß jenes freche, spätere Wort: „Wenn ich dich liebe, was gehts dich an?" mir recht aus der Seele gesprochen ist. (Aus Goethes „Dichtung und Wahrheit", vierzehntes Buch.) 1. Krön u n g Ihr Lieder! Ihr meine guten Lieder! Auf, auf! und wappnet euch! Laßt die Trompeten klingen, Und hebt mir auf den Schild Dies junge Mädchen, Das jetzt mein ganzes Herz Beherrschen soll, als Königin. Heil dir! du junge Königin! Bon der Sonne droben Reiß ich das strahlend rote Gold, Und webe draus ein Diadem Für dein geweihtes Haupt. 421 u N O k v 8 Von der flatternd blauseidnen Himmelsdecke, Worin die Rachtdiamanten blitzen, Schneid ich ein kostbar Stück, Und hang es dir als Krönungsmantel Um deine königliche Schulter. Ich gebe dir einen Hofstaat Von steifgepuhten Sonetten, Stolzen Terzinen und höflichen Stanzen,- Als Läufer diene dir mein Witz, Als Hofnarr meine Phantasie, Als Herold, die lachende Trane im Wappen, Diene dir mein Humor. Aber ich selber, Königin, Ich kniee vor dir nieder, Und huldigend, auf rotem Sammetkissen, Uberreiche ich dir Das bißchen Verstand, Das mir aus Mitleid noch gelassen hat Deine Vorgängerin im Reich. 422 L NO KOL 2. Abenddämmerung Am blassen Meeresstrande Saß ich gedankenbekümmert und einsam. Die Sonne neigte sich tiefer, und warf Glührote Streifen auf das Wasser, Und die weißen, weiten Wellen, Von der Flut gedrängt, Schäumten und rauschten näher und näher — Ein seltsam Geräusch, ein Flüstern und "pfeifen, Ein Lachen und Murmeln, Seufzen und Sausen, Dazwischen ein wiegenliedheimliches Singen — Mir war, als hört ich verschollne Sagen, Uralte, liebliche Märchen, Die ich einst als Knabe Von Vachbarskindern vernahm, Wenn wir am Sommerabend Auf den Treppensteinen der Haustür Zum stillen Erzählen niederkauerten. Mit kleinen, horchenden Herzen Und neugierklugen Augen,- Während die großen Mädchen Veben duftenden Blumentöpfen Gegenüber am Fenster saßen, Rosengesichter, Lächelnd und mondbeglänzt. 423 L 14 0 k v 8 3. Sonnenuntergang Die glühend rote Sonne steigt Hinab ins weit ausschauernde, Silbergraue Weltmeer, Luftgebilde, rosig angehaucht, Wallen ihr nach,- und gegenüber, Aus herbstlich dämmernden Wolkenschleiern, Ein traurig todblasses Antlitz, Bricht hervor der Mond, Und hinter ihm, Lichtfünkchen, Nebelweit, schimmern die Sterne. Einst am Himmel glänzten, Ehlich vereint, Luna, die Göttin, und Sol, der Gott, Und es wimmelten um sie her die Sterne, Die kleinen, unschuldigen Kinder. Doch böse Zungen zischelten Zwiespalt, Und es trennte sich feindlich Das hohe, leuchtende Ehpaar. Jetzt am Tage, in einsamer Pracht, Ergeht sich dort oben der Sonnengott, Ob seiner Herrlichkeit 424 L N 0 k O 8 Angebetet und vielbesungen Von stolzen, glückgehärteten Menschen. Aber des Nachts Am Himmel wandelt Luna, Die arme Mutter, Mit ihren verwaisten Sternenkindern, Und sie glänzt in stiller Wehmut, Und liebende Mädchen und sanfte Dichter Weihen ihr Tränen und Lieder. Die weiche Luna? Weiblich gesinnt, Liebt sie noch immer den schönen Gemahl. Gegen Abend, zitternd und bleich, Lauscht sie hervor aus leichtem Gewölk, Und schaut nach dem Scheidenden schmerzlich, Und möchte ihm ängstlich rufen: „Komm! Komm! die Kinder verlangen nach dir —" Aber der trotzige Sonnengott, Bei dem Anblick der Gattin erglüht er In doppeltem Purpur, Vor Zorn und Schmerz, Und unerbittlich eilt er hinab In sein flutenkaltes Witwerbett. Böse, zischelnde Zungen Brachten also Schmerz und Verderben 425 v I u ^ 0 k O 8 Selbst über ewige Götter. Und die armen Götter, oben am Himmel Wandeln sie qualvoll, Trostlos unendliche Bahnen, Und können nicht sterben, Und schleppen mit sich Ihr strahlendes Elend. Ich aber, der Mensch, Der Niedriggepflanzte, der Todbeglückte, Ich klage nicht länger. 426 L NO k O 8 4. Die Nacht am Strande Sternlos und kalt ist die Nacht, Es gähnt das Meer,- Und über dem Meer, platt auf dem Bauch, Liegt der ungestaltete Nordwind, Und heimlich mit ächzend gedämpfter Stimme, Wie A störriger Griesgram, der gut gelaunt wird, Schwatzt er ins Wasser hinein, Und erzählt viel tolle Geschichten, Niesenmärchen, totschlaglaunig, Uralte Sagen aus Norweg, Und dazwischen, weitschallend, lacht er und heult er Beschwörungslieder der Edda, Auch Runcnsprüche, So dunkeltrotzig und zaubergcwaltig, Daß die weißen Mcerkinder Hoch aufspringen und jauchzen Ubermut-berauscht. Derweilen am flachen Gestade, Uber den flutbefeuchteten Sand Schreitet ein Fremdling mit einein Herzen, Das wilder noch als Wind und Wellen. Wo er hintritt, 427 L 14 () k v 8 Sprühen Funken, und knistern die Muscheln,- Und er hüllt sich fest in den grauen Mantel, Und schreitet rasch durch die wehende Nacht,- Sicher geleitet vom kleinen Lichte, Das lockend und lieblich schimmert Aus einsamer Fischerhütte. Vater und Bruder sind auf der See, Und mutterseelallein blieb dort In der Hütte die Fischertochter, Die wunderschöne Fischertochter. Am Herde sitzt sie, Und horcht auf des Wasserkessels Ahnungssüßes heimliches Summen, Und schüttet knisterndes Reisig ins Feuer Und blast hinein, Daß die flackernd roten Lichter Zauberlieblich widerstrahlen Auf das blühende Antlitz, Auf die zarte, weiße Schulter, Die rührend hervorlauscht Aus dem groben, grauen Hemde, Und auf die kleine sorgsame Hand, Die das Unterröckchen fester bindet Um die feine Hüfte. 428 L N O k v 8 Aber plötzlich, die Tür springt auf, Und es tritt herein der nächtige Fremdling,- Liebesicher ruht sein Auge Aus dem weißen, schlanken Mädchen, Das schauernd vor ihm steht, Gleich einer erschrockenen Lilie, Und er wirst den Mantel zur Erde, Und lacht und spricht: „Siehst du, mein Kind, ich halte Wort, Und ich komme, und mit mir kommt Die alte Zeit, wo die Götter des Himmels Niedergestiegen zu Töchtern der Menschen, Und die Töchter der Menschen umarmten, Und mit ihnen zeugten Zeptertragende Königsgeschlechter Und Helden, Wunder der Welt. Doch staune, mein Kind, nicht länger Ob meiner Göttlichkeit, Und ich bitte dich, koche mir Tee mit Num, Denn draußen wars kalt, Und bei solcher Nachtlust Frieren auch wir, wir ewigen Götter, Und kriegen wir leicht den göttlichsten Schnupfen Und einen unsterblichen Husten." 429 DIL N 0 k v 8 L U 5. Poseidon Die Sonnenlichter spielten Uber das weithinrollende Meer,- Fern auf der Reede glänzte das Schiff, Das mich zur Heimat tragen sollte,- Aber es fehlte an gutem Fahrwind, Und ich sas; noch ruhig auf weißer Düne Am einsamen Strand. Und ich las das Lied vom Odysseus, Das alte, das ewig junge Lied, Aus dessen meerdurchrauschten Blättern Mir freudig cntgegenstieg Der Atem der Götter, Und der leuchtende Menschenfrühling, Und der blühende Himmel von Hellas. Mein edles Herz begleitete treulich Den Sohn des Laertes, in Irrfahrt und Drangsal, Setzt sich mit ihm, seelenbekümmert, An gastliche Herde, Wo Königinnen Purpur spinnen, Und half ihm lügen und glücklich entrinnen Aus Riesenhöhlen und Rymphenarmen, Folgte ihm nach in kimmerische Rächt, 430 u 14 0 k v 8 Und in Sturm und Schiffbruch, Und duldete mit ihm unsägliches Elend. Seufzend sprach ich: „Du böser 'Poseidon, Dein Zorn ist furchtbar. Und mir selber bangt Ob der eignen Heimkehr." Kaum sprach ich die Worte, Da schäumte das Meer, Und aus den weißen Wellen stieg Das schilfbegrenzte Haupt des Meergotts, Und höhnisch rief er: „Fürchte dich nicht, poetlein! Ich will nicht im geringsten gefährden Dein armes Schiffchen, Und nicht dein liebes Leben beängstgcn Mit allzu bedenklichem Schaukeln. Denn du, poetlein, hast nie mich erzürnt, Du hast mir kein einziges Türmchen verletzt An priamos heiliger Feste, Kein einziges Härchen hast du versengt Am Aug meines Sohnes Polyphemos, Und dich hat niemals ratend beschützt Die Göttin der Klugheit, Pallas Athene." 