Wenn man die Geschichte aufmerksam verfolgt, so wird manimmer deutlicher einsehen, daß in dem Maaße, worin die Mensch-heit sich gegen die herrschende Kirche und ihre zahllosen Miß-bräuche und Gebrechen auflehnte, die Erbitterung und der Grimmder Hierarchie wuchs, deren theuerste und köstlichste Erdengüterdadurch gefährdet wurden, und wie ihr Haß gegen die Ketzerendlich in wahnsinnigen Fanatismus umschlug, der namentlichdie Jesuiten ergriff. Daher die Schande, daß Rom die Gräuelvon St. Bartholomäi als einen Triumph feierte; daher, daß manketzerische Könige mit den abscheulichsten Schimpfnamen belegte,ihnen alles Recht auf ihre Herrschaft absprach, sie absetzte undsogar sie zu ermorden erlaubte, wie man aus Bellarmin, vor-züglich aber aus Rainold sehen kann. Keine heidnische Religionhat abscheulichere Grundsätze ausgestellt, als diese christlichenPriester es gethan haben; keine hat im Namen Gottes und derReligion größere Gräuel verübt, veranlaßt oder gebilligt. Undan allen soll Gott sein höchstes Wohlgefallen gehabt; sie sollenverübt sein sä majorenn vei gloriam, zur Erhöhung der Religion und Kirche. Wahrlich, es gibt keine größere Gotteslästc.rung, als diese.
Wenn sich nun die Hierarchie und namentlich die Jesuitendamit vertheidigen, daß sie sagen, ihnen sei es bloß um die Er-haltung des alleinseligmachenden Glaubens, um die Erhöhungder heiligen Kirche zu thun gewesen, so crwiedern wir: Leoleaianon sitit sanKuinem, und der Glauben muß kein Tyrann unoTiger werden. Kein Mensch, und gebe er auch vor, StatthalterGottes auf Erden zu sein, hat das Recht, der ganzen Mensch-heit einen offciellcn Glauben aufzudrängen, einen Glauben,durch welchen der Egoismus der Hierarchie allenthalben durch-zuckte, wie der Stolz durch den durchlöcherten Mantel des Cy-nikers. Allein der schlagendste Beweis gegen die Unzulänglich-keit jener Vcrtheidigung liegt gerade darin, daß die Hierarchiegerade in der Zeit ansing, Ketzereien blutig zu verfolgen, ketzernsche Könige zu ächten, als sie selbst den Glauben des Christen:thumes durch die That vcrläugnete und dem gtößien sittlichenVerderben anheim gefallen war, nämlich sei! dcni dreizehntenJahrhunderte. Wie konnten jene Priester, gegen deren Entartungdie edelsten und besten Menschen und ganze Völker sich erhoben,