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Die Moral und Politik der Jesuiten nach den Schriften der vorzüglichsten theologischen Autoren dieses Ordens
Entstehung
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318
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F ü n ft e s Kap i t e l.

Nom Ablasse.

Der Ablaß ist eine von denjenigen Einrichtungen der römi-schen Hierarchie, die zum Wohle der Kirche besser nie wäre auf-gekommen , weil sich die traurigsten Erinnerungen derselben daranknüpfen. Denn der Ablaß, zu einer schmählichen Wucheranstaltherabgewürdigt, wodurch dem Wolke die Beutel geleert unddie Gewissen zerrüttet wurden, erweckte Luther, der das ohnehinschon morsche Gebäude der Hierarchie angriff und einen großenLheil desselben zu Boden riß.

Was der Ablaß eigentlich sei, das wissen die katholischenChristen selbst noch nicht; denn das Concil von Trient hat nichtfür gut befunden zu bestimmen, was Ablaß sei, sondern nurerklärt, daß er nützlich sei, und daß die Kirche, namentlich derPapst, Gewalt habe, Ablässe zu erthcilen. Bei dieser Unent-schiedenheit der Sache haben sich zwei Ansichten gebildet, dieeine, daß der Ablaß die Erlassung der früher so strengen cano-nischen Kirchcnstrafen — und diese Ansicht ist vernünftig —die andere, daß er der Ablaß der Sündcnstrafen sei, womitGott auch die Reuigen in diesem und jenem Leben noch züchtige.Nach dieser letzten Ansicht hat der Ablaß vorzüglich das Feg-fcuer als den Ort seiner Wirksamkeit angewiesen erhalten.

Die letzte Ansicht hat sich in der Kirche ohne kirchliche Auc-torität gebildet und enthält des Unzulässigen Vieles in' Theorieund Praxis. Die Kirche, so will diese Ansicht, die uns Es-cobar darlcgt, hat einen großen Schatz von Verdiensten, wor-über sie, nämlich der Papst als Oberhaupt der Kirche, zumFrommen der Gläubigen verfügen kann. Dieser Schatz bestehtaus den guten Werken, welche Christus, die heilige Jung-frau und die Heiligen verrichtet haben. Da nun die beidenersten gar nicht gesündigt, die Heiligen aber viel mehr Gutesgethan haben, als zur Erwirkung ihres eigenen Heiles nöthigwar, so kommt der Uebcrschuß ihrer Verdienste und das ganzeVerdienst Christi und seiner Mutter allen Gläubigen zu Gute.