431 N 0 k v 8 Also rief Poseidon Und tauchte zurück ins Meer,- Und über den groben Seemannswih Lachten unter dem Wasser Amphitrite, das plumpe Fischweib, Und die dummen Töchter des Nereus. 432 Mit leichtem Rohr schrieb ich in den Sand: „Agnes, ich liebe dich!" Doch böse Wellen ergossen sich Uber das süße Bekenntnis, Und löschten es aus. Zerbrechliches Rohr, zerstiebender Sand, Zerfließende Wellen, euch trau ich nicht mehr! Der Himmel wird dunkler, mein Herz wird wilder, Und mit starker Hand aus Rorwegs Wäldern, Reiß ich die höchste Tanne, Herangedämmert kam der Abend, Wilder toste die Flut, Und ich saß am Strand und schaute zu Dem weißen Tanz der Wellen, Und meine Brust schwoll auf wie das Meer, Und sehnend ergriff mich ein tiefes Heimweh Räch dir, du holdes Bild, Das überall mich umschwebt, Und überall mich ruft, Uberall, überall, Um Sausen des Windes, im Brausen des Meeres, Und im Seufzen der eigenen Brust. IL N O K O 8 L Und tauche sie ein In des Ätnas glühenden Schlund, und mit solcher Feuergetränkten Riesenfeder Schreib ich an die dunkle Himmelsdecke: „Agnes, ich liebe dich!" Jedwede Nacht lodert alsdann Dort oben die ewige Flammenschrist, Und alle nachwachsenden Enkelgeschlechter Lesen jauchzend die Himmelsworte: „Agnes, ich liebe dich!" 434 L N O KV 8 7. Nachts in der Kajüte Das Meer hat seine perlen. Der Himmel seine Sterne, Aber mein Herz, mein Herz, Mein Herz hat seine Liebe. Gros; ist das Meer und der Himmel, Doch größer ist mein Herz, Und schöner als perlen und Sterne Leuchtet und strahlt meine Liebe. Du kleines, junges Mädchen, Komm an mein großes Herz,- Mein Herz und das Meer und der Himmel Vergehn vor lauter Liebe. ^ ^ An die blaue Himmelsdecke, Wo die schönen Sterne blinken, Möcht ich pressen meine Lippen, pressen wild und stürmisch weinen. Jene Sterne sind die Augen Meiner Liebsten, tausendfältig Schimmern sie und grüßen freundlich Aus der blauen Himmelsdecke. 433 N O k v Nach der blauen Himmelsdecke, Nach den Augen der Geliebten, Heb ich andachtsvoll die Arme, Und ich bitte und ich flehe: „Holde Augen, Gnadenlichter, O, beseligt meine Seele, Laßt mich sterben und erwerben Euch mit eurem ganzen Himmel!" Aus den Himmelsaugen droben Fallen zitternd goldne Funken Durch die Nacht, und meine Seele Dehnt sich liebeweit und weiter. O, ihr Himmelsaugen droben! Weint euch aus in meine Seele, Daß von lichten Sternentränen Uberfließet meine Seele. Eingewiegt von Meereswellen Und von träumenden Gedanken, Lieg ich still in der Kajüte, In dem dunkeln Winkelbette. Durch die offne Luke schau ich Droben hoch die hellen Sterne, 436 L N O k v 5 Die geliebten, süßen Augen Meiner süßen Vielgeliebten. Die geliebten, süßen Augen Wachen über meinem Haupte, Und sie blinken und sie winken Aus der blauen Himmelsdecke. Nach der blauen Himmelsdecke Schau ich selig lange Stunden, Bis ein weißer Nebelschleier Mir verhüllt die lieben Augen. An die bretterne Schlffswand, Wo mein träumendes Haupt liegt, Branden die Wellen, die wilden Wellen,- Sie rauschen und murmeln Mir heimlich ins Ohr: „Betörter Geselle! Dein Arm ist kurz und der Himmel ist weit, Und die Sterne droben sind festgenagelt Mit goldnen Nägeln, — Vergebliches Sehnen, vergebliches Seufzen, Das beste wäre, du schliefest ein." Es träumte mir von einer weiten Heide, Weit überdeckt von stillem, weißem Schnee, 437 u N : 0 k O 5 Und unterm weißen Schnee lag ich begraben Und schlief den einsam kalten Todesschlaf. Doch droben aus dem dunkeln Himmel schauten Herunter auf mein Grab die Sternenaugen, Die süßen Augen! und sie glänzten sieghaft Und ruhig heiter, aber voller Liebe. 438 DIL NOKV8LL 8. Sturm Es wütet der Sturm, Und er peitscht die Wellen, Und die Welln, wutschäumend und bäumend, Türmen sich auf und es wogen lebendig Die weißen Wasserberge, Und das Schifflein erklimmt sie, Hastig mühsam, Und plötzlich stürzt es hinab In schwarze, weitgähnende Flutabgründe — O Meer! Mutter der Schönheit, der Schaumentstiegenen! Großmutter der Liebe! schone meiner! Schon flattert, leichenwitternd, Die weiße, gespenstische Möwe, Und wetzt an dem Mastbaum den Schnabel, Und lechzt voll Fraßbegier nach dem Herzen, Das vom Ruhm deiner Tochter ertönt, Und das dein Enkel, der kleine Schalk, Zum Spielzeug erwählt. Vergebens mein Bitten und Flehn! Mein Rufen verhallt im tosenden Sturm, Im Schlachtlärm der Winde. 439 L 14 O k O 5 Es braust und pfeift und prasselt und heult, Wie ein Tollhaus von Tönen! Und zwischendurch hör ich vernehmbar Lockende Harfenlaute, Sehnsuchtwilden Gesang, Seelenschmelzend und seelenzerreißend, Und ich erkenne die Stimme. Fern an schottischer Felsenküste, Wo das graue Schlößlein hinausragt Uber die brandende See, Dort, am hochgewölbten Fenster, Steht eine schöne, kranke Frau, Zartdurchsichtig und marmorblaß, Und sie spielt die Harfe und singt, Und der Wind durchwühlt ihre langen Locken, Und trägt ihr dunkles Lied Uber das weite, stürmende Meer. 440 L N 0 k v 8 9. Meeresstille Meeresstille! Ihre Strahlen Wirft die Sonne auf das Wasser, Und im wogenden Geschmeide Zieht das Schiff die grünen Furchen. Bei dem Steuer liegt der Bootsmann Auf dem Bauch und schnarchet leise. Bei dem Mastbaum, segelslickend, Kauert der beteerte Schiffsjung. Hinterm Schmutze seiner Wangen Sprüht es rot, wehmütig zuckt es Um das breite Maul, und schmerzlich Schaun die großen, schönen Augen. Denn der Kapitän steht vor ihm, Tobt und flucht und schilt ihn „Spitzbub, Spitzbub! einen Hering hast du Aus der Tonne mir gestohlen!" Meercsstille! Aus den Wellen Taucht hervor ein kluges Fischlein, Wärmt das Köpfchen an der Sonne, plätschert lustig mit dem Schwänzchen. 441 L n c> k v Doch die Möwe aus den Lüften, Schießt herunter auf das Fischlein, Und den raschen Raub im Schnabel Schwingt sie sich hinauf ins Blaue. 