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Ablässe zu profüiren. Alle hatten alljährlich einen oder mehrerevollkommene Ablässe, und ihre Kassen, und das war die Haupt-sache, standen sich wohl dabei. Wahrlich, als Luther dieSache zur Sprache brachte und sich gegen den Ablaß erhob:welcher Vernünftige konnte sich weigern, auf seine Seite fürdie Sache der Vernunft und Religion zu treten; wer konntenoch an Rom hängen, von wo der Gräuel ausgegangen war,welches ihn frisch übte und den verübten in Schutz nahm?Aber in Rom hatte man alle Schaam und Vernunft verloren;man glaubte in thörichtem Stolze und in sinnloser Verblendung,Verbote, Bullen und Bannflüche könnten den Zorn einer Weltbeschwichtigen. Daher der Abfall der einen Hälfte Europa's vonRom, dessen Ucbermuth vor dem Falle kam.
Die Idee, daß auch die Seelen im Fegfcuer von den ge-wonnenen Ablässen prositiren können, harret noch ihres Bewei-ses, der wohl etwas schwer zu liefern sein möchte. Denn keinMensch, der auch im Stande der Gnade einen Ablaß gewinnt,kann übergenug Gutes und Verdienstliches zur Abbüßung dereigenen verdienten Sündenstrafcn thun, weil jede schwereSünde eine unendliche Beleidigung Gottes ist und daher eineStrafe verdient, die nicht des Menschen schwache Kraft, sondernnur Gottes Erbarmen, das auch die Schuld von uns nimmt,tilgen kann. Es möchte also wohl sehr wenige Menschen geben,die einen Ablaß für die armen Seelen im Fegfcuer zur Dispo-sition hätten. Es möchte also mißlich und für die Sittlichkeiteben nicht ersprießlich sein, sich und Andere auf die überschüssi-gen Ablässe der Gläubigen zu verweisen. Hier von der schönenIdee der Menschenliebe zu sprechen, die auch der Abgeschiedenengedenkt und ihnen einen Theil unserer guten Werke und Ver-dienste zuwcndet, wird nicht über leeres Gerede hinausgehen, daja Jeder mit Furcht und Zittern sein eigenes Heil wirken soll,und cs vermessen scheint, sich in einem Zustande der Gnade zudenken, wo man über alle Sündenstrafen erhoben ist und dasVerdienst guter Handlungen Andern zuwendcn kann. Wir kön-nen ja sonst in unserem Gebete der Abgeschiedenen fromm ge-denken und für ihre Erlösung zum gütigen Vater flehen, ohneihm zuzumuthen, daß er mit uns gerade rechnen und den Restdes Guten ihnen zuwendcn solle; und die Kirche kann ihnen ja
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