ernster Selbstprüfung veranlaßt, den zerrütteten Zustand seinerSeele kennen lerne, daß er in sich gehe, seine Sündhaftigkeitanerkenne und in Zerknirschung und Neue sich zum Allbarm-hcrzigen um Vergebung wende, um den Allgerechten zu versöh-nen, daß der Priester den Reuigen losspreche von seiner Schuld,und er nun, neu geboren durch die Gnade des Sacramentes,gcdcmüthigt durch das Gefühl seiner Schwäche, mit erneuterLiebe zur Tugend, mit erneutem Abscheu vor dem Laster denPfad des Guten wandele, und die Vorsätze, die er in der ern-sten Stunde des tiefen Gefühls seines Seclenwehes, seiner Zer-knirschung gemacht hat, getreu halte. Das ist der Zweck desSacramentes und die Kirche hat, damit er für den Sünderum so leichter erreicht werden könne, ihm den Beichtvater alsSeclenführer beigegeben, damit er mahne, warne, belehre, zu-rückhalte, antrcibe, aufrichte und befestige.
Das sollte die Beichte nach der Absicht der Kirche sein.Und was haben die Casuistcn aus selber gemacht? Eine An-stalt, den lieben Gott und sein Sacrament zu betrügen, dieKirche zum Besten zu haben, eine Anstalt der Lüge und Heuche-lei, des Selbstbetruges und der Verstockung im Bösen. DenBeichtvater, der als Richter und Mahner dasitzt, der führen undsesshaften soll auf der Bahn des Guten, haben sie zum Scelen-verräthcr und Verführer, das Sacrament, welches die Sündetilgen und die Seele vom Tode retten sollte, zum tödtlichstenGifte gemacht. Und das haben sie gethan ganz planmäßig undsystematisch, mit sichtbarem Wohlbehagen an dem anzurichtendenScelenverdcrbcn.
Wahrlich, die Lehre vom Bußsacramente allein sollte diekatholische Kirche zur geschworenen Feindin jenes Ordens machen,der das Gezücht der Casuistcn in seiner Mitte wuchern ließ undin Schutz nahm. Denn diese Lehre hat die edelsten und heil,samsten Zwecke der Kirche vernichtet und von Neuem die ganzeMoral an heiliger Stätte, im Beichtstühle verderbt. Gegen dieschrecklichen Wirkungen solcher Lehre half kein Christcnthum, keineKirche. Die Zeiten haben cs gelehrt. Die Casuistcn haben derKirche die härtesten Schläge versetzt.
Der Abschnitt vom Bcichtsacramente wird wohl der bedeu-tendste unseres Buches werden; einmal, weil die Casuistcn das-