442 T N 0 k O 8 10. Seegespen st Ich aber lag am Rand des Schiffes Und schaute, träumenden Auges, Hinab in das spiegelklare Wasser, Und schaute tiefer und tiefer - Bis tief im Meeresgrunde, Anfangs wie dämmernde Nebel, Jedoch allmählich farbenbestimmter, Kirchenkuppel und Türme sich zeigten, Und endlich, sonnenklar, eine ganze Stadt, Altertümlich niederländisch, Und menschenbelebt. Bedächtige Männer, schwarzbemäntclt, Mit weißen Halskrausen und Ehrenketten, Und langen Degen und langen Gesichtern, Schreiten über den wimmelnden Marktplatz Nach dem treppenhohen Rathaus, Wo steinerne Kaiserbilder Wacht halten mit Zepter und Schwert. Unferne, vor langen Häuserreihn, Wo spiegelblanke Fenster Und pyramidisch beschnittene Linden, Wandeln seidenrauschende Jungfern, Schlanke Leibchen, die Blumcngesichter 443 O I L 14 O k O 8 Sittsam umschlossen von schwarzen Mützchen Und hervorquellendem Goldhaar. Bunte Gesellen in spanischer Tracht, Stolzieren vorüber und nicken. Bejahrte Frauen, In braunen, verschollnen Gewändern, Gesangbuch und Rosenkranz in der Hand, Eilen, trippelnden Schritts, Nach dem großen Dome, Getrieben von Glockengeläute Und rauschendem Orgelton. Mich selbst ergreist des fernen Klangs Geheimnisvoller Schauer! Unendliches Sehnen, tiefe Wehmut Beschleicht mein Herz, Mein kaum geheiltes Herz,- Mir ist, als würden seine Wunden Von lieben Lippen aufgeküßt, Und täten wieder bluten, — Heiße, rote Tropfen, Die lang und langsam niederfalln Auf ein altes Haus, dort unten In der tiefen Meerstadt, Auf ein altes hochgegiebeltes Haus, Das melancholisch menschenleer ist, Nur daß am untern Fenster 444 L N 0 k v 8 Ein Madchen sitzt, Den Kopf auf den Arm gestützt, Wie ein armes, vergessenes Kind — Und ich kenne dich, armes, vergessenes Kind! So tief, meertief also Verstecktest du dich vor mir Aus kindischer Laune, Und konntest nicht mehr herauf, Und saßest fremd unter fremden Leuten, Jahrhundertelang, Derweilen ich, die Seele voll Gram, Auf der ganzen Erde dich suchte, Und immer dich suchte, Du Jmmergeliebte, Du Längstverlorene, Du Endlichgefundene - Ich Hab dich gefunden und schaue wieder Dein süßes Gesicht, Die klugen, treuen Augen, Das liebe Lächeln — Und nimmer will ich dich wieder verlassen, Und ich komme hinab zu dir. Und mit ausgebreiteten Armen Stürz ich hinab an dein Herz - 445 ^ 0 k O 8 Aber zur rechten Zeit noch Ergriff mich beim Fuß der Kapitän, Und zog mich vom Schiffsrand, Und rief, ärgerlich lachend: „Doktor, sind Sie des Teufels?" 446 u 14 0 k v 8 N. Reinigung Bleib du in deiner Meerestiefe, Wahnsinniger Traum, Der du einst so manche Nacht Mein Herz mit falschem Glück gequält hast. Und jetzt als Seegespenst Sogar am hellen Tage mich bedrohest - Bleib du dort unten in Ewigkeit, Und ich werfe noch zu dir hinab All meine Schmerzen und Sünden, Und die Schellenkappe der Torheit, Die so lange mein Haupt umklingelt, Und die kalte, gleißende Schlangenhaut Der Heuchelei, Die mir so lang die Seele umwunden, Die kranke Seele, Die gottverleugnende, engelverleugnende, Unselige Seele — Hoiho! Hoiho! Da kommt der Wind! Die Segel auf! Sie flattern und schwelln! Uber die stillverderbliche Fläche Eilet das Schiff, Und es jauchzt die befreite Seele. 447 0 k v 8 i2. Frieden Hoch am Himmel stand die Sonne, Von weißen Wolken umwogt,- Das Meer war still, Und sinnend lag ich am Steuer des Schiffes, Träumerisch sinnend, - und, halb im Wachen Und halb im Schlummer, schaute ich Christus, Den Heiland der Welt. Um wallend weißen Gewände Wandelt er riesengroß Uber Land und Meer,- Es ragte sein Haupt in den Himmel, Die Hände streckt er segnend Uber Land und Meer,- Und als ein Herz in der Brust Trug er die Sonne, Die rote, flammende Sonne,- Und das rote, flammende Sonnenherz Goß seine Gnadenstrahlen Und sein holdes, trübseliges Licht, Erleuchtend und wärmend, Uber Land und Meer. 448 u N 0 K v 8 Glockenklange zogen feierlich Hin und her, zogen wie Schwäne, An Rosenbändern, das gleitende Schiff, Und zogen es spielend ans grüne Ufer, Wo Menschen wohnen, in hochgetürmter, Ragender Stadt. O Friedenswunder! Wie still die Stadt, Es ruhte das dumpfe Geräusch Der schwatzenden, schwülen Gewerbe, Und durch die reinen, hallenden Straßen Wandelten Menschen, weißgekleidete, palmzweig tragende, Und wo sich zwei begegneten, Sahn sie sich an, verständnisinnig, Und schauernd, in Liebe und süßer Entsagung, Küßten sie sich auf die Stirne, Und schauten hinauf Räch des Heilands Sonnenherzen, Das freudig versöhnend sein rotes Blut Hinunterstrahlte, Und dreimal selig sprachen sie: „Gelobt sei Jesus Ehrist!" Hättest du doch dies Traumbild ersonnen, Was gäbest du drum, Geliebtester! 449 u N O k v 8 Der du in Kopf und Lenden so schwach, Und im Glauben so stark bist, Und die Dreifaltigkeit ehrest in Einfalt, Und den Mops und das Kreuz und die Pfote Der hohen Gönnerin täglich küssest, Und dich hinaufgefrömmelt hast Zum Hofrat und dann zum Iustizrat, Und endlich zum Rate bei der Regierung, In der frommen Stadt, Wo der Sand und der Glauben blüht, Und der heiligen Sprea geduldiges Wasser Die Seelen wäscht und den Tee verdünnt — Hättest du doch dies Traumbild ersonnen, Gcliebtester! Du trügest es höheren Ortes zu Markt, Dein weiches, blinzelndes Antlitz Verschwämme ganz in Andacht und Demut, Und die Hocherlauchte, Verzückt und wonnebebend, Sänke betend mit dir aufs Knie, Und ihr Auge, selig strahlend. Verhieße dir eine Gehaltzulage Von hundert Talern preußisch Kurant, Und du stammeltest händefaltend: „Gelobt sei Jesus Christ!" 450 u n o k v 8 L Zweiter Zyklus Motto! Aonophons Anabasis, IV, 7. t. Meergrus; Thalatta! Thalatta! Sei mir gegrüßt, du ewiges Meer! Sei mir gegrüßt zehntausendmal Aus jauchzendem Herzen, Wie einst dich begrüßten Zehntausend Griechenherzen, Unglückbekämpfende, heimatverlangende, Weltberühmte Griechenherzen. Es wogten die Fluten, Sie wogten und brausten, Die Sonne goß eilig herunter Die spielenden Nosenlichter, Die aufgescheuchten Möwenzüge Flatterten fort, lautschreiend, Es stampften die Rosse, es klirrten die Schilde, Und weithin erscholl es wie Siegesruf: „Thalatta! Thalatta!" 45 l IL N O k v 8 Sei mir gegrüßt, du ewiges Meer, Wie Sprache der Heimat rauscht mir dein Wasser, Wie Träume der Kindheit seh ich es flimmern Auf deinem wogenden Wellengebiet, Und alte Erinnrung erzählt mir aufs neue Von all dem lieben, herrlichen Spielzeug, Von all den blinkenden Weihnachtsgaben, Von all den roten Korallenbäumen, Goldfischchen, perlen und bunten Muscheln, Die du geheimnisvoll bewahrst Dort unten im klaren Kristallhaus. O, wie Hab ich geschmachtet in oder Fremde! Gleich einer welken Blume In des Botanikers blecherner Kapsel, Lag mir das Herz in der Brust. Mir ist, als saß ich winterlange, Ein Kranker, in dunkler Krankenstube, Und nun verlaß ich sie plötzlich, Und blendend strahlt mir entgegen Der smaragdene Frühling, der sonnengeweckte, Und es rauschen die weißen Blütenbäume, Und die jungen Blumen schauen mich an Mit bunten, duftenden Augen, Und es duftet und summt und atmet und lacht, Und im blauen Himmel singen die Vöglein - Thalatta! Thalatta! 452 L N O k v 5 Du tapferes Nückzugherz! Wie oft, wie bitter oft Bedrängten dich des Bordens Barbarinnen! Aus großen siegenden Augen Schossen sie brennende Pfeile,- Mit krummgeschliffenen Worten Drohten sie mir die Brust zu spalten,- Mit Keilschriftbilletts zerschlugen sie mir Das arme, betäubte Gehirn — Vergebens hielt ich den Schild entgegen, Die Pfeile zischten, die Hiebe krachten, Und von des Bordens Barbarinnen Ward ich gedrängt bis ans Meer — Und frei aufatmend begrüß ich das Meer, Das liebe, rettende Meer, Thalatta! Thalatta! 