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der König fertig werde, so beruft sich der Jesuit auf die Ge-schichte; aber die Könige können sich auch auf die Geschichteberufen und fragen: Wer hat Konstantin, Theodosius und dessenNachfolger, die christlichen Kaiser, gesalbt? Konnte er denn nichteinsehen, daß der König nickt König wird, weil er gesalbt wird,sondern daß er gesalbt wird, weil er König wird? Hat derJesuit je in der Bibel gelesen, daß Christus zu seinen Jüngernsagte: Gehet in die Welt und salbet die Könige, und denenihr die Salbung verweigert, und die ohne selbe regieren, sollennichtKönige sein? Steht bei dem Befehle: „Gehorchet der Obrig-keit, denn sie ist von Gott," etwa auch der Beisatz: „Wenn siedurch den feierlichen Act der Krönung durch Geistlichkeit, Adelund Volk zum Besitze ihrer vollen Macht gelangt ist?"
Im Folgenden spricht Rainold von den spanischen Königen,und wie es übcrmüthige Vasallen und gewaltsüchtige Bischöfeim 8ten Jahrhundert mit den reZulis von Spanien gehalten,wie sie dieselben behandelt hatten;^) das soll nun als Normfür die Könige des scchszehnten und siebenzehnten Jahrhundertsgelten. Wahrhaftig, was würde der Jesuit sagen, wenn auchdie königliche Gewalt in allen Ländern ihre glänzenden Zeitenzu Normalzuständen machen, und z. B. die deutschen Kaiser sichdem Papste gegenüber in die Stellung zurückversetzen wollten,worin sie unter den Ottonen und Heinrich III. standen? Abersolche Reflexionen fallen dem scharfsinnigen Vater nicht ein; ertrabt seinen Weg fort, ohne rechts noch links zu sehen. „Auch diespanischen Könige, sagt er, haben ihre Beschränkungen, und dieGeschichtschreiber haben richtig bemerkt, daß wohl groß sei derGehorsam der Unterthancn gegen ihren König, aber doch so, daßder König seinerseits die uralten Gesetze und Privilegien derNation treu halte; denn sonst wird er nicht lange in Ruhe re-gieren. Spanien ist gerade deßwegen das stärkste und größteReich, weil der König an die Reichsgesetze gebunden ist undnach ihnen regieren muß."-°) Hat Rainold während der Regie-rung Philipp'sH., des größten Despoten, geschlafen?
„Darin, sagt er ferner, stimmen heutzutage alle christ-lichen Reiche überein, daß die Könige auf ihre Throne gehoben
2') 64—66. W) p. 66.