der Tod aller Tugenden, aller Bildung. Es hat wenige Revolutio-nen gegeben, die nicht mit Acten der Bolkssouverainität begonnen,mit Pöbelherrschaft fortgefahren und mit Diktaturen und Gewalt-herrschaft kühner Demagogen geendigt haben. Und wer ist dasOpfer geworden? Die Könige und die Völker. Denn bei Re-volutionen — und es ist immer der Fall — sind diejenigen diekühnsten, lautesten und thätigsten, welche das Wenigste zu ver-lieren und auf Kosten Anderer das Meiste zu gewinnen haben;und die sind der Pöbel und seine Führer. Der Kern des Vol-kes, die Industriellen, die Rentner, die Kaufleute, die Grundbesitzer,die Staatsbeamten, die Gebildeten, kurz, was geistig oder leib-lich wohlhabend ist, sind nie die Wülhenden, die Alles nieder-stürzen, weil sie Nichts gewinnen, wohl aber Alles verlieren kön-nen. Darum sind sie zurückhaltend, wollen weise und besonnenhandeln und werden daher leicht überflügelt und zum Schwei-gen gebracht. Gewöhnlich werden sie von den Demagogen alsEgoisten, als Feinde der Freiheit und Verräthcr des Volks ge-schildert und sind fast immer die Opfer des sogenannten souve-rainen Volkswillens geworden. Der Pöbel wirft sich auf zumTyrannen des Volkes, und wahrlich, eine einzige Volksherr-schast schlägt dem Lande tiefere Wunden, als die Tyrannei allerKönige. Denn solche Volksherrschaft vernichtet das Gute ineinem Schlage, in Masse, zerstört spurlos, und seine Schöpfun-gen sind Aberwitz.
Welche der Bolkssouverainität das Wort reden und dieKönige unter den despotischen Willen des Volkes stellen, sindungerecht ohne Gränzen, indem sie den Königen alles Rechtrauben, alle Rechte auf das Volk häufen und erstcre wehrlosder Willkür des letzteren preisgcben. Denn was vermag derEinzelne gegen die Masse? welche Garantier» hat er für seineSicherheit, da ja die Interpretation seiner Handlungen der Mengezusteht, und diese im Guten das Schlechteste, im Edeln das Ge-meinste, im Verkehrten das ärgste Verbrechen finden und dieFaust zum Strafen erheben kann. Daher ist schon die Ideeder Volkssouverainität ein Nationalunglück, weil sie den Unver-stand und die Böswilligkeit stets ermächtigt, zerstörend in dasGetriebe des Staates einzugreifen und jede Ordnung zu zer-stören.
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