453 u n O k c> 8 2. Gewitter Dumpf liegt auf dem Meer das Gewitter, Und durch die schwarze Wolkenwand Zuckt der zackige Wetterstrahl, Rasch aufleuchtend und rasch verschwindend, Wie ein Witz aus dem Haupte Kronions. Uber das wüste, wogende Wasser Weithin rollen die Donner, Und springen die weißen Wellenrosse, Die Boreas selber gezeugt Mit des Erichthons reizenden Stuten, Und es flattert ängstlich das Seegevögel Wie Schattenleichen am Styx, Die Charon abwies vom nächtlichen Kahn. Armes, lustiges Schiffleln, Das dort dahintanzt den schlimmsten Tanz! Aolus schickt ihm die flinksten Gesellen, Die wild aufspielen zum fröhlichen Reigen,- Der eine pfeift, der andere bläst. Der dritte streicht den dumpfen Brummbaß. Und der schwankende Seemann steht am Steuer Und schaut beständig nach der Boussole, 454 u n O k v 8 Der zitternden Seele des Schiffes, Und hebt die Hände flehend zum Himmel: „O rette mich, Kastor, reisiger Held, Und du, Kämpfer der Faust, polydeukes!" 455 L N O k O 8 3. Der Schiffbrüchige Hoffnung und Liebe! Alles zertrümmert! Und ich selber, gleich einer Leiche, Die grollend ausgeworfen das Meer, Lieg ich am Strande, Am öden, kahlen Strande. Vor mir woget die Wasserwüste, Hinter mir liegt nur Kummer und Elend, Und über mich hin ziehen die Wolken, Die formlos grauen Töchter der Luft, Die aus dem Meer, in Vebeleimern, Das Wasser schöpfen, Und es mühsam schleppen und schleppen, Und es wieder verschütten ins Meer, Ein trübes, langweiliges Geschäft, Und nutzlos, wie mein eignes Leben. Die Wogen murmeln, die Möwen schrillen. Alte Erinnerungen wehen mich an, Vergessene Träume, erloschene Bilder, Qualvoll süße, tauchen hervor. Es lebt ein Weib im Vörden, Ein schönes Weib, königlich schön. Die schlanke Zypressengestalt 456 L N O k v 8 U Umschließt ein lüstern weißes Gewand,- Die dunkle Lockenfülle, Wie eine selige Nacht Von dem flechtengekrönten Haupt sich ergießend, Ringelt sich träumerisch süß Um das süße, blasse Antlitz,- Und aus dem süßen, blassen Antlitz, Groß und gewaltig, strahlt ein Auge, Wie eine schwarze Sonne. O, du schwarze Sonne, wie oft, Entzückend oft, trank ich aus dir Die wilden Begeistrungsflammen, Und stand und taumelte, feuerberauscht — Dann schwebte ein taubenmildes Lächeln Um die hochgeschürzten, stolzen Lippen, Und die hochgeschürzten, stolzen Lippen Hauchten Worte, süß wie Mondlicht Und zart wie der Duft der Rose — Und meine Seele erhob sich Und flog, wie ein Aar, hinauf in den Himmel. Schweigt, ihr Wogen und Möwen! Vorüber ist alles, Glück und Hoffnung, Hoffnung und Liebe! Ich liege am Boden, Ein öder, schiffbrüchiger Mann, Und drücke mein glühendes Antlitz In den feuchten Sand. 457 T 14 O k O 8 4. Untergang der Sonne Die schöne Sonne Ist ruhig hinabgestiegen ins Meer,- Die wogenden Wasser sind schon gefärbt Von der dunkeln Nacht, Nur noch die Abendröte Überstreut sie mit goldnen Lichtern, Und die rauschende Flutgewalt Drängt ans Ufer die weißen Wellen, Die lustig und hastig hüpfen, Wie wollige Lämmerherden, Die abends der singende Hirtenjunge Nach Hause treibt. „Wie schön ist die Sonne!" So sprach nach langem Schweigen der Freund, Der mit mir am Strande wandelte. Und scherzend, halb und halb wehmütig, Versichert er mir: die Sonne sei Eine schöne Frau, die den alten Meergott Aus Konvenienz geheiratet,- Des Tages über wandle sie freudig Am hohen Himmel, purpurgeputzt Und diamantenblitzend, 458 L N 0 k O 8 Und allgeliebt und allbewundert Von allen Weltkreaturen, Und alle Weltkreaturen erfreuend Mit ihres Blickes Licht und Warme,- Aber des Abends, trostlos gezwungen, Kehre sie wieder zurück In das nasse Haus, in die öden Arme Des greisen Gemahls. „Glaub mirs," setzte hinzu der Freund, Und lachte und seufzte und lachte wieder - „Die führen dort unten die zärtlichste Ehe! Entweder sie schlafen, oder sie zanken sich, Daß hoch aufbraust hier oben das Meer Und der Schiffer im Wellengeräusch es hört, Wie der Alte sein Weib ausschilt: ,Runde Metze des Weltalls,- Strahlenbuhlende! Den ganzen Tag glühst du für andre, Und nachts, für mich, bist du frostig und müde!^ Vach solcher Gardinenpredigt, Versteht sich! bricht dann aus in Tränen Die stolze Sonne und klagt ihr Elend, Und klagt so jammerlang, daß der Meergott plötzlich verzweiflungsvoll aus dem Bett springt, Und schnell nach der Meeresfläche herauschwimmt, Um Lust und Besinnung zu schöpfen. 459 u 14 0 k O 8 So sah ich ihn selbst verflossene flacht Bis an die Brust dem Meer enttauchen. Er trug eine Jacke von gelbem Flanell, Und eine lilienweiße Schlafmütz, Und ein abgewelktes Gesicht." 460 L 14 0 k O 8 5. Der Gesang der Okeaniden Abendlich blasser wird es am Meer, Und einsam, mit seiner einsamen Seele, Sitzt dort ein Mann auf dem kahlen Strand, Und schaut todkalten Blickes hinauf Bach der weiten, todkalten Himmelswölbung, Und schaut auf das weite, wogende Meer - Und über das weite, wogende Meer, Lüstesegler, ziehn seine Seufzer, Und kehren zurück, trübselig, Und hatten verschlossen gefunden das Herz, Worin sie ankern wollten. Und er stöhnt so laut, das; die weißen Möwen, Aufgescheucht aus den sandigen Bestern, Ihn herdenweis umflattern, Und er spricht zu ihnen die lachenden Worte: „Schwarzbeinigte Vögel, Mit weißen Flügeln, Meer-überflatternde, Mit krummen Schnäbeln Seewasser-saufende, Und tranigtes Robbenfleischfressende, Cur Leben ist bitter wie eure Bahrung! Ich aber, der Glückliche, koste nur Süßes! Ich koste den süßen Duft der Rose, 461 IL 14 O k O 8 L Der Mondschein-gefütterten Nachtigallbraut! Ich koste noch süßeres Zuckerbackwerk, Gefüllt mit geschlagener Sahne,- Und das Allersüßeste kost ich, Süße Liebe und süßes Geliebtsein. Sie liebt mich! sie liebt mich, die holde Jungfrau! Jetzt steht sie daheim am Erker des Hauses, Und schaut in die Dämmrung hinaus auf die Landstraß, Und horcht und sehnt sich nach mir — wahrhaftig! Vergebens späht sie umher und sie seufzet, Und seufzend steigt sie hinab in den Garten, Und wandelt in Dust und Mondschein, Und spricht mit den Blumen, erzählet ihnen. Wie ich, der Geliebte, so lieblich bin Und so liebenswürdig — wahrhaftig! Nachher im Bette, im Schlafe, im Traum, Umgaukelt sie selig mein teures Bild, Sogar des Morgens, beim Frühstück, Auf dem glänzenden Butterbrote, Sieht mein lächelndes Antlitz, Und sie frißt es auf vor Liebe - wahrhaftig!" Also prahlt er und prahlt er, Und zwischendrein schrillen die Möwen, Wie kaltes, ironisches Kichern. Die Dämmerungsnebel steigen herauf,- 462 L l>l 0 k v 8 U Aus violettem Gewölks unheimlich, Schaut hervor der grasgelbe Mond! Hoch aufrauschen die Meereswogen, Und tief aus hoch aufrauschendem Meer, Wehmütig wie flüsternder Windzug, Tönt der Gesang der Okeaniden, Der schönen, mitleidigen Wasserfraun, Vor allem vernehmbar die liebliche Stimme Der silberfüszigen Peleus-Gattin, Und sie seufzen und singen: „O Tor, du Tor, du prahlender Tor! Du kummergequälter! Dahingemordet sind