Druckschrift 
Die Moral und Politik der Jesuiten nach den Schriften der vorzüglichsten theologischen Autoren dieses Ordens
Entstehung
Seite
370
Einzelbild herunterladen
 

Z70

steht dieß dem Wolke zu. Denn, sagt Mariana, wasum des allgemeinen Besten willen durch die lieber«einstimmung Aller bestimmt worden ist, warumsolltedas nicht durch den nämlichen Willen des Volkeswieder abgeändert werden können? Dieß ist auch gewißdas Heilsamere. Oder sollten wir in einer so wichtigen SacheAller (der Menge) ungerecht gegen dieselbe entscheiden wollen,zumal da doch die Rechte der Herrschaft erblich geworden sind,mehr, weil das Volk es übersah und sich dem Willender Fürsten nicht zu widcrsetzen wagte, alsdurchaus-gesprochenen Willen und die freie Einstimmung Al>ler, die doch wohl dabei erforderlich schien." ")

Im folgenden Kapitel geht Mariana noch näher auf seinenSatz von der Volkssouverainität ein und spricht sich immer offe-ner aus. Er charakterisirt einen guten König unter andern durchfolgende Züge: Ein solcher übt die Gewalt, welche er vomVolke bekommen hat, mit besonderer Mäßigung, und istKeinem beschwerlich und lästig, als den Schlechten und Tauge-nichtsen. Er herrscht über seine Unterthanen nicht wie überKnechte, sondern steht ihnen vor als Freund; und da er seineGewalt vom Volke erhalten hat, so sorgt er vorzüglich,daß er sein ganzes Leben hindurch nach dessen Willen herrsche,und daß er das Wohlwollen seiner Unterthanen, besonders derGuten, und deren Lob ärndte, indem er sich durch gute Künstepopulär zu machen sucht. ") Er wird den Unterthanen keinegroße und ungewöhnliche Abgaben auflegcn, und sollte Unglückoder Krieg ihn dazu nöthigen, so wird er es nur mit ihrer Ein-willigung thun, welche dazu erfordert wird. Er wird sich nichtfür den Herrn des Staates und der Einzelnen halten, wie ihmSchmeichler einflüstern, sondern nur für einen Vorstand,der von den Bürgern besoldet wird. ") Das wäre alsoeine Civilliste. Einen Tyrannen bezeichnet er als einen solchen,der die höchste Gewalt, welche im Volke ruht, mit Gewaltan sich gerissen, oder die ihm durch's Volk übertragenegewaltsam ausübt. ")

IS) I>. 42. 43. Iv) p, 44. 45. >7) l>. 46. IS) I>. 48.