sie bewiesen, daß das, was nach der Lehre des Christentbumsund der Kirche und nach dem Gewissen der Menschen für Sündegalt, gar keine Sünde sei; dadurch, daß sie zeigten, wie mandas Böse thun könnte, ohne das Gewissen zu verwunden undGott zu beleidigen; dadurch, daß sie den göttlichen und kirch-lichen Geboten ganz unvermerkt Inhalt und Stoff entwendeten.Diesen Weg haben wir bisher in den vorhergehenden Abhand-lungen hinreichend kennen gelernt. Aber er genügte noch nichtvollständig; denn trotz aller Bemühungen konnte es ihnen nichtgelingen, die Sünde ganz und gar von den Menschen hinweg-zunehmen; es blieben immer viele übrig, die man für nichtsAnderes, als für Sünden erklären konnte, und gegen welche nachder Lehre der Kirche die Beichte das einzige Mittel blieb. Siefanden daher den zweiten Weg auf, der Buße jener Sünden,dem beschwerlichen Werke der Zerknirschung und innern Bes-serung und der dadurch bedingten Besserung des Lebens auszu-weichen, indem sie die Beichte ebenso leicht und angenehm mach-ten, als sie bisher beschwerlich und unangenehm gewesen war.Und das ist ihnen über die Maßen trefflich gelungen; und diefrommen Water haben sich herzlich ihres Meisterwerkes gefreut,wenn auch Religion und Sittlichkeit darüber zu Grunde gingen.Daher konnten sie denn mit Recht rühmen: „Durch diese un-sere fromme und religiöse Schlauheit, durch dieses Streben, dieMenschen fromm zu machen (denn mit der Absolution war jadie geistige Wiedergeburt, die Rückkehr zur Gottseligkeit fertig),werden Frevel nun schneller gereinigt und gesühnt, als sie be-gangen werden, und die meisten Menschen beflecken sich kaumschneller mit der Sünde, als wir sie wieder rein waschen."Eben daher, weil sie so geschickte Scelcnä'rzte waren, wurdenihre Beichtstühle nie leer, und sie konnten in Wahrheit rüh-mend von sich sagen: Die Büßenden laufen uns fast dieThüren ein.
Nach der Lehre der katholischen Kirche hat der Erlöser dasSacramcnt der Buße eingesetzt, daß der Sünder dadurch, zu
2L) ImiiFo primi Lseculi 1^. III. Ol-. 1. p. 40t. Bgl. I,. I. c. 2.l- III. c. 3. Dieses Buch ist die schaamloseste Lobhudelei des Ordens, vonihm selbst verfasset. LZ) Ibicl. 4>. III. c. 8l. lloenitciitium numcro paeneodrulmur.