all deine Hoffnungen, Die tändelnden Kinder des Herzens, Und, ach! dein Herz, Nioben gleich, Versteinert vor Gram! In deinem Haupte wirds Nacht, Und es zucken hindurch die Blitze des Wahnsinns, Und du prahlst vor Schmerzen! O Tor, du Tor, du prahlender Tor! Halsstarrig bist du wie dein Ahnherr, Der hohe Titane, der himmlisches Feuer Den Göttern stahl und den Menschen gab, Und Geier-gequälet, Felsen-gefesselt, Olymp-auf trotzte und trotzte und stöhnte, 463 L N O k v 8 Daß wir es hörten im tiefen Meer, Und zu ihm kamen mit Trostgesang. O Tor, du Tor, du prahlender Tor! Du aber bist ohnmächtiger noch, Und es wäre vernünftig, du ehrtest die Götter, Und trügest geduldig die Last des Elends, Und trügest geduldig so lange, so lange, Bis Atlas selbst die Geduld verliert, Und die schwere Welt von den Schultern abwirft In die ewige Nacht." So scholl der Gesang der Okcaniden, Der schönen, mitleidigen Wasserfraun, Bis lautere Wogen ihn überrauschten — Hinter die Wolken zog sich der Mond, Es gähnte die Nacht, bind ich saß noch lange im Dunkeln und weinte. 464 u 14 0 k v 8 6. Die Götter Griechenlands Vollblühender Mond! In deinem Licht, Wie fließendes Gold, erglänzt das Meer,- Wie Tagesklarheit, doch dämmrig verzaubert, Liegts über der weiten Strandesfläche,- Und am hellblaun, sternlosen Himmel Schweben die weißen Wolken, Wie kolossale Götterbilder Von leuchtendem Marmor. Nein, nimmermehr, das sind keine Wolken! Das sind sie selber, die Götter von Hellas, Die einst so freudig die Welt beherrschten, Doch jetzt, verdrängt und verstorben, Als ungeheure Gespenster dahinziehn Am mitternächtlichen Himmel. Staunend und seltsam geblendet, betracht ich Das luftige Pantheon, Die feierlich stummen, graunhaft bewegten Riesengestalten. Der dort ist Kronion, der Himmelskönig, Schneeweiß sind die Locken des Haupts, Die berühmten, Olympos-erschütternden Locken,- Er hält in der Hand den erloschenen Blitz, 465 T N O k v 8 T In seinem Antlitz liegt Unglück und Gram, Und doch noch immer der alte Stolz, Das waren bessere Zeiten, o Zeus, Als du dich himmlisch ergötztest An Knaben und Nymphen und Hekatomben! Doch auch die Götter regieren nicht ewig, Die jungen verdrängen die alten, Wie du einst selber den greisen Vater Und deine Titanen-Ohme verdrängt hast, Jupiter parrizida! Auch dich erkenn ich, stolze Juno! Trotz all deiner eifersüchtigen Angst, Hat doch eine andre das Zepter gewonnen, Und du bist nicht mehr die Himmelskönigin, Und dein großes Aug ist erstarrt, Und deine Lilienarme sind kraftlos, Und nimmermehr trifft deine Rache Die gottbefruchtete Zungfrau Und den wundertätigen Gottessohn. Auch dich erkenn ich, Pallas Athene! Mit Schild und Weisheit konntest du nicht Abwehren das Götterverderben? Auch dich erkenn ich, auch dich, Aphrodite, Einst die goldene! jetzt die silberne! Zwar schmückt dich noch immer des Gürtels Liebreiz, Doch graut mir heimlich vor deiner Schönheit, 466 u N 0 k V 8 Und wollt mich beglücken dein gütiger Leib, Wie andere Helden, ich stürbe vor Angst — Als Leichengöttin erscheinst du mir, Venus Libitina! Vicht mehr mit Liebe blickt nach dir Dort der schreckliche Ares. Es schaut so traurig phöbus Apollo, Der Jüngling. Es schweigt seine Leftr, Die so freudig erklungen beim Göttermahl. Noch trauriger schaut Hephaistos. Und wahrlich! der Hinkende, nimmermehr Fällt er Heben ins Amt, Und schenkt geschäftig in der Versammlung Den lieblichen Nektar. — Und längst ist erloschen Das unauslöschliche Göttergelächter. Ich Hab euch niemals geliebt, ihr Götter! Denn widerwärtig sind mir die Griechen, Und gar die Römer sind mir verhaßt. Doch heiliges Erbarmen und schauriges Mitleid Durchströmt mein Herz, Wenn ich euch jetzt da droben schaue, Verlassene Götter, Tote, nachtwandelnde Schatten, Vebelschwache, die der Wind verscheucht — Und wenn ich bedenke, wie feig und windig 467 u N O k v 8 Die Götter sind, die euch besiegten, Die neuen, herrschenden, tristen Götter, Die schadenfrohen im Schafspelz der Demut - O, da faßt mich ein düsterer Groll, Und brechen möcht ich die neuen Tempel, Und kämpfen für euch, ihr alten Götter, Für euch und eur gutes ambrosisches Recht, Und vor euren hohen Altären, Den wiedergebauten, den opferdampfenden, Möcht ich selber knien und beten, Und flehend die Arme erheben — Denn immerhin, ihr alten Götter, Habt ihrs auch ehmals in Kämpfen der Menschen Stets mit der Partei der Sieger gehalten, So ist doch der Mensch großmütger als ihr, Und in Götterkämpfen halt ich es jetzt Mit der Partei der besiegten Götter. Also sprach ich, und sichtbar erröteten Droben die blassen Wolkengestalten, Und schauten mich an wie Sterbende, Schmerzenverklärt, und schwanden plötzlich,- Der Mond verbarg sich eben Hinter Gewölk, das dunkler heranzog,- Hoch aufrauschte das Meer, Und siegreich traten hervor am Himmel Die ewigen Sterne. 468 IL N 0 k v 8 7. Fragen Am Meer, am wüsten, nächtlichen Meer Steht ein Jüngling-Mann, Die Brust voll Wehmut, das Haupt voll Zweifel, Und mit düstern Lippen fragt er die Wogen: „O, löst mir das Rätsel des Lebens, Das qualvoll uralte Rätsel, Worüber schon manche Häupter gegrübelt, Häupter in Hieroglyphenmützen, Häupter im Turban und schwarzen Barett, Herückenhäupter und tausend andre Arme, schwitzende Menschenhäupter — Sagt mir, was bedeutet der Mensch? Woher ist er kommen? Wo geht er hin? Wer wohnt dort oben auf goldenen Sternen?" Es murmeln die Wogen ihr ewges Gemurmel, Es wehet der Wind, es fliehen die Wolken, Es blinken die Sterne gleichgültig und kalt, Und ein Barr wartet auf Antwort. 469 IL N O k v 8 8. Der Phönix Es kommt ein Vogel geflogen aus Westen, Er fliegt gen Osten, Nach der östlichen Gartenheimat, Wo Spezereien dusten und wachsen, Und Palmen rauschen und Brunnen kühlen - Und fliegend singt der Wundervogel: „Sie liebt ihn! sie liebt ihn! Sie trägt sein Bildnis im kleinen Herzen, Und trägt es süß und heimlich verborgen, Und weiß es selbst nicht! Aber im Traume steht er vor ihr, Sie bittet und weint und küßt seine Hände, Und ruft seinen Namen, Und rufend erwacht sie und liegt erschrocken, Und reibt sich verwundert die schönen Augen — Sie liebt ihn, sie liebt ihn!" 5 An den Mastbaum gelehnt, auf dem hohen Verdeck, Stand ich und hört ich des Vogels Gesang. Wie schwarzgrüne Rosse mit silbernen Mähnen, Sprangen die weißgckräuselten Wellen,- 470 IL N O k v 8 L L Wie Schwanenzüge schifften vorüber Mit schimmernden Segeln die Helgolander, Die kecken Nomaden der Nordsee! Uber mir in dem ewigen Blau, Flatterte weißes Gewölk Und prangte die ewige Sonne, Die Rose des Himmels, die feuerblühende, Die freudvoll im Meer sich bespiegelte,- Und Himmel und Meer und mein eigenes Herz Ertönen im Nachhall: „Sie liebt ihn! sie liebt ihn!" 471 k v 8 u 9. Seekrankheit Die grauen Nachmittagswolken Senken sich tiefer hinab auf das Meer, Das ihnen dunkel entgegensteigt, Und zwischendurch jagt das Schiff. Seekrank sitz ich noch immer am Mastbaum, Und mache Betrachtungen über mich selber, Uralte, aschgraue Betrachtungen, Die