Druckschrift 
Die Moral und Politik der Jesuiten nach den Schriften der vorzüglichsten theologischen Autoren dieses Ordens
Entstehung
Seite
251
Einzelbild herunterladen
 

251

Natur treibt, menschliches und göttliches Recht mit Füßen zutreten, verfällt der strafenden Gerechtigkeit, nach göttlichem Ge-bote. Ihn dem richtenden Gesetze entziehen, ist Sünde,zweifache, gegen das menschliche Geschlecht, das der fernerenBosheit des Bösen ausgesetzt bleibt, den die Hoffnung des Asylsnoch mehr zum Verbrechen reizt; dann gegen Gott, dessen Ge-rechtigkeit Strafe des Frevlers fordert, dessen Weisheit den Rich-tern die Gewalt, Strafe zu üben, verliehen hat. Endlich sinddie Asyle eine Verletzung der Staatsrechte, denen es offenbar ob-liegt, der Gesellschaft Sicherheit gegen menschliche Bosheit zuverschaffen.

Wer eine Geschichte der Asyle schriebe, würde leicht heraus-bringen, daß sie vielmehr wirklichen groben Verbrechern, als solchen,die aus Schwäche oder in unbewachten Momenten zu strafwür-digen Handlungen verleitet waren, Straflosigkeit gaben. Noch ver-kehrter aber ist es, die Entstehung der Asyle aus der milden,christlichen Gesinnung der Hierarchie (vulZo Kirche) herzuleiten.Wir möchten sie kühn für eine Chicane gegen den Staat undseine Gesetze und Rechte, und für unbefugte geistliche Macht-habern halten. Und dieser Ansicht fehlen schlagende Gründenicht. In keiner Kirche haben Ketzer Asyle gefunden; die In-quisition und was sonst den geistlichen Arm vertrat (nicht seltenLanze, Schwcrdt zügelloser Kreuzhorden, die schlechter waren,als die Ketzer, zu deren Erwürgung sie geschickt waren) riß dieUnglücklichen von denAltärcn und überantwortete sie demSchwerdte,Galgen und Scheiterhaufen, und erklärte mit heidnischer Bar-barei Alles für infam, was den Armen angehörte. Da hat dieHierarchie gesagt zu ihrer Vertheidigung, daß andere Verbrechernur menschlich sündigten, nur gegen die Menschheit frevelten,die Ketzer aber gegen Gott. Aber warum überließ sie dann demEwigen die Rache und Strafe nicht, und woher war ihr Be-rus, Gottes Scharfrichter zu sein? Aber die Sache erklärt sich.Die Verbrechen gegen die menschlichen Gesetze trafen bloß dieunheilige Gesellschaft der Laien; Ketzerei aber verwundete denheiligen Stand der Geistlichen, untergrub ihr infallibelcs An-sehen und griff ihnen nicht selten an die höchsten Güter ihresLebens.