schon der Vater Loch gemacht, Als er des Guten zuviel genossen, Und sich nachher so übel befand. Mitunter denk ich auch alter Geschichten,- Wie kreuzbezeichnete Pilger der Vorzeit Auf stürmischer Meerfahrt das trostreiche Bildnis Der heiligen Jungfrau gläubig küßten,- Wie kranke Ritter in solcher Seenot, Den lieben Handschuh ihrer Dame An die Lippen preßten gleich getröstet - Ich aber sitze und kaue verdrießlich Einen alten Hering, den salzigen Tröster In Katzenjammer und Hundetrübsal! Unterdessen kämpft das Schiff Mit der wilden wogenden Flut,- 472 IL 14 O k v 8 L Wie 'n bäumendes Schlachtroß stellt es sich jetzt Auf das Hinterteil, daß das Steuer kracht, Jetzt stürzt es kopfüber wieder hinab In den heulenden Wasferschlund, Dann wieder, wie sorglos liebematt, Denkt es sich hinzulegen An den schwarzen Busen der Riesenwelle, Die machtig heranbraust, Und plötzlich, ein wüster Meerwasserfall, In weißem Gekräusel zusammenstürzt Und mich selbst mit Schaum bedeckt. Dieses Schwanken und Schweben und Schaukeln Ist unerträglich! Vergebens späht mein Auge und sucht Die deutsche Küste. Doch ach! nur Wasser, Und abermals Wasser, bewegtes Wasser! Wie der Winterwandrer des Abends sich sehnt Bach einer warmen, innigen Tasse Tee, So sehnt sich jetzt mein Herz nach dir, Mein deutsches Vaterland! Mag immerhin dein süßer Boden bedeckt sein Mit Wahnsinn, Husaren, schlechten Versen Und laulig dünnen Traktätchen,- Mögen immerhin deine Zebras Mit Rosen sich mästen, statt mit Disteln,- 473 L N O k O 8 Mögen immerhin deine noblen Affen In müßigem putz sich vornehm spreizen, Und sich besser dünken, als all das andre Banausisch schwerhinwandelnde Hornvieh,- Mag immerhin deine Schneckenversammlung Sich für unsterblich halten, Weil sie so langsam dahinkriecht, Und mag sie täglich Stimmen sammeln. Ob den Maden des Käses der Käse gehört? Und noch lange Zeit in Beratung ziehn, Wie man die ägyptischen Schafe veredle, Damit ihre Wolle sich bessre Und der Hirt sie scheren könne wie andre, Ohn' Unterschied - Immerhin, mag Torheit und Unrecht Dich ganz bedecken, o Deutschland! Ich sehne mich dennoch nach dir: Denn wenigstens bist du doch festes Land. 474 I L 14 O k v 8 L 10. Im Hafen Glücklich der Mann, der den Hafen erreicht hat, Und hinter sich lies; das Meer und die Stürme, Und jeho warm und ruhig sitzt Im guten Ratskeller zu Bremen. Wie doch die Welt so traulich und lieblich Im Römerglas sich widerspiegelt, Und wie der wogende Mikrokosmus Sonnig hinabfließt ins durstige Herz! Alles erblick ich im Glas, Alte und neue Völkergeschichte, Türken und Griechen, Hegel und Gans, Zitronenwälder und Wachtparaden, Berlin und Schilda und Tunis und Hamburg, Vor allem aber das Bild der Geliebten, Das Engelköpfchen auf Rheinweingoldgrund. O, wie schön! wie schön bist du, Geliebte! Du bist wie eine Rose! Vicht wie die Rose von Schiras, Die Hafisbesungene Vachtigallbraut! Vicht wie die Rose von Saron, Die heiligrote, prophetengefeierte: Du bist wie die Ros' im Ratskeller zu Bremen! 475 IL 14 () k O 8 Das ist die Rose der Rosen, Je alter sie wird, je lieblicher blüht sie, Und ihr himmlischer Dust, er hat mich beseligt, Er hat mich begeistert, er hat mich berauscht, Und hielt mich nicht fest, am Schöpfe fest, Der Ratskellermeister von Bremen, Ich wäre gepurzelt! Der brave Mann! wir saßen beisammen Und tranken wie Brüder, Wir sprachen von hohen heimlichen Dingen, Wir seufzten und sanken uns in die Arme, Und er hat mich bekehrt zum Glauben der Liebe, - Ich trank auf das Wohl meiner bittersten Feinde, Und allen schlechten Poeten vergab ich, Wie einst mir selber vergeben soll werden, Ich weinte vor Andacht, und endlich Erschlossen sich mir die Pforten des Heils, Wo die zwölf Apostel, die Heilgen Stückfässer, Schweigend predgen, und doch so verständlich Für alle Völker. Das sind Männer! Unscheinbar von außen, in hölzernen Röcklein, Sind sie von innen schöner und leuchtender Denn all die stolzen Leviten des Tempels Und des Herodes Trabanten und Höflinge, 476 IL 14 O k v 8 Die goldgeschmückten, die purpurgekleideten — Hab ich doch immer gesagt, Nicht unter ganz gemeinen Leuten, Nein, in der allerbesten Gesellschaft Lebte beständig der König des Himmels! Halleluja! Wie lieblich umwehn mich Die Palmen von Beth-El! Wie duften die Myrrhen von Hebron! Wie rauscht der Jordan und taumelt vor Freude! Auch meine unsterbliche Seele taumelt, Und ich taumle mit ihr, und taumelnd Bringt mich die Treppe hinauf, ans Tageslicht, Der brave Natskellermeister von Bremen. Du braver Ratskellermeifter von Bremen! Siehst du, auf den Dächern der Häuser sitzen Die Engel und sind betrunken und singen,- Die glühende Sonne dort oben Ist nur eine rote, betrunkene Nase, Die Nase des Weltgeists,- Und um die rote Weltgeistnase Dreht sich die ganze betrunkene Welt. 477 I u n 0 k O 8 Epilog Wie auf dem Felde die Weizenhalmen, So wachsen und wogen im Menschengeist Die Gedanken. Aber die zarten Gedanken der Liebe Sind wie lustig dazwischenblühende Rot und blaue Blumen. Rot und blaue Blumen! Der mürrische Schnitter verwirft euch als nutzlos, Hölzerne Flegel zerdreschen euch höhnend, Sogar der hablose Wandrer, Den eur Anblick ergötzt und erquickt, Schüttelt das Haupt, Und nennt euch schönes Unkraut. Aber die ländliche Jungfrau, Die Kränzewinderln, Verehrt euch und pflückt euch, Und schmückt mit euch die schönen Locken, Und also geziert eilt sie zum Tanzplatz, Wo Geigen und pfeifen lustig ertönen, Oder zur stillen Buche, Wo die Stimme des Liebsten noch lieblicher tönt, Als pfeifen und Geigen. 478 n n ^ n An Fritz von Beughein (15. Juli 1820) Mein Fritz lebt nun im Vaterland der Schinken, Im Zauberland, wo Schweinebohnen blühen, Im dunkeln Ofen Pumpernickel glühen, Wo Dichtergeist erlahmt, und Verse hinken. Mein Fritz, gewohnt, aus heilgem Ouell zu trinken, Soll nun zum Trünke gehn mit fetten Kühen, Soll gar der Themis Aktenwagen ziehen, — Ich fürchte fast, er muß im Schlamm versinken. Mein Fritz, gewohnt, auf buntbeblümten Auen Sein Flügelroß mit leichter Hand zu leiten, Und sich zu schwingen hoch, wo Adler horsten, Mein Fritz wird nun, will er sein Herz erbauen, Auf einem dürren Prosagaul durchreiten Den Knüppelweg von Münster bis nach Dorsten. 48l n n TL n O In Fritz von Beughems Stammbuch Mit einer Ansicht des Klosters Nonnwerth (7. März 1820) Oben auf dem Rolandseck Saß einmal ein Liebesgeck, Seufzt sich fast das Herz heraus, Guckt sich fast die Augen aus Nach dem hübschen Klösterlein, Das da liegt im stillen Rhein. 5 Fritz von Beughem! denk auch fern Jener Stunden, als wir gern Oben hoch von Daniels Kniff Schauten nach dem Felsenriff, Wo der kranke Ritter saß, Dessen Herze nie genas. 482 n tt ^ n Kein Stammbuch Kein Stammbuch?! — Da Hab ich nachgedacht, Doch kaum wird es Denkens bedürfen,- Es gleichet gar bald dem verschütteten Schacht, Weils trostlos war, weiter zu schürfen. Betrug und Freundschaft sind ja zumeist Im Erdenwerb ihre Geschwister, Und was man jung ein Stammbuch helszt, Wird endlich Totenregifter. Nur mit dem Ärgernis macht ein Komplott, Wer viel von Freundschaft will buchen,- Denn findet man immer sie wieder bankrott, So lernt man sein Leben verfluchen. 4L3 n 14 14 Einem Abtrünnigen O des Hellgen Jugendamtes! O wie schnell bist du gebändigt! Und du hast dich, kühlern Blutes, Mit den lieben Herrn verständigt. Und du bist zu Kreuz gekrochen, Zu dem Kreuz, das du verachtest, Das du noch vor wenig Wochen In den Staub zu treten dachtest! O das tut das viele Lesen Jener Schlegel, Haller, Burke — Gestern noch ein Held gewesen, Ist man heute schon ein Schurke. 484 n 14 Kalte Herzen Als ich dich zum ersten Male In der Welt von Pappe sah, Spieltest du in Gold und Seide Shylocks Tochter: Jessica. Klar und kalt war deine Stimme, Kalt und klar war deine Stirne Und du glichst, o Donna Klara, Einer schönen Gletscherfkrne. Und der Iud verlor die Tochter, Und der Christ nahm dich zum Weibe, Armer Shylock, ärmrer Lorenz! Und mir fror das Herz im Leibe. Als ich dich zum andren Male In vertrauter Nähe sah, War ich dir der Don Lorenzo Und du warft mir Jessica. Und du schienst berauscht von Liebe, Und ich war berauscht von Weine, Küßte trunken deine Augen, Diese kalten Edelsteine. 485 u ^ plötzlich ward mir ehstandslüstern Hatte ich den Kopf verloren? Oder war in deiner Nahe Der Verstand mir nur erfroren? Nach Sibirien, nach Sibirien! Führte mich die Hochzeitsreise, Einer Steppe glich das Ehbett, Kalt und starr und grau von Eise. In der Steppe lag ich einsam Und mir froren alle Glieder, Leise wimmern hört ich meine Halberstarrten Liebeslieder. Und ich darf ein schneeig Kissen An das heiße Herz mir drücken. Amor klappern alle Zahne, Jessica kehrt mir den Rücken. O Ach und diese armen Kinder, Meine Lieder, meine Witze, Werden sämtlich nun geboren Mit erfrorner Nasenspitze! Meine Muse hat den Schnupfen - Musen sind sensible Tiere — 486 Und sie sagt mir: Lieber Heinrich, Laß mich ziehn, eh ich erfriere. O, ihr kalten Liebestempel, Matt erwärmt von Pfennigskerzen, Warum zeigt mein Liebeskompaß Nach dem Nordpol solcher Herzen? 487 u n Lotosblume (An die Mouche) Wahrhaftig, wir beide bilden Ein kurioses paar, Die Liebste ist schwach auf den Beinen, Der Liebhaber lahm sogar. Sie ist ein leidendes Kätzchen, Und er ist krank wie ein Hund, Ich glaube, im Kopfe sind beide Nicht sonderlich gesund. Sie sei eine Lotosblume, Bildet die Liebste sich ein,- Doch er, der blasse Geselle, Vermeint der Mond zu sein. Die Lotosblume erschließet Ihr Kelchlein im Mondenlicht, Doch statt des befruchtenden Lebens Empfängt sie nur ein Gedicht. 488 n n Bei Gelegenheit eines Besuches in Batignolles (2. Januar t845) Hände küssen, Hüte rücken, Kniee beugen, Häupter bücken, Kind, das ist nur Gaukelei, Denn das Herz denkt nichts dabei! 489 ^ 14 ^ O Zwei Sprüche 1. Fliegt dir das Glück einmal, So faß es am Zipfel. Auch rat ich dir: Bau dem Hüttchen im Tal, Und nicht auf dem Gipfel. 490 Buch der Lieder Vorrede zur zweiten Auflage 5 Vorrede zur dritten Auflage 9 j u n (I T (1817-1821) Traumbilder Mir träumte einst von wildem Liebesglühn 15 Ein Traum, gar seltsam schauerlich 16 Im nächtgen Traum Hab ich mich selbst geschaut 20 Im Traum sah ich ein Männchen, klein und putzig 21 Was treibt und tobt mein tolles Blut? 22 Im süßen Traum, bei stiller Nacht 24 Nun hast du das Kaufgeld, nun zögerst du doch? 27 Ich kam von meiner Herrin Haus 31 Der Traumgott bracht mich in ein Ricsenschloß 39 Nacht lag auf meinen Augen 40 Ich lag und schlief, und schlief recht mild 42 Da Hab ich viel blasse Leichen 44 Deutschland. Ein Traum 46 Lieder Die du bist so schön und rein 51 Einsam klag ich meine Leiden 52 Jedweder Geselle, sein Mädel am Arm 54 495 II4I4^6'I'8VLK2LIS«I4I8 Wenn ich bei meiner Liebsten bin 55 Morgens steh ich auf und frage 56 Es treibt mich hin, es treibt mich her! .. 57 Ich wandelte unter den Baumen 58 Lieb Liebchen, legs Händchen aufs Herze mein .. 59 Ich wollte, meine Lieder.. 69 In Vaters Garten heimlich steht 61 Schöne Wiege meiner Leiden 62 Warte, warte, wilder Schiffsmann 63 Berg und Burgen schaun herunter 64 Anfangs wollt ich fast verzagen 65 Oben, wo die Sterne glühen 66 Mit Rosen, Zypressen und Flittergold .. .. 67 Wenn junge Herzen brechen 68 Jegliche Gestalt bekleidend 69 Die Wälder und Felder grünen 79 Ich dacht an sie den ganzen Tag 71 Ich will mich im grünen Wald ergehn 72 Wir wollen jetzt Frieden machen 73 Es faßt mich wieder der alte Mut .. .. 74 Tag und Nacht Hab ich gedichtet 75 Daß ich dich liebe, o Möpschcn 76 Gewiß, gewiß der Rat war gut.. .. .. .. 77 Lieben und Hassen, Hassen und Lieben 78 Zum Polterabend. 1—4 79 Romanzen Die Weihe 83 Der Traurige 86 496 Bergstlmme 87 Zwei Brüder 88 Der arme Peter. I —III 90 Lied des Gefangenen .. .. .. 93 Die Grenadiere .. .. 94 Die Botschaft 96 Die Hekmführung 97 Don Ramiro .. .. 98 Bclsazer 195 Die Minnesänger 197 Ständchen eines Mauren 198 Die Fensterschau 119 Der wunde Ritter III Wasserfahrt 113 Das Liedchen von der Reue 114 An eine Sängerin 117 Die Lehre 119 Das Lied von den Dukaten .. .. 129 Gespräch auf der paderborner Heide 121 Traum und Leben 123 Lebensgrusz 125 Wahrhastig ' 126 Erinnerung 127 Berlin .. 139 Sonette Sonettenkranz an A.W. von Schlegel. 1 — 3 132 An den Hofrat Georg S(artorius) in Göttingen 135 An F.B.R(ousseau) 136 »2 497 An I.B.Rousseau. (Ins Stammbuch) 137 An Franz von Z 138 An meine Mutter B. Heine. 1,2 140 An H. Str 142 Das projektierte Denkmal Goethes 143 Bamberg und Würzburg 144 „Das Bild." Trauerspiel von Frhr. E. von Hourvald 145 „Aucassin und Nicolette" oder „Die Liebe aus der guten alten Zeit" 146 Die Nacht auf dem Drachenfels 147 An Fritz St (einmann). Ins Stammbuch 148 Fresko-Sonette an Christian S(ethe) 149 Ich tanz nicht mit, ich rauchre nicht den Klötzen 149 Gib her die Larv, ich will mich jetzt maskieren 150 Ich lache, ob den abgeschmackten Lassen 151 Im Hirn spukt mir ein Märchen wunderfein 152 In stiller, wehmutweicher Abendstunde 153 Als ich vor einem Jahr dich wiederblkckte 154 Hut dich, mein Freund, vor grimmen Teufelsfratzcn 155 Wie nahm die Armut bald bei mir ein Ende 156 Die Welt war mir nur eine Marterkammer 157 Du sahst mich oft im Kampf mit jenen Schlingeln 158 Ich möchte weinen, doch ich kann es nicht 159 An Sie 160 (1820) Vorbemerkung 163 Manfred. Erster Aufzug .. 163 498 Lebewohl 177 An Inez 181 Gut' Nacht 183 (18 22-1823) Prolog 189 Im wunderschönen Monat Mai 191 Aus meinen Tränen sprießen 192 Die Rose, die Lilie, die Taube, die Sonne 193 Wenn ich in deine Augen seh 194 Dein Angesicht, so lieb und schön 195 Lehn deine Wang an meine Wang 196 Ich will meine Seele tauchen .. 197 Es stehen unbeweglich 198 Auf Flügeln des Gesanges 199 Die Lotosblume ängstigt 266 Im Rhein, im schönen Strome 261 Du liebst mich nicht, du liebst mich nicht 262 Du sollst mich liebend umschließen 263 O schwöre nicht und küsse nur 264 Auf meiner Herzliebsten Augelein 265 Die Welt ist dumm, die Welt ist blind .. .. 266 Liebste, sollst mir heute sagen 267 Wie die Wellenschaumgeborenc 268 Ich grolle nicht, und wenn das Herz auch bricht 269 Ja, du bist elend, und ich grolle nicht 216 Das ist ein Flöten und ein Geigen 211 - » 2- 499 So hast du ganz und gar vergessen 212 Und wüßtens die Blumen, die kleinen 213 Warum sind denn die Rosen so blast 214 Sie haben dir viel erzählet 215 Die Linde blühte, die Nachtigall sang 216 Wir haben viel füreinander gefühlt 217 Ich glaub nicht an den Himmel 218 Du bliebest mir treu am längsten 219 Die Erde war so lange geizig 226 Und als ich so lange, so lange gesäumt 221 Die blauen Veilchen der Augelein 222 Die Welt ist so schon und der Himmel so blau 223 Mein süstes Lieb, wenn du im Grab 224 Ein Fichtenbaum steht einsam 225 Schöne, helle, goldne Sterne 226 Ach, wenn ich nur der Schemel wär 227 Seit die Liebste war entfernt 228 Aus meinen großen Schmerzen 229 Ich kann es nicht vergessen 236 Philister in Sonntagsröcklein 231 Manch Bild vergessener Zeiten 232 Ein Jüngling liebt ein Mädchen 233 Freundschaft, Liebe, Stein der Weisen 234 Hör ich das Liedchen klingen .. .. 235 Es schauen die Blumen alle 236 Mir träumte von einem Königskind 237 Mein Liebchen, wir saßen beisammen 238 Aus alten Märchen winkt es 239 Ich Hab dich geliebct und liebe dich noch! 246 500 Am leuchtenden Sommennorgen 241 Es leuchtet meine Liebe 242 Sie haben mich gequälet 243 Es liegt der heiße Sommer 244 Wenn zwei voneinander scheiden 245 Sie saßen und tranken am Teetisch 246 Vergiftet sind meine Lieder 247 Mir träumte wieder der alte Traum 248 Ich steh auf des Berges Spitze 249 Mein Wagen rollet langsam 259 Ich Hab im Traum geweinet 251 Allnächtlich im Traume seh ich dich 252 Das ist ein Brausen und Heulen 253 Der Herbstwind rüttelt die Bäume 254 Es fällt ein Stern herunter .. .. 255 Die Mitternacht war kalt und stumm 256 Am Kreuzweg wird begraben 257 Wo ich bin, mich rings umdunkelt 258 Die alten bösen Lieder 259 DIL (1823-1824) In mein gar zu dunkles Leben .. 263 Ich weiß nicht, was soll es bedeuten 264 Mein Herz, mein Herz ist traurig 265 Im Walde wandl ich und weine 266 Die Nacht ist feucht und stürmisch 267 Als ich auf der Reise zufällig 268 501 Wir saßen am Fischerhause 276 Du schönes Fischermädchen 272 Der Mond ist aufgegangen 273 Auf den Wolken ruht der Mond 274 Eingehüllt in graue Wolken 275 Der Wind zieht seine Hosen an .. 276 Der Sturm spielt auf zum Tanze 277 Der Abend kommt gezogen 278 Wenn ich an deinem Hause 286 Das Meer erglänzte weit hinaus 281 Da droben auf jenem Berge 282 Du Lilie meiner Liebe .. 283 Am fernen Horizonte 284 Sei mir gegrüßt, du große.. 285 So wandl ich wieder den alten Weg 286 Ich trat in jene Hallen.. 287 Still ist die Nacht, es ruhen die Gassen 288 Wie kannst du ruhig schlafen 289 Die Jungfrau schläft in der Kammer .. 296 Ich stand in dunkeln Träumen 291 Ich unglückselger Atlas! 292 Die Jahre kommen und gehen 293 Mir träumte: traurig schaute der Mond 294 Was will die einsame Träne? 295 Der bleiche, herbstliche Halbmond 296 Das ist ein schlechtes Wetter 298 Man glaubt, daß ich mich gräme 299 Deine weißen Lilienfinger 366 Hat sie sich denn nie geäußert 36l 502 Sie liebten sich beide, doch keiner 302 Und als ich euch meine Schmerzen geklagt 303 Ich rief den Teufel und er kam 304 Mensch, verspotte nicht den Teufel 305 Die Heilgen drei Kön'ge aus Morgenland 306 Mein Kind, wir waren Kinder 307 Das Herz ist mir bedrückt und sehnlich 309 Wie der Mond sich leuchtend dränget 3lO Im Traum sah ich die Geliebte 311 Teurer Freund! Was soll es nützen 3l2 Werdet nur nicht ungeduldig 313 Nun ist es Zeit, daß ich mit Verstand 314 Den Konig Wiswamitra 315 Herz, mein Herz, sei nicht beklommen 316 Du bist wie eine Blume 317 Kind! Es wäre dein Verderben 318 Wenn ich auf dem Lager liege 319 Mädchen mit dem roten Mündchen 320 Mag da draußen Schnee sich türmen 321 Andre beten zur Madonnc 322 Verriet mein blasses Angesicht 323 Teurer Freund, du bist verliebt 324 Ich wollte bei dir weilen 325 Saphire sind die Augen dein 326 Habe mich mit Lkebesreden 327 Zu fragmentarisch ist Welt und Leben 328 Ich Hab mir lang den Kopf zerbrochen 329 Sie haben heut abend Gesellschaft 330 Ich wollt, meine Schmerzen ergössen 331 503 ! Du hast Diamanten und perlen 332 Wer zum ersten Male liebt 333 Zu der Lauheit und der Flauheit 334 O, mein gnädiges Fräulein, erlaubt 335 Gaben mir Rat und gute Lehren 336 Diesen liebenswürdgen Jüngling 337 Mir träumt: ich bin der liebe Gott 338 Ich Hab euch im besten Juli verlassen 341 Von schönen Lippen fortgedrängt, getrieben 342 Wir fuhren allein im dunkeln 343 Das weiß Gott, wo sich die tolle 344 Wie dunkle Träume stehen 345 Hast du die Lippen mir wund geküßt 346 Und bist du erst mein ehlich Weib 347 Als sie mich umschlang mit zärtlichem pressen 348 In den Küssen, welche Lüge! 349 An deine schneeweiße Schulter 356 Es blasen die blauen Husaren 351 Habe auch in jungen Fahren 352 Bist du wirklich mir so feindlich 353 Ach die Augen sind es wieder 354 Himmlisch wars, wenn ich bezwang 355 Blamier mich nicht, mein schönes Kind 356 Ja, Freund, hier unter den Linden 357 Selten habt ihr mich verstanden 358 Doch die Kastraten klagten 359 Auf den Wällen Salamankas 366 Neben mir wohnt Don Henriquez 361 Kaum sahen wir uns, und an Augen und Stimme 362 504 Uber die Berge steigt schon die Sonne 363 Zu Halle auf dem Markt 364 Schöne, wirtschaftliche Dame 365 Dämmernd liegt der Sommerabcnd 366 Nacht liegt auf den fremden Wegen 367 Der Tod, das ist die kühle Nacht 368 Sag, wo ist dein schönes Liebchen 369 An die Tochter der Geliebten 376 Götterdämmerung 372 Ratcliff ' 376 Donna Klara 381 An Edom 385 Mit einem Exemplar des „Rabbi von Bacharach" 386 Almansor. 1—3 387 Die Wallfahrt nach Kevlaar. 1 — 3 393 ^ u 8 DTK (1824) Prolog 46! Auf dem Hardenberg? 462 Berg-Idylle. 1—3 464 Der Hirtenknabe 414 Auf dem Brocken 416 Die Ilse 417 505 INN^U'I'8VIZK2^I<2I-lNI 8 DIL N 0 k v 8 T T (1825-1826) E r st e r Zyklus Krönung 421 Abenddämmerung 423 Sonnenuntergang 424 Die Nacht am Strande 427 Poseidon 430 Erklärung 433 Nachts in der Kajüte 435 Sturm 439 Meeresstille 441 Seegespenst 443 Reinigung 447 Frieden ^ 448 Zweiter Zyklus Meergrus; 451 Gewitter .. .. 454 Der Schiffbrüchige ' 456 Untergang der Sonne .. .. 458 Der Gesang der Okeaniden 461 Die Götter Griechenlands 465 Fragen 469 Der Phönix 470 Seekrankheit 472 Im Hafen 475 Epilog .. .. 478 Z06 n ^ n Q An Frih von Bcughem 481 In Frih von Beughems Stammbuch 482 Kein Stammbuch 483 Einem Abtrünnigen 484 Kalte Herzen 485 Lotosblume 488 Bei Gelegenheit eines Besuches in Batignolles 489 Zwei Sprüche 499 507 Dieses Buch wurde im Allstrage des O. C> Recht Verlages / München / von Unkversitats-Buchdruckerei Dr. C. Wolf ^ Sohn / München / in einer einmaligen Auflage von 1Ol)l) numerierten Exemplaren hergestellt. Die 15 Gelatineradkerungen von Josef Ebcrz / München wurden mit der Hand koloriert. Die Rummern 1-50 wurden mit der Hand in Ganzleder gebunden. Sämtliche Gclatineradierungen sind vom Künstler voll signiert. Dieses ^ Exemplar trägt die Rummer ^ ^